César Augusto Guzzetti (1925-1988) war Außenminister der argentinischen Junta ab 1976. Er wurde im Mai 1977 von linken Gueriller@s angeschossen und musste sein Amt einem anderen überlassen.
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Falsch!
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OK
Wenn der Sozialkörper des Landes von einer Krankheit befallen ist, die ihm das Gedärm zerfrisst, bildet er Antikörper. (…) Je mehr die Regierung die Guerilla kontrolliert und vernichtet, desto mehr gehen die Aktivitäten der Antikörper zurück, wie es bereits geschieht. Es ist nur eine natürliche Reaktion auf einen kranken Körper.
Richtig!
Wenn der Sozialkörper des Landes von einer Krankheit befallen ist, die ihm das Gedärm zerfrisst, bildet er Antikörper. (…) Je mehr die Regierung die Guerilla kontrolliert und vernichtet, desto mehr gehen die Aktivitäten der Antikörper zurück, wie es bereits geschieht. Es ist nur eine natürliche Reaktion auf einen kranken Körper.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Zitiert nach Nami Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 162f.
Kontext:
Kranheitsmetaphern wurden und werden in der Politik oft benutzt, um komplizierte gesellschaftliche Vorgänge zuzuspitzen und drastische politische Maßnahmen zu rechtfertigen. Der Nazi-Arzt Fritz Klein sagte: „Der Jude ist ein entzündeter Blinddarm im Körper der Menschheit.“ Die Roten Khmer rechtfertigten Massenhinrichtungen in Kambodscha: „Was infiziert ist, muss herausgeschnitten werden“ (vgl. Klein 2010: 163). Susan Sontag (1981) schrieb, dass die Verwendung von Krankheitsmetaphern wie „Krebs“ strenge Maßnahmen rechtfertigt und „als solche schon implizit genozidal“ ist.
Zum Weiterlesen:
*Susan Sonntag (1981): Krankheit als Metapher. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch.
OK
Die Völker sind die Träger der Kulturen. Völker unterscheiden sich durch Sprache, Herkunft, geschichtliche Erfahrung, Religion, Wertvorstellungen und ihr Bewußtsein. Ihrer kulturellen Eigenart werden sich die Völker besonders dann und dort bewußt, wo diese gefährdet ist. Die Erhaltung der Völker dient der Erhaltung der Kultur. Bloße Gesellschaften entwickeln keine Kultur, sondern bestenfalls eine Zivilisation, deren höchster Wert materiell ist. „Multikulturelle“ Gesellschaften sind in Wirklichkeit kulturlose Gesellschaften. Die Vielfalt der Völker muß erhalten bleiben.
Richtig!
Die Völker sind die Träger der Kulturen. Völker unterscheiden sich durch Sprache, Herkunft, geschichtliche Erfahrung, Religion, Wertvorstellungen und ihr Bewußtsein. Ihrer kulturellen Eigenart werden sich die Völker besonders dann und dort bewußt, wo diese gefährdet ist. Die Erhaltung der Völker dient der Erhaltung der Kultur. Bloße Gesellschaften entwickeln keine Kultur, sondern bestenfalls eine Zivilisation, deren höchster Wert materiell ist. „Multikulturelle“ Gesellschaften sind in Wirklichkeit kulturlose Gesellschaften. Die Vielfalt der Völker muß erhalten bleiben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Parteiprogramm der NPD. Die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deuschlands wurde 1964 gegründet. Das Bundesverfassungsgericht urteilte 2017, dass sie in Sprache und Programm der NSDAP gleichen.
Quelle:
NPD (1996): Parteiprogramm.
Kontext:
Der Kulturbegriff wird auch von rechtsextremer Seite genutzt und mit völkischer Ideologie (Blut und Boden) gefüllt. Die Idee von Reinheit und Abgeschlossenheit von Kulturen baut dabei ebenso auf das Konstrukt Rasse auf, wie die Idee von Höherwertigkeit und Minderwertigkeit einzelner Kulturen. Die NPD veröffentlichte 2002 ein Positionspapier zum „Ethnopluralismus“, einem Konzept der neuen Rechten. Nach Kurt Lenk (2005) ist dieser eine Mischung aus Sozialdarwinismus (Kampf ums Dasein) und Rassismus, unter dem Vorwand kultureller Selbstbestimmung. Der Ethnopluralismus propagiert, dass jede Kultur in sich abgeschlossen ist und sich nicht mit anderen vermischen sollte. Anhänger:innen hat diese Ideologie in Österreich und Frankreich (identitäre Bewegung), aber auch in Griechenland, den USA und Südafrika.
Zum Weiterlesen:
*Margret Jäger & Siegfried Jäger (1999): Die Restauration rechten Denkens. In: Forschungsinstitut der Internationalen Wissenschaftlichen Vereinigung Weltwirtschaft und Weltpolitik (IWVWW, Hrsg.): Berichte November 1999, S. 38-57.
*Belltower News (2008): Ethnopluralismus.
*Kurt Lenk (2005): Rechtsextreme Argumentationsmuster.
OK
Wer geschäfts- oder arbeitslos umherzieht, ohne sich darüber ausweisen zu können, daß er die Mittel zu seinem redlichen Unterhalt besitze oder doch eine Gelegenheit zu demselben aufsuche, hat als Landstreicher Gefängnis nicht unter sechs Wochen oder Strafarbeit bis zu sechs Monaten verwirkt. Nach ausgestandener Strafe ist der Ausländer aus dem Lande zu weisen, und der Inländer in eine Korrektionsanstalt zu bringen.
Richtig!
Wer geschäfts- oder arbeitslos umherzieht, ohne sich darüber ausweisen zu können, daß er die Mittel zu seinem redlichen Unterhalt besitze oder doch eine Gelegenheit zu demselben aufsuche, hat als Landstreicher Gefängnis nicht unter sechs Wochen oder Strafarbeit bis zu sechs Monaten verwirkt. Nach ausgestandener Strafe ist der Ausländer aus dem Lande zu weisen, und der Inländer in eine Korrektionsanstalt zu bringen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Preussisches Gesetz über die Bestrafung der Landstreicher.
