Vandana Shiva (geb. 1952) ist eine indische Physikerin, Intellektuelle, Frauen- und Umweltrechtlerin. Die Anti-Globalisierungs-Aktivistin ist Trägerin des Alternativen Nobelpreises.
Random Quotes
Falsch!
Leider falsch.
Versuch's nochmal!
Die Antwort war
OK
Entwicklung wurde damit auf die Fortführung des Prozesses der Kolonisierung reduziert; sie wurde zu einer Erweiterung des Projekts der Produktion von Reichtum in der ökonomischen Vision des modernen westlichen Patriarchats. Diese basiert auf der Ausbeutung oder dem Ausschluss von Frauen (westliche wie nicht-westliche), auf der Ausbeutung und Verschmutzung der Umwelt und auf der Ausbeutung und Erosion anderer Kulturen.
Richtig!
Entwicklung wurde damit auf die Fortführung des Prozesses der Kolonisierung reduziert; sie wurde zu einer Erweiterung des Projekts der Produktion von Reichtum in der ökonomischen Vision des modernen westlichen Patriarchats. Diese basiert auf der Ausbeutung oder dem Ausschluss von Frauen (westliche wie nicht-westliche), auf der Ausbeutung und Verschmutzung der Umwelt und auf der Ausbeutung und Erosion anderer Kulturen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Vandana Shiva (1988): 1f.
Kontext:
Shiva ist eine der wichtigsten Vertreter:innen des Ökofeminismus. Damit werden soziale Bewegungen und Denkschulen bezeichnet, die ökologische Fragen mit feministischer Analyse verbinden. Sie entstanden im Zuge der internationalen Umwelt-, Friedens- und Frauenbewegungen in den 1970er Jahren. Ökofeminismus geht davon aus, dass es zwischen der patriarchalen Unterdrückung von Frauen und der Ausbeutung der Natur Zusammenhänge gibt. Von Umweltzerstörung sind wiederum Frauen besonders stark betroffen. Denn sie stellen u.a. in der oft kleinbäuerlichen Landwirtschaft im Globalen Süden 60 bis 80% der Nahrung her (dw.com, 14.10.2019).
Zum Weiterlesen:
*Shiva, Vandana (1988): Staying Alive: Women, Ecology and Development. London: Zed Books.
*Shiva, Vandana (2018): Stupidity of modern day civillization. Interview.
OK
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen (…). Nur wer arbeitet, soll auch essen.
Richtig!
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen (…). Nur wer arbeitet, soll auch essen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Franz Müntefering (geb. 1940) ist ein deutscher SPD-Politiker. Er war von 2005 bis 2007 Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales im ersten Kabinett von Angela Merkel.
Quelle:
Zitat: Katharina Schuler (11.01.2010): Hartz IV: Arbeiten fürs Essen. In: Die ZEIT.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Durch die Einführung des Arbeitslosengelds II, auch genannt Hartz IV, sind viele Erwerbslose starker Kontrolle und Repression ausgesetzt. Nach der Erwerbsloseninitiative „Basta!“ spielt die weit verbreitete Lüge der „faulen Arbeitslosen“ denjenigen in die Hände, die von zu wenig und zu schlecht bezahlter Arbeit auf der einen und Intensivierung des Arbeitsalltages auf der anderen Seite profitieren.
Zum Weiterlesen:
*Wilhelm Heitmeyer & Kirsten Edrikat (2008): Die Ökonomisierung des Sozialen. Folgen für „Überflüssige“ und „Nutzlose“. In: Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): Deutsche Zustände, Band 6, S. 55-72.
OK
„Die Kolonialwirtschaft soll sich die N***arme dienstbar machen, die Hygiene soll sie stark erhalten und ihre Zahl erhöhen. […] Bleiben wir bei Ostafrika und nehmen an, dass die Schlafkrankheit nur 10.000 Menschenleben gefordert hat bzw. fordern wird, bis unser Kampf gegen sie siegreich durchgeführt ist.“
Richtig!
„Die Kolonialwirtschaft soll sich die N***arme dienstbar machen, die Hygiene soll sie stark erhalten und ihre Zahl erhöhen. […] Bleiben wir bei Ostafrika und nehmen an, dass die Schlafkrankheit nur 10.000 Menschenleben gefordert hat bzw. fordern wird, bis unser Kampf gegen sie siegreich durchgeführt ist.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Ludwig Külz (1875-1938) war Arzt und ab 1902 Leiter des Nachtigal-Krankenhauses in Togo. Der indigenen Bevölkerung wurde der Zugang und die Behandlung dort verweigert. Er war ebenso Regierungsarzt in anderen Kolonien. Ab 1920 schulte er als Professor am Hamburger tropenhygienischen Institut sogenannte Auswanderer:innen. Külz bezog sich in dem Zitat auf das vorherrschende „Motto“, „Schwarze Hände, weiße Köpfe“, das erstmals von Friedrich Wulffert in einem Vortrag postuliert wurde.
Quelle:
Zitiert nach Wolfgang U. Eckart (1997): Medizin und Kolonialimperialismus Deutschland 1884-1945, S. 59 aus Ludwig Külz (1911): Grundzüge der kolonialen Eingeborenenhygiene, in: Beihefte z. Arch. f. Schiffs- u.Trophyg. 15 (1911) 3, 386-475; Wesen und Ziele (1910).
Kontext:
Deutsche Kolonialmedizin wird im kollektiven Gedächtnis häufig mit „Abenteuerlust“, gefährlichen Tsetse-Fliegen oder dem aufopfernden Einsatz deutscher Ärzt:innen „fern der Heimat“ in Verbindung gebracht. Spätestens mit dem „Kolonialeintritt“ des deutschen Kaiserreichs 1884 nutzten viele (vor allem junge) Ärzt:innen den Einsatz in den Kolonien, um ihre medizinische Karriere voranzubringen. In diesem Kontext entwickelten sie gefährliche Medikamente, die sie an der kolonisierten Bevölkerung ausprobierten. Dies geschah vor allem in den Schlafkrankheits-Konzentrationslagern und Lepraheimen in Togo, Kamerun und „Deutsch-Ostafrika“. Ab 1907 sollte es eine „sozialere“ Kolonialpolitik geben, basierend auf „Humanität, Gerechtigkeit und Mildtätigkeit“. Allerdings waren auch hier die „effektive Ausbeutung von Land und Leuten“ – wie die im Zitat angesprochenen „Arme“, also die Arbeitskraft der Kolonisierten – zum Erhalt und zur Verbesserung der deutschen Kolonialökonomiedas eigentliche Ziel. Ludwig Külz forderte eine „Koloniale Menschenökonomie“, die als „sanitäre Pädagogik“ eine Akkulturation und die Umsetzung „kolonialer Rassenhygiene“ durchsetzen sollte. Die Aufgabe des „Tropenhygieniker“ sei es die schwächelnde deutsche Kolonialökonomie durch Erhalt des „wertigen“ Lebens innerhalb der kolonisierten Bevölkerung (z.Bsp. „starke Männer“) zu stärken. Gleichzeitig war es Külz ein zentrales Anliegen „schlechtes“ oder „minderwertiges“ Leben insbesondere im Sinne einer sogenannten „Mischlingsbevölkerung“ zu vermeiden.
