F. W. H. Alexander von Humboldt (1769-1859) war sogenannter Forschungsreisender. Nach ihm und seinem Bruder ist das Berliner Humboldt-Forum benannt (das meistbesuchte Museum Deutschlands), in dem sich Sammlungen von Kunst- und Kulturgegenständen aus aller Welt befinden, die oft eine koloniale Raubgeschichte haben.
Thema der Zitate: Freiwilligendienste
Endlich nach der Schule einmal rauskommen und ein Auslandsjahr machen, ein Praxissemester, einfach eine Reise in den Globalen Süden! Oder die Möglichkeit ergreifen, ein Jahr lang in den Globalen Norden zu reisen und Menschen in Deutschland kennenzulernen… Die Menschheitsgeschichte ist geprägt von kleinen und großen, kurzen und dauerhaften Reisen und Migrationsbewegungen. In diesem Zeitstrahl beschäftigen wir uns mit dem (meist) zeitlich begrenzten Aufenthalt von Menschen aus dem Globalen Norden im Globalen Süden und umgekehrt. Ob mit weltwärts, dem ASA-Programm, einer Medizin-Famulatur oder anderen Organisationsstrukturen, diese Reisen finden nicht in einem Vakuum statt.
Wir gehen folgenden Fragen nach:
*Welche Gründe hatten Reisende aus dem Globalen Norden historisch, um in den Globalen Süden zu reisen und umgekehrt?
*Wie wurden diese Reisenden im Globalen Süden wahrgenommen?
*Welche Geschichte(n), Konzepte, Diskurse und Denkweisen spielen eine Rolle?
*Inwiefern unterscheiden sich Freiwiligendienste im Globalen Süden von Freiwilligendiensten im Globalen Norden?
*Was bedeutet Weißsein, Schwarz- oder BIPoCsein für Freiwillige in unterschiedlichen Kontexten?
*Ist ein Freiwilligendienst für Nord-Freiwillige eine Möglickeit, Privilegien zu verlernen?
Der Zeitstrahl bietet eine Reflexionsgrundlage primär für Nord-Freiwillige, individuell oder für Gruppen. Er basiert auf unserer glokal-Publikation „Mit kolonialen Grüßen …“ und wurde erarbeitet als Kooperationsprojekt von ISD-Bund e.V. und glokal e.V. mit Finanzierung aus dem LEZ Kleinprojektefund 2026. Bei Fragen oder Rückmeldungen schreibt uns gerne unter info@glokal.org
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„Sache des Reisenden, welcher in der Nähe gesehen, was die menschliche Natur quält und herabsetzt, ist es, des Unglücks Klagen zur Kenntnis jener zu bringen, welche zu helfen vermögen.“
Richtig!
„Sache des Reisenden, welcher in der Nähe gesehen, was die menschliche Natur quält und herabsetzt, ist es, des Unglücks Klagen zur Kenntnis jener zu bringen, welche zu helfen vermögen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Zitat: Alexander von Humboldt, Ansichten der Natur – mit wissenschaftlichen Erläuterungen, in: Gesammelte Werke, Band 6, Cotta 1889, S. 67 (Erstausgabe 1808)
Bild: Wikimedia
Kontext:
Ab dem 15. Jahrhundert waren Reisen vom Globalen Norden in den Globalen Süden eng verbunden mit der Gewaltgeschichte des europäischen Kolonialismus. Im 17. und 18. Jahrhundert fuhren Forschungsreisende wie Alexander von Humboldt in die Amerikas, nach Afrika, Asien und Australien. Aus Humboldts Zitat wird deutlich, dass er es für die Pflicht der Reisenden hält, als „Stimme der Unterdrückten zu agieren“ und auf die Mächtigen einzuwirken. Allerdings waren Foschungsreisen meist verknüpft mit den Interessen von Regierungen, Königshäusern oder Kaufleuten, die diese Reisen finanzierten und somit mit den Strukturen des europäischen Kolonialismus. In diesem Zusammenhang ist es fraglich, wie unabhängig dieses „Sprechen für andere“ sein konnte.
Der jamaikanisch-britische Sozialwissenschaftler Stuart Hall spricht in diesem Zusammenhang davon, dass die:der Reisende oft meint alles zu sehen, „erkennt aber weniger deutlich, daß sie:er selbst etwas ist, das ihren:seinen Blick auf die Welt richtet“ (Hall 1994: 45). Der Theoretiker und viele postkolonialen Mitstreiter:innen setzen sich kritisch mit Fragen der Repräsentation (Wer spricht für wen?) auseinander und verortet alle Stimmen in einem Machtsystem, in dem die Sprecher:innen unterschiedlich `laute ́ Stimmen haben.
Was verbindest du mit Reisen vom Globalen Norden in den Globalen Süden?
Zum Weiterlesen:
*PODCAST: Carolin Heißenberg et al. (2022): Die Restitutionsdebatte am Beispiel des Humboldt Forums. Studierendenpodcast. Uni Paderborn.
