Interviewpartner:in Iman in einem Artikel von Alisha Qamar (2020). Alisha Qamar ist Medizinstudentin in Bochum und Aktivistin im Bereich Menschenrechte, u.a. bei „The ONE Campaign“.
Thema der Zitate: Medizin
Die Medizin ist mit Rassismus und Kolonialität historisch und gegenwärtig eng verbunden.
Im Zentrum des kolonialen Medizinwesen standen immer die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen der deutschen Kolonialmacht und der deutschen Kolonialbevölkerung auf Kosten der kolonisierten Bevölkerungen. Mediziner waren die wichtigste Intellektuellengruppen, die zu diesen Prozessen maßgeblich beitrugen. Diese proaktive Rolle nahmen sie nicht nur bei Forschung, Versorgung und den Bestrebungen zur Institutionalisierung der Tropenmedizin ein. Von wesentlicher Bedeutung ist ihr konstitutiver Beitrag zur Schaffung kolonial-rassistischer Verhältnisse und der ihr zugrunde liegenden rassistischen Ideologie, die sie mit kapitalistischem Denken ineinanderfügten.
Später diente der Globale Süden oft als Experimentierfeld für medizinische Forschung und bis heute haben BIPoC oft nicht den gleichen Zugang zu einer gleichwertigen Gesundheitsversorgung. Krankheiten, die im Globalen Süden verbreitet sind, werden nicht so stark erforscht. Auch werden Krankheitsbilder in erster Linie anhand weißer männlicher Körper gelehrt. Daneben werden im Rahmen einer Rassifizierung regelmäßig Bevölkerungsgruppen stigmatisiert und mit Erkrankungen assoziiert.
Auch In der Corona-Pandemie wurden globale Ungleichheiten wieder verstärkt deutlich.
Im Zeitstrahl zum Thema Medizin könnt ihr globale Verbindungen und koloniale Kontinuitäten in der Medizin erforschen.
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„Meine Mutter wurden oft Schmerzen abgesprochen bzw. nicht ernstgenommen. Falsche Medikamente wurden ihr während eines Krankenhausaufenthaltes aufgrund einer Lebererkrankung verabreicht. Gegen ihren Willen und obwohl sie darauf mehrmals hingewiesen hat. Die Nebenwirkungen waren sehr drastisch, sie hat viel Gewicht verloren, konnte nichts mehr essen und hatte kaum Energie. Dennoch, ihr wurde immer unterstellt, dass sie übertreibt und die Behandlung die Richtige sei. Bis zu dem Punkt, an dem sie wirklich unter akuter Lebensgefahr stand …“
Richtig!
„Meine Mutter wurden oft Schmerzen abgesprochen bzw. nicht ernstgenommen. Falsche Medikamente wurden ihr während eines Krankenhausaufenthaltes aufgrund einer Lebererkrankung verabreicht. Gegen ihren Willen und obwohl sie darauf mehrmals hingewiesen hat. Die Nebenwirkungen waren sehr drastisch, sie hat viel Gewicht verloren, konnte nichts mehr essen und hatte kaum Energie. Dennoch, ihr wurde immer unterstellt, dass sie übertreibt und die Behandlung die Richtige sei. Bis zu dem Punkt, an dem sie wirklich unter akuter Lebensgefahr stand …“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Thieme.de (Alisha Qamar), 12.08.2020: „Black Lives Matter – Rassismus im Gesundheitswesen„
Kontext:
Durch koloniale Kontinuitäten werden Schwarze Menschen bis heute in der medizinischen Versorgung unzureichend mitgedacht und oft schlechter versorgt.
Damals wurden schrecklichen Taten der Versklavung gerechtfertigt und damit begründet, dass schwarze Haut vermeintlich dicker und schmerzresistenter sei als weiße Haut. Bis heute lässt sich die Medizin von diesem Gedanken beeinflussen. Die wissenschaftliche Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ aus den USA veröffentlichte bereits 2016 legt in einem Artikel über die Ungleiche Behandlung von Schwarzen Patient*innen dar, dass ein Großteil der Ärzt*innen Schwarze Patient*innen im Gegensatz zu weißen weniger Schmerzmedikationen verschreiben (57 % zu 74 %). Die Studie von Staton et al untersuchte die unterschiedliche Wahrnehmung von Schmerz bei Patient*innen durch Ärzt*innen. In der Studie lag die Unterschätzung von verspürtem Schmerz bei Schwarzen Patient*innen und Patienten bei 47 %, den weißer bei 33,5 %. Schwarze Patientinnen und Patienten warten im Durchschnitt länger in der Notaufnahme und werden in ihrem Anliegen nicht ernstgenommen. (Thieme 12.08.2020)
Zudem sehen sich BIPOC stigmatisierenden Diagnosen ausgesetzt, Stichwörter sind hier Beispielsweise der sogenannte Mongolenfleck oder der Morbus Mediterraneus. Diese stigmatisierenden Diagnosen können mitunter tödliche oder gesundheitsschädigende Folgen haben, da zum Teil ernsthafte Krankheitsbilder zu spät erkannt und präventive Maßnahmen nur unzureichend getroffen werden können (Ärztezeitung, 21.04.2015). Diese Frage der Repräsentation ist eng mit der grundsätzlichen Frage der globalen Ungleichverteilung von medizinischer Versorgung, die sich besonders in der Coronapandemie gezeigt hat.