Zum Weiterlesen:
*Wolfgang U. Eckart (1997): Medizin und Kolonialimperialismus Deutschland 1884-1945. Verlag Ferdinand Schöningh: Paderborn.
OK
„Was machst du hier, mein Kamerad? Ding, Ding. Wer brachte dich her durch bösen Verrat? Ding, Ding. Ist das das Boot, das dich betrog? Ding, Ding. Oder war’s der Schlepper, der dich belog? Ding, Ding. Wie die Kinder in Mütters Armen ertranken. Ding, Ding. Europas Völker den Schleppern danken. Ding, Ding
Richtig!
„Was machst du hier, mein Kamerad? Ding, Ding. Wer brachte dich her durch bösen Verrat? Ding, Ding. Ist das das Boot, das dich betrog? Ding, Ding. Oder war’s der Schlepper, der dich belog? Ding, Ding. Wie die Kinder in Mütters Armen ertranken. Ding, Ding. Europas Völker den Schleppern danken. Ding, Ding
Jahr:
Autor*inneninfo:
Mohsen Lihidheb (Geburtsdatum unbekannt), tunesischer Fischer und Künstler, Begründer Museum des Meeres.
Quelle:
Deutschlandfunk (02.07.2020): Geflüchtete in Tunesien
Die Toten von Zarzis.
Kontext:
Jedes Jahr machen sich tausende Menschen auf den Weg, um vor Armut, Krieg, Diskriminierung und der Klimakatastrophe von Afrika nach Europa zu fliehen. Manchmal kommen bis zu 2.000 Menschen an einem Tag in Lampedusa an (Der Standard, 11.05.2021). Der Atlantik vor den kanarischen Inseln, der griechische Grenzfluss Evros, aber besonders das Mittelmeer bilden die oft tödliche Grenze der Festung Europa. Die Reisenden werden von Politiker*innen für geostrategischen Druck ausgenutzt (Deutschlandfunk, 29.12.2021), von Küstenwachen zurückgedrängt (Graf 2021), von Landwirten ausgebeutet (globalslaveryindex.org) und in Lagern interniert (arte tv, 01.12.2021). Doch es gibt auch Solidaritätsinitiativen, Selbstorganisierung von Migrant*innen und Einzelpersonen wie Mohsen Lihidheb, die auf die Ausbeutungsstrukturen aufmerksam machen und auf eine Veränderung des Migrationsregimes drängen.
Zum Weiterlesen:
*Der Standard (11.05.2021): Fluchtbewegung im Mittelmeer: Der jährliche Teufelskreis.
*Deutschlandfunk (29.12.2021): Geflüchtete an der polnisch-belarusischen Grenze. Tote im Schnee – und ein grünes Licht der Hoffnung.
*Laura Graf (2021): Pushbacks dokumentieren. Ungehorsame Beobachtungen von Grenzgewalt auf der Balkanroute.
*Global Slavery Index (2018): Country Study Germany.
*Arte (2021): Lager der Schande. Europas Libyen Deal.
OK
Wir müssen ein kühnes neues Programm in Gang setzen, um die Vorzüge unseres wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts für die Verbesserung und das Wachstum der unterentwickelten Gegenden zur Verfügung zu stellen.
Richtig!
Wir müssen ein kühnes neues Programm in Gang setzen, um die Vorzüge unseres wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts für die Verbesserung und das Wachstum der unterentwickelten Gegenden zur Verfügung zu stellen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Harry S. Truman (1884-1972) war ein US-amerikanischer Politiker (Demokraten) und von 1945 bis 1953 Präsident der USA.
Quelle:
Harry S. Truman (20.01.1949): 19 – Inaugural Address.
Kontext:
Trumans Rede wird oftmals als Beginn von Entwicklungspolitik herangezogen. Diese ist jedoch schon älter. Schon 1929 schufen Großbritannien den ‚Colonial Development Act‘. Ideen von menschlicher und gesellschaftlicher Entwicklung lassen sich über die Aufklärung zurückverfolgen bis in die griechische Antike. Besonders wirkmächtig wurde das Konzept politisch nach dem Zweiten Weltkrieg, im Kontext des Kalten Krieges und der Dekolonisierung. Auch die USA nutzte sowohl das Versprechen von „Entwicklung“ sowie auch die Abwertung der „Unterentwicklung“ für ihre geo- und außenpolitischen Interessen.
Zum Weiterlesen:
*Aram Ziai (2010): Zur Kritik des Entwicklungsdiskurses. In: APuZ – Aus Politik und Zeitgeschichte 10.
*Arturo Escobar (1995): Encounterin Development. The Making and Unmaking of the Third World. Princeton: Princeton University Press.
OK
„Nach der Entthronung des Sultans Abdülhamid II. wurde, wie für alle bekannt, die Osmanische Regierung von den vom Judenbund Zion kontrollierten Staatsmännern übernommen, namens Komitee für Union und Fortschritt. An einem Oktobertag des Jahres 1325 (1909), dessen genauen Datum ich nicht mehr in meiner Erinnerung habe, veranstaltete die Komitee für Union und Fortschritt mit der Teilnahme all ihrer Abgeordneten ihren massigen Kongress in Thessaloniki. Ein kleinerer Ausschuss, bestehend aus führenden Personen und Vorsitzenden, beantwortete in einer geheimen Sitzung die Frage „Wie wird nun die Türkei regiert?“ des Zionistenbundes und dessen Unterorganisation Ostjuden Freimaurerloge mit einem vier Punktenbeschluss:
- Der Einfluss und die Macht der Religion in der Türkei wird gebrochen,
- Wirtschaftsressourcen der Türkei werden unter Brüdern verteilt,
- Das Kalifat wird von dem Sultanat getrennt und dadurch geschwächt,
- Bei der ersten Chance wird die Republik erklärt und die Dynastie wird ausgetilgt.“
Richtig!
