Balthazar Sprenger (vor 1500-1509 oder 1511) war Handlungsreisender aus Tirol und reiste im Auftrag der Bankiers Welser nach Afrika und Indien. Er nahm 1505 als Vertreter des Augsburger Handelshaus Welser an einer portugiesischen Expeditionsfahrt teil, um neue Märkte zu erkunden. Die Reise führte ihn um den afrikanischen Kontinent herum bis nach Indien. Das Zitat stammt aus seinem Reisetagebuch.
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OK
wunderbar onschamhafft menschen beyderlei geschlecht undereinander als die wilden Thyr: etlich allein die Scham bedecken / die andern nackend / all schwartz
als die wir bei uns Moren nenn umblauffen: der Moren land sich auch da anheben: Ire wonungen und hüser gleichen sich den hütten als die armen dorfleut in unsern landen über die backöffen machen (…) Diß volck braucht noch nympt bei ynen gantz kein gelt (…) / do geben sie ware umb ware (…)
Richtig!
wunderbar onschamhafft menschen beyderlei geschlecht undereinander als die wilden Thyr: etlich allein die Scham bedecken / die andern nackend / all schwartz
als die wir bei uns Moren nenn umblauffen: der Moren land sich auch da anheben: Ire wonungen und hüser gleichen sich den hütten als die armen dorfleut in unsern landen über die backöffen machen (…) Diß volck braucht noch nympt bei ynen gantz kein gelt (…) / do geben sie ware umb ware (…)
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
*Originalquelle: Balthazar Sprenger (1509). In: Beate Borowka-Clausberg (1999): Balthasar Sprenger und der frühneuzeitliche Reisebericht. München: ludicium, S. 198. In: Elisabeth Dulko et al: Afrikabilder. Dokumentation einer Tagungsreihe zum Afrikadiskurs in den Medien und zum Alltagsrassismus in Deutschland, S. 10.
Kontext:
Die Vernichtung indigener Gesellschaften weltweit wurde moralisch dadurch legitimiert, dass diese nicht richtige Menschen seien, sondern eher der Natur angehörten. Als tiergleich oder tierähnlich wurden den kolonisierten Menschen keine Rechte als Menschen zugesprochen. Dadurch konnte auch einfach das Land, auf dem sie lebten, und ihre Ressourcen geraubt werden, weil diese als ohne Besitzer:in definiert wurden. Die Gleichsetzung von indigenen Menschen mit Tieren ist immer noch aktuell, wie Beispiele aus vielen Erdteilen zeigen (Welt, 13.10.2017: Museum in China entfernt nach Rassismusvorwürfen Fotos aus Afrika-Ausstellung).
Zum Weiterlesen:
*Aïssatou Bouba (2013): Afrika in frühen Schriften der deutschen Neuzeit. Am Beispiel von „Die Merfart“ von Balthasar Sprenger.
*Maria Mies & Vandana Shiva (2016): Ökofeminismus. Die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker, komplett überarbeitete und aktualisierte Neuauflage. Neu-Ulm: AG SPAK.
OK
„Kein Mensch ist illegal.“
Richtig!
„Kein Mensch ist illegal.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Elie Wiesel (1928-2016) war ein jüdischer US-amerikanisch-rumänischer Publizist, Autor und Hochschullehrer sowie Shoahüberlebender. Er schrieb Bücher zur Shoah und war bis an sein Lebensende ein Vorkämpfer gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit.
Quelle:
Zitat: Flyer der „National Campaign for the Civil and Human Rights of Salvadorans“, 1988.
Bild: Von photo©ErlingMandelmann.ch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11472798
Kontext:
„Kein Mensch ist illegal“ ist ein politischer Slogan, der sich gegen Abschiebepolitiken, Asylrechtsverschärfungen und Rassismus in den USA richtet und bis heute im Kontext von Flucht, Abschiebepolitiken, Grenzen und Asylrechtsdebatten auch in Deutschland verwendet wird. Die darin formulierte Kritik besagt, dass Abschiebepolitiken Menschen illegalisieren und ihnen grundlegende Menschenrechte verwehren. Als Urheber gilt Elie Wiesel, der den Slogan im Rahmen einer Bürger- und Menschenrechtskampagne für Salvadorianer:innen in den USA eingebracht haben soll. Seit 1997 gibt es ein internationales akademisches Netzwerk, das den Namen „Kein Mensch ist illegal“ trägt und illegalisierte Menschen unterstützt.
Zum Weiterlesen:
*Cross the Border (Hrsg. 1999): Kein Mensch ist illegal: ein Handbuch zu einer Kampagne. ID-Verl.
*Sabine Veth (2007): kein mensch ist illegal. In: Ulrich Brand, Bettina Lösch und Stefan Thimmel (Hrsg): ABC der Alternativen, https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/ABC/ABC_der_Alternativen_kein_mensch_ist_illegal_Veth.pdf
OK
Diese Migranten sind wie Kakerlaken. Sie sehen vielleicht ein wenig aus wie Bob Geldofs Ethiopien seit 1984, aber sie sind in der Lage einen nuklearen Schlag zu überleben.
Richtig!
Diese Migranten sind wie Kakerlaken. Sie sehen vielleicht ein wenig aus wie Bob Geldofs Ethiopien seit 1984, aber sie sind in der Lage einen nuklearen Schlag zu überleben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Katie Hopkins (geb. 1975) ist britische Journalistin u.a. bei The Sun und Daily Mail.
Quelle:
Aus der Tageszeitung The Sun, zitiert in The Guardian, 19. April 2015.
Kontext:
Katie Hopkins wurde wegen dieses und weiterer diskriminierender, rassistischer und menschenverachtender Zitate mehrfach angeklagt, erhielt für mehrere Äußerungen hohe Geldbußen. Solche Zitate sind eine typische Strategie des rechtspopulistischen Lagers. Sie wollen die öffentliche Meinung beeinflussen, indem Akteur:innen wie Hopkins immer wieder Tabus der bürgerlichen Mitte und des liberal-demokratischen Common Sense brechen. Ziel ist eine Normalisierung von rechtem Gedankengut. In dem Zitat wird Migration als allerhöchste Gefahr und als Unsicherheitsfaktor inszeniert.