Zum Weiterlesen:
*The New England Journal of Medicine (LaShyra Nolen), 25.06.2020: „How Medical Education Is Missing the Bull’s-eye„
OK
„Die psychologischen Eigenheiten der Amerikaner weisen Züge auf, die der Psychoanalyse zugänglich wären, da sie auf eine starke sexuelle Unterdrückung hinweisen. Die Gründe für die Verdrängung sind im spezifisch amerikanischen Komplex zu suchen, nämlich im Zusammenleben mit den niederen Rassen, insbesondere den N*****. Das Zusammenleben mit den barbarischen Rassen hat eine suggestive Wirkung auf die mühsam unterworfenen Instinkte der weißen Rasse und zieht sie herunter. Daher sind stark ausgeprägte Abwehrmaßnahmen notwendig, die sich in den besonderen Aspekten der amerikanischen Kultur manifestieren. […]“
Richtig!
„Die psychologischen Eigenheiten der Amerikaner weisen Züge auf, die der Psychoanalyse zugänglich wären, da sie auf eine starke sexuelle Unterdrückung hinweisen. Die Gründe für die Verdrängung sind im spezifisch amerikanischen Komplex zu suchen, nämlich im Zusammenleben mit den niederen Rassen, insbesondere den N*****. Das Zusammenleben mit den barbarischen Rassen hat eine suggestive Wirkung auf die mühsam unterworfenen Instinkte der weißen Rasse und zieht sie herunter. Daher sind stark ausgeprägte Abwehrmaßnahmen notwendig, die sich in den besonderen Aspekten der amerikanischen Kultur manifestieren. […]“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Carl Gustav Jung (1875-1961) war ein Schweizer Psychiater. In den 1920er Jahren, machte Jung einige lange Reisen zu verschiedenen Teilen Afrikas, außerdem besuchte er Indigene Gruppen in Nordamerika. Er gilt als Begründer der analytischen Psychologie.
Quelle:
Fernando, Suman (2017). Rassedenken und Rassismus werden zur Norm. In: Institutioneller Rassismus in Psychiatrie und klinischer Psychologie. Contemporary Black History. Palgrave Macmillan, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-319-62728-1_3
Kontext:
Die Analytische Psychologie wurde in Abgrenzung zur Psychoanalyse Freuds entwickelt. Jung war von 1907 bis 1913 ein Schüler und Freund Freuds. Analytische Psychologie wird überwiegend als Einzeltherapie angeboten. Hier sitzen sich Klient*in und Therapeut*in in der Regel gegenüber. Angestrebt wird ein Dialog zwischen beiden als gleichberechtigten Partner*innen und eine tiefe menschliche Begegnung. Die Therapeut*in wird aber auch als Belehrende und „Seelenführer*in“ verstanden.
Neben Kranheitsursachen in der individuellen Lebensgeschichte und in der gesellschaftlichen und kulturellen Situation gibt es auch Lebenskonflikte, die alle Menschen bewältigen müssen: die sogenannten archetypischen Probleme. Seine Beschreibungen dieser Archetypen basieren u.a. auf rassistischen Stereotypen die durch den Kolonialismus Einklang in europäische Wissenschaften gefunden haben.
Deshalb wird die Klient*in in der Analytischen Psychotherapie mit archetypischen Lösungswegen, wie sie in Mythen oder Märchen aufgezeigt werden, in Kontakt gebracht. Hierbei kommt es Unweigerlich zur Reproduktion von rassistischen und sexistischen Stereotypen. Die „Heilung“ soll durch Individuation erreicht werden. Individuation geschieht über Bewußtmachung und Integration bislang unbewußter polarer Persönlichkeitsanteile wie z.B. dem sogenannten Schatten als negativem oder dem Animus bzw. der Anima als gegengeschlechtlichen Anteil.
Zum Weiterlesen:
Typology Triad Blog (2021): Jung and racism.
OK
„Vor diesem Virus war die Menschheit bereits mit Erstickungsgefahr bedroht. Wenn es Krieg geben muss, kann er nicht so sehr gegen ein bestimmtes Virus gerichtet sein, sondern gegen alles, was […] in der langen Herrschaft des Kapitalismus ganze Bevölkerungsgruppen der Welt […] zu einem schweren, keuchenden Atem und einem Leben der Unterdrückung gezwungen hat.
Diese Einschränkung zu überwinden würde bedeuten, dass wir das Atmen jenseits seines rein biologischen Aspekts […] als das [erfassen], was wir gemeinsam haben […]. Damit meine ich das universelle Recht zu atmen.“
Richtig!
„Vor diesem Virus war die Menschheit bereits mit Erstickungsgefahr bedroht. Wenn es Krieg geben muss, kann er nicht so sehr gegen ein bestimmtes Virus gerichtet sein, sondern gegen alles, was […] in der langen Herrschaft des Kapitalismus ganze Bevölkerungsgruppen der Welt […] zu einem schweren, keuchenden Atem und einem Leben der Unterdrückung gezwungen hat.
Diese Einschränkung zu überwinden würde bedeuten, dass wir das Atmen jenseits seines rein biologischen Aspekts […] als das [erfassen], was wir gemeinsam haben […]. Damit meine ich das universelle Recht zu atmen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Joseph-Achille Mbembe (geb. 1957) ist kamerunischer Historiker und Politikwissenschaftler. Er ist Professor an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg, Südafrika.