„Nach der Entthronung des Sultans Abdülhamid II. wurde, wie für alle bekannt, die Osmanische Regierung von den vom Judenbund Zion kontrollierten Staatsmännern übernommen, namens Komitee für Union und Fortschritt. An einem Oktobertag des Jahres 1325 (1909), dessen genauen Datum ich nicht mehr in meiner Erinnerung habe, veranstaltete die Komitee für Union und Fortschritt mit der Teilnahme all ihrer Abgeordneten ihren massigen Kongress in Thessaloniki. Ein kleinerer Ausschuss, bestehend aus führenden Personen und Vorsitzenden, beantwortete in einer geheimen Sitzung die Frage „Wie wird nun die Türkei regiert?“ des Zionistenbundes und dessen Unterorganisation Ostjuden Freimaurerloge mit einem vier Punktenbeschluss:
- Der Einfluss und die Macht der Religion in der Türkei wird gebrochen,
- Wirtschaftsressourcen der Türkei werden unter Brüdern verteilt,
- Das Kalifat wird von dem Sultanat getrennt und dadurch geschwächt,
- Bei der ersten Chance wird die Republik erklärt und die Dynastie wird ausgetilgt.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Mevlanzade war ein kurdischer osmanischer Autor und Journalist, der die Umbruchzeit vom osmanischen Reich in die türkische Republik als politisch aktiver Mensch miterlebte und währenddessen antisemitische Verschwörungstheorien produzierte. Seine letzten Jahre verbrachte er als Exilant der türkischen Republik im französischen Mandat Syrien und war aktiv in der Gründung der damaligen kurdischen Bewegung Xoybun.
Quelle:
Mevlanzade Rıfat Bey (2013): Siyonistler Osmanlıyı Nasıl Yıktı? Derin Tarih Kültür Yayınları, İstanbul. S. 70
Kontext:
Mevlanzade´s antisemitische Texte wurden in den letzten 10 – 15 Jahren in der Türkei insbesondere von den islamistischen und national-konservativen Kreisen wiederentdeckt und ohne jegliche kritische Kommentare erneut sowie transliteriert herausgegeben. Das Buch von Mevlanzade, aus dem das untere Zitat ist, wurde zum ersten Mal im Jahr 1923 während seines Exils in Constanza, Rumänien, veröffentlicht.
Zum Weiterlesen:
Yetkin, E. Y. (2018): Imperialer Wahn und Untergangsfantasien. Zum Antisemitismus der konservativ-nationalistischen Szene in der Türkei. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 27. Metropol Verlag. S. 204–228
OK
Kultūr (lat.), eigentlich Pflege und Vervollkommnung eines nach irgendeiner Richtung der Verbesserung fähigen Gegenstandes, z. B. K. des Bodens, der Waldungen, einzelner Tiere, besonders aber die Entwickelung und Veredelung des menschlichen Lebens und Strebens.
Richtig!
Kultūr (lat.), eigentlich Pflege und Vervollkommnung eines nach irgendeiner Richtung der Verbesserung fähigen Gegenstandes, z. B. K. des Bodens, der Waldungen, einzelner Tiere, besonders aber die Entwickelung und Veredelung des menschlichen Lebens und Strebens.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Meyers Großes Konversationslexikon wurde erstmals 1840 veröffentlicht. Herausgeber war das Bibliographische Institut unter Joseph Meyer. 1986 wurde die Reihe eingestellt, nachdem das Institut mit dem Brockhaus Verlag fusionierte.
Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon (1907): Lexikoneintrag zu „Kultūr“, Band 11. Leipzig, S. 788
Kontext:
Hier wird deutlich, wie klar verknüpft die Verständnisse von Kultur und Entwicklung gedacht wurden. Lexika haben die Funktion, gesellschaftliches Wissen festzuschreiben und üben dabei gleichzeitig Definitionsmacht aus.
Zum Weiterlesen:
*Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg., 2011): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast Verlag.
OK
Wir sind alle in einem Raum mit vier Wänden (…). Der Raum ist möbliert und einige von uns sitzen bequem, andere definitiv nicht. Die Wände bewegen sich allmählich nach vorn, manchmal langsamer, manchmal schneller, was uns allen ein unangenehmes Gefühl vermittelt (…). Von Zeit zu Zeit gibt es Wahlen, wie man die Möbel platziert. Diese Wahlen sind nicht unwichtig: Sie haben zur Folge, dass einige Leute bequemer sitzen, andere weniger; sie können sogar die Geschwindigkeit beeinflussen, mit der sich die Wände bewegen, aber sie tun nichts, um ihren unerbittlichen Fortschritt zu stoppen.
Richtig!
Wir sind alle in einem Raum mit vier Wänden (…). Der Raum ist möbliert und einige von uns sitzen bequem, andere definitiv nicht. Die Wände bewegen sich allmählich nach vorn, manchmal langsamer, manchmal schneller, was uns allen ein unangenehmes Gefühl vermittelt (…). Von Zeit zu Zeit gibt es Wahlen, wie man die Möbel platziert. Diese Wahlen sind nicht unwichtig: Sie haben zur Folge, dass einige Leute bequemer sitzen, andere weniger; sie können sogar die Geschwindigkeit beeinflussen, mit der sich die Wände bewegen, aber sie tun nichts, um ihren unerbittlichen Fortschritt zu stoppen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
John Holloway (geb. 1947) ist irischer Jurist, Soziologe und Philosoph, der in den 1970er Jahren hauptsächlich zu marxistischer Ökonomie arbeitete. Seit 1991 ist er eng mit den Zapatist@s im mexikanischen Chiapas assoziiert, die eine libertäre Form des basisdemokratischen Regierens verfolgen.
Quelle:
John Holloway (2010: 8).