Quelle:
Zitat: Gesetz über die Bestrafung der Landstreicher, Bettler und Arbeitsscheuen. Vom 6. Januar 1843. In: Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten 1843. Berlin: Gesetzsammlungsamt, S. 19.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Das preußische „Gesetz über die Bestrafung der Landstreicher, Bettler und Arbeitsscheuen“ von 1843 ermöglichte eine gegen Wohnungslose gerichtlich verhängte Arbeitshaushaft. Im Nationalsozialismus wurde der Höhepunkt der Diskriminierung von Menschen, die keiner anerkannten Arbeit nachgehen und wohnungslos waren, erreicht. Ab 1933 wurde mit der Verfolgung, Inhaftierung und Ermordung von sogenannten „Arbeitsscheuen“ und „Asozialen“ begonnen.
Zum Weiterlesen:
*Peter Linebaugh & Marcus Rediker (2008): Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks. Hamburg: Assoziation A, Kapitel 2.
OK
Wie Sie alle wissen, war unser Land einmal eine deutsche Kolonie. Die Deutschen begannen zuerst im Jahre XXXX, das Land zu besetzen. Fünfzehn Jahre lang, zwischen XXXX und XXXX, kämpfte mein Volk verzweifelt mit Pfeil und Bogen, mit Speeren und Keulen, mit Messern und rostigen Flinten, um die Deutschen nicht hereinzulassen. (…) In der berühmten Maji-Maji-Rebellion, versuchte es mein Volk ein letztes Mal, die Deutschen zu vertreiben (…). Die Menschen kämpften, weil sie nicht an das Recht des weißen Mannes glaubten, die Schwarzen zu regieren und zu zivilisieren.
Richtig!
Wie Sie alle wissen, war unser Land einmal eine deutsche Kolonie. Die Deutschen begannen zuerst im Jahre XXXX, das Land zu besetzen. Fünfzehn Jahre lang, zwischen XXXX und XXXX, kämpfte mein Volk verzweifelt mit Pfeil und Bogen, mit Speeren und Keulen, mit Messern und rostigen Flinten, um die Deutschen nicht hereinzulassen. (…) In der berühmten Maji-Maji-Rebellion, versuchte es mein Volk ein letztes Mal, die Deutschen zu vertreiben (…). Die Menschen kämpften, weil sie nicht an das Recht des weißen Mannes glaubten, die Schwarzen zu regieren und zu zivilisieren.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Julius K. Nyerere (1922-1999) war der Unabhängigkeitsführer und später erster Präsident Tansanias. Das Zitat stammt aus einer Rede vor der UNO über den Maji-Maji-Krieg 1905-07. Die fehlenden Jahrezahlen sind 1885, nochmal 1885 und 1900.
Quelle:
Julius Nyerere (1966): Freedom and Unity (Uhuru na Umoja). A Selection from Writings and Speeches. 1952-1965. Oxford: Oxford University Press, S. 40 ff.
Kontext:
Nyerere erinnert an die Maji-Maji-Rebellion, die gegen die deutsche Kolonialherrschaft im damaligen Deutsch-Ostafrika stattfand. Sie gilt als einer der größten Kolonialkriege Afrikas und baute auf einer breiten Allianz unterschiedlicher kolonisierter Gruppen auf. Besonders ab den 1950er Jahren kämpften antikoloniale Unabhängigkeitsbewegungen auf dem ganze Kontinent erfolgreich: 1951 wurde mit Libyen die erste afrikanische Kolonie unabhängig, in den folgenden 25 Jahren folgten die meisten afrikanischen Länder. Allerdings wendete der Westen fortan wirtschaftspolitische Unterwerfungsstrategien (Verschuldungs- und Zollpolitik) an: David Budhoo, ehemaliger IWF-Ökonom, schrieb: „Alles, was wir von 1983 an taten, basierte auf unserer neuen Mission, das der Süden ‚privatisiert‘ werden oder sterben müsste; im Hinblick darauf haben wir in den Jahren 1983 bis 1988 schändlicherweise in Lateinamerika und Afrika das totale wirtschaftliche Chaos angerichtet“ (zitiert nach Klein 2010: 239).
Zum Weiterlesen:
*Global Black History (2016): The Maji Maji Revolt in Tanzania 1905-1907.
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastophen-Kapitalismus. Frankfurt am Main: Fischer.
OK
Langsam fahre ich weiter, wobei ich jedes Ausweichen in das neben einer alten Wagenspur beginnende Sperrgebiet ängstlich vermeide. Und so gelange ich auf einen Außenposten, im äußersten Zipfel dieser letzten, tief in das Kakaofeld hineinvermessenen Farm. Hier ist wirklich jede Kultur zuende. Hier ist der Mensch wirklich nichts, die starke Natur ist alles.
Richtig!
Langsam fahre ich weiter, wobei ich jedes Ausweichen in das neben einer alten Wagenspur beginnende Sperrgebiet ängstlich vermeide. Und so gelange ich auf einen Außenposten, im äußersten Zipfel dieser letzten, tief in das Kakaofeld hineinvermessenen Farm. Hier ist wirklich jede Kultur zuende. Hier ist der Mensch wirklich nichts, die starke Natur ist alles.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Paul Ettighoffer (1896 – 1976) war deutscher Schriftsteller. Er hat u.a. 1938 und 1943 zwei Bücher geschrieben, die zur deutschen Kolonialliteratur gehören und in denen er seine Reisen beschreibt.
Quelle:
Paul Ettighoffer (1938): So sah ich Afrika. Mit Auto und Kamera durch unsere Kolonien. Gütersloh: C. Bertelsmann.
Kontext:
Ettighoffers Bücher erschienen als Tatsachenberichte im nationalsozialistischen Deutschland (Lampert 2004). „Mit dem Hinarbeiten des NS-Systems auf einen erneuten Krieg radikalisierten sich die Bücher Ettighoffers in Militanz, Rassismus, Obrigkeitsgläubigkeit und Kolonialgedanken“ (ebd.). Natur wurde von Ettighoffer als totale Bedrohung speziell für weißes Leben konstruiert und bot somit eine Legitimation für ihre möglichst weitreichende Beherrschung bis hin zu Ökozid und Genozid. Bis heute sind Vernichtung von Natur und Mensch verbunden (Müller 2017).