Zum Weiterlesen:
*Zoe Williams (2015): Katie Hopkins calling migrants vermin recalls the darkest events of history.
OK
Beim Suchen fand ich etwas, das ich nicht erwartet hatte, etwas, wofür auch Jahrzehnte von entschlossener Assimilation mich nicht blind machen konnten: In diesem schwulen Mekka war ich ein unsichtbarer Mann; immer noch hatte ich keinen Schatten, keine Substanz. Keine Geschichte, keinen Platz. Keine Spiegelung. Ich war ein Alien, ungesehen – und gesehen, ungewollt. Hier, wie in Hepzibah, war ich ein [N.], immer noch. Ich gab auf.
Richtig!
Beim Suchen fand ich etwas, das ich nicht erwartet hatte, etwas, wofür auch Jahrzehnte von entschlossener Assimilation mich nicht blind machen konnten: In diesem schwulen Mekka war ich ein unsichtbarer Mann; immer noch hatte ich keinen Schatten, keine Substanz. Keine Geschichte, keinen Platz. Keine Spiegelung. Ich war ein Alien, ungesehen – und gesehen, ungewollt. Hier, wie in Hepzibah, war ich ein [N.], immer noch. Ich gab auf.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Marlon Riggs (1957-1994) war US-amerikanischer Filmemacher, Dichter und gay-rights-Aktivist.
Quelle:
Aus Marlon Riggs‘ „Tongues Untied“, zitiert in: José Esteban Muñoz (1999): Disidentifications. Queers of Color and the Performance of Politics. Minneapolis: University of Minnesota Press, S. 9.
Kontext:
Riggs spricht davon, wie unterschiedliche Strukturen wie Rassismus und Sexualität sich gegenseitig beeinflussen. Das wird Intersektionalität genannt. Diskriminierung intersektional zu denken wird einer Lebensrealität gerecht, in der jede:r immer mehrere Zugehörigkeiten empfindet oder von der Gesellschaft zugeschrieben bekommt (Alter, Geschlecht, sexuelle Identität, Behinderung, legaler Status, Bildungsabschluss, u.v.m.). So schrieb beispielsweise Audre Lorde davon, dass sie innerhalb der lesbischen Community Schwarz und innerhalb der Schwarzen Community lesbisch sei. Lorde schreibt, dass es keine Hierarchie der Unterdrückung gibt, sodass man Unterdrückung immer in seinen vielfältigen Erscheinungsformen erkennen und bedenken muss.
Zum Weiterlesen:
*Marlon Riggs (1994): Black is … Black ain‘t. Dokumentarfilm. 87 min.
*Marlon Riggs (1989): Tongues untied. Dokumentarfilm. 55 min.
*Audre Lorde (2009): I Am Your Sister: Collected and Unpublished Writings of Audre Lorde. Oxford & New York: Oxford University Press.
OK
Ich kann mir nicht vorstellen, mich zu unterwerfen. Lieber sterbe ich. Aber kann ich von den Menschen verlangen, dass sie sich opfern? Denn diese wilden Tiere haben schon größere Reiche vernichtet.
Richtig!
Ich kann mir nicht vorstellen, mich zu unterwerfen. Lieber sterbe ich. Aber kann ich von den Menschen verlangen, dass sie sich opfern? Denn diese wilden Tiere haben schon größere Reiche vernichtet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Der Satz wird Sarraouina Mangou zugeschrieben, die Ende des 19. Jahrhunderts Königin im Niger gewesen und gegen die französischen Kolonialtruppen gekämpft haben soll. Die Jahreszahl ist eine ungefähre Angabe.
Quelle:
Moustapha M. Diallo (2014): Visionäre Afrikas. Wuppertal: Peter Hammer, S. 64.
Kontext:
„Sarraounia“ bedeutet in der Sprache Hausa „Königin“ oder „Chefin“. Während unterschiedlicher antikolonialer Kämpfe im Niger, wurde dieser Titel vor allem für weibliche Führerinnen verwendet. Allerdings ist davon hauptsächlich eine Führungsposition auf religiöser Ebene erhalten geblieben und auch diese ist für eine Sarraouina umkämpft. Viele Geschichtsbücher ignorieren in größten Teilen die Königinnen, Priesterinnen und Anführer:innen, was zu einem weiteren fehlenden Wissen über nicht-weiße Frauen und Kämpfe führt.
Zum Weiterlesen:
*Med Hondo (1986): Der Kampf der Schwarzen Königin. Historienfilm.
*Abdoulaye Mamani (1980): Sarraounia. Film.
*Stanley B. Alpern (2011): Amazons of Black Sparta: The Women Warriors of Dahomey. New York: New York University Press.
OK
Nichts, was der Große Geist in das Land der Indianer brachte, gefiel dem weißen Mann, und nichts entging seiner verwandelnden Hand. Wo die Wälder nicht abgeholzt sind, wo das Tier in seinen stillen Schutz zurückgezogen ist, wo die Erde nicht des vierfüßigen Lebens beraubt ist – das ist für ihn eine „ununterbrochene Wildnis“.
Richtig!
Nichts, was der Große Geist in das Land der Indianer brachte, gefiel dem weißen Mann, und nichts entging seiner verwandelnden Hand. Wo die Wälder nicht abgeholzt sind, wo das Tier in seinen stillen Schutz zurückgezogen ist, wo die Erde nicht des vierfüßigen Lebens beraubt ist – das ist für ihn eine „ununterbrochene Wildnis“.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Chief Luther Standing Bear (1868-1939) war Chief der Oglala Lakota (oder Oglala Sioux), Autor und Philosoph. Er trug dazu bei, dass indigene Kultur als holistisch und respektvoll der Natur gegenüber aufgefasst wurde.