Quelle:
The University of Chicago Press Journal (Achille Mbembe), 13.04.2020: „The Universal Right To Breathe.“
Kontext:
Mbembe macht in seinem Artikel auf die allgemeine Zerstörung der Grundlagen allen Lebens auf unserem Planeten aufmerksam. „Vor allem in Afrika, aber auch an vielen Orten im globalen Süden werden der energieintensive Abbau, die Ausweitung der Landwirtschaft, räuberische Landverkäufe und die Zerstörung von Wäldern unvermindert weitergehen. Die Stromversorgung und Kühlung von Computerchips und Supercomputern hängt davon ab. […] Wenn COVID-19 in der Tat der spektakuläre Ausdruck der planetarischen Sackgasse ist, in der sich die Menschheit heute befindet, dann geht es um nichts Geringeres als den Wiederaufbau einer bewohnbaren Erde, um uns allen den Atem des Lebens zu geben. Wir müssen die Lunge unserer Welt zurückerobern, um neue Wege zu beschreiten. Mensch und Biosphäre sind eins. Alleine hat die Menschheit keine Zukunft.“
Zum Weiterlesen:
OK
,,Die dritten sprachen, dass die Juden alle Brunnen vergifet hätten und die Christenheit töten [wollten]; und man fand in vielen Brunnen Säckchen mit Gift, und [deshalb] tötete man unzählige von ihnen am Rhein, in Franken und in allen deutschen Landen. Wahrhaftig, ob einige Juden das taten, das weiß ich nicht. […] Jedoch weiß ich sehr wohl, dass es in Wien so viele Juden gab wie in keiner anderen Stadt, die ich in deutschen Landen kenne, und dass sie dort (..) zahlreich starben (…)“
Richtig!
,,Die dritten sprachen, dass die Juden alle Brunnen vergifet hätten und die Christenheit töten [wollten]; und man fand in vielen Brunnen Säckchen mit Gift, und [deshalb] tötete man unzählige von ihnen am Rhein, in Franken und in allen deutschen Landen. Wahrhaftig, ob einige Juden das taten, das weiß ich nicht. […] Jedoch weiß ich sehr wohl, dass es in Wien so viele Juden gab wie in keiner anderen Stadt, die ich in deutschen Landen kenne, und dass sie dort (..) zahlreich starben (…)“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Konrad von Megenberg (1309-1374) war Geistlicher und Autor. Das Zitat stammt aus seiner Schrift „Das Buch der Natur“. Es ist ausdrücklich für Laien und nicht für Expert:innen geschrieben.
Quelle:
Bernd Schneidmüller (2012): Katastrophenerinnerung: Große Pest und Judenpogrome 1348 bis 1352. Band 2, S. 399
Kontext:
Beim so genannten Judenbrennen Mitte des 14. Jahrhunderts wurde viele tausend Jüdinnen und Juden verfolgt, vertrieben und ermordet. Die Pogrome waren nicht nur Folge der damals wütenden Pestseuche, denn nicht selten gingen die Pogrome der Seuche voraus. Jüdische Gemeinden wurde beschuldigt, Brunnen vergiftet und somit die Pest hervorgerufen zu haben. Mergenberg stellt eine der wenigen kritischen Stimmen der Zeit dar, indem er schreibt, dass jüdische Menschen gleichermaßen an der Pest starben. Einige Herrschende wie Kaiser Karl IV. (1316-1378) garantierten den Täter:innen Straffreiheit (Urkunde vom 25.06.1349, siehe Schneidmüller 2012: 399): „Die Pestseuche ergriff also nicht nur die Körper, sondern auch die Köpfe der Menschen (…) Menschen, von Mikroorganismen im eigenen Körper tödlich bedroht, suchten ihr Heil in der Tilgung des scheinbar Fremden aus ihrem Lebensraum“ (ebds. 400).
Zum Weiterlesen:
*Ruth Kinet (2020): Mit der Pest kamen die Progome (aus dem Podcast „Aus der jüdischen Welt“)
*František Graus (2002): Judenprogrome im 14. Jahrhundert: Der schwarze Tod
*Haverkamp, Alfred (1981): Die Judenverfolgung zur Zeit des Schwarzen Todes im Gesellschaftsgefüge Deutscher Städte
OK
„Der Arzt erkannte sofort, dass der Mann an Syphilis im Endstadium litt. Er verschrieb ihm Penicillin – und bekam deshalb furchtbaren Ärger von der Seuchenschutzbehörde. Ihm wurde vorgeworfen, er habe jemanden behandelt, der nicht behandelt werden durfte. Kein Wunder, er wusste nichts von der Studie.“
Richtig!
„Der Arzt erkannte sofort, dass der Mann an Syphilis im Endstadium litt. Er verschrieb ihm Penicillin – und bekam deshalb furchtbaren Ärger von der Seuchenschutzbehörde. Ihm wurde vorgeworfen, er habe jemanden behandelt, der nicht behandelt werden durfte. Kein Wunder, er wusste nichts von der Studie.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Peter Buxtun (geb. 1937) ist ein amerikanischer Sozialarbeiter und ehemaliger Mitarbeiter des United States Public Health Service, der aufgrund seiner Veröffentlichung der Tuskegee-Syphilis-Studie als Whistleblower bekannt wurde. Das Experiment wurde nach seinem öffentlichen Bekanntwerden eingestellt.