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„Ich denke seit sechs Jahren über den Zustand der europäischen Gesellschaft nach und finde das Handeln der Menschen dort noch immer in allen Bereichen unmenschlich. Ich bin der Überzeugung, dass sich dies auch nicht ändern wird, solange ihr an eurer Unterscheidung zwischen „mein“ und „dein“ festhaltet. Ich versichere, dass das, was ihr Geld nennt, der Teufel der Teufel ist …“
Richtig!
„Ich denke seit sechs Jahren über den Zustand der europäischen Gesellschaft nach und finde das Handeln der Menschen dort noch immer in allen Bereichen unmenschlich. Ich bin der Überzeugung, dass sich dies auch nicht ändern wird, solange ihr an eurer Unterscheidung zwischen „mein“ und „dein“ festhaltet. Ich versichere, dass das, was ihr Geld nennt, der Teufel der Teufel ist …“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Kondiaronk (1649-1701) war Philosoph und Politiker und gehörte den Wendat an, einer indigenen Gruppe im Norden der Amerikas.
Quelle:
Zitat: David Graber & David Wengrow 2024: Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit. Stuttgart: Klett-Cotta, S. 70f. (Die Jahreszahl 1703 bezieht sich auf die Veröffentlichung der Publikation von Baron de Lahontan, der Kondiaronk zitiert).
Bild: Wikimedia
Kontext:
Die Ankunft von weißen Europäer:innen und die darauf folgende koloniale Besatzung bedeutete für Menschen in Nord- und Südamerika einen radikalen Einschnitt. Beispielsweise verringerte sich die Bevölkerung in den ersten Jahren der Kolonisierung der Amerikas in einigen Gegenden um 95%: durch eingeschleppte Krankheiten und Mord (Federici 2014: 103f.). Die Gewalt traf auf Widerstand (glokal 2024). Schriftlich überliefert ist besonders die Kritik aus den Amerikas (wie von Kondiaronk).
Diese umfasst sowohl eine Analyse des europäischen Wirtschaftssystems: die Gier nach Land und Gold (vgl. Tȟatȟáŋka Íyotake/Sitting Bull 1875) als auch die Kritik an Gewalt zwischenmenschlicher Beziehungen, sowohl innerhalb der Siedlerfamilien als auch Gewalt gegen die indigenen Bevölkerungen (vgl. Wahunsenacawh/Chief Powhatan 1607).
Einige Wissenschaftler:innen vermuten, dass die europäische Aufklärung ihre Inspiration von dieser indigenen Kritik erhalten habe (Graeber & Wengrow 2024: 74ff.). Diese Kritik lebt auch heute in vielen sozialen, kapitalismuskritischen Bewegungen fort (siehe hierzu unseren Zeitstrahl zu Kapitalismus).
Gab oder gibt es in deinem Land bzw. Partnerland im Globalen Süden soziale Bewegungen, die europäischen Kolonialismus kritisier(t)en? Was genau beweg(t)e diese Menschen?
Zum Weiterlesen:
OK
„Lieber Ezenge Robincrusoe, nimm meine Grüße und Glückwünsche entgegen: Du hast es nach Deutschland geschafft. (…) Ich weiß, dass du vielleicht erschöpft bist, denn es war ein langes Jahr, und du hast so viel durchstanden. (…) So viel von dieser Zeit in deinem Leben ist der Selbstfindung gewidmet und dem Lernen durch Versuch und Irrtum.“
Richtig!
„Lieber Ezenge Robincrusoe, nimm meine Grüße und Glückwünsche entgegen: Du hast es nach Deutschland geschafft. (…) Ich weiß, dass du vielleicht erschöpft bist, denn es war ein langes Jahr, und du hast so viel durchstanden. (…) So viel von dieser Zeit in deinem Leben ist der Selbstfindung gewidmet und dem Lernen durch Versuch und Irrtum.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Ezenge Robincrusoe, ist ein kamerunischer Student, der 2019-2021 als Freiwilliger in Berlin verbracht hat.
Quelle:
Zitat: Aus einem Brief von Ezenge Robincrusoe an sich selbst zu Beginn des Freiwilligenjahres aus dem Film „I am fine, but …“
Bild: Redgreenfilms
Kontext:
In dem Zitat aus dem Dokumentarfilm „I am fine, but …“ thematisiert ein Freiwilliger aus Kamerun in Berlin die Herausforderungen, denen Menschen aus dem Globalen Süden im Globalen Norden begegnen.
Einige Probleme ähneln den von Nord-Freiwilligen im Globalen Süden (Abwesenheit der Familie, unbekanntes Essen). Aber die Grundvoraussetzung ist eine andere. Die Anwesenheit von Menschen aus dem Globalen Süden in Deutschland hat eine gewaltvolle Geschichte. Und dieser historische Rahmen hat immer noch Auswirkungen auf die Lebensrealität von Süd-Freiwilligen heute: Christoph Kolumbus, der in die Amerikas reiste, versprach den spanischen König:innen, so viele „Sklaven, wie sie nachfragen“ aus den Amerikas nach Europa zu verschleppen (Kolumbus 1493: 6). In den darauf folgenden Jahrhunderten wurden mehr als 12 Millionen Afrikaner:innen versklavt und in die Amerikas entführt (Ronald Segal 1995: 4). Aus den Kolonien des Deutschen Reiches wurden Menschen für sogenannte Völkerschauen nach Europa gebracht. Der Rassismus, der dieser Ausbeutung zugrunde lag und die Strukturen, die auf dieser Basis geschaffen wurden, beeinflussen immer noch das Leben von Freiwilligen aus dem Globalen Süden in Deutschland.
