Herrschaft 9

Quote:

Ich spreche für die Millionen von Menschen, (…) die reduziert werden darauf nur einen flüchtigen Blick auf das Leben derer, die im Überfluss leben, zu erhaschen. Ich spreche für die Millionen Frauen, die unter ihnen dem von Männern aufgezwungenen Ausbeutungssystem leiden. Frauen, die kämpfen und die mit uns verkünden, dass der Sklave, der nicht seine eigene Revolte anzettelt, kein Mitleid verdient. Denn er ist gefangen in der Illusion, dass sein Herr ihn einmal befreien wird. Freiheit kann aber nur im Kampf gewonnen werden und ich rufe alle unsere Schwestern aller Rassen auf, in die Offensive zu gehen.

Quelle:

Autor*inneninfo:

Thomas Sankara (1949-1987) war Revolutionär, Panafrikanist und Internationalist. Er wurde 1983 durch einen Putsch Präsident Burkina Fasos. 1987 wurde er ermordet. Seine Ermordung war wahrscheinlich ein international unterstützes Komplott durch Frankreich, die USA und die Elfenbeinküste, Libyen und andere (Jaffré 2018). Sein Nachfolger, Blaise Compaoré wurde 2014 nach 27 Jahren als Präsident aus dem Amt gejagt . 2022 wurde Compaoré in Abwesenheit wegen Beteiligung an der Ermordung von Thomas Sankara zu lebenslanger Haft verurteilt.

Kontext:

Thomas SankaraWährend der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegung forderten die ehemaligen Kolonien eine Demokratisierung der Welt, bspw. der UNO. Wie bei Sankara wurden Themen wie Gender, Umwelt und Demokratie mit kolonialer Beherrschung und für radikale politische Reformen gekämpft. Ab den 1990er Jahren breitete sich die TINA-Doktrin aus (There-is-no-Alternative, siehe Thatcher) und gegebene Verhältnisse wie die neoliberale Marktdemokratie wurde als einzig mögliches System verkauft. Der Diskurs änderte sich. Von der Demokratisierung der Weltstrukturen fokussierte man sich auf die Demokratisierung innerhalb von Staaten, während globale Ungerechtigkeit bestehen blieb. Im Gegensatz zu vielen neoliberalen Regierungen im Westen in den 1980er Jahren waren in einigen Ländern des Trikont noch Alternativen denkbar. Sankaras Regierung enthielt so viele Frauen wie in keinem anderen afrikanischen Land, seine Leibwache waren Frauen auf Motorrädern. Er versuchte, demokratische Elemente in Regierungshandeln zu integrieren. Zum Beispiel konsultierte er Frauenvertreterinnen aus allen Provinzen des Landes, als er vorhatte, Polygamie zu verbieten. In seiner Regierungszeit wurden die staatlichen Luxusautos verkauft und billige Staatsfahrzeuge angeschafft, Bildungs- und Gesundheitsversorgung verbessert, eine Landreform durchgeführt, die Wiederaufforstung forciert und internationale Entwicklungshilfe kritisiert, da er sagte: "Der, der dir zu essen gibt, kontrolliert dich" ("He who feeds you controls you", siehe Shuffield 2006).

Zum Weiterlesen:

*Robin Shuffield (2006): Thomas Sankara. The Upright Man. *AfricAvenir (Hrsg., 2016): Thomas Sankara. Die Ideen sterben nicht! *David Scott (2017): From the right to trade to Good Governance. *Anthony Anghie (2004): Imperialism, Souvereinity and the Making of International Law. New York: Cambridge University Press.

Jahr:

1984