Quelle:
Der Spiegel (Johanna Lutteroth), 07.06.2012: „Medizin-Skandal Todesstudie von Tuskegee.“
Kontext:
In den 1930er Jahren begannen Mediziner:innen, arme Schwarze männliche Landarbeiter, die an Syphilis litten, in der sogenannten Tuskegee-Studie zu missbrauchen. Sie wollten erforschen, wie sich Syphillis entwickelt, wenn sie unbehandelt bleibt. Die Studie wurde vom Public Health Service, einer dem US-Gesundheitsministerium unterstehenden Behörde durchgeführt. Fast 400 erkrankten Männern in Tuskegee (Alabama) wurde absichtlich und ohne ihr Wissen eine wirksame Therapie vorenthalten. Es war verboten, den Erkranten Penecellin zu verschreiben, als es 1943 als wirksames Medikament gegen Syphilis entdeckt wurde. Ziel war es, das Fortschreiten der Krankheit und ihre Spätfolgen zu beobachten. „Die Studie hatte überhaupt keinen wissenschaftlichen Wert. Denn die grausigen Folgen der Syphilis waren schon seit Jahrhunderten bekannt“ (Berliner Zeitung, 19.05.2022). Die Studie wurde erst 1972 abgebrochen, nachdem Peter Buxton jahrelang vergeblich versucht hatte, auf den Missbrauch aufmerksam zu machen. Die selbe Forscher:innengruppe infizierte in den 1940er Jahren hunderte Menschen in Guatemala mit dem Virus, um die Kranheit zu erforschen (ebds.). Obwohl die Forscher:innen die Tuskegee-Studie in 15 medizinischen Journalen beschrieben, gab es nie einen Aufschrei in der Fachwelt (Martin J. Tobin 2022).
Zum Weiterlesen:
*Berliner Zeitung (Annett Stein), 19.05.2022): „Tuskegee-Experiment: Folgen der grausamen Menschenversuche reichen bis heute.“
*Tobin (2022): „Uncovering the Tuskegee Syphilis Study: The Story and Timeless Lessons.„
OK
„Die Kolonialwirtschaft soll sich die N***arme dienstbar machen, die Hygiene soll sie stark erhalten und ihre Zahl erhöhen. […] Bleiben wir bei Ostafrika und nehmen an, dass die Schlafkrankheit nur 10.000 Menschenleben gefordert hat bzw. fordern wird, bis unser Kampf gegen sie siegreich durchgeführt ist.“
Richtig!
„Die Kolonialwirtschaft soll sich die N***arme dienstbar machen, die Hygiene soll sie stark erhalten und ihre Zahl erhöhen. […] Bleiben wir bei Ostafrika und nehmen an, dass die Schlafkrankheit nur 10.000 Menschenleben gefordert hat bzw. fordern wird, bis unser Kampf gegen sie siegreich durchgeführt ist.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Ludwig Külz (1875-1938) war Arzt und ab 1902 Leiter des Nachtigal-Krankenhauses in Togo. Der indigenen Bevölkerung wurde der Zugang und die Behandlung dort verweigert. Er war ebenso Regierungsarzt in anderen Kolonien. Ab 1920 schulte er als Professor am Hamburger tropenhygienischen Institut sogenannte Auswanderer:innen. Külz bezog sich in dem Zitat auf das vorherrschende „Motto“, „Schwarze Hände, weiße Köpfe“, das erstmals von Friedrich Wulffert in einem Vortrag postuliert wurde.
Quelle:
Zitiert nach Wolfgang U. Eckart (1997): Medizin und Kolonialimperialismus Deutschland 1884-1945, S. 59 aus Ludwig Külz (1911): Grundzüge der kolonialen Eingeborenenhygiene, in: Beihefte z. Arch. f. Schiffs- u.Trophyg. 15 (1911) 3, 386-475; Wesen und Ziele (1910).
Kontext:
Deutsche Kolonialmedizin wird im kollektiven Gedächtnis häufig mit „Abenteuerlust“, gefährlichen Tsetse-Fliegen oder dem aufopfernden Einsatz deutscher Ärzt:innen „fern der Heimat“ in Verbindung gebracht. Spätestens mit dem „Kolonialeintritt“ des deutschen Kaiserreichs 1884 nutzten viele (vor allem junge) Ärzt:innen den Einsatz in den Kolonien, um ihre medizinische Karriere voranzubringen. In diesem Kontext entwickelten sie gefährliche Medikamente, die sie an der kolonisierten Bevölkerung ausprobierten. Dies geschah vor allem in den Schlafkrankheits-Konzentrationslagern und Lepraheimen in Togo, Kamerun und „Deutsch-Ostafrika“. Ab 1907 sollte es eine „sozialere“ Kolonialpolitik geben, basierend auf „Humanität, Gerechtigkeit und Mildtätigkeit“. Allerdings waren auch hier die „effektive Ausbeutung von Land und Leuten“ – wie die im Zitat angesprochenen „Arme“, also die Arbeitskraft der Kolonisierten – zum Erhalt und zur Verbesserung der deutschen Kolonialökonomiedas eigentliche Ziel. Ludwig Külz forderte eine „Koloniale Menschenökonomie“, die als „sanitäre Pädagogik“ eine Akkulturation und die Umsetzung „kolonialer Rassenhygiene“ durchsetzen sollte. Die Aufgabe des „Tropenhygieniker“ sei es die schwächelnde deutsche Kolonialökonomie durch Erhalt des „wertigen“ Lebens innerhalb der kolonisierten Bevölkerung (z.Bsp. „starke Männer“) zu stärken. Gleichzeitig war es Külz ein zentrales Anliegen „schlechtes“ oder „minderwertiges“ Leben insbesondere im Sinne einer sogenannten „Mischlingsbevölkerung“ zu vermeiden.
Zum Weiterlesen:
*Wolfgang U. Eckart (1997): Medizin und Kolonialimperialismus Deutschland 1884-1945. Verlag Ferdinand Schöningh: Paderborn.