Quelle:
First People: Chief Luther Standing Bear
Kontext:
Nicht nur in Amerika, aus dem dieses Zitat stammt, konstruierten Europäer:innen unbekannte Natur, Menschen und Lebensweisen als wild. Dieses Zitat legt nahe, dass dies bei den Lakota Sioux, zu denen Standing Bear gehörte, keineswegs der Fall war. Standing fährt fort:
„Er (der Lakota Sioux) wusste, dass das Herz eines Menschen abseits der Natur hart wird; Er wusste, dass mangelnder Respekt vor wachsenden, lebenden Wesen bald auch zu mangelndem Respekt gegenüber Menschen führte. So hielt er seine Kinder dem mildernden Einfluss der Natur nahe“ (ebd.). Paula Gunn Allen (1979, zitiert in Booth 2003) formulierte es so: „Das Land [die Natur] ist ein Teil von uns selbst.“
Zum Weiterlesen:
*Annie L. Booth (2003): We are the Land: Native American Views of Nature. In: Selin H. (eds) Nature Across Cultures. Science Across Cultures: The History of Non-Western Science, vol 4. Springer, Dordrecht.
OK
„Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute (Leibeigene) gehalten hat […], dass uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen […] erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten […]. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind […].“
Richtig!
„Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute (Leibeigene) gehalten hat […], dass uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen […] erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten […]. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind […].“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Der Verfasser ist umstritten. Verabschiedet wurde der Text nach einer Bauernversammlung in Memmingen im Rahmen des Deutschen Bauernkriegs (1524-26).
Quelle:
Zitat: Zwölf Artikel der Bauernschaft.
Bild: Cleveland Museum of Art, Public domain, via Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:K%C3%A4the_Kollwitz_(German,_1867-1945)_-_Beim_Dengeln,_Part_3_of_the_series_%22Peasants%27_War%22_(Beim_Dengeln,_Blatt_3_aus_dem_Zyklus_%22Bauernkrieg%22),_-_2014.348_-_Cleveland_Museum_of_Art.jpg
Kontext:
Im Nachgang der Reformation sahen sich viele Bauern:Bäuerinnen darin bestätigt, dass die bisherige Gesetzeslage nicht dem Willen Gottes entsprach und ihnen Unrecht getan wurde. Sie argumentieren mit der Bibel gegen die kirchlich sanktionierte Ordnung. Die Zwölf Artikel der Bauernschaft gelten als frühe Forderung nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa.
Neben der Abschaffung der Leibeigenschaft wird unter anderem das Recht auf Jagd und Fischerei auf gemeinschaftlichem Land/Wasser, die Freiheit, einen Pfarrer zu wählen und abzusetzen sowie eine unabhängige Gerichtsbarkeit gefordert. Die Aufständigen beriefen sich explizit auf Martin Luther (1483-1546), der den Aufstand jedoch ablehnte und zur Niederschlagung der Bauernaufstände aufrief. Die Niederschlagung folgte und die Zwölf Artikel der Bauernschaft traten nicht in Kraft.
Zum Weiterlesen:
*Julia Huber (06.01.2018): Im Allgäu liegt ein Ursprung der Menschenrechte, https://www.sueddeutsche.de/bayern/memmingen-im-allgaeu-liegt-ein-ursprung-der-menschenrechte-1.3813725
*Gesamter Urtext: https://web.archive.org/web/20071112051419/http://stadtarchiv.memmingen.de/918.html
OK
Was können wir machen, außer Widerstand zu leisten? (…) Es wird nicht leicht sein, ihre Verbrechen gegen unser Volk zu vergelten, denn jeder unserer Schritte wird auf massive und willkürliche Vergeltung stoßen. (…) Aber das Schicksal unseres Volkes auf dieser steht bereits fest. Das Urteil ist mit dem Blut von Millionen hilfloser Juden besiegelt worden. Wir können entweder mit ihnen sterben oder versuchen, ihren Tod zu rächen. Unsere Rache wird zügel- und erbarmungslos sein müssen.
Richtig!
Was können wir machen, außer Widerstand zu leisten? (…) Es wird nicht leicht sein, ihre Verbrechen gegen unser Volk zu vergelten, denn jeder unserer Schritte wird auf massive und willkürliche Vergeltung stoßen. (…) Aber das Schicksal unseres Volkes auf dieser steht bereits fest. Das Urteil ist mit dem Blut von Millionen hilfloser Juden besiegelt worden. Wir können entweder mit ihnen sterben oder versuchen, ihren Tod zu rächen. Unsere Rache wird zügel- und erbarmungslos sein müssen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Polen: Gusta Dawidsohn-Draenger
Gusta (1917-1943) kam in Krakau einer orthodoxen jüdischen Familie zur Welt. In ihrer Jugend schloss sie sich der zionistischen Jugendgruppe Akiva an, für deren Zeitung sie Artikel verfasste und in deren Vorstand sie wirkte. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war sie maßgeblich an der Koordinierung des jüdischen Widerstands gegen die Nazis beteiligt. Gemeinsam mit anderen – unter ihnen ihr Ehemann Shimshon Draenger – schmuggelte sie Waffen, organisierte Verstecke und kämpfte mit Partisanen in umliegenden Wäldern. Im November 1943 wurde sie mit ihrem Ehemann von den Deutschen ermordet. Zwischen Januar und März 1943 hatte sie im Gefängnis auf eine Rolle Klopapier ihren umfangreichen Erinnerungen festgehalten.
Quelle:
Jochen Kast (Hg., 1999): Das Tagebuch der Partisanin Justyna. Jüdischer Widerstand in Krakau. Berlin: Espresso Verlag.
Kontext:
Europaweit gab es verschiedenste widerständige Handlungen von Juden. Zu nennen sind hier bewaffnete Aktionen in Ghettos (der bekannteste ist der Aufstand im Warschauer Ghetto) und sogar in Vernichtungslagern sowie die Partisan*innenbewegungen in verschiedenen Ländern, Fluchten in die Wälder und das Untertauchen auf der „arischen“ Seite. Untergrundorganisationen verteilten Flugblätter und Zeitschriften, manch eine*r versuchte, die Arbeit in den Fabriken und Werkstätten in den Ghettos zu sabotieren.
In mindestens 50 Gettos im besetzten Polen entstanden bewaffnete Widerstandsgruppen. Es ist – wie auch im Falle der anderen europäischen Länder – kaum möglich, hier verlässliche Zahlen zu nennen. Zeitgenössische Quellen gibt es nur wenige, da Untergrundaktivitäten gerade nicht dokumentiert wurden, um sie geheim zu halten. Die meisten Informationen haben wir aus den Erinnerungen überlebender Kämpferinnen und Kämpfer.