Zum Weiterlesen:
*Timm Ebner (2016): Nationalsozialistische Kolonialliteratur. Koloniale und antisemitische Verräterfiguren „hinter den Kulissen des Welttheaters“. Paderborn: Wilhelm Fink.
*Andreas Lampert (2004): Ettighoffer, Paul Coelestin.
*Franziska Müller (2017): Von grüner Hölle und grünem Gold. (Post)Koloniale gesellschaftliche Naturverhältnisse. In: glokal: Connecting the dots. Lernen aus Geschichte(n) von Unterdrückung und Widerstand.“
OK
Am wichtigsten von allen (…) und am notwendigsten ist es, eine gewisse Schätzung der getöteten und verletzten Menschen vorzunehmen, um zu wissen, wie viele Millionen lebendig und gesund festgenommen wurden. Die resultierende Zahl würde ein Vielfaches der Millionen sein, die außerhalb Afrikas lebendig landeten, und es ist diese Zahl, die die Zahl der Afrikaner darstellt, die direkt aus der Bevölkerung und den Arbeitskräften Afrikas aufgrund der Errichtung von Sklavenproduktion durch Europäer entfernt wurden.
Richtig!
Am wichtigsten von allen (…) und am notwendigsten ist es, eine gewisse Schätzung der getöteten und verletzten Menschen vorzunehmen, um zu wissen, wie viele Millionen lebendig und gesund festgenommen wurden. Die resultierende Zahl würde ein Vielfaches der Millionen sein, die außerhalb Afrikas lebendig landeten, und es ist diese Zahl, die die Zahl der Afrikaner darstellt, die direkt aus der Bevölkerung und den Arbeitskräften Afrikas aufgrund der Errichtung von Sklavenproduktion durch Europäer entfernt wurden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Walter Rodney (1942-1980) war ein marxistischer Historiker und Politiker aus Guyana. Rodney wurde in eine Arbeiter:innenfamilie geboren, studierte in Guyana und auf Jamaika und lehrte u.a. in Hamburg und in Tansania. 1980 wurde er während des Wahlkampfes für die Working People’s Alliance bei einem Bombenanschlag getötet. Aller Wahrscheinlichkeit nach trägt die damalige Regierung von Forbes Burnham die Verantwortung für den Mord.
Quelle:
Walter Rodney (1973: 96)
Kontext:
Rodney vertritt in seinem Buch „Afrika – die Geschichte einer Unterentwicklung“ die Ansicht, dass a) die transatlantische Verschleppung und Zwangsversklavung von Millionen von Afrikaner:innen nach Europa und Amerika, b) die ökonomische Ausbeutung und c) die politische Kolonialmacht zu einer systematischen Unterentwicklung Afrikas geführt hatten. Das Buch war enorm einflussreich für die neue antikoloniale Perspektivsuche in der Geschichtsschreibung. Rodneys Buch schließt mit dem Diktum, dass der einzige humanistische Weg der Befreiung und humanen Entwicklung Afrikas in einer Beendigung der neokoloniale Regime liegen könnte.
Zum Weiterlesen:
*Walter Rodney (1973): How Europe Underdeveloped Africa. London & Dar-Es-Salaam: Bogle-L’Ouverture Publications.
OK
Naturbeherrschung schließt Menschenbeherrschung ein.
Richtig!
Naturbeherrschung schließt Menschenbeherrschung ein.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Max Horkheimer (1895-1973) war ein deutscher Sozialphilosoph und führender Kopf der Frankfurter Schule.
Quelle:
Max Horkheimer (1986): Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. Frankfurt a.M.: S. Fischer, S. 94.
Kontext:
Naturbeherrschung ist für Aufklärer:innen der selbstverständliche Sinn der Wissenschaft. Die Geschichte der Anstrengungen des Menschen, die Natur zu unterjochen, ist dabei gleichzeitig auch die Geschichte der Unterjochung des Menschen durch den Menschen. Hier zeigt sich das Problem einer rein instrumentellen Vernunft.
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2012): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie.
OK
Deutschland ist jetzt als Kolonialmacht zu betrachten und damit in der Lage, eine Konferenz in Berlin vorzuschlagen. Man wird unser Land hören auf diesem wichtigen Kongress, der darauf zielt, die Grundlagen der zukünftigen Regierung für diese weiten Gebiete zu schaffen.
Richtig!
Deutschland ist jetzt als Kolonialmacht zu betrachten und damit in der Lage, eine Konferenz in Berlin vorzuschlagen. Man wird unser Land hören auf diesem wichtigen Kongress, der darauf zielt, die Grundlagen der zukünftigen Regierung für diese weiten Gebiete zu schaffen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) war ab 1861 König von Preußen und ab 1971 erster deutscher Kaiser.
Quelle:
Christian Kopp/Berlin Postkolonial (2009): „Im Geiste guten gegenseitigen Einvernehmens“ – Bismarcks Berliner Afrika-Konferenz.
Kontext:
Die Berliner Konferenz wurde auf Einladung des Deutschen Reichs und der Französischen Republik am 15. November 1884 einberufen. Diese Konferenz ist historisch einzigartig und skandalös, weil der Kontinent Afrika unter überwiegend westlichen Ländern ohne Partizipation der afrikanischen Bewohner:innen aufgeteilt wurde.
Teilnehmende Länder waren zehn weitere europäische Länder, die USA und das Osmanische Reich. Die Kolonisierung, Enteignung, Versklavung, Ermordung und Zwangsarbeit von Menschen in Afrika begann aber weitaus früher. Diese Kolonialpolitik führte zu einer wesentlichen wirtschaftlichen Bereicherung der benannten Länder, insbesondere Europas. Der heutige Wohlstand und Reichtum Europas ist nicht ohne die bis heute bestehende imperialistische (post-)koloniale Politik zu thematisieren.
Zum Weiterlesen:
*glokal e.V. (2013): „Mit kolonialen Grüßen …“ Bericht und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet).
OK
Der Kampf für Baum und Wald ist vor allem ein antiimperialistischer Kampf. Denn der Imperialismus ist der Pyromane unserer Wälder und Savannen.
Richtig!