OK
„Man muss staunen, empört sein und sich anstecken lassen, nur so kann man die Realität verändern. Was die Heilung verbessert, ist der affektive Kontakt zwischen einer Person und einer anderen. Was heilt, ist Freude, was heilt, ist das Fehlen von Vorurteilen.“
Richtig!
„Man muss staunen, empört sein und sich anstecken lassen, nur so kann man die Realität verändern. Was die Heilung verbessert, ist der affektive Kontakt zwischen einer Person und einer anderen. Was heilt, ist Freude, was heilt, ist das Fehlen von Vorurteilen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Dr. Nise da Silveira, geboren am 15. Februar 1905 in Maceió; gestorben am 30. Oktober 1999 in Rio de Janeiro, war eine der bedeutendsten brasilianischen Wissenschaftler*innen, Psychiaterin, Alchemistin der Psyche und Marxistin, die entschlossen neue Wege durch die Gebiete der Medizin, Philosophie und Kunst definierte. Ihr Wirken war geprägt durch die Ablehnung der damals gängigen, invasiven Methoden der Psychiatrie. Sie war in ihrem Studium die einzige weibliche Absolventin neben 157 Männern. Nise da Silveira absolvierte an der neurologischen Klinik Antonio Austregésilo ihre fachärztliche Ausbildung zur Psychiaterin und gewann im selben Jahr eine landesweite Ausschreibung für eine Stelle für Psychopathologie und Vorsorge für geistige Gesundheit am Praia Vermelha Hospital in Rio.
Bei Ihrer Anstellung im psychiatrischen Zentrum Pedro II in Engenho de Dentro lehnte Nise da Silveira die Praktiken Lobotomie, Insulinschock- oder Cardiazol-Schocktherapie ab und wurde daraufhin in die Abteilung für Ergotherapie versetzt. Dort ermöglichte sie ihren Patienten eine persönliche und künstlerische Entfaltung. Insbesondere leitete sie kunsttherapeutische Sitzungen, durch die nach ihrem Verständnis, unterbewusste Zustände der Psyche zugänglich wurden. Nise da Silveira, die „psiquiatra rebelde“, revolutionierte die Geschichte der Psychiatrie über die Grenzen ihres Landes hinaus und war Vorläuferin in den weltweiten Bewegungen der Psychiatrieformen in Brasilien, England, Italien und Deutschland zwischen den 60er – 80er Jahren. Sie trat für eine Humanisierung der Behandlungsmethoden chronisch geistig kranker PatientInnen ein und schuf das Museum „Museu de Imagens do Inconsciente“, welches zugleich ihr Studien- und Forschungszentrum. Nach ihrem Tod wurde ihr privates Archiv als Erbe der Menschheit in das „Memory of the World“- Programm der UNESCO aufgenommen, eine digitale Sammlung historischer Dokumente von außergewöhnlichem Wert für die Menschheitsgeschichte.
Bild/Quelle: Arquivo Nise da Silveira, https://revistacult.uol.com.br
Quelle:
Livro –MELLO, L.. Encontros. Nise da Silveira. São Paulo: Azougue Editorial, 2009. Entrevistas e depoimentos que Nise da Silveira concedeu entre 1976 e 1997
Kontext:
Im Zuge des Kommunistischen Aufstandes im Jahr 1935 gründete da Silveira zusammen mit intellektuellen und feministischen AktivistInnen die Organisation „Uniao Feminina do Brasil“ (UFB). Die Frauen forderten gesetzliche Änderungen, die den Frauen das Sorgerecht für ihre Kinder nach einer Scheidung, Lohngleichheit mit Männern und den Anspruch auf Mutterschaftsurlaub zugestanden. Diese Forderungen brachten die UFB in die Nähe linker Organisationen, die wiederum mit der Kommunistischen Partei verbunden waren. Der regierende Diktator Präsident Getúlio Vargas unterzeichnete am 19. Juli 1935 das Dekret 246, das umgehend die Schließung der UFB als illegale Organisation verfügte – weniger als zwei Monate nach ihrer Gründung. Ein Jahr später wurde Nise da Silveira von einer Krankenschwester denunziert, die in Da Silveiras Schließfach marxistische Literatur entdeckt hatte. Es folgte eine 18monatige Haft, sowie ein Berufsverbot. 1944, mit dem Ende der Diktatur des Präsidenten Getúlio Vargas nach 15 Jahren, gewannen demokratische Prozesse die politische Oberhand, die Emanzipation der Gesellschaft durch Bildung und Kunst wurde zum politischen Anliegen.
