Unbekannter Journalist der Tageszeitung Rheinische Post.
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OK
Spanier sollen nicht nur den allgemeinen Personenmangel mildern helfen: sie sollen vor allem viele Frauen entlasten, auf die sich die Post schon seit Monaten stützen muss. Von 1700 Kräften des Hauptpostamtes sind mehr als die Hälfte – genau 900 – weiblichen Geschlechts. Oberpostdirektor Kröpf: „Unsere Arbeit ist vielfach so schwer, dass wir da eigentlich keine Frauen beschädigen sollten. Hier nun sollen – vornehmlich im Verladedienst auf dem Bahnhof – die Spanier einspringen.“
Richtig!
Spanier sollen nicht nur den allgemeinen Personenmangel mildern helfen: sie sollen vor allem viele Frauen entlasten, auf die sich die Post schon seit Monaten stützen muss. Von 1700 Kräften des Hauptpostamtes sind mehr als die Hälfte – genau 900 – weiblichen Geschlechts. Oberpostdirektor Kröpf: „Unsere Arbeit ist vielfach so schwer, dass wir da eigentlich keine Frauen beschädigen sollten. Hier nun sollen – vornehmlich im Verladedienst auf dem Bahnhof – die Spanier einspringen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Zitat: Zitiert nach Ceren Türkmen. Originalquelle: Lokale Tageszeitung: Rheinische Post vom 16.11.1962. Ohne Seitenangabe.
Bild: pics.de
Kontext:
Die Geschichtschreibung des Gastarbeitsdiskurses wird meistens aus hegemonialen Quellen beschrieben, wie in diesem Zitat von der Rheinischen Post, die das mangelhafte Deutsch der männlichen Arbeitsmigranten in den Vordergrund stellt und gleichzeitig die in den 1960er Jahren in Westdeutschland verbreitete Einstellung vertritt, dass deutsche Frauen eigentlich keiner Lohnarbeit nachgehen sollten. Während es schon seit Beginn der „Gastarbeiter-Anwerbung“ migrantische Widerstände gab, ist die Kritik der migrantischen Arbeiter:innen erst in den letzten zwei Jahrzehnten (z.B. mit Feridun Zaimoğlus Buch „Kanak Sprak. 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft“ von 1995) im Mainstream wahrgenommen worden.
Zum Weiterlesen:
*Ceren Türkmen (2017). Gastarbeitsgeschichte zwischen Migrationsregime, Staat und kommunaler Befreiung. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand.
*Ceren Türkmen (2011): Diskontinuität und Kohärenz. Gastarbeitsmigration und die Organisierung der Arbeitsteilung in Deutschland. In: Jane Angerjärv, Hella Hertzfeldt (Hrsg.): Geschlecht – Migration – Integration. Manuskripte 94. Berlin, S. 51-65.
OK
„Die psychologischen Eigenheiten der Amerikaner weisen Züge auf, die der Psychoanalyse zugänglich wären, da sie auf eine starke sexuelle Unterdrückung hinweisen. Die Gründe für die Verdrängung sind im spezifisch amerikanischen Komplex zu suchen, nämlich im Zusammenleben mit den niederen Rassen, insbesondere den N*****. Das Zusammenleben mit den barbarischen Rassen hat eine suggestive Wirkung auf die mühsam unterworfenen Instinkte der weißen Rasse und zieht sie herunter. Daher sind stark ausgeprägte Abwehrmaßnahmen notwendig, die sich in den besonderen Aspekten der amerikanischen Kultur manifestieren. […]“
Richtig!
„Die psychologischen Eigenheiten der Amerikaner weisen Züge auf, die der Psychoanalyse zugänglich wären, da sie auf eine starke sexuelle Unterdrückung hinweisen. Die Gründe für die Verdrängung sind im spezifisch amerikanischen Komplex zu suchen, nämlich im Zusammenleben mit den niederen Rassen, insbesondere den N*****. Das Zusammenleben mit den barbarischen Rassen hat eine suggestive Wirkung auf die mühsam unterworfenen Instinkte der weißen Rasse und zieht sie herunter. Daher sind stark ausgeprägte Abwehrmaßnahmen notwendig, die sich in den besonderen Aspekten der amerikanischen Kultur manifestieren. […]“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Carl Gustav Jung (1875-1961) war ein Schweizer Psychiater. In den 1920er Jahren, machte Jung einige lange Reisen zu verschiedenen Teilen Afrikas, außerdem besuchte er Indigene Gruppen in Nordamerika. Er gilt als Begründer der analytischen Psychologie.
Quelle:
Fernando, Suman (2017). Rassedenken und Rassismus werden zur Norm. In: Institutioneller Rassismus in Psychiatrie und klinischer Psychologie. Contemporary Black History. Palgrave Macmillan, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-319-62728-1_3
Kontext:
Die Analytische Psychologie wurde in Abgrenzung zur Psychoanalyse Freuds entwickelt. Jung war von 1907 bis 1913 ein Schüler und Freund Freuds. Analytische Psychologie wird überwiegend als Einzeltherapie angeboten. Hier sitzen sich Klient*in und Therapeut*in in der Regel gegenüber. Angestrebt wird ein Dialog zwischen beiden als gleichberechtigten Partner*innen und eine tiefe menschliche Begegnung. Die Therapeut*in wird aber auch als Belehrende und „Seelenführer*in“ verstanden.
Neben Kranheitsursachen in der individuellen Lebensgeschichte und in der gesellschaftlichen und kulturellen Situation gibt es auch Lebenskonflikte, die alle Menschen bewältigen müssen: die sogenannten archetypischen Probleme. Seine Beschreibungen dieser Archetypen basieren u.a. auf rassistischen Stereotypen die durch den Kolonialismus Einklang in europäische Wissenschaften gefunden haben.
Deshalb wird die Klient*in in der Analytischen Psychotherapie mit archetypischen Lösungswegen, wie sie in Mythen oder Märchen aufgezeigt werden, in Kontakt gebracht. Hierbei kommt es Unweigerlich zur Reproduktion von rassistischen und sexistischen Stereotypen. Die „Heilung“ soll durch Individuation erreicht werden. Individuation geschieht über Bewußtmachung und Integration bislang unbewußter polarer Persönlichkeitsanteile wie z.B. dem sogenannten Schatten als negativem oder dem Animus bzw. der Anima als gegengeschlechtlichen Anteil.
Zum Weiterlesen:
Typology Triad Blog (2021): Jung and racism.
OK
Was können wir machen, außer Widerstand zu leisten? (…) Es wird nicht leicht sein, ihre Verbrechen gegen unser Volk zu vergelten, denn jeder unserer Schritte wird auf massive und willkürliche Vergeltung stoßen. (…) Aber das Schicksal unseres Volkes auf dieser Erde steht bereits fest. (…) Wir können entweder mit ihnen sterben oder versuchen, ihren Tod zu rächen. Unsere Rache wird zügel- und erbarmungslos sein müssen.
Richtig!