Kontext:
Mit dem Auseinanderfallen der Sowjetunion und anderer sogenannter sozialistischer Staaten fiel auch für viele ein alternativer Gesellschaftsentwurf weg. Ende der 1980er Jahre wurde vom „Westen“ das „Ende der Geschichte“ ausgerufen, wie der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1989 behauptete. Die westliche repräsentative Demokratie und mit ihr gekoppelt die kapitalistische Wirtschaftsform wurden so als einzig legitime verbleibende und vorstellbare Gesellschaftsform geschaffen. Innerhalb dieses Rahmens gibt es unterschiedliche Ausformungen, wie Holloway in seinem Zitat illustriert, die aber alle nicht die Grundlagen von Kapitalismus und repräsentativer Demokratie in Frage stellen.
Zum Weiterlesen:
*John Holloway (2010): Crack Capitalism. London & New York: Pluto Press.
OK
Hier bin ich nicht mehr in meiner Heimat, sondern die haben sie mir in einer ganz bestimmten Weise geklaut. Die ganze Umgebung ist (mir) fremd geworden. Das fängt beim Geruch an und geht bis zur Straße.
Richtig!
Hier bin ich nicht mehr in meiner Heimat, sondern die haben sie mir in einer ganz bestimmten Weise geklaut. Die ganze Umgebung ist (mir) fremd geworden. Das fängt beim Geruch an und geht bis zur Straße.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Heinrich Lummer (1932-2019) war CDU-Politiker und war von 1981-1986 Innensenator des Landes Berlin.
Quelle:
David Clay Large (2002): Berlin. Biographie einer Stadt. STADT_VERLAG, S. 441.
Kontext:
Der ehemalige Innensenator des Landes Berlin, Heinrich Lummer, machte nicht nur durch seine Korruptionsskandale und seine Zuarbeit zum Bundesnachrichtendienst sowie die Einspannung von Rechtsextremist:innen in die CDU auf sich aufmerksam. Lummer ist auch auffällig geworden durch rassistische und antisemitische Äußerungen, in denen er gegen eine ‘Überfremdung’ Deutschlands Stimmung betrieb, wie aus dem Zitat deutlich wird. Diese Diskurse trugen auch dazu bei, dass Kreuzberg unter weißen Deutschen für lange Zeit als kriminell, gefährlich und als Ghetto dargestellt wurde. Gleichzeitig war es für die Bewohner:innen tatsächlich oft eine sichere Umwelt, in der sie sich mit weniger rechten Gefahren konfrontiert sahen. Begriffe wie ‘Türkenkinder’, ‘soziale Verelendung’ und ‘Türkenkolonie‘ wurden ganz selbstverständlich vom Magazin Der Spiegel verwendet. Das Zitat bezieht sich auf den Berliner Stadtteil Kreuzberg der 1980er Jahre, in dem vor der großen Gentrifizierung noch schätzungsweise 30.000 Menschen aus der Türkei lebten und es dadurch den Namen ‘Klein-Istanbul‘ bekam. Kreuzberg wurde mit den New Yorker Stadtteilen Bronx, Harlem und Brooklyn verglichen, die auf ähnliche Weise stigmatisiert und kriminalisiert wurden.
Zum Weiterlesen:
*Iman Attia (2007): Orient- und IslamBilder. Interdisziplinäre Beiträge zu Orientalismus und antimuslimischem Rassismus, Münster: Unrast.
*Çagrı Kahveci (2017): Migrantische Selbstorganisierung im Kampf gegen Rassismus. Die politische Praxis ausgewählter antirassistischer Gruppen türkeistämmiger Migrant*innen, Münster: Unrast.
OK
Der Kampf für Baum und Wald ist vor allem ein antiimperialistischer Kampf. Denn der Imperialismus ist der Pyromane unserer Wälder und Savannen.
Richtig!
Der Kampf für Baum und Wald ist vor allem ein antiimperialistischer Kampf. Denn der Imperialismus ist der Pyromane unserer Wälder und Savannen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Thomas Sankara (1949-1987) war Revolutionär, Panafrikanist und Internationalist. Er wurde 1983 durch einen Putsch Präsident Burkina Fasos. 1987 wurde er ermordet. Seine Ermordung war wahrscheinlich ein international unterstützes Komplott durch Frankreich, die USA und die Elfenbeinküste, Libyen und andere (Jaffré 2018). Sein Nachfolger, Blaise Compaoré wurde 2014 nach 27 Jahren als Präsident aus dem Amt gejagt . 2022 wurde Compaoré in Abwesenheit wegen Beteiligung an der Ermordung von Thomas Sankara zu lebenslanger Haft verurteilt.
Quelle:
The Militant (14.02.2022): Thomas Sankara spoke for the oppressed all over the world.
Kontext:
Sankara verband Themen wie Gender, Umwelt und Demokratie mit Kritik an kolonialer Beherrschung. Sankaras Regierung enthielt so viele Frauen wie in keinem anderen afrikanischen Land, seine Leibwache waren Frauen auf Motorrädern. Er versuchte, demokratische Elemente in Regierungshandeln zu integrieren. Zum Beispiel konsultierte er Frauenvertreterinnen aus allen Provinzen des Landes, als er vorhatte, Polygamie zu verbieten.
In seiner Regierungszeit wurden die staatlichen Luxusautos verkauft und billige Staatsfahrzeuge angeschafft, Bildungs- und Gesundheitsversorgung verbessert, eine Landreform durchgeführt und die Wiederaufforstung forciert.
Zum Weiterlesen:
*Fiona Faye (2023): „Burkina Faso Under the Presidency of Thomas Sankara – A Post-Developmental State?“ (Masterarbeit Universität Kassel)
*Africavenir (2017): Thomas Sankara – Die Ideen sterben nicht.
*Bruno Jaffré (2018): ‘Who Killed Sankara?’ In A Certain Amount of Madness: The Life, Politics and Legacies of Thomas Sankara, ed. Amber Murrey. London: Pluto Press, 96–112
OK
„Daß es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben […], wissen wir erst, seitdem Millionen von Menschen auftauchten, die solche Rechte verloren hatten […].“
Richtig!
„Daß es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben […], wissen wir erst, seitdem Millionen von Menschen auftauchten, die solche Rechte verloren hatten […].“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Hannah Arendt (1906-1975) war eine jüdische deutsch-US-amerikanische Theoretikerin und Journalistin, die durch die Nationalsozialist:innen in die Emigration gezwungen wurde und vor dem Hintergrund dieser Erfahrung dachte, schrieb und handelte.