Was verbindest du mit Reisen vom Globalen Süden in den Globalen Norden?
Zum Weiterlesen:
**Mehr Informationen und Trailer zum Film unter RedGreenFilms
OK
Mit welchen Problemen wird man denn konfrontiert? „Nun ja“, antwortet Jakob, „mit fast allem, was man sich vorstellen kann im ärmsten Land der Welt. Aber es gibt nichts, wofür es nicht eine Lösung gäbe.“
Richtig!
Mit welchen Problemen wird man denn konfrontiert? „Nun ja“, antwortet Jakob, „mit fast allem, was man sich vorstellen kann im ärmsten Land der Welt. Aber es gibt nichts, wofür es nicht eine Lösung gäbe.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Das Zitat stammt von einem weißen deutschen weltwärts-Freiwilligen. Weltwärts ist das 2008 ins Leben gerufene entwicklungspolitische Freiwilligenprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ.
Quelle:
Zitat: *Kristina Kontzi (2015): Postkoloniale Perspektiven auf „weltwärts“. Ein Freiwilligendienst in weltbürgerlicher Absicht. Baden-Baden: Nomos, S. 105
Bild: glokal (2013): „Mit kolonialen Grüßen …“ Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. Berlin: Eigenverlag, S. 23
Kontext:
Die:der Reisende aus dem Norden in den Globalen Süden wird oft mit Herausforderungen konfrontiert, die sie:er zuvor nur aus Medienberichten, Schulbüchern oder Erzählungen von Familienmitgliedern und Freund:innen kennt. Es kann einerseits zu einer Überwältigung kommen, andererseits zu einer Haltung als omnipotente Problemlöser:in, die auch aus dem Zitat spricht. Diese Haltung ist beeinflusst von gesellschaftlicher Macht, die sich aus der Geschichte der Eroberung gebildet hat. Europäer:innen hatten durch das koloniale System die Macht, in den kolonisierten Gesellschaften ihre Problemlösungen durchzusetzen. Nach Stuart Hall setzte sich diese „Tendenz, europäische Kategorien und Normen aufzuzwingen“ nach dem Ende der Befreiung von Kolonisierung fort (Hall 1994: 166). Diese Macht, in Gesellschaften im Globalen Süden einzugreifen, schreibt sich in der Entwicklungszusammenarbeit fort (BER 2007: Von Trommlern und Helfern).
Welche Ansprüche hast du an dich in deinem Freiwilligendienst? Was möchtest du lernen?
Zum Weiterlesen:
*Daniel Bendix, Chandra-Milena Danielzik et al. (2024): Episodes from a Colonial Present. Comic. Daraja Press.
OK
“Ohne uns, ohne unsere Intervention würden diese indigenen Bevölkerungen immer noch Elend und Gemeinheit, Epidemien, massiven einheimische Krankheiten überlassen sein und Hungersnöte würden sie immer noch ihre Reihen lichten; gemeine Könige und korrupte “chiefs” würden sie immer noch nach bösartigen Launen opfern … and sie würden zugrunde gehen im Elend inmitten von unausgenutztem Reichtum.”
Richtig!
“Ohne uns, ohne unsere Intervention würden diese indigenen Bevölkerungen immer noch Elend und Gemeinheit, Epidemien, massiven einheimische Krankheiten überlassen sein und Hungersnöte würden sie immer noch ihre Reihen lichten; gemeine Könige und korrupte “chiefs” würden sie immer noch nach bösartigen Launen opfern … and sie würden zugrunde gehen im Elend inmitten von unausgenutztem Reichtum.”
Jahr:
Autor*inneninfo:

Albert Sarrout war französischer Kolonialbeamter. Das Bild zeigt nicht ihn, sondern einen anonymen französischen Kolonialbeamten. Die Jahreszahl 1893 wurde von David Spurr nicht konkret angegeben und wurde von uns geschätzt.
Quelle:
Zitat: Spurr, David 1993: “The Rhetoric of Empire. Colonial Discourse in Journalism, Travel Writing and Imperial Administration.” Duke University Press. Durham/ London. S. 77
Bild: Wikimedia
Kontext:
Aus dem Zitat spricht der koloniale Blick des europäischen Beamten: die dem weißen Mann auferlegte zivilisatorische Mission. Der Kinderbuchautor des Dschungelbuchs Rudyard Kipling hatte dies 1899 als „white mans burden“ bezeichnet. Diese „Last“ (burden) wurde von Europäer:innen ausgenutzt, um gewalttätige Unterwerfung und kapitalistische Ausbeutung zu rechtfertigen. Die Konzentration auf und die ständige Wiederholung von scheinbaren Mängeln und Defiziten (aus Perspektive von Europäer:innen!) erschafft die Abwertung der „Anderen“ als nicht-zivilisiert.
Zwei Punkte sind dabei zentral: (1) die eurozentristische Perspektive darauf, was sogenannte Zivilisation zu sein hat und (2) die Reduktion der Kolonisierten auf Defizite.