Der Kampf für Baum und Wald ist vor allem ein antiimperialistischer Kampf. Denn der Imperialismus ist der Pyromane unserer Wälder und Savannen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Thomas Sankara (1949-1987) war Revolutionär, Panafrikanist und Internationalist. Er wurde 1983 durch einen Putsch Präsident Burkina Fasos. 1987 wurde er ermordet. Seine Ermordung war wahrscheinlich ein international unterstützes Komplott durch Frankreich, die USA und die Elfenbeinküste, Libyen und andere (Jaffré 2018). Sein Nachfolger, Blaise Compaoré wurde 2014 nach 27 Jahren als Präsident aus dem Amt gejagt . 2022 wurde Compaoré in Abwesenheit wegen Beteiligung an der Ermordung von Thomas Sankara zu lebenslanger Haft verurteilt.
Quelle:
The Militant (14.02.2022): Thomas Sankara spoke for the oppressed all over the world.
Kontext:
Sankara verband Themen wie Gender, Umwelt und Demokratie mit Kritik an kolonialer Beherrschung. Sankaras Regierung enthielt so viele Frauen wie in keinem anderen afrikanischen Land, seine Leibwache waren Frauen auf Motorrädern. Er versuchte, demokratische Elemente in Regierungshandeln zu integrieren. Zum Beispiel konsultierte er Frauenvertreterinnen aus allen Provinzen des Landes, als er vorhatte, Polygamie zu verbieten.
In seiner Regierungszeit wurden die staatlichen Luxusautos verkauft und billige Staatsfahrzeuge angeschafft, Bildungs- und Gesundheitsversorgung verbessert, eine Landreform durchgeführt und die Wiederaufforstung forciert.
Zum Weiterlesen:
*Fiona Faye (2023): „Burkina Faso Under the Presidency of Thomas Sankara – A Post-Developmental State?“ (Masterarbeit Universität Kassel)
*Africavenir (2017): Thomas Sankara – Die Ideen sterben nicht.
*Bruno Jaffré (2018): ‘Who Killed Sankara?’ In A Certain Amount of Madness: The Life, Politics and Legacies of Thomas Sankara, ed. Amber Murrey. London: Pluto Press, 96–112
OK
„Wenn die erste Frau, die Gott erschuf, stark genug war, um die Welt ganz alleine auf den Kopf zu stellen, sollten all diese Frauen hier zusammen in der Lage sein, sie noch einmal umzudrehen und wieder auf die Füße zu stellen!“
Richtig!
„Wenn die erste Frau, die Gott erschuf, stark genug war, um die Welt ganz alleine auf den Kopf zu stellen, sollten all diese Frauen hier zusammen in der Lage sein, sie noch einmal umzudrehen und wieder auf die Füße zu stellen!“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Sojourner Truth (1797-1883), ursprünglich in die Versklavung hineingeboren, ab 1827 frei, war eine Aktivistin, die sich für die Abschaffung der Versklavung und für die Gleichheit von Frauen einsetzte.
Quelle:
Zitat: Sojourner Truth (1851): „Ain‘t I a woman?“, deutsche Übersetzung unter: https://www.rav.de/publikationen/rav-infobriefe/feministischer-infobrief-121-2021/sojourner-truth-aint-i-a-woman-bin-ich-etwa-keine-frau
Bild: Von Randall Studio – Dieses Bild wurde digital nachbearbeitet. Folgende Änderungen wurden vorgenommen: Cropped. Cleaned image of spots and other imperfections. Adjusted levels and exposure to reduce overblown highlights. Das Originalbild kann hier eingesehen werden: Sojourner Truth, 1870.tif: . Bearbeitet von Coffeeandcrumbs., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86793423
Kontext:
Die Rede „Ain‘t I a woman“ hielt Sojourner Thruth auf dem Frauenkongress in Akron, Ohio im Jahr 1851. Sie kritisiert die Ungleichbehandlung von Schwarzen und weißen Frauen, worauf sich auch die Frage „Bin ich keine Frau?“ bezieht. Die Rede richtet sich zugleich gegen die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen und fehlende Rechte von Frauen. Sie bezieht sich in dem Zitat auf die Bibel, insbesondere auf die Urmutter Eva und ihre Stärke, die Welt auf den Kopf zu stellen. Truth macht in ihrer Rede auf die spezifische Verschränkung von Sexismus und Rassismus im 19. Jahrhundert aufmerksam.
Zum Weiterlesen:
*Natasha A. Kelly (Hg. 2019): Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte. Münster: Unrast Verlag.
*Sojourner Truth 2021 [1851]: Sojourner Truth: Ain`t I a Woman – Bin ich etwa keine Frau*?, https://www.rav.de/publikationen/rav-infobriefe/feministischer-infobrief-121-2021/sojourner-truth-aint-i-a-woman-bin-ich-etwa-keine-frau
OK
Bei weitem das beste wäre es, die Grenzen derart zu schützen, daß sie gar nicht erst kommen können. Die Grenzen dichtmachen, das wäre die beste Lösung. Man sollte den Abgewiesenen ein Paket für den Rückweg mitgeben. So würden beiden Seiten Gewalttätigkeiten erspart bleiben. (…) Deshalb wäre es das Beste, diese unglücklichen Leute so bald und so freundlich wie möglich hinauszubefördern, dorthin, wo sie hergekommen sind.
Richtig!
Bei weitem das beste wäre es, die Grenzen derart zu schützen, daß sie gar nicht erst kommen können. Die Grenzen dichtmachen, das wäre die beste Lösung. Man sollte den Abgewiesenen ein Paket für den Rückweg mitgeben. So würden beiden Seiten Gewalttätigkeiten erspart bleiben. (…) Deshalb wäre es das Beste, diese unglücklichen Leute so bald und so freundlich wie möglich hinauszubefördern, dorthin, wo sie hergekommen sind.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Golo Mann (1909 – 1994) war ein deutsch-schweizerischer Historiker, Publizist und Schriftsteller. Der Sohn des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann emigrierte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten über Frankreich und die Schweiz in die USA. Mitte der 1950er Jahre kehrte er nach Deutschland zurück und siedelte später in die Schweiz über. Er war Berater von Willy Brandt, engagierte sich aber vor der Bundestagswahl 1980 für Franz Josef Strauß, den Kanzlerkandidaten der CDU/CSU.