Was können wir machen, außer Widerstand zu leisten? (…) Es wird nicht leicht sein, ihre Verbrechen gegen unser Volk zu vergelten, denn jeder unserer Schritte wird auf massive und willkürliche Vergeltung stoßen. (…) Aber das Schicksal unseres Volkes auf dieser Erde steht bereits fest. (…) Wir können entweder mit ihnen sterben oder versuchen, ihren Tod zu rächen. Unsere Rache wird zügel- und erbarmungslos sein müssen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Gusta Dawidsohn-Draenger (1917-1943) kam in Krakau in einer orthodoxen jüdischen Familie zur Welt. In ihrer Jugend schloss sie sich der zionistischen Jugendgruppe Akiva an, für deren Zeitung sie Artikel verfasste und in deren Vorstand sie wirkte. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war sie maßgeblich an der Koordinierung des jüdischen Widerstands gegen die Nazis beteiligt. Gemeinsam mit anderen – unter ihnen ihr Ehemann Shimshon Draenger – schmuggelte sie Waffen, organisierte Verstecke und kämpfte mit Partisan:innen in den umliegenden Wäldern. Im November 1943 wurde sie mit ihrem Ehemann von den Deutschen ermordet. Zwischen Januar und März 1943 hatte sie im Gefängnis auf einer Rolle Toilettenpapier ihre umfangreichen Erinnerungen festgehalten.
Quelle:
Jochen Kast, Bernd Siegler & Peter Zinke (1999): Das Tagebuch der Partisanin Justyna. Jüdischer Widerstand in Krakau. Berlin: Elefanten Press. Die Jahreszahl (1943) bezeichnet das ungefähre Entstehungsdatum des Zitats.
Kontext:
Das vorliegende Zitat, worin Gusta Draenger-Dawidson ihren Mann Shimshon Draenger zitiert, zeugt vom bewaffneten Widerstand gegen die Nazis in Polen. Jüdischer Widerstand gegen die Nazis, oft von Einzelpersonen und kleinen Gruppen getragen, wird in den Geschichtsbüchern selten erwähnt. Auch im Warschauer Ghetto, Auschwitz, Treblinka, Bialystok und Sobibor kam es zu Aufständen und Revolten. Die größte Widerstandsgruppe mit rund 1.200 Mitgliedern war die jüdische Gruppe der Bielski-Partisanen in Weißrussland. Der Widerstands war vielfältig: Er reichte von Flugblättern und Zeitungen über den Betrieb von Theatern und Schulen bis hin zu Lebensmittelschmuggel und Urkundenfälschung. Schätzungsweise 6 Millionen Juden starben während des Zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1945 in der Shoah, dem nationalsozialistischen Völkermord.
Zum Weiterlesen:
*Julius H. Schoeps, Dieter Bingen & Gideon Botsch (2016): Jüdischer Widerstand in Europa (1933-1945): Formen und Facetten.
*Wolfgang Benz (2002): Lexikon des Holocaust, München: Ch. Beck.
*Claude Lanzmann (1985): Shoah. Dokumentarfilm.
*Jules Schelvis (2003): Vernichtungslager Sobibór, Münster: Unrast.
OK
Kolonialpolitik zu betreiben kann unter Umständen eine Kulturtat sein. (…) Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, wie es z. B. die europäischen Nationen und die nordamerikanische sind, zu fremden Völkern als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir (…) die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind.
Richtig!
Kolonialpolitik zu betreiben kann unter Umständen eine Kulturtat sein. (…) Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, wie es z. B. die europäischen Nationen und die nordamerikanische sind, zu fremden Völkern als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir (…) die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind.
Jahr:
Autor*inneninfo:
August Bebel (1840-1913) war ein deutscher Politiker, Begründer der organisierten Arbeiterbewegung in Deutschland und „Vater der deutschen Sozialdemokratie“.
Quelle:
Reichtstagsprotokoll vom 01.12.1906
Kontext:
Die Rede von August Bebel im Reichstag, aus der das Zitat stammt, war ein Beitrag in der Debatte zum Umgang mit dem Vernichtungskrieg gegen Herero und Nama in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika 1904-1908. Bebel bezog sich auf den damals aktuellen Diskurs der „Zivilisierungsmission“: also in der Kolonien nicht mehr mit „zerstörerischen Mitteln“, sondern mit “Erhaltungsmitteln“ zu kolonisieren. Die Denkweise basiert stark auf einem rassistisch geprägten Kulturbegriff und einer Einteilung in Kulturvölker und Naturvölker. Die selbsternannten Kulturvölker legitimierten so die Herrschaft über und Erziehung von Anderen. Unter den Sozialdemokrat:innen gab es erbitterte Dispute über Kolonialpolitik (siehe Kautsky 1907). Eduard Bernstein und Gustav Noske lehnten Kolonialismus ebenfalls nicht gänzlich ab, während Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Karl Kautsky entschiedene Gegner waren.
Zum Weiterlesen:
*Noah Sow (2011): Naturvölker. In: Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast, S. 694.
*Karl Kautsky (1907): Sozialismus und Kolonialpolitik. Berlin: Buchhandlung Vorwärts, S. 6.
*Markku Hyrkkänen (1986): Sozialistische Kolonialpolitik. Helsinki: SHS.
OK
Wir sind ein Volk, ein Volk. Wir haben überall ehrlich versucht in der uns umgebenden Volksgemeinschaft unterzugehen und nur den Glauben unserer Väter zu bewahren. Man läßt es nicht zu. Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwängliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbürger, vergebens bemühen wir uns den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaften, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge ausgeschrien; oft von solchen, deren Geschlechter noch nicht im Lande waren als unsere Väter da schon seufzten.
Richtig!
Wir sind ein Volk, ein Volk. Wir haben überall ehrlich versucht in der uns umgebenden Volksgemeinschaft unterzugehen und nur den Glauben unserer Väter zu bewahren. Man läßt es nicht zu. Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwängliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbürger, vergebens bemühen wir uns den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaften, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge ausgeschrien; oft von solchen, deren Geschlechter noch nicht im Lande waren als unsere Väter da schon seufzten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Ungarn: Theodor Herzl.
Herzl (1860-1904) gilt als zentrale Figur des modernen Zionismus. Er kam 1860 in Pest, dem heutigen Budapest, in einer assimilierten jüdischen Familie zur Welt. Mit seiner 1896 vorgelegten Schrift „Der Judenstaat“ legte er den Grundstein für den späteren Staat Israel. Mit dem „Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“ reagierte Herzl auf den nur zwei Jahre zuvor in Paris stattgefundenen und offenkundig antisemitisch motivierten Prozess gegen den Artilleriehauptmann Alfred Dreyfus. Innerhalb der zionistischen Bewegung avancierte Herzls Schrift zur wegweisenden Vision eines in Palästina zu schaffenden jüdischen Staates.
Quelle:
Theodor Herzl (1896): Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage. Leipzig/Wien 1896, S. 12-22.
Kontext:
Herzl, als Korrespondent für die Wiener „Neue Freie Presse“ seit 1891 in Paris tätig, war Augenzeuge und Berichterstatter der Dreyfus Affäre.