Nise da Silveira wurde amnestiert und in ihre frühere Stelle im „Psychiatrisches Zentrum Pedro II“ in Engenho de Dentro, in Rio de Janeiro, zurückversetzt. Zutiefst schockiert reagierte sie auf die invasiven und für sie brutalen Behandlungsmethoden, die zur Norm der internationalen Psychiatrie geworden waren: Insulinschocktherapie, Elektroschock, Lobotomie (eine neurochirurgische Operation, bei der den PatientInnen Stahlnadeln tief ins Gehirn getrieben werden, um die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Frontallappen und Teile der Grauen Substanz zu durchtrennen). Der portugiesische Arzt António Egas Moniz (1874 – 1955) wurde 1949 für die Entwicklung der Lobotomie mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Als Nise da Silveira diese Therapien selbst anwenden sollte, weigerte sie sich strikt – was ihr von diesem Moment an den Titel „psiquiatra rebelde“ einbrachte. Für sie waren diese Methoden riskant, aggressiv und ineffektiv, welche Methoden der Folter gleich. Sie war überzeugt, dass „alle diese Techniken […] eine Attacke auf die Integrität des Menschen im edelsten seiner Organe darstellen“. Sensibilisiert für ein Leben in Gefangenschaft durch ihre eigene Haft reagierte sie ebenso entsetzt auf die Unterbringung der damals ca.1500 schizophrenen PatientInnen in geschlossenen Räumen und ummauerten Innenhöfen. Um ihren Arbeitsplatz zu behalten, bot sich ihr als einzige Lösung, sich in die verwahrloste Abteilung für Beschäftigungstherapie versetzen zu lassen. Auch wenn die Beschäftigung bisher nur aus Putzen und Wartungsarbeiten bestand, nahm Nise da Silveira das Angebot an. Sie übernahm einen ungenutzten Verwaltungsbereich des Klinikkomplexes und gründete am 9. September 1946 die Secao de Terapeutica Ocupacional e Reabilitacao, die Sektion für Beschäftigungstherapie und Rehabilitation und startete ab da ihr bahnbrechendes Werk. Nise da Silveira hat eine klinische Methode entwickelt, die auf Zuneigung und Respekt vor der Würde jedes Menschen gründet.
Nise da Silveira wurde weltweit bekannt für die avantgardistische Idee, Zuneigung als wissenschaftliche Methode in der Behandlung psychischer Leiden zu nutzen. Empathie, Engagement und Nächstenliebe überwanden Krankenhausmauern, Vorurteile und Missbrauch von PatientInnen. Im Jahr 1956 gründete Nise da Silveira die Casa das Palmeiras, die erste brasilianische Klinik für psychiatrische Behandlungen in Form einer Tagesschule.
Zum Weiterlesen:
Nise Da Silveira – Uma Psiquiatra Rebelde (Em Portuguese do Brasil), 1. Januar 2000
https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/nise-da-silveira/
Museu virtual – Ocupação Nise da Silveira – Itaú Cultural
Livro –MELLO, L.. Encontros. Nise da Silveira. São Paulo: Azougue Editorial, 2009. Entrevistas e depoimentos que Nise da Silveira concedeu entre 1976 e 1997
Memória do Mundo da UNESCO: Arquivo Pessoal de Nise da Silveira
https://www.youtube.com/watch?v=AtUhmbHqeXM&embeds_referring_euri=https%3A%2F%2Frevistacult.uol.com.br%2F&source_ve_path=MjM4NTE&feature=emb_title
Nise, el corazón de la locura.. (subtitulada)
https://www.youtube.com/watch?v=mcLpV3a_hZ4&t=2953s
Nise da Silveira – Posfácio: Imagens do Inconsciente
https://www.youtube.com/watch?v=EDg0zjMe4nA
Leon Hirszman, Imagens do Inconsciente
https://www.youtube.com/watch?v=FxYx4obbARE
https://www.youtube.com/watch?v=9-uN1lsWFjM&t=4322s
https://www.youtube.com/watch?v=fgong5EYqUE&t=3585s
Robert Berliner, Nise – O Coracao da Loucura (Nise – in the Heart of Madness)QUEM É NISE DA SILVEIRA
https://www.youtube.com/watch?v=LbWP3JEUV1s
OK
„In unserem Ringen um dringend benötigte Impfstoffe wurde Südafrika gezwungen, unvorstellbare Summen für überteuerte Impfstoffdosen auszugeben. Wir wurden zu unfairen und undemokratischen Bedingungen in Verträge gezwungen, die völlig einseitig waren“
Richtig!
„In unserem Ringen um dringend benötigte Impfstoffe wurde Südafrika gezwungen, unvorstellbare Summen für überteuerte Impfstoffdosen auszugeben. Wir wurden zu unfairen und undemokratischen Bedingungen in Verträge gezwungen, die völlig einseitig waren“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Fatima Hassan ist südafrikanische Menschenrechtsanwältin und als Aktivistin für soziale Gerechtigkeit Gründerin der »Health Justice Initiative« in Südafrika.
Sie gewann 2022 den Calgary Peace Price unter anderem für ihre Arbeit in der Aufdeckung von Ungleichheiten in der globalen Verteilung von COVID-19 Impfstoffen.
Quelle:
Zitatquelle: hil/aerzteblatt.de (19.09.23): “ Hohe Impfstoffpreise in Südafrika: Pharmaunternehmen und Impfstoffallianz in der Kritik„
Kontext:
Die Corona-Pandemie hat die globalen Ungleichheiten im Bezug auf medizinische Versorgung nochmal deutlich gemacht. Viele Länder im Globalen Norden sicherten sich Impfdosen, die ihre Bevölkerungsanzahl weit überstiegen. Deutschland beispielsweise hatte im Februar 2023 116,4 Millionen Covid-19-Impfstoffdosen gelagert, bei 84 Millionen Einwohner:innen. Dieser Impfstoffnationalismus (die Tendenz wohlhabender Länder, Impfstoffe für sich selbst zu reservieren) führte zu Engpässen und höheren Preisen auf dem internationalen Markt. Dies erschwerte es ärmeren Ländern, Zugang zu erschwinglichen Impfstoffen zu bekommen. Im April 2020 wurde die COVAX-Initiative von mehreren surpanationalen Institutionen gegründet, um die weltweite Impfstoffverteilung zu koordinieren. Allerdings kritisierte der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte im April 2021, dass COVAX nicht das Problem der global unzureichenden Impfstoffproduktion lösen kann. Hierfür sei technische Unterstützung und insbesondere auch Zugeständnisse im Bereich geisten Eigentums (Patente) nötig. Die Afrika-Koordinatorin der People’s Vaccine Alliance Maaza Seyoum bemängelt das System und spricht von Hinweis auf „systemischer Rassismus“ für die mangelhafte Reaktion der globalen Gemeinschaft auf die COVID-19-Pandemie in ärmeren Ländern (The Guardian, 26.08.2022).