Quelle:
Bildzeitung vom 30. Januar 1991, zitiert nach Ulrich Herbert (2001: 305).
Kontext:
Golo Manns Abwehrhaltung gegenüber Migrant:innen repräsentiert die Praxis deutscher Ausländerpolitik seit der Beendigung des Gastarbeiter:innenabkommens 1973. Zum Entstehungszeitpunkt des Zitats beginnen auch die tödlichen Brandanschläge auf Migrant:innen und ihre Häuser in Ost- und Westdeutschland: Rostock, Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln, Solingen. In allen Fällen versagt der Staat in Ost und West an einer angemessenem Schutz der Opfer oder einer würdigen Beileidskundgebung. In Debatten wird argumentiert, dass man an den Übergriffen sehen kann, dass die Belastbarkeitsgrenze der Deutschen überschritten ist und darum das Asylrecht abgeschafft werden müsse. Schließlich wurde das Recht auf Asyl von CDU, CSU und FDP mit Zustimmung der SPD 1993 radikal beschnitten.
Zum Weiterlesen:
*Ulrich Herbert (2001): Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. München: C.H. Beck.
*Medico International (2016): Jenseits in Afrika. Die Europäische Union nutzt Entwicklungshilfe zur Abschottung. Migration gen Norden soll schon in Afrika gestoppt werden.
OK
„Die derzeitige epidemiologische Evidenz identifiziert mehrere Gruppen in den Vereinigten Staaten mit einem erhöhten Risiko, an AIDS zu erkranken (3-7). Die meisten Fälle wurden bei homosexuellen Männern mit mehreren sexuellen Partnern, bei intravenösen Drogenmissbrauchenden und bei Haitianern gemeldet, insbesondere bei denen, die in den letzten Jahren ins Land gekommen sind.“
Richtig!
„Die derzeitige epidemiologische Evidenz identifiziert mehrere Gruppen in den Vereinigten Staaten mit einem erhöhten Risiko, an AIDS zu erkranken (3-7). Die meisten Fälle wurden bei homosexuellen Männern mit mehreren sexuellen Partnern, bei intravenösen Drogenmissbrauchenden und bei Haitianern gemeldet, insbesondere bei denen, die in den letzten Jahren ins Land gekommen sind.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die „Centers for Disease Control and Prevention“ sind eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums. Die CDC wurden 1946 ursprünglich gegründet, um die Kontrolle der Malaria in der Nachkriegszeit zu gewährleisten. Die Behörde unterhält Außenstellen in 49 Bundesstaaten. Direktor war von 1983 bis 1989 James O. Mason.
Quelle:
Kontext:
Auch andere Epidemien hatten zur Folge, dass BIPoC oder Menschen aus dem Globalen Süden stigmatisiert wurden. Als sich Anfang der 1980er Jahre HIV/AIDS verbreitete, gaben die Centers for Desease Control and Prevention unter Direktor James O. Mason eine Erklärung heraus, die Haitianer:innen als Risikogruppe für HIV/AIDS einstufte. Die Behauptung wurde später zurückgezogen, aber die Folgen waren fatal. Die Ursprünge dieser lassen sich auf fehlerhafte wissenschaftliche Annahmen zurückführen. Auch 1992 gab es wieder eine Warnung vom CDC, dass haitianische Geflüchtete eine „nicht zu rechtfertigende Bedrohung für die Gesundheit der USA darstellen könnten (Washington Post, 07.08.1992). 2007 wurde wieder eine Studie veröffentlicht, die HIV mit Haiti verbindet und feststellt, dass „Subtyp B wahrscheinlich um 1966 von Afrika nach Haiti wanderte“ und dann weiter in die Vereinigten Staaten. Sie stützen diese Hypothese auf Virussequenzen von nur fünf (!) an AIDS erkrankten haitianischen Amerikaner:innen im Jahr 1981, die „nach 1975“ in die Vereinigten Staaten gekommen waren. Diese Stigmatisierung hatte weitreichende Auswirkungen, darunter soziale Isolation, Diskriminierung im Gesundheitswesen und im Alltag sowie negative Auswirkungen auf die gesamte haitianische Gemeinschaft in den USA.
Zum Weiterlesen:
*The Guardian (Edna Bonhomme), 22.02.2021: „From HIV to Covid, pandemics show us fear of disease is coloured by prejudice„
OK
Wir Roma und Sinti sind die Blumen dieser Erde.
Man kann uns zertreten,
man kann uns aus der Erde reißen, man kann uns vergasen,
man kann uns verbrennen,
man kann uns erschlagen –
aber wie die Blumen kommen wir immer wieder (…).
Richtig!
Wir Roma und Sinti sind die Blumen dieser Erde.
Man kann uns zertreten,
man kann uns aus der Erde reißen, man kann uns vergasen,
man kann uns verbrennen,
man kann uns erschlagen –
aber wie die Blumen kommen wir immer wieder (…).
Jahr:
Autor*inneninfo:
Karl Stojka (1931 – 2003) war österreichischer Überlebender des Porajmos (Genozid an Romn:ja während des Nationalsozialismus). Nach seinem Überleben der Konzentrationslager wurde Karl Stojka Künstler und Autor.
Quelle:
Projekt Kulturelles Erbe. Tradition mit Zukunft (2007): Roma und Sinti. Vergangenheit und Gegenwart. HAK International Klagenfurt.
Kontext:
Trotz dieser langen Geschichte in Deutschland wurde immer wieder versucht Sint:ezza und Romn:ja über Jahrhunderte aus dem gesellschaftlichen Leben in Deutschland auszuschließen, zu unterdrücken und zu deportieren. Auch heute noch trifft das angesichts der Abschiebung von Sint:ezza und Romn:ja in sogenannte europäische sichere Herkunftsstaaten zu. Trotz der erlebten Diskriminierung und Verfolgung organisierten sich Sint:ezza und Romn:ja und übten Widerstand aus. In Deutschland gibt es zahlreiche von Sint:ezza und Romn:ja selbstorganisierte Vereine und Verbände, die zu Empowerment, Rassismussensibilisierung, Dokumentation und politischer Partizipation arbeiten. Stojkas Vorfahren lebten seit schätzungsweise 300 Jahren im heutigen Österreich, bevor viele seiner Familienangehörigen, darunter auch sein Vater und Bruder, in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Stojka selbst überlebte Porajmos und begann später zu malen. In seinen Malereien drückte er die Verfolgung von Sint:ezza und Romn:ja aus.