Beim Entleeren des Papierkorbs des Militärattachés Max von Schwartzkoppen in der deutschen Botschaft in Paris fischte eine Putzfrau, die für den französischen Geheimdienst tätig war, am 25. September 1894 ein Schriftstück heraus, das sie dem Nachrichtenbüro des Kriegsministeriums übergab. Das bordereau war handschriftlich verfasst beinhaltete sensible militärische Informationen, wies allerdings keinen Verfasser auf.
Der Verdacht fiel schnell auf einen patriotischen und sehr ehrgeizigen jüdischen Artilleriehauptmann namens Alfred Dreyfus (1859 – 1935), der seit Januar 1893 eine zweijährige Schulung im Generalstab absolvierte und zurzeit in ein Pariser Infanterieregiment abkommandiert war. Am 14. Oktober 1894 wurde Dreyfus verhaftet.
Das Kriegsministerium bemüht, den Fall möglichst schnell abzuschließen und wenig an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Und doch wurden gezielte (wenn auch fingierte, wie sich später herausstellen sollte) Informationen an die Presse gegeben, die sich sogleich auf den Fall stürzte. Ob liberale oder konservative Zeitungen, die verbalen Flammenwerfer richteten sich – ungeachtet des Wahrheitsgehaltes der Anschuldigungen – auf den „Juden Dreyfus“. Als am 5. Januar 1895 der verurteilte Dreyfus die erniedrigende Prozedur der öffentlichen Degradierung über sich ergehen lassen musste, säumten 20 000 Schaulustige den Zaun der École Militaire oder kletterten auf die umliegenden Bäume und skandierten: „Tod dem Verräter! – Tod dem Juden!“
Herzl, der 1897 den ersten Zionistenkongress in Basel einberufen hatte, erkannte spätestens nach dem Revisionsprozess 1899 und der erneuten Verurteilung Dreyfus‘, dass es hier nicht um die Verurteilung eines x-beliebigen Offiziers, sondern um die Schuldzuweisung gegenüber einem „Juden“ ging. 1899 bekannte er in der „North American Review“: „Zum Zionisten hat mich der Prozeß Dreyfus gemacht.“
Zum Weiterlesen:
Theodor Herzl (1896): Der_Judenstaat.
Arte (2022): Eine Geschichte des Antisemitismus (3/4) – Emanzipation – Shoah: 1791 – 1945.
Bundeszentrale für politische Bildung (2007): Der Fall Dreyfus und die Folgen.
OK
Es gibt kein Verbot [von Selbstverwaltung] als solches. (…) Ich bin nicht dagegen, aber ich möchte, dass dabei unsere Interessen gewahrt werden (…). Wenn Wahlen zu früh abgehalten werden, können sie viel zerstören. Das muss alles sehr vorsichtig gemacht werden.
Richtig!
Es gibt kein Verbot [von Selbstverwaltung] als solches. (…) Ich bin nicht dagegen, aber ich möchte, dass dabei unsere Interessen gewahrt werden (…). Wenn Wahlen zu früh abgehalten werden, können sie viel zerstören. Das muss alles sehr vorsichtig gemacht werden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Paul Bremer (geb. 1941) war US-amerikanischer Zivilverwalter im Irak, der 2003 -2004 von der US-Regierung eingesetzt wurde.
Quelle:
Washington Post (28.06.2003): Occupation Forces Halting Elections Throughout Iraq.
Kontext:
Die Politik Bremers, Wahlen zu verzögern, führte zusammen mit der autoritären Besatzungsstrategie der US-Amerikaner:innen Naomi Klein zufolge dazu, dass sich die Gewalt zwischen Religionsgruppen sowie gewaltsame Religionsinterpretationen verschärften (Klein 2010: 508). Ab Frühjahr 2004 kam es zu immer mehr Zwischenfällen (ebds.: 489). Mit ihrer Politik des „Regime Change“ (Regimewandels), der Unterstützung von Militär- und anderen Putschen außerhalb ihres Staatsgebietes im gesamten 20. Jahrhundert, setzten sich die USA als hegemoniale Kraft im 20. Jahrhundert stark von der Hegemonialpolitik Großbritanniens, das eine klassische Kolonialpolitik betrieb, ab.
Zum Weiterlesen:
*Ranabir Samaddar (2017): Die Krise des Kapitalismus bedeutet nicht das Ende des Kapitalismus. Interview in glokal e.V. (Hrsg.): Connecting the Dots.
Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand. Berlin, S. 72.
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Fischer.
OK
Ich will die Juden nicht umbringen oder abschlachten, sie auch nicht aus dem Lande vertreiben; ich will ihnen nichts nehmen, von dem, was sie einmal besitzen, aber ich will sie revidieren, und zwar funditus revidieren. Nicht länger dürfen falsche Toleranz und Sentimentalität, leidige Schwäche und Furcht uns Christen abhalten, gegen die Auswüchse, Ausschreitungen und Anmaßungen der Judenschaft vorzugehen. Nicht länger dürfen wir’s dulden, daß die Juden sich überall in den Vordergrund, an die Spitze drängen, überall die Führung das große Wort an sich reißen. Sie schieben uns Christen stets beiseite, sie drücken uns an die Wand, sie benehmen uns die Luft und den Athem. Sie führen tahtsächlich die Herrschaft über uns […]. Die ganze Weltgeschichte kennt kein zweites Beispiel, daß ein heimatloses Volk, ein physisch wie psychisch entschieden degenerirte Race, blos durch List und Schlauheit, durch Wucher und Schacher über den Erdkreis gebietet.
Richtig!
Ich will die Juden nicht umbringen oder abschlachten, sie auch nicht aus dem Lande vertreiben; ich will ihnen nichts nehmen, von dem, was sie einmal besitzen, aber ich will sie revidieren, und zwar funditus revidieren. Nicht länger dürfen falsche Toleranz und Sentimentalität, leidige Schwäche und Furcht uns Christen abhalten, gegen die Auswüchse, Ausschreitungen und Anmaßungen der Judenschaft vorzugehen. Nicht länger dürfen wir’s dulden, daß die Juden sich überall in den Vordergrund, an die Spitze drängen, überall die Führung das große Wort an sich reißen. Sie schieben uns Christen stets beiseite, sie drücken uns an die Wand, sie benehmen uns die Luft und den Athem. Sie führen tahtsächlich die Herrschaft über uns […]. Die ganze Weltgeschichte kennt kein zweites Beispiel, daß ein heimatloses Volk, ein physisch wie psychisch entschieden degenerirte Race, blos durch List und Schlauheit, durch Wucher und Schacher über den Erdkreis gebietet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Deutschland: Otto Glagau
Glagau (1834-1892) trat am Ende des 19. Jahrhunderts als Journalist der Berliner Nationalzeitung in Erscheinung. In seiner obigen Schrift bezichtigte er die Juden, mit unlauteren und hinterhältigen Methoden Finanzwesen und Kapitalismus insgesamt zu dominieren. Nicht unwesentlich mag Glagaus beträchtlicher finanzieller Verlust im sog. Gründerkrach von 1873 gewesen sein, für den er ebenfalls die Juden verantwortlich machte.