Quelle:
Zitat: Hannah Arendt (1949): „Es gibt nur ein einziges Menschenrecht“, erschienen in: Die Wandlung, 4. Jg., Herbstheft 1949, S. 754-770, S. 759.
Bild: By Barbara Niggl Radloff – sammlungonline.muenchner-stadtmuseum.de, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127246587
Kontext:
Das Zitat stammt aus Arendts Essay „Es gibt nur ein einziges Menschenrecht“ aus dem Herbst 1949. Ausgehend von sog. Displaced Persons, von Staatenlosen, die sich nicht auf ihre Staatsbürgerlichkeit und damit verbundene Rechte berufen können, fragt sie, welche Rechte „verlustig gingen, als sie ihre Menschenrechte verloren“. Arendt verweist darauf, dass die Menschenrechte gerade die Entrechteten, also diejenigen, die den Schutz der Menschenrechte am dringlichsten bräuchten, nicht schützen können. Daher müssten sie, ausgehend von den Entrechteten, neu gedacht werden. Arendts Überlegungen beziehen sich vor allem auf die durch nationalsozialistische Verfolgung Entrechter und Staatenloser und ihre eigene Erfahrung als solche.
Zum Weiterlesen:
*Deutschlandfunk (Thomas Meyer, 15.12.2015): https://www.deutschlandfunk.de/hannah-arendt-ueber-fluechtlinge-es-bedeutet-den-100.html
*Michael Rothberg (2021): An den Grenzen des Eurozentrismus. Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, in: Michael Rothberg: Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung. Berlin: Metropolverlag, S. 59-96.
*Thomas Meyer (2023): Hannah Arendt. Die Biographie. München: Piper Verlag.
OK
Da werden wir begreifen, daß die indianische Bevölkerung Amerikas, die uns so rätselhaft erscheint mit ihren sozialen Gliederungen und ihren eigentümlichen Instinkten, ganz anders sein muß. Wieder anders ist die afrikanische, die äthiopische, die N****-Rasse. Da sind Instinkte, welche sich an das niedere Menschliche anknüpfen. (…) Die Bevölkerung, die man die kaukasische Rasse nennt, stellt die eigentliche Kulturrasse dar, welche (…) nicht mehr die magischen Kräfte handhaben kann, sondern sich auf das Mechanische verlassen muss.
Richtig!
Da werden wir begreifen, daß die indianische Bevölkerung Amerikas, die uns so rätselhaft erscheint mit ihren sozialen Gliederungen und ihren eigentümlichen Instinkten, ganz anders sein muß. Wieder anders ist die afrikanische, die äthiopische, die N****-Rasse. Da sind Instinkte, welche sich an das niedere Menschliche anknüpfen. (…) Die Bevölkerung, die man die kaukasische Rasse nennt, stellt die eigentliche Kulturrasse dar, welche (…) nicht mehr die magischen Kräfte handhaben kann, sondern sich auf das Mechanische verlassen muss.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Rudolf Steiner (1861-1925) war ein österreichischer Philosoph, Esoteriker und Begründer der Anthroposophie. Seine Werke sind bis heute einflussreich, beispielsweise in Waldorfschulen oder in der anthroposophischen Medizin.
Quelle:
Rudolf Steiner (1905): Die Grundbegriffe der Theosophie der Menschenrassen. In: Rudolf Steiner, Die Welträtsel und die Anthroposophie, Band 54. Dornach: Rudolf Steiner Verlag, S. 143.
Kontext:
Rudolf Steiner baute auf den ihm bekannten Rassetheorien seiner Zeit auf und entwickelte sie zu einer anthroposophischen, spirituellen Rassetheorie weiter. Heute spielt sie in der Anthroposophie nur eine Nebenrolle, eine offizielle Distanzierung von anthroposophischen Institutionen zu Steiners Rassetheorien gab es jedoch nicht. Sonnenberg (2003: 21, zitiert in Waldorfblog) schreibt: „Ein textkritischer Umgang mit den Mitteilungen Steiners wird in anthroposophischen Kreisen oft nicht als Chance zur Erweiterung des Erkenntnishorizontes begriffen, sondern als Gefährdung binnensozialer Plausibilitäts- und sogar Machtstrukturen.“
Zum Weiterlesen:
*Waldorfblog: Waldorf und Rechtsextremismus.
*Oliver Geden (1996): Rechte Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus. Berlin: Elefanten Press.
*Peter Bierl (2011): Rote Zahlen auf dem Karmakonto. Die Anthroposophie ist von rassistischem Gedankengut durchdrungen. In: iz3w, Ausgabe 326, S. 38-41.
OK
Ich bin wütend auf die Priester und all diejenigen, die zu dieser Mission gehören. Denn wir leben hier auf meinem Land. Ich hasse sie, weil sie in das Land meiner Vorfahren eindringen und unsere Stammesgebiete ausplündern. (…) Ich bin [zur Missionsstation] gekommen, um die dreckigen Feiglinge zum Kampf zu inspirieren und um nicht den Mut zu verlieren beim Anblick der spanischen Stöcke, die Feuer und Tod spucken, und nicht zu würgen beim üblen Geruch von Pistolenrauch – um fertig zu werden mit den weißen Eindringlingen!
Richtig!
Ich bin wütend auf die Priester und all diejenigen, die zu dieser Mission gehören. Denn wir leben hier auf meinem Land. Ich hasse sie, weil sie in das Land meiner Vorfahren eindringen und unsere Stammesgebiete ausplündern. (…) Ich bin [zur Missionsstation] gekommen, um die dreckigen Feiglinge zum Kampf zu inspirieren und um nicht den Mut zu verlieren beim Anblick der spanischen Stöcke, die Feuer und Tod spucken, und nicht zu würgen beim üblen Geruch von Pistolenrauch – um fertig zu werden mit den weißen Eindringlingen!
Jahr:
Autor*inneninfo:
Toypurina, 1760-1799, war eine Tongva/Gabrieliño-Medizinerin und Anführerin eines Aufstandes gegen spanische Missionare im heutigen Kalifornien.
Quelle:
Thomas Workman Temple II (1958): Toypurina the Witch and the Indian Uprising at San Gabriel,’’ Masterkey 32, no. 5: 136–52.