Auch in gegenwärtigen Beschreibungen von Nord-Freiwilligen im Globalen Süden tauchen oft noch dies auf Defizite fokussierten Perspektiven auf (glokal 2013: 30ff.).
Wie beschreibe ich die Lebensumstände in dem Land, in dem ich mich für meinen Freiwilligendienst aufhalte?
Zum Weiterlesen:
*Kristina Kontzi 2015: Postkoloniale Perspektiven auf „weltwärts“. Ein Freiwilligendienst in weltbürgerlicher Absicht. Baden-Baden: Nomos.
OK
„Mein innerer Kompass, der durch meine Sozialisation in Deutschland als Person of Color ausgerichtet wurde, braucht nun neue Koordinaten, damit ich mich verorten kann … und darüber dann wohl oder übel Andere verorten werde.“
Richtig!
„Mein innerer Kompass, der durch meine Sozialisation in Deutschland als Person of Color ausgerichtet wurde, braucht nun neue Koordinaten, damit ich mich verorten kann … und darüber dann wohl oder übel Andere verorten werde.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Chandra-Milena Danielzik (geb. 1981) ist Politikwissenschaftlerin und glokal-Mitglied.
Quelle:
Zitat: glokal 2013: 18
Bild: glokal 2013: 19
Kontext:
Das Aufwachsen als BIPoC im Globalen Norden konfrontiert Menschen mit den ideologisch Folgen des Kolonialismus: mit Rassismus. Wenn BIPoC dann in den Globalen Süden reisen und als Menschen aus dem Globalen Norden wahrgenommen werden, kann dies verwirrend und auch schmerzhaft sein. Rassismus in Deutschland am eigenen Leib zu spüren bedeutet aber nicht, dass BIPoC-Freiwillige im Globalen Kontext nicht andere Vorteile genießen: „Wenn wir z.B. in Europa aufgewachsen und sozialisiert sind, einen europäischen Pass und Mittel zum Reisen haben, sind wir zum einen durch „westliches“ (Überlegenheits-)Denken geprägt, zum anderen stehen uns dadurch bestimmte materielle und politische Ressourcen zur Verfügung“ (glokal 2013: 42).
Wie verortest du dich im Bezug auf Rassismus, Gender, Klasse etc. wenn du in Deutschland bist? Ändert sich diese Verortung, wenn du in einem Land des Globalen Südens bist?
Zum Weiterlesen:
*glokal (2013): „Mit kolonialen Grüßen …“ Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. Berlin: Eigenverlag.
OK
„Wie wärs, wenn sich anatomisch darthun ließe, (…) daß es nicht eingebildeter Stolz ist, der uns oft zu weit über die M*** erhebt, sondern (…) die auszeichnenden Organe des Verstandes …“
Richtig!
„Wie wärs, wenn sich anatomisch darthun ließe, (…) daß es nicht eingebildeter Stolz ist, der uns oft zu weit über die M*** erhebt, sondern (…) die auszeichnenden Organe des Verstandes …“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Samuel T. Soemmerring (1755-1830) war ein deutscher Arzt und Wissenschaftler.
Quelle:
Zitat: Samuel Thomas Soemmerring (1784): Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer, veröffentlicht in: German History Intersections.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Rassentheorien entstanden in der Hochzeit europäischer Kolonialexpansion und wurden während der Aufklärung als pseudowissenschaftliche Theorien verbreitet. Sie dienten zur Legitimation der Ausbeutung, Gewalt und Unterdrückung aller Nicht-Weißen.
Für Rassismus gibt es viele Definitionen. Wichtig ist: (1) Rassismus ist verbunden mit Kolonialismus, d.h. der Geschichte der gewaltsamen Eroberung von Land und der Unterdrückung und Vernichtung von Menschen in diesen Gebieten, (2) dem Rassismus zugrunde liegenden Konstrukt „Rasse“ und die “Ideologie der weißen Überlegenheit” dienten zur Rechtfertigung dieser Expansion und beeinflussen noch heute Denken und Handeln von Menschen (glokal 2013: 15ff.).
Vorurteile von Schwarzen gegenüber weißen Menschen werden nach dieser Definition nicht als Rassismus bezeichnet.
Oft beschreiben weiße Freiwillige Erlebnisse, in denen sie ausgeschlossen wurden als sogenannten umgekehrten Rassismus. Diese – möglicherweise erstmaligen – Ausschlusserfahrungen können ohne Frage schmerzhaft sein. Allerdings verkennt die Bezeichnung als Rassismus die jahrhundertealte gesellschaftliche Macht und Gewalt dieses Konzepts.
Wie definierst du Rassismus? Aus welcher Perspektive blickst du darauf?
Zum Weiterlesen:
*Sven Lindqvist (1992/2023): Rottet die Bestien aus! Eine Reise auf den Spuren des europäischen Völkermords. Berlin: Alexander Verlag.
*Raoul Peck (2021): Exterminate the brutes. Zusammenfassung und Interview auf Democracy Now!