Zum Weiterlesen:
*Gerald Grassl (Hrsg., 1992): Karl Stojka. Nach der Kindheit im KZ kamen die Bilder. Wien: VIDO.
OK
Wir sind ein Volk, ein Volk. Wir haben überall ehrlich versucht in der uns umgebenden Volksgemeinschaft unterzugehen und nur den Glauben unserer Väter zu bewahren. Man läßt es nicht zu. Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwängliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbürger, vergebens bemühen wir uns den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaften, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge ausgeschrien; oft von solchen, deren Geschlechter noch nicht im Lande waren als unsere Väter da schon seufzten.
Richtig!
Wir sind ein Volk, ein Volk. Wir haben überall ehrlich versucht in der uns umgebenden Volksgemeinschaft unterzugehen und nur den Glauben unserer Väter zu bewahren. Man läßt es nicht zu. Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwängliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbürger, vergebens bemühen wir uns den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaften, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge ausgeschrien; oft von solchen, deren Geschlechter noch nicht im Lande waren als unsere Väter da schon seufzten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Ungarn: Theodor Herzl.
Herzl (1860-1904) gilt als zentrale Figur des modernen Zionismus. Er kam 1860 in Pest, dem heutigen Budapest, in einer assimilierten jüdischen Familie zur Welt. Mit seiner 1896 vorgelegten Schrift „Der Judenstaat“ legte er den Grundstein für den späteren Staat Israel. Mit dem „Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“ reagierte Herzl auf den nur zwei Jahre zuvor in Paris stattgefundenen und offenkundig antisemitisch motivierten Prozess gegen den Artilleriehauptmann Alfred Dreyfus. Innerhalb der zionistischen Bewegung avancierte Herzls Schrift zur wegweisenden Vision eines in Palästina zu schaffenden jüdischen Staates.
Quelle:
Theodor Herzl (1896): Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage. Leipzig/Wien 1896, S. 12-22.
Kontext:
Herzl, als Korrespondent für die Wiener „Neue Freie Presse“ seit 1891 in Paris tätig, war Augenzeuge und Berichterstatter der Dreyfus Affäre.
Beim Entleeren des Papierkorbs des Militärattachés Max von Schwartzkoppen in der deutschen Botschaft in Paris fischte eine Putzfrau, die für den französischen Geheimdienst tätig war, am 25. September 1894 ein Schriftstück heraus, das sie dem Nachrichtenbüro des Kriegsministeriums übergab. Das bordereau war handschriftlich verfasst beinhaltete sensible militärische Informationen, wies allerdings keinen Verfasser auf.
Der Verdacht fiel schnell auf einen patriotischen und sehr ehrgeizigen jüdischen Artilleriehauptmann namens Alfred Dreyfus (1859 – 1935), der seit Januar 1893 eine zweijährige Schulung im Generalstab absolvierte und zurzeit in ein Pariser Infanterieregiment abkommandiert war. Am 14. Oktober 1894 wurde Dreyfus verhaftet.
Das Kriegsministerium bemüht, den Fall möglichst schnell abzuschließen und wenig an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Und doch wurden gezielte (wenn auch fingierte, wie sich später herausstellen sollte) Informationen an die Presse gegeben, die sich sogleich auf den Fall stürzte. Ob liberale oder konservative Zeitungen, die verbalen Flammenwerfer richteten sich – ungeachtet des Wahrheitsgehaltes der Anschuldigungen – auf den „Juden Dreyfus“. Als am 5. Januar 1895 der verurteilte Dreyfus die erniedrigende Prozedur der öffentlichen Degradierung über sich ergehen lassen musste, säumten 20 000 Schaulustige den Zaun der École Militaire oder kletterten auf die umliegenden Bäume und skandierten: „Tod dem Verräter! – Tod dem Juden!“
Herzl, der 1897 den ersten Zionistenkongress in Basel einberufen hatte, erkannte spätestens nach dem Revisionsprozess 1899 und der erneuten Verurteilung Dreyfus‘, dass es hier nicht um die Verurteilung eines x-beliebigen Offiziers, sondern um die Schuldzuweisung gegenüber einem „Juden“ ging. 1899 bekannte er in der „North American Review“: „Zum Zionisten hat mich der Prozeß Dreyfus gemacht.“
Zum Weiterlesen:
Theodor Herzl (1896): Der_Judenstaat.
Arte (2022): Eine Geschichte des Antisemitismus (3/4) – Emanzipation – Shoah: 1791 – 1945.
Bundeszentrale für politische Bildung (2007): Der Fall Dreyfus und die Folgen.
OK
„Die ganze Menschheit weiß und gibt zu, dass zwei Völker, zwei Rassen unter allen anderen einzigartig sind: die Griechen und die Juden. Sie (die Juden) zeichnen sich durch ihre Religiosität und ihre Mentalität aus. Deshalb kämpfen diese gegen uns, sie verabscheuen uns. Ein Atheist verschmäht alle Religionen. Die Juden verschmähen den Hellenismus, sowie das Orthodoxe Christentum. Da die beiden [Hellenismus und Orthodoxes Christentum], wenn sie Hand in Hand gehen, eine außergewöhnliche Kraft haben“.
Richtig!
„Die ganze Menschheit weiß und gibt zu, dass zwei Völker, zwei Rassen unter allen anderen einzigartig sind: die Griechen und die Juden. Sie (die Juden) zeichnen sich durch ihre Religiosität und ihre Mentalität aus. Deshalb kämpfen diese gegen uns, sie verabscheuen uns. Ein Atheist verschmäht alle Religionen. Die Juden verschmähen den Hellenismus, sowie das Orthodoxe Christentum. Da die beiden [Hellenismus und Orthodoxes Christentum], wenn sie Hand in Hand gehen, eine außergewöhnliche Kraft haben“.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Theophilos, Bezirksregierender von Gortyna und Megalopolis (1970-2006), geboren als Athanasios Kanavos (1921-2006).