Kontext:
Toypurina führte eine Rebellion gegen die San Gabriel Mission in Kalifornien an. Die Missionare unter Junipero Serra waren die Vorreiter der spanischen Kolonisation Kaliforniens. Serra wurde 2015 heilig gesprochen. In allen Regionen der Amerikas wurden indigene Menschen ihres Landes beraubt, von europäischen Kolonisator:innen oder – nach der Unabhängkeit – von der nicht-indigenen Elite der Länder. In Argentinien, das fast achtmal so groß ist wie Deutschland, war die südliche Hälfte des Landes bis Ende des 19. Jahrhunderts unabhängiges indigenes Territorium. 1878-1880 wurde die brutale Militäraktion ‚Campaña al Desierto‘ durchgeführt. Nach dem Ausverkauf und der Privatisierung des Landes sind heute nur noch 12.500 Hektar des Territoriums übrig (1 ha ≈ 1 Fußballfeld). Der größte Landbesitzer ist seit der Landprivatisierungskampagne unter dem neoliberalen Präsidenten Carlos Menem in den 1990er Jahren der italienische Modekonzern Benetton. Ein Gesetz, das 2011 von der Cristina-Kirchner-Regierung (2007-2015) verabschiedet worden war, um den Landverkauf an ausländische Unternehmen – nicht aber an argentinische – zu unterbinden, wurde von Präsident Mauricio Macri (2015-2019) wieder rückgängig gemacht.
Zum Weiterlesen:
*Suppressed Histories: The holy woman Toypurina
*Indian Country Today Media Network: Junipero Serra as Indian Killer
*Petition: Urge Pope Francis to abandon the canonization of Junipero Serra *Eduardo Galeano (2004): Die offenen Adern Lateinamerikas. Wuppertal: Peter Hammer.
OK
„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“
Richtig!
„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Heinrich Heine (1797-1856) war ein kritischer, politischer Publizist jüdischer Herkunft. Ihm wurden 1833 bzw. 1835 in Preußen Publikationsverbote auferlegt, weshalb er nach Paris übersiedelte. Für seine jüdische Herkunft und seine politische Haltung wurde er zeitlebens angefeindet.
Quelle:
Zitat: Heinrich Heine (1823): Almansor. Eine Tragödie, DHA, Bd. 5, S. 3.
Bild: By Moritz Daniel Oppenheim – allposters.com, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12053328
Kontext:
Das Zitat stammt aus Heines Tragödie „Almansor“ aus dem Jahr 1823. Es wird aus der Gegenwart heraus oft auf die Bücherverbrennungen von 1933 bezogen. Der zeitlich nähere Kontext ist das Wartburgfest 1817. Hier versammelten sich etwa 500 Studenten. Inspiriert durch die Französische Revolution und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 wurden diese auch hier gefordert. Das Wartburgfest gilt als wichtiges Ereignis des frühen politischen Liberalismus und der deutschen Nationalbewegung. In Kontrast zu diesen liberalen Bestrebungen wurden bei dem Fest symbolisch Bücher unliebsamer Autor:innen verbrannt. Dazu gehört etwa das Nationalismus-kritische Buch „Die Germanomanie“ des jüdischen Publizisten Saul Ascher (1767-1822). Heine und andere kritisierten das Wartburgfest für die dort verbreiteten reaktionären und antisemitischen Anschauungen.
Zum Weiterlesen:
*Ulli E. (18.10.2021): Das Wartburgfest – Eine Protestkundgebung mit bitterem Beigeschmack, in: Blog Demokratiegeschichten, https://www.demokratiegeschichten.de/das-wartburgfest-eine-protestkundgebung-mit-bitterem-beigeschmack/
*Saul Ascher (1815): Die Germanomanie. Skizze zu einem Zeitgemälde, https://www.projekt-gutenberg.org/ascher/germanom/germanom.html
OK
Also sind drei Millionen Menschen in den Jahren zwischen XXXX bis XXXX durch Krieg, Versklavung und in den Bergbauminen ums Leben gekommen. Wer in den zukünftigen Generationen wird das glauben?
Richtig!
Also sind drei Millionen Menschen in den Jahren zwischen XXXX bis XXXX durch Krieg, Versklavung und in den Bergbauminen ums Leben gekommen. Wer in den zukünftigen Generationen wird das glauben?
Jahr:
Autor*inneninfo:
Bartolomé de las Casas (1484-1566) war Mitglied des Dominikanerordens und als Bischof in den spanischen Kolonien in Amerika tätig. Im Disput von Valladolid (1550-1551) zwischen de las Casas und dem „Humanisten“ Juan Ginés de Sepúlveda ging es um die Frage der Legitimität der Versklavung der indigenen Bevölkerung Amerikas. Sepúlveda vertrat die Interessen der spanischen Landbesitzer, de las Casas wies auf die Gewalttaten der Spanier hin. Die fehlenden Jahreszahlen sind 1494 und 1508, also ein Zeitraum von 14 Jahren.
Quelle:
Howard Zinn (1980): The People’s History of The United States. New York: Harper Collins.
Kontext:
In dem ersten Jahrhundert der Besetzung Amerikas verringerte sich die Bevölkerung um ca. 75 Millionen (in einigen Gegenden um 95%) durch eingeschleppte Krankheiten und Mord (Federici 2014: 103f.). Aber schon in den 1560ern gab es Widerstandsbewegungen gegen die Spanier:innen. So waren z.B. Mitglieder der Taki Onqoy-Bewegung (1560-1572), die im heutigen Peru entstand, gegen jede Zusammenarbeit mit den Europäer:innen und stritten für eine Allianz der indigenen Anden-Bevölkerungen, um die Kolonisierung der Europäer:innen zu beenden. Sie lehnten die christliche Religion sowie christliche Namen, Essen oder andere Überbringungen der Spanier:innen ab, zahlten keine Tribute und arbeiteten nicht für die Eroberer:innen (Stern 1982: 50ff.).
Zum Weiterlesen:
*Steven J. Stern (1982): Peru‘s Indian Peoples and the Challenge of Spanish Conquest. Huamanga to 1640. Madison: University of Wisconsin Press, S. 50ff.
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie.
OK
Nachdem meine Schule von den Nazis geschlossen wurde, arrangierte meine Mutter, dass ich als Auszubildende in Dr. Helmys illegaler Praxis in der Krehfelder Straße arbeiten konnte, sodass ich später einmal Krankenschwester werden konnte.
Richtig!