OK
„Mehr als die Hälfte der Menschheit leben unter elenden Bedingungen. Ihr Essen ist unzu reichend. Sie sind Opfer von Krankheiten. Ihr wirtschaftliches Leben ist primitiv und stagnierend. Ihre Armut ist eine Behinderung und eine Bedrohung für beide, sie selbst und die wohlhabenderen Regionen. Das erste mal in der Geschichte besitzt die Menschheit das Wissen und das Können, um die leidenden Menschen zu erlösen.“
Richtig!
„Mehr als die Hälfte der Menschheit leben unter elenden Bedingungen. Ihr Essen ist unzu reichend. Sie sind Opfer von Krankheiten. Ihr wirtschaftliches Leben ist primitiv und stagnierend. Ihre Armut ist eine Behinderung und eine Bedrohung für beide, sie selbst und die wohlhabenderen Regionen. Das erste mal in der Geschichte besitzt die Menschheit das Wissen und das Können, um die leidenden Menschen zu erlösen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Harry S. Truman (1884-1972) war ein US-amerikanischer Politiker (Demokraten) und von 1945 bis 1953 Präsident der USA.
Quelle:
Zitat: Aus einer Rede Trumans, gehalten am 29.01.1949 im Capitol
Bild: Wikimedia
Kontext:
Diese Rede des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten wird oft als die Gründungsrede der Entwicklungszusammenarbeit verstanden. Truman benutzt hier Menschheit („humanity“) als Synonym für Bewohner:innen des Globalen Nordens, deren Aufgabe es sei, andere – die nicht zur Menschheit gehören?- zu „entwickeln“. Anders als bei Sömmering oder in Immanuel Kants `Entwicklungsstufen ́ wird Entwicklung hier nicht explizit rassistisch begründet.
Aber auch die neuen Strukturen verblieben in einer ähnlichen Denkstruktur. Der Maßstab für `Entwicklung ́ wurde immer noch vom Globalen Norden durch Normsetzung und Definitionsmacht vorgegeben. Eine grundsätzliche Hierarchisierung blieb bestehen, auch wenn sich die Legitimationsmuster ändern. Heute bekommen Ländern etwa die Markierung `unterentwickelt ́ oder `korrupt/ nicht funktionierende Staaten ́. Die sogenannten Entwicklungsländer in denen aufgrund dieser Markierung interveniert werden `darf ́, sind meist die ehemaligen Kolonien im Globalen Süden. Eigene Defizite in sogenannten entwickelten Ländern werden ausgeblendet. Aram Ziai argumentiert: Durch Entwicklung und an Entwicklung angedockte Denkweisen sollen immer weiterhin die Ausbeutung der wirtschaftlichen Ressourcen erzielt werden; sie hatte nicht primär die Verbesserung der Lebensumstände der Kolonisierten zum Ziel (Ziai 2004: 103).
Auch Freiwilligendienste wie weltwärts oder das ASA-Programm sind Teil von staatlicher Entwicklungszusammenarbeit und somit auch durch diese Denkweisen beeinflusst (glokal 2019).
Kennst du andere Ansätze und Ideen für gesellschaftliche Veränderungen als Entwicklung? Vielleicht sogar aus deinem Partnerland?
Zum Weiterlesen:
*Brückenwind: Change of Perspective 2: Voluntourism – Helping or Hurting? Podcast.
*glokal (2019): Ausstellung WirStimmen! Für widerständige Alternativen zum Entwicklungsmythos. Video.
OK
„du siehst/ mich hinter/ deiner pocket kamera/ erinnerungen aus ostafrika/ und das/ was du gelesen hast/ darüber/ bereit es auf mir abzuladen//“
Richtig!
„du siehst/ mich hinter/ deiner pocket kamera/ erinnerungen aus ostafrika/ und das/ was du gelesen hast/ darüber/ bereit es auf mir abzuladen//“
Jahr:
Autor*inneninfo:
May Ayim (1960-1996) war eine Schwarze deutsche Dichterin, Pädagogin und Aktivistin der jüngeren Schwarzen Bewegung und Mitbegründerin der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ISD.
Quelle:
Zitat: May Ayim (1995): schwarz weiss monolog, in: Blues in Schwarz-Weiss. Berlin: Orlanda Frauenverlag.
Bild: Wikimedia
Kontext:
In dem Gedicht spricht May Ayim darüber, wie sie als Schwarze Frau in Deutschland von weißen Menschen gesehen wird. Diese Exotisierung trifft sowohl Schwarze Menschen im Globalen Norden, als auch im Globalen Süden. Menschen werden zu sogenannten Anderen gemacht und objektiviert, also als Objekte gesehen. Wenn eine Person zum Objekt gemacht wird, dann tritt ihre Persönlichkeit und all das, was sie ausmacht in den Hintergrund der Betrachtung; was bleibt ist die Zuschreibung von außen, die nichts mit dem eigentlichen Menschen zu tun hat. Zum Objekt gemacht werden heißt also verallgemeinert, als Gruppe gedacht und dabei der eigenen Identität beraubt zu werden (glokal 2013: 16). Grada Kilomba drückt es so aus: „Das bin ich nicht. Aber dieser Diskurs macht mich dazu, diese Kette von Assoziationen und von Bildern. (…) Das Schwarze Subjekt wird zu dem, was das weiße Subjekt nicht sein möchte. So wird das Schwarze Subjekt als Projektionsfläche benutzt …“ (Kiesel und Philipp 2011: Minute 11:00 und 19:00ff.).