Quelle:
Otto Glagau (1876): Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin. Leipzig, XXIV.
Kontext:
Der Gründerkrach leitete eine wirtschaftliche Konsolidierung in Deutschland ein, ohne allerdings den Industrialisierungsprozess nachhaltig zu unterbrechen: Nach der Phase der überhitzten Konjunktur und einer Zeit des fortwährenden wirtschaftlichen Aufschwungs wurden die in den vorangegangenen Jahren überhöhten Wachstumsraten lediglich ausgeglichen. Fallende Aktienkurse bedeuteten meist eine Angleichung an den tatsächlichen Wert von Aktiengesellschaften. Bis 1879 verzeichnete das Nettoinlandsprodukt, dessen Steigerung 1872 noch bei acht Prozent lag, kein Wachstum oder gar eine rückläufige Entwicklung. Besonders stark waren Schwerindustrie, Maschinenbau und Baugewerbe von der Stagnation betroffen. Der Roheisenverbrauch sank zwischen 1874 und 1879 um über 50 Prozent, Massenentlassungen waren die Folge. Die Hauptleidtragenden der Krise waren das mittelständische Bürgertum mit Einnahmen aus Aktienvermögen und die Entlassenen. Der Berliner Journalist Otto Glagau (1834-1892) machten Juden für die anhaltende wirtschaftliche Krise verantwortlich und schürten mit populistischem Antisemitismus antijüdische Stimmungen.
Zum Weiterlesen:
OK
Sie lehren ihren eigenen Leuten, ihren Herren nicht zu gehorchen, sie hassen den König, verspotten die Ältesten, verurteilen die Bojaren (Fürsten), betrachten die dem König ergebenen als niederträchtig und verbieten den Leibeigenen für ihre Herren zu arbeiten.
Richtig!
Sie lehren ihren eigenen Leuten, ihren Herren nicht zu gehorchen, sie hassen den König, verspotten die Ältesten, verurteilen die Bojaren (Fürsten), betrachten die dem König ergebenen als niederträchtig und verbieten den Leibeigenen für ihre Herren zu arbeiten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Presbyter Kosma war ein bulgarischer Schriftsteller im späten 10. Jahrhundert. Sein bekanntestes Werk, aus dem das Zitat stammt, richtet sich gegen die Bogomilien, eine asketisch lebende Glaubensgemeinschaft, die im heutigen Bulgarien verbreitet war.
Quelle:
Silvia Federici (2014: 56)
Kontext:
In den radikalen religiösen Häretiker:innenbewegungen hatten Frauen eine zentrale Rolle (Federici 2014: 38). Sie wurden ab dem 11. Jahrhundert in Frankreich und Italien, aber auch in anderen Regionen meist von Frauen gegründet (ebd.: 39). Von der Kirche wurden sie vehement bekämpft, wie aus dem Zitat deutlich wird. In den Inquisitionen im Mittelalter und danach wurden Menschen, hauptsächlich Frauen, als Hexen bezeichnet, um so Gemeinschaften und widerständige Individuen zu brechen. Es wird geschätzt, dass während der drei Jahrhunderte, in denen die Hexenverfolgung am stärksten war, 200.000 Frauen angeklagt, verurteilt und/oder ermordet wurden (ebd.: 208). Allein in Südwestdeutschland wurden von 1560 bis 1670 3200 Frauen als Hexen verbrannt (ebd.: 208).
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: mandelbaum kritik & utopie.
OK
Der Teufel steckte in dem Engländer, dass er alles zum Arbeiten zwingt: er zwingt den [Schwarzen] zur Arbeit, das Pferd zur Arbeit, den Esel zur Arbeit, das Holz zur Arbeit, das Wasser zur Arbeit, und den Wind zur Arbeit.
Richtig!
Der Teufel steckte in dem Engländer, dass er alles zum Arbeiten zwingt: er zwingt den [Schwarzen] zur Arbeit, das Pferd zur Arbeit, den Esel zur Arbeit, das Holz zur Arbeit, das Wasser zur Arbeit, und den Wind zur Arbeit.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Anonyme versklavte Person in Barbados
Quelle:
Zitat: Anonym (1676): Great Newes from the Barbadoes, Or, A True and Faithful Account of the Grand Conspiracy of the Negroes against the English and the Happy Discovery of the Same with the Number of Those That Were Burned Alive, Beheaded, and Otherwise Executed for Their Horrid Crimes. With a Short Discription of That Plantation. London: L. Curtis, S. 6f.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Nachdem die Bewohner:innen von Barbados im 16. Jahrhundert von Portugal gekidnappt und versklavt oder vertrieben worden waren, eignete sich England die Insel 1625 an (bis 1962). Englische und irische Leibeigene, versklavte Afrikaner*innen sowie amerikanische Indigene wurden als Plantagenarbeiter*innen für den Zuckerrohranbau angesiedelt, ausgebeutet, gefoltert und ermordet. Sie setzten sich – oftmals gemeinsam – durch Flucht, Brandstiftung, Totschlag und Revolte zur Wehr. In der Karibik, sowie in anderen Teilen der Amerikas, bildeten widerständige ehemals Verklavte sogenannte Maroon-Gemeinschaften (Linebaugh & Rediker 2008).
Zum Weiterlesen:
*Peter Linebaugh & Marcus Rediker (2008): Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks. Hamburg: Assoziation A.
OK
1. Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten. Soziale Unterschiede dürfen nur im gemeinen Nutzen begründet sein. 2. Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. 3. Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volke. 4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet.
Richtig!
1. Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten. Soziale Unterschiede dürfen nur im gemeinen Nutzen begründet sein. 2. Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. 3. Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volke. 4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen) ist einer der Grundlagentexte der französischen Revolution.
Quelle:
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789), Artikel 1, 2 und 4.
Kontext:
Die französische Revolution hatte das Motto „liberté, egalité, fraternité“ (Freiheit, Gleicheit, Brüderlichkeit). Sie schaffte die absolutistische Monarchie ab (Ludwig XIV.: „Der Staat bin ich“) und etablierte ein neues Herrschaftssystem. Die feudalen Machtstrukturen wurden von der Mehrheitsbevölkerung infrage gestellt und die Königsfamilie hingerichtet. Die Revolution wird als einschneidendes Ereignis der Aufklärung gesehen, auch in Bezug auf Menschenrechte, Demokratie und Herrschaftsformen. Kritisch beurteilt werden meist aber der Revolutionsterror und die Guillotine für alle Feind:innen der Revolution innerhalb Frankreichs. Beispielsweise wurde Olympe de Gouges 1793 hingerichtet, als sie die allgemeinen Menschenrechte auch für Frauen einforderte. Ab 1799 erlangte der General Napoléon Bonaparte den Rang des ersten Konsuls der Republik und als Kaiser absolute diktatorische Macht. Gleichzeitig zu diesen Entwicklungen hatte Frankreich Kolonien und der französische Staat herrschte somit ebenfalls über Kolonisierte. Im 19. Jahrhundert waren die Französ:innen sogar die zweitgrößte Kolonialmacht weltweit. Nachdem Frankreich sich im 17. Jahrhundert hauptsächlich auf Kolonien in Nordamerika fokussierte, konzentrierten sich die Kolonialbestrebungen ab den 1830er Jahren auf afrikanische Gebiete. In diesen Gebieten galten weder Gleichheit noch unveräußerliche Menschenrechte.