Die Initiative zur Gegenwehr ergriffen zumeist jüngere Männer und Frauen, die bereits in politischen Organisationen beziehungsweise Jugendbewegungen zusammengeschlossen und in den Ghettos weiterhin aktiv waren und sich regelmäßig trafen, um über die gegenwärtige Situation und angemessene Reaktionen zu diskutieren.
Als sie allmählich von den Massenmorden in den Vernichtungslagern oder durch Erschießungen erfuhren, erschien vielen von ihnen eine Revolte immer zwingender. Manche der dann entstehenden Bewegungen waren über die Ghettogrenzen hinaus vernetzt. So gab es gute Kontakte zwischen der jüdischen Kampforganisation ŻOB (Żydowska Organizacja Bojowa) in Warschau, Krakau und Tschenstochau. Andere Gruppierungen, gerade diejenigen in kleineren Gettos, mussten vollständig unabhängig voneinander agieren.
Zum Weiterlesen:
Bundeszetnrale für politische Bildung (Andrea Löw, 2014): Widerstand und Selbstbehauptung von Juden im Nationalsozialismus.
OK
Die Piru-Indianer glaubten gewöhnlich, dass die Seelen nach diesem Leben weiterlebten (…). Zu diesem Zweck legten sie ihren Nachkommen Kleider an und brachten Opfer dar. (…) So töteten sie an dem Tag, an dem sie starben, die Frauen, die ihnen gefallen hatten, und Diener und Beamte, damit sie ihnen im anderen Leben dienen würden. (…) Der gleiche Aberglaube und die Unmenschlichkeit, Männer und Frauen für die Begleitung und den Dienst der Verstorbenen im Jenseits zu töten, haben andere barbarische Nationen benutzt und benutzen sie noch immer.
Richtig!
Die Piru-Indianer glaubten gewöhnlich, dass die Seelen nach diesem Leben weiterlebten (…). Zu diesem Zweck legten sie ihren Nachkommen Kleider an und brachten Opfer dar. (…) So töteten sie an dem Tag, an dem sie starben, die Frauen, die ihnen gefallen hatten, und Diener und Beamte, damit sie ihnen im anderen Leben dienen würden. (…) Der gleiche Aberglaube und die Unmenschlichkeit, Männer und Frauen für die Begleitung und den Dienst der Verstorbenen im Jenseits zu töten, haben andere barbarische Nationen benutzt und benutzen sie noch immer.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Padre José de Acosta (ca. 1539-1600) war spanischer Jesuit. Nachdem er in Spanien an der Universität gelehrt hatte, reiste er 1570 als Missionar in die Amerikas. Er ist Verfasser von „Historia natural y moral de las Indias“, aus dem das Zitat stammt.
Quelle:
Padre Joseph de Acosta (1589): Historia Natural y Moral de las Indias. Sevilla: Casa de Juan de Leon, S. 26.
Kontext:
Mit der Bezeichnung der indigenen Bevölkerung der Amerikas als bestialisch, kannibalistisch, als Teufelsanbeter:innen etc. rechtfertigten die Spanier:innen ihr Eroberungen. So konnten sie ihre Jagd nach Gold und Silber als Zivilisierungsmission tarnen (Federici 2014: 267). Diese Erzählungen, u.a. von de Acosta weitergeführt, halfen der spanischen Krone, um vom Papst 1508 die komplette Autorität über die Amerikas zugesprochen zu bekommen und rechtfertigten Unterwerfung, Versklavung, Vergewaltigung, Folter und Vernichtung. Einige vorkoloniale Gesellschaften in den Amerikas brachten tatsächlich massenhaft Menschenopfer. Allerdings standen diese in keinem Verhältnis zu der fast vollständigen Vernichtung der indigenen Bevölkerung durch die Spanier:innen, die u.a. der Dominikanermönch Bartolomé de las Casas beschreibt. Laut dem Cortez kamen 1521 bei der Eroberung der aztekitschen Stadt Tenochtitlan 100.000 Menschen ums Leben (ebd.: 269).
Zum Weiterlesen:
*James Cockcroft (1983): Mexico: Class Formation, Capital Accumulation and the State. New York: Monthly Review Press, S. 19
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie, S. 267ff.
*Teno, Jean Marie (2004): „Gehet hin in alle Welt …“ Die deutsche Mission in Afrika. Dokumentarfilm. Frankreich/ Deutschland.
OK
In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die N**** sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.
Richtig!
In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die N**** sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Immanuel Kant (1724-1804) war der bekannteste deutsche Philosoph der Aufklärung. Er hat fast sein gesamtes Leben in Königsberg verbracht. Er war bei der Prägung der Rassentheorie für den deutschsprachigen Raum von zentraler Bedeutung.
Quelle:
Immanuel Kant (1764): Physische Geographie 2. T. 1. Abs. § 3 (IX 195). Königsberg: Göbbels und Unzer.
Kontext:
Obwohl die Aufklärung allgemein mit der Aufklärung die universellen Menschenrechte verbunden wird, war sie auch die Zeit der aufkommenden Rassentheorien. Die Vorstellung, dass alle Menschen gleich und frei waren, war eine Bedrohung für diejenigen, die von gesellschaftlichen Ungleichheiten profitierten. Darum brauchte es eine parallele Theorie, die belegten sollte, warum einige eben doch nicht ganz gleichwertig sein können (siehe oben Adorno und Horkheimer und ihre „Die Dialektik der Aufklärung“). Immanuel Kant versuchte, eine „Rassenhierarchie“ zu konstruieren, die auf „Rationalität“, „Moral“, „Mündigkeit“, „Erziehbarkeit“ und „Faulheit“ als Merkmale des Andersseins aufbaute. Er platzierte den weißen Mann im Zentrum dieser Ideologie und machte ihn zur Norm, an der Fortschritt gemessen wurde. Die Abwertung von People of Color ging bei Kant so weit, dass er sich bei bestimmten Weltregionen fragte, warum sie überhaupt existierten.