Wie beschreibst du Menschen deinem Herkunftsland (z.B. Deutschland)? Beschreibst du Menschen in deinem Partnerland anders? Wenn ja, warum?
Zum Weiterlesen:
*VIDEO: Timo Kiesel und Carolin Philipp 2011: white charity – Schwarzsein und Weißsein auf Plakaten von Spendenorganisationen. Dokumentarfilm. 48min.
OK
„Das Merkmal „weiß“ beeinflußt, wer sie sind und wie sie denken.“
Richtig!
„Das Merkmal „weiß“ beeinflußt, wer sie sind und wie sie denken.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
bell hooks (1952-2021) war eine Schwarze US-amerikanische Autorin und Wissenschaftlerin.
Quelle:
Zitat: hooks, bell (1994): Black Looks: Popkultur – Medien – Rassismus. Orlanda Frauenverlag. Berlin, S. 207
Bild: Void Network
Kontext:
Oft wird weißen Menschen erst klar, dass sie weiß sind, wenn sie sich unter nicht-weißen Menschen oder sich – zum Beispiel als Freiwillige – im Globalen Süden aufhalten. In dem Zitat macht bell hooks klar, dass weiße Menschen sich selbst oft nicht als Teil eines Kollektivs sehen mit ähnlichen Charakteristika, sondern als Individuen. Von nicht-weißen Menschen werden sie aber oft sehr wohl als Teil eines Kollektivs wahrgenommen. Denn sie stehen in der Tradition eines von kolonialer Macht, Rassismus und Dominanz strukturierten Weltsystems. Privilegien und Machtpositionen, die aufgrund von Weißsein zugeteilt werden, haben Einfluss auf viele Lebensbereiche und auch auf die Identitätsbildung weißer Personen: Weiße Menschen sind markiert durch Weißsein. Die weiße feministische Theoretikerin Peggy McIntosh entwickelte 1990 einen Fragebogen, um diese oft weißen Menschen nicht bewussten Privilegien deutlich zu machen. Oft löst die Konfrontation mit Privilegien Abwehrreaktionen aus, weil sich viele weiße Menschen nicht privilegiert fühlen.
Die Schwarze Literaturwissenschaftlerin Peggy Piesche kritisiert das häufige Selbstbild weißer Menschen: „«Ich bin aktiv, ich bin ein Individuum, ich bin ein moralisch integres Individuum. Ich bin handelnd und ich habe Entscheidungskompetenzen.» (…) Es geht nicht darum so in eine depressive Grundstimmung abzutauchen und zu sagen: «Mein Gott, ich komme aus diesem Weißsein nicht raus und wir sind ja wirklich so schäbig und schlimm.» Das ist es nicht worum es geht. Sondern wirklich sich zu überlegen, in welches System ist man eingeschrieben.“ (in Kiesel & Philipp 2011: Minute 29:00 und 42:00).
Inwiefern beeinflusst deine Positioniertheit als weiß oder BIPoC deinen Alltag als Freiwillige im Partnerland?
Zum Weiterlesen:
*Robin DiAngelo (2018): White Fragility: Why It’s So Hard for White People to Talk About Racism. Boston: Beacon Press.
OK
„Unsere Niederlage war immer enthalten im Sieg der Fremden, unser Reichtum hat immer unsere Armut geschaffen, um das Gedeihen anderer zu erhalten.“
Richtig!
„Unsere Niederlage war immer enthalten im Sieg der Fremden, unser Reichtum hat immer unsere Armut geschaffen, um das Gedeihen anderer zu erhalten.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Eduardo Galeano (1940-2015) war uruguayischer Schriftsteller.
Quelle:
Zitat: Galeano, Eduardo (1971/1999): „Las venas abiertas de América Latina.“ La Habana: Casa de las Americas, S. 19
Bild: Wikimedia
Kontext:
Eduardo Galeano setzt Armut und Reichtum in Beziehung: Koloniale Ausbeutung, u.a. von Rohstoffreichtum, zielte auf die Bereicherung Europas. Auch heute noch wird Armut im Globalen Süden oft als abgekoppelt von Reichtum im Globalen Norden dargestellt. In der Entwicklungszusammenarbeit wird beispielsweise oft über Armutsbekämpfung, aber nicht über die Ursachen und Begrenzung von Reichtum gesprochen. Während die Zahl der armen Menschen in den letzten Jahrzehnten nicht spürbar weniger wird, gab es noch nie so große Vermögen wie heute. Die 12 reichsten Menschen der Erde haben soviel Geld wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung: 3,77 Milliarden Menschen (Oxfam 2026: 9).
Auf der anderen Seite wird Armut im Zusammenhang von Freiwilligendiensten auch oft romantisiert (Hall 1994: 159). Menschen werden in Berichten von Nord-Freiwilligen oft als arm, aber glücklich dargestellt (vgl. Kontzi 2015: 156ff.). „So werden globale Zusammenhänge, ungerechte Strukturen des Welthandels und kolonialzeitliche Ausbeutung ausgeblendet und es wird gleichzeitig nicht mitgedacht, dass einige Menschen – uns inbegriffen – davon profitieren“ (glokal 2013: 36).