Zum Weiterlesen:
*Jean Ziegler (2010): Haiti und der Hass auf den Westen. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Heft 3, S. 39-53.
*Podcast SÜDNORDFUNK (2020): Wie Haiti zu einem der ärmsten Länder der Erde wurde.
OK
Man durchgräbt die Erde auf der Jagd nach Reichtum (…). Wir (…) wundern uns noch, dass sie zuweilen auseinander bricht und zittert, also ob dies nicht in Wahrheit aus dem Unwillen der Mutter Erde gedeutet werden könnte. Wir dringen in ihre Eingeweide und suchen am Sitz der Schatten nach Schätzen, so als ob sie dort, wo man auf ihr gehen kann, nicht genügend gütig und fruchtbar wäre (…).
Richtig!
Man durchgräbt die Erde auf der Jagd nach Reichtum (…). Wir (…) wundern uns noch, dass sie zuweilen auseinander bricht und zittert, also ob dies nicht in Wahrheit aus dem Unwillen der Mutter Erde gedeutet werden könnte. Wir dringen in ihre Eingeweide und suchen am Sitz der Schatten nach Schätzen, so als ob sie dort, wo man auf ihr gehen kann, nicht genügend gütig und fruchtbar wäre (…).
Jahr:
Autor*inneninfo:
Plinius der Ältere war römischer Historiker.
Quelle:
Plinius, Historia naturalis 33,1. 33,33. 33,73
Kontext:
Im römischen Reich wurde die Mittelmeerregion für Städte- und Flottenbau weiträumig entwaldet. Der Boden wurde zerstört durch Bergbau, Metall- und Edelmetallgewinnung. Der römische Historiker Plinius der Ältere findet dafür in seinem Werk Naturgeschichte (Historia naturalis) sehr kritische Worte, in denen eine Reflexion über gesellschaftliche Naturbeziehungen und die Aneignung der Natur bereits anklingen. In dem Zitat beschreibt er die verheerenden Folgen der Goldgewinnung (Müller 2017).
Zum Weiterlesen:
*Franziska Müller (2017): Von grüner Hölle und grünem Gold. (Post)Koloniale gesellschaftliche Naturverhältnisse. In glokal: Connecting the dots. Lernen aus Geschichte(n) von Unterdrückung und Widerstand. Berlin.
*Franziska Müller (2020) “Can the subaltern protect forests? REDD+ compliance, depoliticization and Indigenous subjectivities”, Journal of Political
Ecology 27(1), p.419-435.
OK
England hat in Indien eine doppelte Mission zu erfüllen: eine zerstörende und eine erneuernde – die Zerstörung der alten asiatischen Gesellschaftsordnung und die Schaffung der materiellen Grundlagen einer westlichen Gesellschaftsordnung in Asien. Die Araber, Türken, Tataren, Moguln, die Indien nacheinander überrannten, wurden rasch hinduisiert (…). Die britischen Eroberer waren die ersten, die auf einer höheren Entwicklungsstufe standen und daher der Hindu-Zivilisation unzugänglich waren.
Richtig!
England hat in Indien eine doppelte Mission zu erfüllen: eine zerstörende und eine erneuernde – die Zerstörung der alten asiatischen Gesellschaftsordnung und die Schaffung der materiellen Grundlagen einer westlichen Gesellschaftsordnung in Asien. Die Araber, Türken, Tataren, Moguln, die Indien nacheinander überrannten, wurden rasch hinduisiert (…). Die britischen Eroberer waren die ersten, die auf einer höheren Entwicklungsstufe standen und daher der Hindu-Zivilisation unzugänglich waren.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Karl Marx (1818-1883) war deutscher Philosoph, Ökonom und Journalist und Mitbegründert der Ersten Internationale (Internationale Arbeiter-Assoziation). Sein Hauptwerk „Das Kapital“ ist eines der wichtigsten Bücher der internationalen Arbeiter:innenbewegung.
Quelle:
Karl Marx & Friedrich Engels (1960): Werke. Band 9. Berlin/DDR: Dietz, S. 221.
Kontext:
Auch Karl Marx, der für der Befreiung und Ermächtigung des europäischen Proletariats kämpfte, war der europäischen Überlegenheitsideologie erlegen. Nichtsdestotrotz inspirierten die Ideen und Theorien von Karl Marx Bewegungen in Asien, Afrika, Europa und Lateinamerika, koloniale Beherrschung oder Klassenherrschaft abzuwerfen. Noch während des Ersten Weltkriegs (angefangen mit der russischen Oktoberrevolution 1917) waren sie hier auch erfolgreich. Allerdings waren die neu erschaffenen Systeme keineswegs frei von Herrschaft. Auch in England, Spanien, Italien und Deutschland gab es kommunistische Massenbewegungen, in Bremen, Leipzig und München kurzzeitig auch Räterepubliken. In den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt beriefen sich viele Theoretiker:innen und Aktivist:innen auf Marx, z.B. Walter Rodney aus Guayana oder die Politiker Fidel Castro in Kuba und Kwame Nkrumah in Ghana. Auch in Indien gab es eine starke marxistische Bewegung. Noch heute berufen sich Intellektuelle auf den Marxismus, z.B. der Historiker Vijay Prashad (Autor von The Darker Nations: A People’s History of the Third World (2007)). Auch die Literaturwissenschaftlerin Gayatri Chakravorty Spivak steht für eine Neuinterpretation von Marxismus.
Zum Weiterlesen:
*Vijay Prashad (2007): The Darker Nations. A People‘s History of the Third World. New York: The New Press.
*Bernd-Stefan Grewe & Thomas Lange (2015): Kolonialismus. Suttgart: Reclam.
OK
Eine Theorie nach der anderen haben sie an uns ausprobiert. Erst haben sie meine Mutter verdächtigt und ihre Brüder; Mord aus Habgier haben sie unterstellt. Zur Zeit des Mordes war mein Vater auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Erfolges mit seinem Blumengroßhandel. Da hat er richtig gut verdient. Unter der Matratze meiner Eltern waren immer bündelweise Scheine versteckt. Später hieß es deshalb, mein Vater sei vermutlich Dealer gewesen und habe in Holland gar keine Blumen gekauft, sondern Drogen.
Richtig!
