„Dog Whistle Politics“: damit ist der Gebrauch von Codes, Chiffren und Wörtern gemeint, die an die eigenen Anhänger eine deutliche Botschaft senden, dem unbedarften Publikum aber gar nicht auffallen. Dann redet man zum Beispiel von der „großen schweigenden Mehrheit“, wie Donald Trump es von Richard Nixon gelernt hat, und adressiert damit diejenigen, die sich in eine Vergangenheit unangefochtener weißer Vorherrschaft zurücksehnen. Man sagt wie die Neue Rechte „Kultur“, wo man Ethnie meint und früher „Rasse“ gesagt hätte. Oder man sendet ein antisemitisches Signal, indem man von „Globalisten“ spricht – was eben auch für das alte Stereotyp der Juden steht, die vermeintlich weltweit vernetzt und nirgendwo verwurzelt sind.
In Maaßens jüngsten Äußerungen kommen immer wieder Begriffe wie „Globalisten“ oder „Great Reset“ vor – die Vorstellung, eine internationale Elite plane die Errichtung einer neuen Weltordnung. Auch der Attentäter von Halle nutze solche Erzählungen um sich zu radikalisieren.






Während der NS-Herrschaft wurden hundertausende Menschen Opfer von Menschenversuchen durch Mediziner:innen, sowie von menschenverachtender medizinischer Behandlungen und Krankenmorden. Die Nazis suchten sich ihre Opfer in Psychatrien, in Konzentrations- oder Kriegsgefangenenlagern. Nach den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher fanden 1946-1949 zwölf Nachfolgeprozesse statt. Im Ärzte-Prozess von 1946-1947 klagte das amerikanische Militärgericht 23 Mediziner:innen, Verwaltungsangestellte und einen Juristen an u.a. wg. Verbechen gegen die Menschlichkeit an. Sieben von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Der bekannteste Kriegsverbrecher, Joseph Mengele, Lagerarzt in Auschwitz 1943-1945, wurde nie gefasst und starb 1979 bei einem Badeunfall in Brasilien. Jahrzehntelang kämpften Opfer von KZ-Menschenversuchen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs um Entschädigung und Anerkennung. Auch hier können koloniale Ungerechtigkeiten ausgemacht werden, denn die Nazis sahen in Osteuropa ihr koloniales Projekt (Zimmerer 2003). Nach dem Krieg wurden osteuropäischen Überlebenden lange Zeit von allen Leistungen ausgegrenzt. „Dies änderte sich erst durch die internationale Aufmerksamkeit für das Verfolgungsschicksal der Gruppe polnischer Frauen, die als Ravensbrueck Lapins bekannt wurden. Ihr Fall trug maßgeblich dazu bei, dass die radikale Ausgrenzung osteuropäischer NS-Verfolgter allmählich aufweichte“ (Baumann 2009).