Zum Weiterlesen:
*Peggy Piesche (2005): Der „Fortschritt“ der Aufklärung – Kants „Race“ und die Zentrierung des weißen Subjekts. In: Maureen Maisha Eggers et al. (Hrsg.): Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster: Unrast, S. 30-39.
*Bayrischer Rundfunk (17.09.2020): „Philosophen der Aufklärung: Waren Hegel, Kant und Co. Rassisten?„
OK
Nachdem meine Schule von den Nazis geschlossen wurde, arrangierte meine Mutter, dass ich als Auszubildende in Dr. Helmys illegaler Praxis in der Krehfelder Straße arbeiten konnte, sodass ich später einmal Krankenschwester werden konnte.
Richtig!
Nachdem meine Schule von den Nazis geschlossen wurde, arrangierte meine Mutter, dass ich als Auszubildende in Dr. Helmys illegaler Praxis in der Krehfelder Straße arbeiten konnte, sodass ich später einmal Krankenschwester werden konnte.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Rumänien: Anna Bros.
Anna Boros wird 1925 in Arad in Rumänien geboren. Als sich ihre Eltern trennen, zieht sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach Berlin. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialist*innen 1933 ändert sich das Leben der Familie: Anna kann als Jüdin aufgrund der nationalsozialistischen Gesetzgebung keine Schule mehr besuchen und keine Ausbildung absolvieren. Ihr Wunsch, Kinderkrankenschwester zu werden, der zunächst noch in einem jüdischen Kinderheim möglich scheint, wird durch die Schließung aller jüdischen Einrichtungen vereitelt. Durch die Enteignung des Familienbetriebes kann Anna auch dort keine Ausbildung aufnehmen. Mit dem Beginn der Deportation von Juden*Jüdinnen nimmt die Verfolgung der Familie weiter zu: Anna, ihr Onkel und ihre Großmutter gehen 1942 in den Untergrund. Ihr Arzt, der in Berlin lebende Ägypter Dr. Mohamed Helmy, verhilft der Familie in den Untergrund und versorgt sie auch mit Lebensmitteln. Durch seine Unterstützung überlebt sie die Shoa und bleibt mit Helmy bis zu ihrem Tod in tiefer Freundschaft verbunden.
Quelle:
Kontext:
Ungefähr 1700 Juden überlebten in Berlin in Verstecken oder unter Annahme einer falschen Identität. Speziell die Rettung von Kindern stand im Mittelpunkt vieler Bemühungen. In Belgien beispielsweise organisierten jüdische Verteidigungskomitees die Rettung von Kindern vor der Deportation.
Durch Hollywoodfilme wie Schindlers Liste (Steven Spielberg) oder Inglourious Basterds (Quentin Tarantino) wurden Rettungsaktionen und jüdische Nazi-Jäger einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Mohammed Helmys Geschichte hingegen wird erst seit 2017 durch zwei Publikationen von Ronen Steinke und Igal Avidan umfangreich aufgearbeitet.
Zum Weiterlesen:
Igal Avidan (2017): Mod Helmy. Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete. München: dtv.
OK
„Daß es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben […], wissen wir erst, seitdem Millionen von Menschen auftauchten, die solche Rechte verloren hatten […].“
Richtig!
„Daß es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben […], wissen wir erst, seitdem Millionen von Menschen auftauchten, die solche Rechte verloren hatten […].“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Hannah Arendt (1906-1975) war eine jüdische deutsch-US-amerikanische Theoretikerin und Journalistin, die durch die Nationalsozialist:innen in die Emigration gezwungen wurde und vor dem Hintergrund dieser Erfahrung dachte, schrieb und handelte.
Quelle:
Zitat: Hannah Arendt (1949): „Es gibt nur ein einziges Menschenrecht“, erschienen in: Die Wandlung, 4. Jg., Herbstheft 1949, S. 754-770, S. 759.
Bild: By Barbara Niggl Radloff – sammlungonline.muenchner-stadtmuseum.de, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127246587
Kontext:
Das Zitat stammt aus Arendts Essay „Es gibt nur ein einziges Menschenrecht“ aus dem Herbst 1949. Ausgehend von sog. Displaced Persons, von Staatenlosen, die sich nicht auf ihre Staatsbürgerlichkeit und damit verbundene Rechte berufen können, fragt sie, welche Rechte „verlustig gingen, als sie ihre Menschenrechte verloren“. Arendt verweist darauf, dass die Menschenrechte gerade die Entrechteten, also diejenigen, die den Schutz der Menschenrechte am dringlichsten bräuchten, nicht schützen können. Daher müssten sie, ausgehend von den Entrechteten, neu gedacht werden. Arendts Überlegungen beziehen sich vor allem auf die durch nationalsozialistische Verfolgung Entrechter und Staatenloser und ihre eigene Erfahrung als solche.
Zum Weiterlesen:
*Deutschlandfunk (Thomas Meyer, 15.12.2015): https://www.deutschlandfunk.de/hannah-arendt-ueber-fluechtlinge-es-bedeutet-den-100.html
*Michael Rothberg (2021): An den Grenzen des Eurozentrismus. Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, in: Michael Rothberg: Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung. Berlin: Metropolverlag, S. 59-96.
*Thomas Meyer (2023): Hannah Arendt. Die Biographie. München: Piper Verlag.
OK
Ich werde sterben. Aber ich werde zurückkommen und Millionen sein.
Richtig!
Ich werde sterben. Aber ich werde zurückkommen und Millionen sein.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Tupac Katari (1750-1781) war ein Aymara-Anführer in der Rebellion gegen die spanischen Kolonisatoren im heutigen Bolivien. Er hatte die Namen von früheren Widerstandkämpfern (Tomás Katari und Túpac Amaru) übernommen, die von den Spaniern 1572 umgebracht worden waren.