Eine Theorie nach der anderen haben sie an uns ausprobiert. Erst haben sie meine Mutter verdächtigt und ihre Brüder; Mord aus Habgier haben sie unterstellt. Zur Zeit des Mordes war mein Vater auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Erfolges mit seinem Blumengroßhandel. Da hat er richtig gut verdient. Unter der Matratze meiner Eltern waren immer bündelweise Scheine versteckt. Später hieß es deshalb, mein Vater sei vermutlich Dealer gewesen und habe in Holland gar keine Blumen gekauft, sondern Drogen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Semiya Şimşek (geb. 1986) ist Pädagogin und die Tochter des von dem NSU als ersten ermordeten Enver Şimşek. Semiya Şimşek ist eine wichtige Stimme der Opferangehörigen geworden. In ihrem Buch „Schmerzliche Heimat. Deutschland und der Mord an meinem Vater“ arbeitet sie ihre Erlebnisse über den Mord an ihrem Vater auf. Semiya Şimşek hat Deutschland verlassen und lebt mittlerweile in der Türkei.
Quelle:
Süddeutsche Magazin, 10/2013.
Kontext:
Die neonazistische und terroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordete zwischen 2000 und 2007 neun Menschen mit Migrationsgeschichte und eine Polizistin: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.
Über zehn Jahre hielten sowohl der NSU als auch die Ermittler:innen diese Verbrechen verdeckt, bis der NSU sich 2011 mit einem Video selbst enttarnte. Nach dessen Bekanntwerden vernichteten einige Verfassungsschutzmitarbeiter:innen relevante Akten und ranghohe Verfassungsschützer traten zurück. Statt der Verfolgung tatsächlicher Hinweise, nahmen die Ermittler:innen die Opferangehörigen teils jahrelang ins Fadenkreuz und unterstellten ihnen kriminelle Machenschaften. Die beispiellosen rechtsterroristischen Verbrechen des NSU, die Ermittlungen und der anschließende Prozess verdeutlichen nur zu gut den tief verankerten institutionellen Rassismus bei Polizei, Geheimdienst und in den Gerichtssälen. Die Opferangehörigen, Nebenklagevertreter:innen, Aktivist:innen und kritische Journalist:innen heben hervor, dass während des ganzen Prozesses nicht im rechtsextremen Milieu ermittelt wurde.
Zum Weiterlesen:
*Semiya Şimşek & Peter Schwarz (2013): Schmerzliche Heimat: Deutschland und der Mord an meinem Vater, Berlin: Rowohlt.
*Juliane Karakayali, Çagri Kahveci & Doris Deutsch Liebscher (Hrsg., 2017): Den NSU-Komplex analysieren. Aktuelle Perspektiven aus der Wissenschaft. Bielefeld: transcript.
*NSU Watch.
OK
Lange Zeit lebten wir unter der Diktatur der Kommunisten, doch jetzt haben wir herausgefunden, dass das Leben unter der Diktatur von Wirtschaftsleuten nicht besser ist.
Richtig!
Lange Zeit lebten wir unter der Diktatur der Kommunisten, doch jetzt haben wir herausgefunden, dass das Leben unter der Diktatur von Wirtschaftsleuten nicht besser ist.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Grigori Gorin (1940-2000) war ein russisch-jüdischer Arzt, Drehbuchautor und Schriftsteller.
Quelle:
Boris Kagarlitsky (1994): Square Wheels: How Russian Democracy got Derailed. New York: Monthly Review Press, S. 191.
Kontext:
Der Präsident der Sowjetrepubliken Michail Gorbatschow versuchte in den Transformationsprozessen von Glasnost (Öffentlichkeit) und Peristroika (Umgestaltung) einen Übergang der Sowjetunion demokratisch zu gestalten. Das Land war aber hoch verschuldet und musste wirtschaftliche Reformen durchführen, um Kredite zu bekommen. Der russische Präsident Boris Jelzin entmachtete Gorbatschow mit der Auflösung der UdSSR, verbot die Staatspartei und regierte in der Wirtschaftskrise ein Jahr lang mit Sonderdekreten. Wertvolles Staatseigentum wurde verscherbelt (z.B. 40% der Ölgesellschaft mit einem Jahresumsatz von ca. 190 Mrd. US$ (2006) wurde für 88 Mio. US$ verkauft (Klein 2010: 323)). 1999 übergab er die Macht an Putin, dessen erste Amtshandlung es war, Jelzin Immunität zu garantieren (ebd.: 329).
Zum Weiterlesen:
*Aris Chatzistefanou & Katerina Kitidi (2012): Katastroika. Dokumentarfilm.
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 307.
OK
Art. 3. Es können keine Sklaven auf diesem Territorium existieren, Gefügsamkeit ist hiermit für immer abgeschafft. Alle Menschen sind frei geboren, leben und sterben in Freiheit.
Art. 4. Alle Menschen, ungeachtet ihrer Farbe, sind für alle Berufe zugelassen.
Art. 5. Es gibt keine Unterschiede, außer der Tugend und Talent, oder andere Hoheitsrechte, die vom Gesetz her in öffentlicher Funktion ausgeführt werden.
Diese Gesetze sind für alle gleich, ob als Bestrafung oder als Schutz.
Richtig!
Art. 3. Es können keine Sklaven auf diesem Territorium existieren, Gefügsamkeit ist hiermit für immer abgeschafft. Alle Menschen sind frei geboren, leben und sterben in Freiheit.
Art. 4. Alle Menschen, ungeachtet ihrer Farbe, sind für alle Berufe zugelassen.
Art. 5. Es gibt keine Unterschiede, außer der Tugend und Talent, oder andere Hoheitsrechte, die vom Gesetz her in öffentlicher Funktion ausgeführt werden.
Diese Gesetze sind für alle gleich, ob als Bestrafung oder als Schutz.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Toussaint Louverture (1743-1803) war ehemals versklavter Haitianer und führte den Widerstand gegen Frankreich an. Der Text stammt aus einem Brief Louvertures an Napoleon, dem er diesen Verfassungstext beifügte.
Quelle:
Aus der Verfassung Haitis von 1801
Kontext:
Es begann 1791 mit einem Aufstand von 50.000 Menschen: Mehrheitlich versklavte Haitianer:innen kämpften für ihre Unabhängigkeit von Frankreich. 1794 wurde die Sklaverei abgeschafft. Nach einem mehrjährigen Unabhängigkeitskrieg drohte Napoleon mit der Wiedereinführung der Sklaverei. Doch die Haitianer:innen gewannen und wurden 1804 als erster lateinamerikanischer Staat unabhängig. Allerdings boykottierte ein Zusammenschluss europäischer Staaten und den USA Haiti. Da der Wohlstand der Kolonialstaaten auf der Plantagenwirtschaft und damit auf dem Prinzip der Sklaverei begründet war, befürchteten sie, dass die haitianische Revolution auch andere Unterdrückte inspirieren könnte. Somit wurde Haiti außenpolitisch in die Isolation gedrängt und der neue Staat musste riesige Entschädigungszahlungen an die ehemaligen Sklavenbesitzer:innen zahlen. Frankreich verlangte als Gegenleistung für die Anerkennung Haitis als unabhängiger Staat 1825 eine Entschädigungssumme von 150 Millionen Francs. Erst 1883 konnte Haiti diesen Betrag mithilfe von Krediten endgültig abbezahlen (Ziegler 2010). Die hohe Staatsverschuldung direkt nach der Unabhängigkeit wird vielfach als der Beginn der wirtschaftlichen Außenabhängigkeit Haitis gesehen. Auf der Weltkonferenz gegen Rassismus 2001 forderte Haiti dafür von Frankreich Entschädigungen.