Quelle:
Μητροπολίτου Γόρτυνος και Μεγαλοπόλεως Θεοφίλου, «Η ουσία της γιορτής της Χριστιανοσύνης», Τύπος της Κυριακής, 22/4/2001 [Theophilos, metropolitan of Gortyna and Megalopolis, “The essence of the Christiandom’s feast”, newspaper “Typos tis Kyriakis”, 22/4/2001]
Kontext:
Dieses Zitat spiegelt sehr gut das wider, was man als „Antisemitismus der Mitte“ bezeichnen kann (nach dem Paradigma von Michel Billigs „banalem Nationalismus“): eine Denkweise, die von einer großen Anzahl gewöhnlicher Menschen geteilt wird und nicht nur ausschließlich von den Antisemiten der extremen Rechten. Bezirksregierender Theophilos zum Beispiel war ein konservativer Mainstream-Politiker; „Typos tis Kyriakis“, die Zeitung, die seinen Artikel veröffentlichte, ist kein faschistisches Medium, sondern die Sonntagsausgabe der konservativen Mainstream-Zeitung „Eleftheros Typos“, einer Zeitung, die seit 1984 mit der Partei Nea Dimokratia identifiziert wird. Theophilos‘ Artikel wurde anlässlich von Ostern veröffentlicht und befasste sich hauptsächlich mit der angeblich „antireligiösen“ Politik der damals an der Macht befindlichen PASOK-Regierung. Im Jahr zuvor hatte die griechisch-orthodoxe Kirche ihre Anhänger gegen die Streichung der Religionszugehörigkeit aus den neuen Personalausweisen der Bürger mobilisiert. Diese Maßnahme wurde von der rechten Fraktion der Nea Dimokratia, und der Partei LAOS (Popular Orthodox Rally) unterstützt, unter dem Deckmantel eines vermeintlichen „internationalen jüdischen Drucks auf Griechenland“ sowie einer imaginären „jüdischen Abstammung“ des damaligen griechischen Ministerpräsidenten Kostas Simitis.
Zum Weiterlesen:
Δημήτρης Ψαρράς, Το κρυφό χέρι του Καρατζαφέρη. Η τηλεοπτική αναγέννηση στης ελληνικής Ακροδεξιάς, Athens: Alexandreia, 2010, pp.104-108.
OK
Wenn du gekommen bist, um mir zu helfen, verschwendest du deine Zeit. Aber wenn du gekommen bist, weil deine Befreiung mit meiner zusammenhängt, dann lass uns zusammen arbeiten!
Richtig!
Wenn du gekommen bist, um mir zu helfen, verschwendest du deine Zeit. Aber wenn du gekommen bist, weil deine Befreiung mit meiner zusammenhängt, dann lass uns zusammen arbeiten!
Jahr:
Autor*inneninfo:
Aborigine Aktivist:innengruppe aus Queensland, Australien.
Quelle:
Damien Riggs (2004): Benevolence and the management of stake: On being ‚good white people‘. Philament: An Online Journal of the Arts and Culture (Issue 4: August). Die Jahreszahl (1970) ist eine ungefähre Angabe.
Kontext:
Der Gedanke von Hilfe ist nicht nur in der sogenannten Entwicklungshilfe stark vertreten: Anderen müsse geholfen werden, weil sie es selbst angeblich nicht können. In Australien werden die Aborigines oft als hilfsbedürftig dargestellt. Aborigines sind in sozialen Bewegungen (z.B. in der Umweltschutzbewegung oder bei Protesten gegen Uranminen) stark vertreten. Allerdings gibt es innerhalb vieler Bewegungen aus Nicht-Aborigines und Aborigines oft starke Spannungen und Bevormundung. Der Aborigine-Aktivist Gary Foley schrieb, er habe das Gefühl, für jede Generation von Nicht-Aborigines das Rad neu erfinden zu müssen (Foley 1999), also den weißen Australier:innen immer wieder beibringen zu müssen, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.
Zum Weiterlesen:
*Gary Foley (1999): Whiteness and Blackness in the Koori struggle for self-determination.
*Clare Land (2015): Decolonizing Solidarity. Dilemmas and Directions for Supporters of Indiginous Struggles. London: Zed Books.
OK
Wir haben es jetzt mit einem anderen Volk zu tun, klein und schwach, als unsere Vorfahren zum ersten Mal mit ihnen zusammentrafen, aber jetzt groß und anmaßend. Seltsamerweise haben sie die Absicht, den Boden zu bestellen, und die Liebe zum Besitz ist eine Krankheit in ihnen. Sie haben viele Gesetze gemacht, die die Reichen brechen dürfen, die Armen aber nicht. Sie haben eine Religion, in der die Armen beten und die Reichen nicht. Sie nehmen das Geld der Armen und Schwachen, um die Reichen und Regierenden damit zu unterstützen. Sie beanspruchen unsere Mutter, die Erde, für ihren eigenen Gebrauch und grenzen sich von ihren Nachbarn ab. Wenn Amerika doppelt so groß wäre, wie es ist, es wäre immer noch nicht genug für sie.
Richtig!
Wir haben es jetzt mit einem anderen Volk zu tun, klein und schwach, als unsere Vorfahren zum ersten Mal mit ihnen zusammentrafen, aber jetzt groß und anmaßend. Seltsamerweise haben sie die Absicht, den Boden zu bestellen, und die Liebe zum Besitz ist eine Krankheit in ihnen. Sie haben viele Gesetze gemacht, die die Reichen brechen dürfen, die Armen aber nicht. Sie haben eine Religion, in der die Armen beten und die Reichen nicht. Sie nehmen das Geld der Armen und Schwachen, um die Reichen und Regierenden damit zu unterstützen. Sie beanspruchen unsere Mutter, die Erde, für ihren eigenen Gebrauch und grenzen sich von ihren Nachbarn ab. Wenn Amerika doppelt so groß wäre, wie es ist, es wäre immer noch nicht genug für sie.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Sitting Bull (ca. 1831-1890) hieß eigentlich Tȟatȟáŋka Íyotake. Er war ein Anführer und Heiler der Hunkpapa-Lakota-Sioux.
Quelle:
Bob Blaisdell (2014): The Dover Anthology of American Literature. From 1865 to 1922. S. 77.