Quelle:
Zitiert nach Thomas Guthmann (2017): Körper im Zeichen des Zeitstrahls. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand, S. 98
Kontext:
Tupac Katari versammelte eine Armee von 40.000 Kämpfer:innen und belagerte La Paz. Seine Frau Bartolina Sisa hatte die Befehlsgewalt über die Belagerung und spielte nach der Festnahme Kataris eine wichtige Rolle. Als in fast allen lateinamerikanischen Ländern im 19. Jahrhundert der europäische Kolonialismus erfolgreich abgeworfen wurde, bedeutete das jedoch nicht, dass sich freie und gleiche Gesellschaften entwickeln konnten. Denn das formale Ende des europäischen Kolonialismus‘ bedeutete nicht das Ende der Herrschaftsverhältnisse. Neue Hierarchien wurden geschaffen, die Verteilung von Reichtum in vielen Ländern ist an Klasse, „Rasse“ und Geschlecht gebunden. Anibal Quijano argumentiert, dass der globale Kapitalismus den Kolonialismus als Herrschaftssystem ablöste und die Hauptprofiteur:innen dieses Systems noch immer die Europäer:innen und ihre Nachkommen in anderen Ländern sind (Quijano 2007: 168). Tupac Kataris Ausspruch wurde 2003 wieder aufgegriffen, als sich die Bevölkerung von Bolivien dem Ausverkauf des Erdgases widersetzte. „Als der neoliberale Präsident Sanchez de Lozada aus dem Präsidentenamt vertrieben wurde, hallte der Spruch durch die Straßen El Altos“ (Guthmann 2017: 98). Auch der ehemalige bolivianische Präsident Evo Morales sieht sich in Tupac Kataris Widerstandstradition (Morales Antrittsrede dokumentiert in New York Times, 23.01.2006).
Zum Weiterlesen:
*Thomas Guthmann (2017): Körper im Zeichen des Zeitstrahls. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand.
*Anibal Quihano (2007): Coloniality and Modernity/Rationality, Cultural Studies 21 (2-3); 168-178.
**The New York Times (23.01.2006): “Bolivia Indians Hail the Swearing In of One of Their Own as President.”
OK
„Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die N* sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“
Richtig!
„Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die N* sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Immanuel Kant (1724-1804) war ein Philosoph der Aufklärung, der in Königsberg, heute Kaliningrad, lebte. Seine Philosophie gilt bis heute als bahnbrechend und er wird als Vater der Menschenrechte gefeiert.
Quelle:
Zitat: Immanuel Kant (1802): Vorlesung über Physische Geographie, eine auf Grundlage von Kants verschollenen Manuskripten zusammengestellte Vorlesungsnachschrift, die 1802 erschien, AA 9: 316. Bild: Quelle: Von Johann Gottlieb Becker (1720-1782) – http://www.philosovieth.de/kant-bilder/bilddaten.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32860677
Kontext:
Das Zitat stammt aus einer Vorlesung zur „Physischen Geographie“, die Kant von 1755 bis zum Ende seiner Lehrtätigkeit 1796 regelmäßig hielt. Sie ist vor allem in Form von Nachschriften von Studenten Kants überliefert, weshalb nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann, was Kant genau sagte. Kant bezog sein Wissen vor allem aus Reiseberichten, in diesem Fall von Georges-Louis Leclerc de Buffon. Das Zitat steht in einem Widerspruch zu Kants Ethik und Moralphilosophie, die die Gleichheit aller Menschen voraussetzt und auch für die Erklärung der Menschenrechte als grundlegend gilt. Seit einigen Jahren wird über diesen Widerspruch in Öffentlichkeit und Forschung lebhaft debattiert. Kant wird aufgrund solcher Passagen in kritischer Absicht von manchen als Begründer der modernen Racen-Theorie bezeichnet.
Zum Weiterlesen:
*Andrea Esser (18.07.2023): Wie umgehen mit dem rassistischen Erbe in der Philosophie? Die richtigen Fragen stellen!, in: praefaktisch, https://praefaktisch.de/rassismus/wie-umgehen-mit-dem-rassistischen-erbe-in-der-philosophie-die-richtigen-fragen-stellen/ *Interdisziplinäre Diskussionsreihe der BBAW (2021/2022): Kant – Ein Rassist?, https://www.bbaw.de/mediathek/archiv-2020/kant-ein-rassist-interdisziplinaere-diskussionsreihe
OK
Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Frag mich nichts, gib mir nur Streichholz und Öl. Das Bassin-Gefängnis, da ist das Geld.
Richtig!
Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Frag mich nichts, gib mir nur Streichholz und Öl. Das Bassin-Gefängnis, da ist das Geld.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Lied über Mary Thomas (ca. 1848–1905), genannt Königin Mary (Queen Mary). Sie war eine von drei schwarzen Anführer*innen der Arbeiter*innenproteste auf den Jungferninseln, damals dänische Kolonie.
Quelle:
Zitat: Jeannette Allis Bastian (2003): Owning Memory: How a Caribbean Community Lost its Archives and Found its History. London: Libraries Unlimited, S. 12.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Obwohl die Sklaverei 1848 abgeschafft wurde, waren die Arbeitsbedingungen nicht viel besser geworden. Queen Mary organisierte mit Queen Agnes und Queen Mathilda die sogenannte Fireburn-Proteste („brennendes Feuer“) 1878. Dies waren die größten Arbeiter*innenproteste in der dänischen Geschichte (The Workers Museum 2018: Fireburn) in Bezug auf die Beteiligung an den Protesten, die Zerstörung von Infrastruktur und vor allem, den Verlust von Leben, besonders auf der Seite der Rebell*innen (Gespräch von glokal mit Gunvor Simonsen, Universität Kopenhagen 2020). Durch Statuen auf den Inseln sowie in Dänemark, durch Lieder und durch Theateraufführungen werden die Erinnerungen an die drei „Königinnen“ aufrecht erhalten.
Zum Weiterlesen:
*Gunvor Simonsen (2017): Slave Stories: Law, Representation, and Gender in the Danish West Indies. Aarhus: Aarhus Universitetsforlag.
*Jeannette Allis Bastian (2003): Owning Memory: How a Caribbean Community Lost Its Archives and Found Its History. London: Libraries Unlimited.
OK
Aber mit dieser Güte nicht zufrieden, dringt der Mensch in die Eingeweide seiner Mutter ein, durchwühlt ihren Leib, verletzt und beschädigt alle inneren Teile. So zerfleischt er schließlich den ganzen Körper und lähmt dessen Kräfte völlig.
Richtig!