Zum Weiterlesen:
*Projekt in Haiti und der Domenikanischen Republik, wo Jugendliche Geschichte der Sklaverei aufarbeiten.
*Jean Ziegler (2010): Haiti und der Hass auf den Westen. In Blätter für deutsche und internationale Politik.
OK
Danach stehen neben unstrittigen kolonialen Grausamkeiten, gesellschaftlichen Zerstörungen, wirtschaftlichen Strukturveränderungen und mentalen Traumatisierungen auch Veränderungen, ohne die jegliche Entwicklung ausgeschlossen wäre, etwa der Aufbau von Schul- und Gesundheitssystemen, Infrastrukturen und das Eindringen des „europäischen Geistes“.
Richtig!
Danach stehen neben unstrittigen kolonialen Grausamkeiten, gesellschaftlichen Zerstörungen, wirtschaftlichen Strukturveränderungen und mentalen Traumatisierungen auch Veränderungen, ohne die jegliche Entwicklung ausgeschlossen wäre, etwa der Aufbau von Schul- und Gesundheitssystemen, Infrastrukturen und das Eindringen des „europäischen Geistes“.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wurde 1952 als Bundeszentrale für Heimatdienst gegründet, um einen deutschen Beitrag zur Erziehung zur Demokratie zu leisten. Sie ist dem Bundesinnenministeriums zugehörig. Die bpb erstellt und verlegt Materialien, organisiert Veranstaltungen und fördert andere Träger der politischen Bildung.
Quelle:
Bundeszentrale für politische Bildung (2007): Afrika Verstehen Lernen. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 148.
Kontext:
Das Zitat beruht auf dem kolonial-rassistischen Argument, dass Afrikaner:innen ohne Europäer:innen weder Bildung, Gesundheitssysteme noch irgendeine Form der Infrastruktur hätten. Dahinter steht die Vorstellung, dass Afrika vor der Kolonisierung keine komplexen Gesellschaftsstrukturen hatte. Diese Logik rechtfertigt auch das „zivilisatorisch“-koloniale Eingreifen von außen. Indem die bpb Negatives vermeintlich Positivem gegenüberstellt, wird davon abgelenkt, dass koloniale Infrastruktur vor allem für die Ausbeutung von Ressourcen geschaffen wurde.
Zum Weiterlesen:
*Walter Rodney (1975): Afrika. Die Geschichte einer Unterentwicklung. Berlin: Klaus Wagenbach.
*Chimananda Ngozi Adichie (2011): Narratives of Europe. Stories that matter.
*David Harvey (2000): Cosmopolitanism and the Banality of Geographical Evils.
OK
Die rassistischen Ideen der Weißen sind in der kapitalistischen Gesellschaft so tief verwurzelt, dass das Nicht-Fortschreiten der afrikanischen Landwirtschaft der angeborenen Minderwertigkeit des Afrikaners zugeschrieben wurde. Es wäre sehr viel zutreffender, zu sagen, dass es auf das Eindringen der Weißen zurückzuführen war, obgleich die Erklärung nicht den persönlichen bösen Willen der Kolonialherren oder ihrer rassischen Herkunft, sondern vielmehr an der organisierten Bosheit des kapitalistisch-kolonialistischen Systems liegt.
Richtig!
Die rassistischen Ideen der Weißen sind in der kapitalistischen Gesellschaft so tief verwurzelt, dass das Nicht-Fortschreiten der afrikanischen Landwirtschaft der angeborenen Minderwertigkeit des Afrikaners zugeschrieben wurde. Es wäre sehr viel zutreffender, zu sagen, dass es auf das Eindringen der Weißen zurückzuführen war, obgleich die Erklärung nicht den persönlichen bösen Willen der Kolonialherren oder ihrer rassischen Herkunft, sondern vielmehr an der organisierten Bosheit des kapitalistisch-kolonialistischen Systems liegt.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Walter Rodney (1942-1980) war ein marxistischer Historiker und Politiker aus Guyana. In einer Arbeiterfamilie geboren, hat er in Guyana und auf Jamaika studiert und u.a. in Hamburg und in Tansania gelehrt. 1980 wurde er während des Wahlkampfes für die Working People’s Alliance bei einem Bombenanschlag umgebracht. Eine Untersuchungskommission befand 2015, dass der Anschlag von staatlichen guayanischen Stellen ausging.
Quelle:
Walter Rodney (1975): 190.
Kontext:
Rodney analysiert in seinem Buch die gesellschaftliche und ökonomische Geschichte Afrikas vom 14. Jahrhundert bis zum Ende der Kolonialzeit. Im 15. Jahrhundert liegen Europa und Afrika demnach noch gleich auf. Er argumentiert, dass von da an durch Versklavung, imperialistische Dominanz, Kolonisierung und allgemeine Ausbeutung Afrika vom Westen abhängig gemacht wurde. Verarmung und Misere seit dem Ende der Kolonialzeit seien damit zu erklären.
Zum Weiterlesen:
Walter Rodney (1975): Afrika. Die Geschichte einer Unterentwicklung. Berlin: Klaus Wagenbach.
OK
Es wurde durch lange Erfahrung offensichtlich, dass (…) sie von Natur aus zum Nichtstun und Laster neigen, und keine Tugend und Lehre ihr Eigen nennen (wodurch Unser Herr missachtet wird). (…) Wenn sie nach ihrem Dienst in ihre Wohnstätten zurückkehren, aufgrund der Distanz [zu den Spaniern] und ihrer eigenen teuflischen Neigungen, vergessen sie sofort, was ihnen beigebracht wurde und kehren zu ihrem üblichen Nichtstun und Laster zurück.
Richtig!
Es wurde durch lange Erfahrung offensichtlich, dass (…) sie von Natur aus zum Nichtstun und Laster neigen, und keine Tugend und Lehre ihr Eigen nennen (wodurch Unser Herr missachtet wird). (…) Wenn sie nach ihrem Dienst in ihre Wohnstätten zurückkehren, aufgrund der Distanz [zu den Spaniern] und ihrer eigenen teuflischen Neigungen, vergessen sie sofort, was ihnen beigebracht wurde und kehren zu ihrem üblichen Nichtstun und Laster zurück.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Gesetze von Burgos. Darin regelt die spanischen Krone das Verhalten von Spanier:innen zu der kolonisierten Bevölkerung in der Karibik.
Quelle:
Zitat: Southern Methodist University, 1512-1513. Gesetze von Burgos.
Bild: Wikimedia
Kontext:
In den spanischen Kolonien gab es festgelegte Rangordnungen. Zum Beispiel regelten Gesetze von Burgos, dass die indigene Bevölkerung der Amerikas von den spanischen Feudalherren zwar kontrolliert werden, aber nicht als Sklaven gelten sollten. Um sie als Arbeitskräfte ausbeuten zu können, regelte die spanische Krone minutiös deren Arbeits- und Lebensbedingungen. Sie wollte sichergehen, dass diese nicht ihren eigenen Lebensvorstellungen nachgehen würden und gleichzeitig nicht übermäßiger Gewalt durch die Feudalherren ausgesetzt wären. Allerdings wurden trotzdem bis 1550 50 bis 90 Prozent der schätzungsweise 80 bis 100 Millionen Bewohner:innen Lateinamerikas durch Kriege, Versklavung und eingeschleppte Krankheiten getötet (National Geographic 2011 und The Guardian 2019).