Nachdem meine Schule von den Nazis geschlossen wurde, arrangierte meine Mutter, dass ich als Auszubildende in Dr. Helmys illegaler Praxis in der Krehfelder Straße arbeiten konnte, sodass ich später einmal Krankenschwester werden konnte.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Rumänien: Anna Bros.
Anna Boros wird 1925 in Arad in Rumänien geboren. Als sich ihre Eltern trennen, zieht sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach Berlin. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialist*innen 1933 ändert sich das Leben der Familie: Anna kann als Jüdin aufgrund der nationalsozialistischen Gesetzgebung keine Schule mehr besuchen und keine Ausbildung absolvieren. Ihr Wunsch, Kinderkrankenschwester zu werden, der zunächst noch in einem jüdischen Kinderheim möglich scheint, wird durch die Schließung aller jüdischen Einrichtungen vereitelt. Durch die Enteignung des Familienbetriebes kann Anna auch dort keine Ausbildung aufnehmen. Mit dem Beginn der Deportation von Juden*Jüdinnen nimmt die Verfolgung der Familie weiter zu: Anna, ihr Onkel und ihre Großmutter gehen 1942 in den Untergrund. Ihr Arzt, der in Berlin lebende Ägypter Dr. Mohamed Helmy, verhilft der Familie in den Untergrund und versorgt sie auch mit Lebensmitteln. Durch seine Unterstützung überlebt sie die Shoa und bleibt mit Helmy bis zu ihrem Tod in tiefer Freundschaft verbunden.
Quelle:
Kontext:
Ungefähr 1700 Juden überlebten in Berlin in Verstecken oder unter Annahme einer falschen Identität. Speziell die Rettung von Kindern stand im Mittelpunkt vieler Bemühungen. In Belgien beispielsweise organisierten jüdische Verteidigungskomitees die Rettung von Kindern vor der Deportation.
Durch Hollywoodfilme wie Schindlers Liste (Steven Spielberg) oder Inglourious Basterds (Quentin Tarantino) wurden Rettungsaktionen und jüdische Nazi-Jäger einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Mohammed Helmys Geschichte hingegen wird erst seit 2017 durch zwei Publikationen von Ronen Steinke und Igal Avidan umfangreich aufgearbeitet.
Zum Weiterlesen:
Igal Avidan (2017): Mod Helmy. Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete. München: dtv.
OK
Wir sind aus der Nacht heraus geboren.
In ihr leben wir. In ihr werden wir sterben.
Doch das Licht wird morgen für die Vielen sein,
für all jene, die heute die Nacht beweinen,
für diejenigen, denen der Tag verweigert wird,
für diejenigen, für die der Tod ein Geschenk ist,
für diejenigen, denen das Leben verboten ist.
Für alle das Licht! Für alle alles!
Richtig!
Wir sind aus der Nacht heraus geboren.
In ihr leben wir. In ihr werden wir sterben.
Doch das Licht wird morgen für die Vielen sein,
für all jene, die heute die Nacht beweinen,
für diejenigen, denen der Tag verweigert wird,
für diejenigen, für die der Tod ein Geschenk ist,
für diejenigen, denen das Leben verboten ist.
Für alle das Licht! Für alle alles!
Jahr:
Autor*inneninfo:

Das Zitat stammt aus einer Erklärung der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreung EZLN. Die sogenannten Zapatistas sind eine indigene, basisdemokratische Guerilla-Bewegung in Mexiko. Am 1. Januar 1994 traten sie öffentlich in Erscheinung.
Benannt sind sie nach dem Revolutionär Emiliano Zapata (1879-1919). Sie sind weltweit bekannt für antikapitalistische Wirtschaftsweise, indigenen Widerstand, anti-patriarchale Geschlechterorganisation und emanzipatorische Selbstorganisation.
Quelle:
Zitat: Aus der vierten Erklärung aus dem lakadonischen Urwalt, Chiapas/Mexiko (spanisch)
Bild: www.addn.me
Kontext:
Die Zapatistas besetzten Anfang 1994 mehrere Städte im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Sie protestierten damit u.a. gegen die nordamerikanische Freihandelszone NAFTA, die am 1. Januar 1994 in Kraft trat. Durch das als neoliberal kritisiertes Abkommen verloren viele Kleinbäuer:innen ihre Existenzgrundlage aufgrund von dem Preisdruck, der von billigen US-amerikanischen und kanadischen Produkten ausging.
Die Zapatistas organisieren ihr Leben basisdemokratisch in Dorfgemeinschaften. Sie wollen ein Gegenbeispiel zum westlich-kapitalistischen Wirtschaftssystem in der Praxis aufbauen. Die Grundlagen ihrer Wirtschaftsweise sind Autonomie, Selbstverwaltung und Solidarität: Gemeinwohl statt Profit, kollektive Verantwortung, Selbstversorgung und globale Vernetzung mit anderen sozialen Bewegungen weltweit.
Zum Weiterlesen:
*Le Monde Diplomatique (François Cusset, 13.07.2017): “Die bescheidene Revolution.” (auch zum Hören)
*Amerika 21 (Johannes Schwäbl, 21.08.2025): „Zapatisten richten globales Treffen über Widerstand in Mexiko aus.“
OK
Wir Roma und Sinti sind die Blumen dieser Erde.
Man kann uns zertreten,
man kann uns aus der Erde reißen, man kann uns vergasen,
man kann uns verbrennen,
man kann uns erschlagen –
aber wie die Blumen kommen wir immer wieder (…).
Richtig!
Wir Roma und Sinti sind die Blumen dieser Erde.
Man kann uns zertreten,
man kann uns aus der Erde reißen, man kann uns vergasen,
man kann uns verbrennen,
man kann uns erschlagen –
aber wie die Blumen kommen wir immer wieder (…).
Jahr:
Autor*inneninfo:
Karl Stojka (1931 – 2003) war österreichischer Überlebender des Porajmos (Genozid an Romn:ja während des Nationalsozialismus). Nach seinem Überleben der Konzentrationslager wurde Karl Stojka Künstler und Autor.
Quelle:
Projekt Kulturelles Erbe. Tradition mit Zukunft (2007): Roma und Sinti. Vergangenheit und Gegenwart. HAK International Klagenfurt.