Zum Weiterlesen:
*Edna Bonhomme (27.04.2022): Diseases of Relevance. London Review of Books.
* Fatima Hassan (23.05.2022): Vaccine apartheid is racist and wrong (PLOS Blogs Speaking of Medicine and Health)
OK
„Die derzeitige epidemiologische Evidenz identifiziert mehrere Gruppen in den Vereinigten Staaten mit einem erhöhten Risiko, an AIDS zu erkranken (3-7). Die meisten Fälle wurden bei homosexuellen Männern mit mehreren sexuellen Partnern, bei intravenösen Drogenmissbrauchenden und bei Haitianern gemeldet, insbesondere bei denen, die in den letzten Jahren ins Land gekommen sind.“
Richtig!
„Die derzeitige epidemiologische Evidenz identifiziert mehrere Gruppen in den Vereinigten Staaten mit einem erhöhten Risiko, an AIDS zu erkranken (3-7). Die meisten Fälle wurden bei homosexuellen Männern mit mehreren sexuellen Partnern, bei intravenösen Drogenmissbrauchenden und bei Haitianern gemeldet, insbesondere bei denen, die in den letzten Jahren ins Land gekommen sind.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die „Centers for Disease Control and Prevention“ sind eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums. Die CDC wurden 1946 ursprünglich gegründet, um die Kontrolle der Malaria in der Nachkriegszeit zu gewährleisten. Die Behörde unterhält Außenstellen in 49 Bundesstaaten. Direktor war von 1983 bis 1989 James O. Mason.
Quelle:
Kontext:
Auch andere Epidemien hatten zur Folge, dass BIPoC oder Menschen aus dem Globalen Süden stigmatisiert wurden. Als sich Anfang der 1980er Jahre HIV/AIDS verbreitete, gaben die Centers for Desease Control and Prevention unter Direktor James O. Mason eine Erklärung heraus, die Haitianer:innen als Risikogruppe für HIV/AIDS einstufte. Die Behauptung wurde später zurückgezogen, aber die Folgen waren fatal. Die Ursprünge dieser lassen sich auf fehlerhafte wissenschaftliche Annahmen zurückführen. Auch 1992 gab es wieder eine Warnung vom CDC, dass haitianische Geflüchtete eine „nicht zu rechtfertigende Bedrohung für die Gesundheit der USA darstellen könnten (Washington Post, 07.08.1992). 2007 wurde wieder eine Studie veröffentlicht, die HIV mit Haiti verbindet und feststellt, dass „Subtyp B wahrscheinlich um 1966 von Afrika nach Haiti wanderte“ und dann weiter in die Vereinigten Staaten. Sie stützen diese Hypothese auf Virussequenzen von nur fünf (!) an AIDS erkrankten haitianischen Amerikaner:innen im Jahr 1981, die „nach 1975“ in die Vereinigten Staaten gekommen waren. Diese Stigmatisierung hatte weitreichende Auswirkungen, darunter soziale Isolation, Diskriminierung im Gesundheitswesen und im Alltag sowie negative Auswirkungen auf die gesamte haitianische Gemeinschaft in den USA.
Zum Weiterlesen:
*The Guardian (Edna Bonhomme), 22.02.2021: „From HIV to Covid, pandemics show us fear of disease is coloured by prejudice„
OK
„Die deutsche Wissenschaft sollte bei dem allseitig aufgenommenen Kampf gegen die Schlafkrankheit (auch eine portugiesische Mission ist seit einigen Jahren tätig) nicht zurückbleiben. Den vereinigten Bemühungen der englischen, französischen, portugiesischen und deutschen Ärzte wird es hoffentlich gelingen, dieser mörderischen, auch unsere Kolonien ernstlich bedrohenden Seuche Herr zu werden.“
Richtig!
„Die deutsche Wissenschaft sollte bei dem allseitig aufgenommenen Kampf gegen die Schlafkrankheit (auch eine portugiesische Mission ist seit einigen Jahren tätig) nicht zurückbleiben. Den vereinigten Bemühungen der englischen, französischen, portugiesischen und deutschen Ärzte wird es hoffentlich gelingen, dieser mörderischen, auch unsere Kolonien ernstlich bedrohenden Seuche Herr zu werden.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Robert Koch (1843-1910) war ein deutscher Mikrobiologe und gilt als einer der Pioniere der bakteriologischen Forschung. Er erlangte weltweite Bekanntheit durch seine Entdeckungen von Krankheitserregern, darunter das Tuberkulose-Bakterium (Mycobacterium tuberculosis) und den Cholera-Erreger (Vibrio cholerae), was ihm 1905 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin einbrachte.