Zum Weiterlesen:
*Eduardo Galeano (1980): Die offenen Adern Lateinamerikas. Die Geschichte eines Kontinents von der Entdeckung bis zur Gegenwart. Wuppertal: Hammer.
*National Geographic (06.12.2011): „Massive Population Drop Found for Native Americans, DNA Shows“
*The Guardian (31.01.2019): „European colonization of Americas killed so many it cooled Earth’s climate„
OK
Jede Feierstunde in Westberlin und in der BRD unterschlägt, dass die Kristallnacht von 1938 heute täglich von den Zionisten in den besetzten Gebieten, in den Flüchtlingslagern und in den israelischen Gefängnissen wiederholt wird. Aus den vom Faschismus vertriebenen Juden sind selbst Faschisten geworden, die in Kollaboration mit dem amerikanischen Kapital das palästinensische Volk ausradieren wollen.
Richtig!
Jede Feierstunde in Westberlin und in der BRD unterschlägt, dass die Kristallnacht von 1938 heute täglich von den Zionisten in den besetzten Gebieten, in den Flüchtlingslagern und in den israelischen Gefängnissen wiederholt wird. Aus den vom Faschismus vertriebenen Juden sind selbst Faschisten geworden, die in Kollaboration mit dem amerikanischen Kapital das palästinensische Volk ausradieren wollen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Deutschland: Schwarze Ratten Tupamaros.
Schwarze Ratten Tupamaros (1969-1970) gingen aus dem subkulturellen Milieu in West-Berlin hervor und gründeten sich offiziell 1969. Angelehnt an das Stadt-Guerilla Konzept Südamerikas sah sich die Gruppe als Teil der internationalistischen und antiimperialistischen Bewegung. Wesentlicher Bestandteil ihrer ideologischen Ausrichtung war ein ausgeprägter Antizionismus und Antisemitismus, der sich in einem Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in der Berliner Fasanenstraße am 9. November 1969 Ausdruck verschaffte. Nach der Verhaftung führender Köpfe löste sich die Gruppe im Juli 1970 auf.
Quelle:
Schwarze Ratten (1969): TW, Schalom und Napalm, Flugblatt, in: AGIT 883, Nr. 40 vom 13.11.1969, 9.
Kontext:
Der territoriale Konflikt in und um Israel/Palästina wird immer wieder auch Zwecks antisemitischer Mobilisierung genutzt und mit antisemitischen Narrativen aufgeladen. Um legitime Kritik am vorgehen einzelner Regierungen Israels von israelbezogenen Antisemitismus zu unterscheiden empfiehlt sich die Verwendung des sogenannten 3D Test. Dieser besagt, dass Äußerungen in denen Israel delegitimiert (Stichwort „Existenzrecht“) oder dämonisiert (ua „Israelis sind die neuen Nazis“) wird, bewegen sich außerhalb von legitimer Kritik bsp. an Besatzungspraktiken. Das dritte „D“ steht für „doppelte Standards“. Darunter werden Narrative subsumiert, die exklusiv für Israel gelten sollen (u.a. Zuschreibungen wie „Kindermörder Israel“), aber bei anderen territorialen Konflikten in der Welt nicht angeführt werden und dabei Bezug nehmen auf historisch antisemitsche Mythen wie z.B. der „Blutmordlegende“ des Antijudaismus. Das Narrativ „aus den Holocaust Überlebende sind selbst Nazis geworden“ zählt dabei zu den am stärksten verbreiteten Narrativen des israelbezogenen Antisemitismus.
Zum Weiterlesen:
Der Spiegel (2020): Berliner Tupamaros-Anschlag 1969: Dieter Kunzelmann und der „Judenknax“.
Hagail (2021): Der 3-D-Test zu israelbezogenem Antisemitismus.
Bundeszentrale für politische Bildugn (2021): Israelbezogener Antisemitismus.
OK
Wir dürfen in der Kolonialpolitik nicht einen rein negativen Standpunkt einnehmen, sondern wir müssen eine positive sozialistische Kolonialpolitik treiben. (Publikum: Bravo!) Wir müssen von der utopischen Idee abkommen, die dahin geht, die Kolonien zu verkaufen. Die letzte Konsequenz dieser Anschauung wäre, dass man die Vereinigten Staaten den Indianern zurückgäbe. (Publikum: Unruhe.) Die Kolonien sind da, damit muss man sich abfinden.
Richtig!
Wir dürfen in der Kolonialpolitik nicht einen rein negativen Standpunkt einnehmen, sondern wir müssen eine positive sozialistische Kolonialpolitik treiben. (Publikum: Bravo!) Wir müssen von der utopischen Idee abkommen, die dahin geht, die Kolonien zu verkaufen. Die letzte Konsequenz dieser Anschauung wäre, dass man die Vereinigten Staaten den Indianern zurückgäbe. (Publikum: Unruhe.) Die Kolonien sind da, damit muss man sich abfinden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Eduard Bernstein (1850-1932) war deutscher Sozialdemokrat und Mitglied der SPD. Das Zitat stammt aus einer Rede auf dem Internationalen Sozialisten-Kongress zu Stuttgart, der vom 18. bis zum 24. August 1907 stattfand.
Quelle:
Zitiert nach Karl Kautsky (1907): Sozialismus und Kolonialpolitik. Berlin: Buchhandlung Vorwärts, S. 6.
Kontext:
Während die katholische Zentrumspartei die Kolonialpolitik geschlossen unterstützte, gab es bei den Sozialist:innen Auseinandersetzungen. Im Gegensatz zu Bernstein vertrat Karl Kautsky die Ansicht, dass Sozialismus und Kolonialpolitik ein Widerspruch in sich seien. Kautsky kritisiert, dass Bernstein ausdrücklich ein Herrschaftsverhältnis rechtfertige (Kautsky 1907: 17): das Recht von Völkern „höherer“ Kultur, Völker „minderer“ Kultur zu bevormunden. Am Ende des Kongresses wurde nur „kapitalistische Kolonialpolitik“ verdammt, da diese unvermeidlich zu „Zwangsarbeit und der Vernichtung der indigenen Völker“ führe, während nur Sozialismus eine „friedliche kulturelle Entwicklung“ ermöglichen könne. Kautsky widerspricht in seiner Publikation der Zivilisierungsmission der Europäer:innen: „Was braucht man an solchen Leuten viel zu erziehen und zu bevormunden?“ (ebd. S. 46).
Zum Weiterlesen:
*Karl Kautsky (1907): Sozialismus und Kolonialpolitik. Berlin: Buchhandlung Vorwärts, S. 6.
OK
1500
to 1600
to 1700
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2011