Kontext:
Trotz dieser langen Geschichte in Deutschland wurde immer wieder versucht Sint:ezza und Romn:ja über Jahrhunderte aus dem gesellschaftlichen Leben in Deutschland auszuschließen, zu unterdrücken und zu deportieren. Auch heute noch trifft das angesichts der Abschiebung von Sint:ezza und Romn:ja in sogenannte europäische sichere Herkunftsstaaten zu. Trotz der erlebten Diskriminierung und Verfolgung organisierten sich Sint:ezza und Romn:ja und übten Widerstand aus. In Deutschland gibt es zahlreiche von Sint:ezza und Romn:ja selbstorganisierte Vereine und Verbände, die zu Empowerment, Rassismussensibilisierung, Dokumentation und politischer Partizipation arbeiten. Stojkas Vorfahren lebten seit schätzungsweise 300 Jahren im heutigen Österreich, bevor viele seiner Familienangehörigen, darunter auch sein Vater und Bruder, in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Stojka selbst überlebte Porajmos und begann später zu malen. In seinen Malereien drückte er die Verfolgung von Sint:ezza und Romn:ja aus.
Zum Weiterlesen:
*Gerald Grassl (Hrsg., 1992): Karl Stojka. Nach der Kindheit im KZ kamen die Bilder. Wien: VIDO.
OK
§2 (1) In den deutschen Kolonien sind Eheschließungen Deutscher oder Fremder mit: 1. Eingeborenen, 2. Angehörigen aus den nichtdeutschen Gebieten Afrikas, Australiens und der Südseeinseln, 3. Mischlinge[n] mit Eingeborenenbluteinschlag oder mit Bluteinschlag einer der unter Nr. 2 aufgeführten Völkerschaften, 4. Mischlinge[n] aus Verbindungen von Angehörigen der unter Nr. 1 bis 3 genannten Bevölkerungsteile verboten.
(…)
§ 6 Angehörige der in § 2 Nr. 1 bis 4 genannten Bevölkerungsteile, die in den deutschen Kolonien mit einer weißen Frau geschlechtlich verkehren, werden mit dem Tode bestraft.
Richtig!
§2 (1) In den deutschen Kolonien sind Eheschließungen Deutscher oder Fremder mit: 1. Eingeborenen, 2. Angehörigen aus den nichtdeutschen Gebieten Afrikas, Australiens und der Südseeinseln, 3. Mischlinge[n] mit Eingeborenenbluteinschlag oder mit Bluteinschlag einer der unter Nr. 2 aufgeführten Völkerschaften, 4. Mischlinge[n] aus Verbindungen von Angehörigen der unter Nr. 1 bis 3 genannten Bevölkerungsteile verboten.
(…)
§ 6 Angehörige der in § 2 Nr. 1 bis 4 genannten Bevölkerungsteile, die in den deutschen Kolonien mit einer weißen Frau geschlechtlich verkehren, werden mit dem Tode bestraft.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Der Text stammt aus dem Entwurf des Kolonialblutschutzgesetzes der deutschen Nationalsozialist:innen (undatiert, ca. 1940), Bundesarchiv- Koblenz, R 22/2365.
Quelle:
Kum’a Ndumbe III. (1993): Was wollte Hitler in Afrika? NS-Planungen für eine faschistische Neugestaltung Afrikas. Frankfurt: IKO, S. 270f.
Kontext:
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden dem Deutschen Reich im Vertrag von Versailles alle Kolonien aberkannt. Aufgrund von „grausamen Unterdrückungen“ und „Zwangsarbeit“ habe Deutschland „auf dem Gebiet der kolonialen Zivilisation“ versagt (Gründer 2012: 258). Obwohl Hitler erst „Lebensraum im Osten“ erobern wollte, gab es immer auch Kolonialbestrebungen in Asien und Afrika, besonders ab Ende 1937. Interessen an kolonialer Eroberung gab es besonders „im Auswärtigen Amt, in der Kriegsmarine und nicht zuletzt in den Privatfirmen, an vorderster Front die Berliner und hanseatischen Schifffahrts- und Handelsgesellschaften, aber auch [bei der] Deutsche[n] Bank“ (Linne 2008). Im Dezember 1940 teilten die Achsenmächte die Welt unter sich auf: „Deutschland und Italien sollten das ‚benachbarte‘ Afrika und den Nahen sowie Mittleren Osten beherrschen, Japan wurde Südostasien und Ozeanien überlassen“ (Rheinisches JouralistInnenbüro & recherche international 2008: 43).
Zum Weiterlesen:
*Rheinisches JournalistInnenbüro (2008): URL: Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte.
*Karsten Linne im Interview (2008): Die NS-Kolonialplanungen für Afrika.
*Horst Gründer (2012): Geschichte der deutschen Kolonien. Paderborn: Schöningh.
OK
Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muss in Deutschland Kritik an der Politik Israels üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden.
Richtig!
Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muss in Deutschland Kritik an der Politik Israels üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Deutschland: Jürgen Möllemann
Möllemann (1945-2003) war FDP-Politiker und bekleidete zwischen 1987 und 1991 das Amt des Bundesministers für Bildung und des Bundeswirtschaftsministers zwischen 1991 und 1993. In der sog. Möllemann-Affäre 2002/2003 rief Möllemanns scharfe Kritik am Vorgehen Israels gegenüber Palästinensern und dem geäußerten Verständnis für Selbstmordattentate parteiübergreifend Widerspruch und Kritik hervor.
Quelle:
heute Journal (16.05.2002): Interview mit Jürgen Möllemann
Kontext:
Möllemann gibt in dem Zitat an, dass nicht antisemitische Stereotype und Judenhass Antisemitismus stärkt, sondern macht das Vorgehen der damaligen israelischen Regierung sowie Äußerungen des damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, für Antisemitismus verantwortlich. Die Verantwortung für Antisemitismus alleinig der israelischen Regierung zuzuschieben, setzt sich auch heute fort. In der 2019 veröffentlichten Studie zu Antisemitismus in Deutschland des World Jewish Congress gaben 22 Prozent der Befragten an, diesem Narrativ zuzustimmen.
Zum Weiterlesen:
Spiegel (2002): FDP: Für den Zentralrat der Juden ist Möllemann ein Antisemit.
Statista.com (2019): Einstellungen in Deutschland zu antisemitischen Aussagen.
OK
1500
to 1600
to 1700
to 1800
to 1850
to 1900
to 1925
to 1950
to 1975
to 1990
to 2000
to 2010
2011