Aber mit dieser Güte nicht zufrieden, dringt der Mensch in die Eingeweide seiner Mutter ein, durchwühlt ihren Leib, verletzt und beschädigt alle inneren Teile. So zerfleischt er schließlich den ganzen Körper und lähmt dessen Kräfte völlig.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Paul Schneevogel (1460 – ca. 1517, auch bekannt als Paulus Niavis) war Philologe und Gymnasiallehrer. Er studierte in Ingolstadt und Leipzig. Zuletzt arbeitete er als Stadtschreiber in Bautzen.
Quelle:
Ulrich Grober (2010): Wem gehört die Erde.
Kontext:
Die Erzählung „Iudicium Iovis – Das Gericht Jupiters, gehalten im Tal der Schönheit…“ stellt sich als ein frühes und radikales grünes Manifest dar. Es geht darin u.a. um eine Gerichtsverhandlung der antiken Götter gegen den Bergmann wegen Vergewaltigung und Schändung der Mutter Erde. Das Zitat entstammt der Rede des Anwalts der Mutter Erde. Hier kritisiert Schneevogel, dass die Menschen nicht anerkennen, dass sie durch die Zerstörung der Natur ihre eigenen Lebensgrundlagen vernichten. Der Kontext war die Ausbeutung von Silbervorkommen im Erzgebirge im 15. Jahrhundert, welche große Schäden in der Natur hinterließ. Das Bild zeigt Arbeiter des Silberbergbaus im Freiburger Münster.
Die Inka in Peru ließen das Silber im Berg. Es gibt eine Überlieferung, die besagt, dass der Berg selbst ihnen die Ausbeutung verbot. Anfang des 16. Jhd. errichteten die spanischen Kolonisator:innen jedoch Silberminen und zwangen Arbeiter:innen mit dem System der ‚Mita‘ zur Arbeit unter Tage (Lateinamerika-Institut FU-Berlin, 2011). Auch heute noch wehren sich soziale Bewegungen weltweit gegen die Ausbeutung von Bodenschätzen, z.B. in Kolumbien gegen den Goldbergbau (Democracy Now, 18.05.2018).
Zum Weiterlesen:
*Lateinamerika-Institut FU Berlin (2011): Die Silberminen in Potosi (Peggy Goede).
*Democracy Now (2018): Afro-Colombian Activist Francia Márquez, 2018 Goldman Prize Winner, on Stopping Illegal Gold Mining.
OK
Westliche Filme scheinen immer die Native American Frauen beim Wäsche waschen im Fluss zu zeigen, Männer mit Tomahawks oder Speeren in der Hand, geschmückt mit vielen Federn. Diese Bilder sind in den Köpfen einiger Menschen hängengeblieben. Viele denken, dass wir entweder Visionäre sind, „edle Wilde“, (…) oder tragische Alkoholiker*innen. Wir werden selten als wirkliche Menschen dargestellt, die eine größere Zähigkeit im Hinblick darauf haben, an unserem Kultur- und Wertesystem festzuhalten als die meisten Menschen.
Richtig!
Westliche Filme scheinen immer die Native American Frauen beim Wäsche waschen im Fluss zu zeigen, Männer mit Tomahawks oder Speeren in der Hand, geschmückt mit vielen Federn. Diese Bilder sind in den Köpfen einiger Menschen hängengeblieben. Viele denken, dass wir entweder Visionäre sind, „edle Wilde“, (…) oder tragische Alkoholiker*innen. Wir werden selten als wirkliche Menschen dargestellt, die eine größere Zähigkeit im Hinblick darauf haben, an unserem Kultur- und Wertesystem festzuhalten als die meisten Menschen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Wilma Mankiller (1945-2010) war eine Native American Aktivistin, Feministin und Chief der Cherokee/Tsalagi Nation.
Quelle:
Jone Johnson Lewis (2017): Wilma Mankiller Quotes. (Orginalquelle unbekannt)
Kontext:
Besonders in Western-Filmen, aber auch in anderen Genres ist stereotype Darstellung von Native Americans verbreitet. Oft wurden sie einseitig als gewalttätige Bedrohung dargestellt und somit auch von der Kulturindustrie Hollywoods die Enteignungen und Genozide indigener Menschen in den Amerikas rückwirkend gerechtfertigt. Gleichzeitig wurden weiße Menschen meist als Individuen und Vertreter von höherer Kultur dargestellt und so die weiße Überlegenheit gefestigt. Wilma Mankiller, erste weibliche Chief der Cherokee, setzte auf Empowerment und die Verbreitung positiver Selbstbilder von marginalisierten Gruppen, um gezielt dieser rassistischen Bildproduktion entgegenzuwirken. John Wayne, der bekannteste Western-Schauspieler, hat über die Enteignung der Indigenen behauptet: „Wir haben nichts falsch gemacht, als wir ihnen dieses großartige Land weggenommen haben. Dieser sogenannte Diebstahl war nichts anderes als eine Frage des Überlebens.“ (Der Spiegel, 11.06.2019)
Zum Weiterlesen:
*Neil Diamond (2010): Reel Injun. Dokumentarfilm. (Trailer)
*Red Haircrow et al. (derzeit in Arbeit): Forget Winnetou. Going beyond Native Stereotypes. Dokumentarfilm.
*Matika Wilbur (2013): Changing the way we see Native Americans. Dokumentarfilm.
*Der Spiegel (11.06.2019): Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf.
OK
Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch.
Richtig!
Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Theodor W. Adorno (1903-1969), geboren in Frankfurt am Main als Theodor Ludwig Wiesengrund, war u.a. Philosoph und Mitbegründer der „Frankfurter Schule“ und bekannt für Studien zum autoritären Charakter.
Quelle:
Theodor W. Adorno (1975): Schuld und Abwehr. Gesammelte Schriften Band 9/2. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Kontext:
Adorno hatte unter den Nazis seit 1933 Lehrverbot, da er väterlicherseits aus einer jüdischen Familie stammte. Er emigrierte in die USA. Nach seiner Rückkehr 1953 beobachtete er im postnationalsozialistischen Deutschland, wie der Begriff „Rasse“ ein Tabuwort geworden war und immer weiter aus dem Sprachgebrauch gestrichen wurde. Zusammen mit Max Horkheimer beschrieb er in der Dialektik der Aufklärung und im Lichte der deutschen Gesellschaft nach Auschwitz eine Kritik der Aufklärung und des Fortschrittdenkens. Etienne Balibar und Stuart Hall haben später mit ihren Forschungen zu „Kulturellem Rassismus“ und „Rassismus ohne Rassen“ auf Beobachtungen von Adorno und anderen aufgebaut.