Quelle:
Robert Koch (1904): „Über die Schlafkrankheit (Brief an den Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten)„
Kontext:
Medizinische Forschung spielte im Kolonialismus eine Schlüsselrolle. Nach Einschätzung des ehemaligen Leiters des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin (Universität Heidelberg) hätte Afrika ohne die Fortschritte in der Bekämpfung von Malaria und anderen Kranheiten niemals so kolonisiert werden können (SRF, 04.02.2021). Robert Koch experimentierte von 1906 bis 1906 mit dem arsenhaltige Mittel Atoxyl im heutigen Uganda. Ihm war bekannt, dass Atoxyl in hoher Dosis gefährlich ist. Koch spritze das Mittel in Intervallen von sieben bis zehn Tagen und nahm Schmerzen, Erblindung und den Tod tausender Menschen billigend in Kauf (ebds.). Dafür wurden die Kranken in sogenannten Konzentrationslagern gefangen gehalten. Das Konzept des KZ entnahm Koch den britischen Kolonisator:innen Südafrikas, die in diesen Lagern politische Gegner:innen inhaftierten (Bauche 2006). Die Lager dienten als Isolationsort der Kranken, damit sich Krankheiten nicht weiter verbreiteten, aber auch als Forschungsstätte, in dem Menschen zu medizinischen Versuchen gezwungen wurden „Da in den Konzentrationslagern eine genaue Beobachtung während längerer Zeit möglich sei, könne man hier am besten den empfehlenswerten Modus der Atoxylbehandlung ausfindig machen und beispielsweise auch eine etappenmäßige Therapie erproben“ (Robert Koch zitiert nach Bauch 2006).
Zum Weiterlesen:
*Manuela Bauche 2006: Robert Koch, die Schlafkrankheit und Menschenexperimente im kolonialen Ostafrika. In: Freiburg Postkolonial/Orte
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„So fühlte ich ja auch, nur, dass man das nach außen gar nicht tragen kann. Sie können ihren Schmerz und den Grund für diesen Schmerz, dass die Zwangssterilisation war, konnte ich ja gar nicht nach außen irgendwie deutlich machen. Weil es mit einem solchen Makel behaftet ist, als minderwertig zwangssterilisiert worden zu sein, lebenslang als minderwertig abgestempelt zu sein. Das ist ja eine unglaubliche Sache. Stellen Sie sich mal vor, Sie wären das!“
Richtig!
„So fühlte ich ja auch, nur, dass man das nach außen gar nicht tragen kann. Sie können ihren Schmerz und den Grund für diesen Schmerz, dass die Zwangssterilisation war, konnte ich ja gar nicht nach außen irgendwie deutlich machen. Weil es mit einem solchen Makel behaftet ist, als minderwertig zwangssterilisiert worden zu sein, lebenslang als minderwertig abgestempelt zu sein. Das ist ja eine unglaubliche Sache. Stellen Sie sich mal vor, Sie wären das!“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Dorothea Buck (1917-2019) war eine deutsche Autor*in und Bildhauer*in. Sie wurde unter der NS-Herrschaft als psychisch krank eingestuft und zwangssterilisiert. Sie hielt kritische Vorträge, schrieb Aufsätze und u.a. ein Theaterstück über den hunderttausendfachen Mord an psychisch Kranken und Behinderten in der NS-Zeit. 1992 gründete sie mit anderen Betroffenen den Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener.
Quelle:
RBB, 27.05.2010: „
Kontext:
Während der NS-Herrschaft wurden hundertausende Menschen Opfer von Menschenversuchen durch Mediziner:innen, sowie von menschenverachtender medizinischer Behandlungen und Krankenmorden. Die Nazis suchten sich ihre Opfer in Psychatrien, in Konzentrations- oder Kriegsgefangenenlagern. Nach den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher fanden 1946-1949 zwölf Nachfolgeprozesse statt. Im Ärzte-Prozess von 1946-1947 klagte das amerikanische Militärgericht 23 Mediziner:innen, Verwaltungsangestellte und einen Juristen an u.a. wg. Verbechen gegen die Menschlichkeit an. Sieben von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Der bekannteste Kriegsverbrecher, Joseph Mengele, Lagerarzt in Auschwitz 1943-1945, wurde nie gefasst und starb 1979 bei einem Badeunfall in Brasilien. Jahrzehntelang kämpften Opfer von KZ-Menschenversuchen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs um Entschädigung und Anerkennung. Auch hier können koloniale Ungerechtigkeiten ausgemacht werden, denn die Nazis sahen in Osteuropa ihr koloniales Projekt (Zimmerer 2003). Nach dem Krieg wurden osteuropäischen Überlebenden lange Zeit von allen Leistungen ausgegrenzt. „Dies änderte sich erst durch die internationale Aufmerksamkeit für das Verfolgungsschicksal der Gruppe polnischer Frauen, die als Ravensbrueck Lapins bekannt wurden. Ihr Fall trug maßgeblich dazu bei, dass die radikale Ausgrenzung osteuropäischer NS-Verfolgter allmählich aufweichte“ (Baumann 2009).
Bild: Die von Dorothea Buck geschaffene Bronze-Statue „Mutter mit Kind“ (Hamburg).
Zum Weiterlesen:
*Stefanie Michaela Baumann 2009: Menschenversuche und Wiedergutmachung : Der lange Streit um Entschädigung und Anerkennung der Opfer nationalsozialistischer Humanexperimente. Berlin, Boston, Oldenbourg: De Gruyter.
*Jürgen Zimmerer, Holocaust und Kolonialismus. Beitrag zu einer Archäologie des genozidalen Gedankens, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 51/2003, S. 1098–1119, hier S. 1102. Seine Beiträge zur Kontinuitätsfrage erschienen noch einmal gesammelt als ders., Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust, Berlin 2011.
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