Wie denkst du über die Ursachen und Zusammenhänge von Armut und Reichtum in deinem sogenannten Partnerland? Spielen historische oder aktuelle Machtverhältnisse dabei eine Rolle?
Zum Weiterlesen:
*glokal (2016): Das Märchen von der Augenhöhe. Warum diese Broschüre? Berlin.
*BER 2012: Von Trommlern und Helfern. Beiträge zu einer nicht-rassistischen entwicklungspolitischen Bildungs- und Projektarbeit, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER).
OK
„Kolonialpolitik zu treiben [sic!] kann unter Umständen eine Kulturtat sein; es kommt nur darauf an, wie die Kolonialpolitik betrieben wird (…) Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, (…) als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind.“
Richtig!
„Kolonialpolitik zu treiben [sic!] kann unter Umständen eine Kulturtat sein; es kommt nur darauf an, wie die Kolonialpolitik betrieben wird (…) Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, (…) als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
August Bebel (1840-1913) war ein deutscher, sozialistischer Politiker.
Quelle:
Zitat: Reichtstagsprotokoll vom 01.12.1906
Bild: Wikimedia
Kontext:
Solange die Kolonisierung im Namen der Verbreitung einer vermeintlich besseren „Kultur“ geführt wurde, stimmten ihr auch Sozialdemokraten wie August Bebel zu, die kolonialen Bestrebungen ansonsten eher kritisch gegenüberstanden. Heute wird das Eingreifen in andere Gesellschaften gerne mit Umweltschutz und auch mit dem Eintreten für Gleichberechtigung gerechtfertigt. Dabei wiederholt der Globale Norden die gleiche bevormundende Haltung, die die damaligen Kolonisator:innen auch hatten: Wir denken, wir wüssten, wie die Dinge laufen sollen, ohne uns dabei zu fragen, ob die Menschen, denen wir begegnen vielleicht ihre Gründe haben, anders zu handeln als wir es für richtig halten (glokal 2013: 43).
Im Bezug auf Kultur sind viele Denkweisen auch heute noch verbreitet und lässt sich auch in Berichten von Freiwilligen finden: Kultur im Globalen Süden wird oft als statisch und nicht veränderbar gesehen (siehe glokal Zeitstrahl zu Kultur).
Beobachte dich selbst: Wann ziehst du „die Kultur“ deines Partnerlandes als Erklärung heran?
Zum Weiterlesen:
*Carolin Philipp (2006): Weißsein in den Grundlagendokumenten von Misereor und Brot für die Welt. Magisterarbeit. Politikwissenschaft. Universität Potsdam.
OK
„Erst dann, wenn dieser Friedensstörer, der nun seit Jahren das Land in Unruhe und Aufregung versetzt und der viele Menschenleben auf dem Gewissen hat, beseitigt ist, läßt sich ein Aufblühen des Landes erhoffen.“
Richtig!
„Erst dann, wenn dieser Friedensstörer, der nun seit Jahren das Land in Unruhe und Aufregung versetzt und der viele Menschenleben auf dem Gewissen hat, beseitigt ist, läßt sich ein Aufblühen des Landes erhoffen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Rheinische Missionsgessellschaft (hier Missionsgebäude im heutigen Namibia) existierte von 1828 bis 1971 und war hauptsächlich im südlichen Afrika und während der deutschen Kolonialzeit in Neuguinea tätig.
Quelle:
Zitat: Paczensky, Gert von 1991: „Teurer Segen. Christliche Mission und Kolonialismus.” Albrecht Knaus. München. S. 265
Bild: Wikimedia
Kontext:
Das Zitat der Rheinischen Missionare bezieht sich auf den Namaführer Henrik Witbooi aus dem heutigen Namibia, dass 1885 bis 1915 unter deutscher Kolonialherrschaft stand. Die früher verfeindeten Nama und OvaHerero schlossen sich im Widerstand gegen die Kolonialmacht zusammen und „störten“ somit aus Sicht der Missionare den „kolonialen Frieden“. Das Deutsche Reich verübte 1904 bis 1908 den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts an den Ovaherero und Nama, bei dem ca. 70.000 Menschen ermordet wurden. Mission und Kolonialisierung waren seit jeher eng miteinander verwoben, auch wenn sie nicht immer die gleichen Interessen verfolgten. Aber die “Eroberung des Landes und Eroberung der Seelen” wurde dabei oftmals verwischt (Rottländer 1992: 75).
Allerdings eigneten sich auch viele Kolonisierte das Christentum an, interpretierten die Bibel aus einer anderen Perspektive und zogen sie als Grundlage zur Befreiung von europäischer Herrschaft heran (Jean Marie Teno 2004). Viele Freiwilligendienste im Globalen Süden und Norden werden mit Bezug zu religiösen Organisationen durchgeführt.
Welche religiöse, spirituelle oder politische Überzeugung hast du? Wie hat dich diese Überzeugung geprägt? Und wie ist sie in Machtverhältnisse verwoben?