Zum Weiterlesen:
*Stuart Hall (1989): Rassismus als ideologischer Diskurs. In: Das Argument Nr. 178, Jg. 31, S. 913-921.
*Katrin Osterloh & Nele Westerholt (2011): Kultur. In: Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast, S. 412-416.
*Rudolf Leiprecht (2001): Alltagsrassismus. Eine Untersuchung bei Jugendlichen in Deutschland und den Niederlanden. Münster: Waxmann.
OK
„Vor allem konstatieren wir die Tatsache, daß die sogenannten Menschenrechte […] nichts anderes sind als die Rechte des Mitglieds der bürgerlichen Gesellschaft.“
Richtig!
„Vor allem konstatieren wir die Tatsache, daß die sogenannten Menschenrechte […] nichts anderes sind als die Rechte des Mitglieds der bürgerlichen Gesellschaft.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Karl Marx (1818-1883) war Gesellschaftstheoretiker, Philosoph und Ökonom und gilt als ein wichtiger Theoretiker der Arbeiter*innenbewegung.
Quelle:
Zitat: Karl Marx (1843): Zur Judenfrage, MEW, Band 1, S. 364.
Bild: By John Jabez Edwin Mayal – International Institute of Social History in Amsterdam, Netherlands, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7633749
Kontext:
In „Zur Judenfrage“ befasst sich Marx mit dem Kampf von Juden:Jüdinnen um gleiche Rechte in der modernen Gesellschaft. Liberale Menschenrechte interpretiert er als Abwehrrechte, die vor staatlichen Übergriffen oder Konflikten schützen sollen. Insofern unterstellen sie aus Marx’ Sicht implizit ein primär feindseliges Verhältnis zwischen Menschen und sind Ausdruck der durch Konkurrenzverhältnisse geprägten bürgerlichen Gesellschaftsordnung, die eine solche Gesellschaft mitzementiert, statt zu ihrer Überwindung beizutragen. Gegen die liberalen Menschenrechte, welche die ökonomische Ausbeutung nur verschleierten, setzt Marx deshalb auf deren Abschaffung. Auf Marx’ Kritik stützen sich sowohl die Arbeiter:innenbewegung als auch anti-koloniale Befreiungsbewegungen.
Zum Weiterlesen:
*Karl Marx (1956): „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, in: Marx-Engels-Werke 1. Berlin: Karl Dietz Verlag Berlin, S. 201–336.
*Christoph Menke (2015): Kritik der Rechte. Berlin: Suhrkamp Verlag.
*Eleonora Roldán Mendívil, Bafta Sarbo (Hrsg. 2022): Die Diversität der Ausbeutung. Zur Kritik des herrschenden Antirassismus, Berlin: Karl Dietz Verlag Berlin.
OK
Nun wollen wir in Schiffen über das Meer fahren, da und dort ein junges Deutschland gründen, es mit den Ergebnissen unseres Ringens und Strebens befruchten, die edelsten, gottähnlichsten Kinder zeugen und erziehen: wir wollen es besser machen als die Spanier, denen die neue Welt ein pfäffisches Schlächterhaus, anders als die Engländer, denen sie ein Krämerkasten wurde. Wir wollen es deutsch und herrlich machen […]
Richtig!
Nun wollen wir in Schiffen über das Meer fahren, da und dort ein junges Deutschland gründen, es mit den Ergebnissen unseres Ringens und Strebens befruchten, die edelsten, gottähnlichsten Kinder zeugen und erziehen: wir wollen es besser machen als die Spanier, denen die neue Welt ein pfäffisches Schlächterhaus, anders als die Engländer, denen sie ein Krämerkasten wurde. Wir wollen es deutsch und herrlich machen […]
Jahr:
Autor*inneninfo:
Richard Wagner (1813-1883) war deutscher Komponist, Dichter und Schriftsteller. Das Zitat stammt aus einer Rede vor dem Dresdner Vaterlandsverein am 15.06.1848. Er verfasste unter anderem die antisemitische Schrift „Das Judentum und die Musik“.
Quelle:
Carl Friedrich Glasenapp (1905): Das Leben Richard Wagners in sechs Bänden. 2. Bd. 1843-1853. Leipzig: Breitkopf und Härtel, S. 460.
Kontext:
Schon bevor das deutsche Reich Kolonialmacht wurde, war die Begeisterung für die Kolonisierung nicht nur in den konservativen Kreisen, in denen Richard Wagner verkehrte, groß. Ehe Kanzler Bismarck 1884 die europäischen Großmächte nach Berlin einlud, um den große Teile Afrikas unter sich aufzuteilen, hatte es in Lateinamerika, Afrika und Asien Privatkolonien deutscher Fürst:innen und Händler:innen gegeben. Bereits 1683 wurde im heutigen Ghana eine kurbrandenburgische Kolonie gegründet, eine Festung, die eine wichtige Niederlassung für die deutsche Beteiligung am transatlantischen Versklavungshandel war. Venezuela war von 1528 bis 1558 „Hauskolonie“ des Bankhauses Welser (Augsburg/Nürnberg). Auch andere deutsche Kaufleute waren ebenfalls entweder am Sklavenhandel beteiligt oder profitierten wirtschaftlich von ihm (Potts 1988: 18). Nachdem sich die meisten Kolonien in langen Kämpfen befreiten, lebte Kolonialromantik in Abenteuerromanen und Filmen weiter (z.B,„Jenseits von Afrika“ von 1985). Auch in Reiseberichten junger Menschen aus dem Globalen Norden lassen sich Spuren davon finden (glokal 2013).
Zum Weiterlesen:
*glokal 2013: „Mit kolonialen Grüßen…“ Bericht und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet.
*Lydia Potts (1988): Weltmarkt für Arbeitskraft. Hamburg: Junius.
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1500
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