Zum Weiterlesen:
*JeanMarie Teno 2004: “Gehet hin in alle Welt …” — Die deutsche Mission in Afrika.” Dokumentarfilm. 70 min. Frankreich/ Deutschland
*Jonas Berhe (taz, 11.11.2004): „Gehet hin in alle Welt – Die deutsche Mission in Afrika“ von Jean Marie Teno im Metropolis Die Kolonialisierten blicken zurück.
OK
„Ich möchte, dass die von mir als Freiwillige sagen: Boah, die hat geholfen, es hat keine Probleme gegeben. […] Sie war nicht irgendein Freiwilliger, sie war ein effektiver Nutzen, sie hat Verbesserungsvorschläge gemacht, einen konstruktiven Beitrag geleistet, damit sich was ändert, damit Arbeitsabläufe effektiver gestaltet werden können. Das spart Zeit und Geld.“
Richtig!
„Ich möchte, dass die von mir als Freiwillige sagen: Boah, die hat geholfen, es hat keine Probleme gegeben. […] Sie war nicht irgendein Freiwilliger, sie war ein effektiver Nutzen, sie hat Verbesserungsvorschläge gemacht, einen konstruktiven Beitrag geleistet, damit sich was ändert, damit Arbeitsabläufe effektiver gestaltet werden können. Das spart Zeit und Geld.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Das Zitat stammt von einer:m anonymisierten Nord-Freiwilligen und wurde im Rahmen einer Trägertagung 2010 thematisiert.
Quelle:
Zitat: Kristina Kontzi 2015: Postkoloniale Perspektiven auf „weltwärts“. Ein Freiwilligendienst in weltbürgerlicher Absicht. Baden-Baden: Nomos. S. 120
Bild: glokal (2013): *glokal 2013: „Mit kolonialen Grüßen …“ Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. Berlin: Eigenverlag. S. 6
Kontext:
Aus dem Zitat der Freiwilligen spricht die Vorstellung, in dem Partnerland etwas verändern zu wollen und auch tatsächlich etwas verändern zu können. Hinter solchem Veränderungsdrang steht oft die Vorstellung, dass die Gesellschaft im Globalen Süden unsere Hilfe braucht, um sich erfolgreich zu „entwickeln“. Häufig werden in Äußerungen von Nord-Freiwilligen die eigene und die Gesellschaft im Partnerland als Gegensätze dargestellt.
Der Globale Süden wird in Verbindung gebracht mit Charakteristika wie „traditionell, unveränderlich, passiv, empfangend, einfach, emotional, ursprünglich, ländlich, undiszipliniert“; der Globale Norden hingegen sei gleichbedeutend mit „modern, entwickelt, ständig im Wandel, aktiv, gebend, komplex, rational, fortschrittlich, städtisch, diszipliniert“ (glokal 2013: 16).
Außerdem wird mit dem Zitat deutlich, wie tief neoliberale Vorstellungen von Zeit, Geld und Effizienz verankert sind (vgl. hierzu den glokal-Zeitstrahl zu Arbeit).
Was sind für dich die Ziele deines Freiwilligendienstes?
Zum Weiterlesen:
*Timo Kiesel & Carolin Philipp(2011): „white charity. Schwarzsein und Weißsein auf Spendenplakaten.“ Dokumentarfilm.
OK
„Für mich stellen Freiwilligendienste einen Raum dar, in dem Wissen geteilt und etablierte Perspektiven sowie vorgefasste Ideen hinterfragt werden können. Es ist eine Plattform, die Menschen eigentlich dazu anregen sollte, demütiger zu werden – sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber. Doch (…) [e]s ist von Ungleichgewichten geprägt…“
Richtig!
„Für mich stellen Freiwilligendienste einen Raum dar, in dem Wissen geteilt und etablierte Perspektiven sowie vorgefasste Ideen hinterfragt werden können. Es ist eine Plattform, die Menschen eigentlich dazu anregen sollte, demütiger zu werden – sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber. Doch (…) [e]s ist von Ungleichgewichten geprägt…“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Dolly Afouma ist Wirtschaftshistorikerin aus Kamerun und promovierte an der Universität Marburg (Perpetuating Finance Imperialism). Sie ist pädagogische Assistentin für NRO im Freiwilligenbereich, bereitet Nord-Freiwillige vor und begleitet Süd-Freiwillige.
Quelle:
Zitat: Brückenwind (2026): Perspectives on voluntourism in different contexts – challenges and way forward, Minute 2:40
Bild: privat
Kontext:
Freiwillige aus dem Globalen Norden und Freiwillige aus dem Globalen Süden haben Gepäck, dass oft nicht leicht zu tragen ist.
Trotzdem bietet der Austausch auch die Möglichkeit, Menschen nahezukommen und aktive Solidarität zu leisten, wie das Zitat von Dolly Afouma deutlich macht. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass Nord-Freiwillige durch die Begegnung mit neuen Menschen auch Privilegien verlernen und auch für Süd-Freiwillige der Freiwilligendienst zu einer bereichernden Erfahrung wird.
Welche Fragen nimmst du mit? Notiere dein Fragen und Überlegungen während des Freiwilligendienstes!
Zum Weiterlesen:
*Studierendenseminar Uni Hildesheim (2020): Freiwilligendienste im Ausland: Eine Möglichkeit, Unlearning zu lernen? Podcast.
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