Kontext:
Die heutigen USA wurden als sogenannte Siedlungskolonie mit europäischen Migrant:innen bevölkert. In dem Zitat spricht Sitting Bull als Native American über die Genoziderfahrung während dieser Kolonisation. Der bis heute populäre Anführer der Sioux trauert um die Enteignung der Native Americans. Gleichzeitig werden in dem Zitat auch analytische Aspekte deutlich, die Aufschluss darüber geben, wie Sitting Bull die Siedlungspolitik, die Massenermordung und die Kriege, aber auch die neue gesamte Kultur, die mit dem ‚weißen Mann‘ in ihr Land kam, beobachtete, analysierte und interpretierte.
Zum Weiterlesen:
*Dee Brown (1970): Bury My Heart at Wounded Knee. An Indian History of the American West. New York: Holt, Rinehart & Winston.
OK
(…) die Flüchtlinge müssen hinausgeworfen werden, und die Bauern müssen dabei tatkräftig mithelfen.
Richtig!
(…) die Flüchtlinge müssen hinausgeworfen werden, und die Bauern müssen dabei tatkräftig mithelfen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Jakob Fischbacher (1886-1972) gründete 1946 die Bayernpartei, die sich als Sammelbecken von Konservativen und Separatisten für ein unabhängiges Bayern verstand und in deren Zentrum die Abwehr von Ost-Flüchtlingen stand.
Quelle:
Der Spiegel 16/1947: Preußen-Attacke.
Kontext:
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nicht nur transnationale Migrationsbewegungen, sondern ein viele Menschen migrierten auch innerhalb der neu entstandenen Staaten. In Deutschland migrierten 14 Millionen vertriebene Deutsche aus den während des Faschismus besetzen Ostgebieten und den ehemaligen Teilen Deutschlands gen Westen. In Bayern gab es bis 1950 einen Bevölkerungszuwachs von fast 30%. Die Ost-Flüchtlinge waren zwar Teil des völkischem Konstruktes der deutschen Identität, aber aus Gründen der radikalen Umverteilung wurden sie vehement abgewehrt. Andreas Schachner von der Bayernpartei sagte, dass sich so viele Fremde an den „bayerischen Futterkrippen“ bedienten, „dass Pogrome nötig wären, um die Gerechtigkeit wiederherzustellen“ (Hoefer 2015). Die Parolen erinnern an aktuelle Diskussionen, die Flucht und Migrationsbewegungen seit Anfang der 2010er Jahre nach Europa begleiten.
Zum Weiterlesen:
*Carsten Hoefer (2015): „Die Flüchtlinge müssen hinausgeworfen werden.“
*Spiegel (1947): Preußen-Attacke.
OK
Kultūr (lat.), eigentlich Pflege und Vervollkommnung eines nach irgendeiner Richtung der Verbesserung fähigen Gegenstandes, z. B. K. des Bodens, der Waldungen, einzelner Tiere, besonders aber die Entwickelung und Veredelung des menschlichen Lebens und Strebens.
Richtig!
Kultūr (lat.), eigentlich Pflege und Vervollkommnung eines nach irgendeiner Richtung der Verbesserung fähigen Gegenstandes, z. B. K. des Bodens, der Waldungen, einzelner Tiere, besonders aber die Entwickelung und Veredelung des menschlichen Lebens und Strebens.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Meyers Großes Konversationslexikon wurde erstmals 1840 veröffentlicht. Herausgeber war das Bibliographische Institut unter Joseph Meyer. 1986 wurde die Reihe eingestellt, nachdem das Institut mit dem Brockhaus Verlag fusionierte.
Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon (1907): Lexikoneintrag zu „Kultūr“, Band 11. Leipzig, S. 788
Kontext:
Hier wird deutlich, wie klar verknüpft die Verständnisse von Kultur und Entwicklung gedacht wurden. Lexika haben die Funktion, gesellschaftliches Wissen festzuschreiben und üben dabei gleichzeitig Definitionsmacht aus.
Zum Weiterlesen:
*Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg., 2011): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast Verlag.
OK
Keine deutsche Handelsstadt, die nicht viele ehrenhafte, achtungswerthe jüdische Firmen zählte; aber unbestreitbar hat das Semitenthum an dem Lug und Trug, an der frechen Gier des Gründer-Unwesens einen großen Anteil, eine schwere Mitschuld an jenem schnöden Materialismus unserer Tage, der jede Arbeit nur noch als Geschäft betrachtet und die alte gemüthliche Arbeitsfreudigkeit unseres Volkes zu ersticken droht; in tausenden deutscher Dörfer sitzt der Jude, der seine Nachbarn wuchernd ausverkauft.
Richtig!
Keine deutsche Handelsstadt, die nicht viele ehrenhafte, achtungswerthe jüdische Firmen zählte; aber unbestreitbar hat das Semitenthum an dem Lug und Trug, an der frechen Gier des Gründer-Unwesens einen großen Anteil, eine schwere Mitschuld an jenem schnöden Materialismus unserer Tage, der jede Arbeit nur noch als Geschäft betrachtet und die alte gemüthliche Arbeitsfreudigkeit unseres Volkes zu ersticken droht; in tausenden deutscher Dörfer sitzt der Jude, der seine Nachbarn wuchernd ausverkauft.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Deutschland: Heinrich von Treitschke
Treitschke (1834-1896) erlangte als Historiker und Mitglied des Reichstages Bekanntheit. Er publizierte umfänglich über deutscher Geschichte und zu gesellschaftswissenschaftlichen Fragen.
Quelle:
Kontext:
Im November 1879 veröffentlichte der konservativ-preußische Historiker Heinrich von Treitschke (1834-1896) in den „Preußischen Jahrbüchern“ einen Aufsatz, der schließlich zu einer kontroversen Auseinandersetzung zwischen namhaften Professoren an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität führte. Der Beitrag gipfelte in der später von den Nazis übernommenen Sentenz „Die Juden sind unser Unglück“. Die damals als „Treitschkestreit“ bezeichnete Debatte um die nationale Zuverlässigkeit sowie kulturelle Zugehörigkeit der Juden zur deutschen Nation erfasste nahezu alle gesellschaftlichen Milieus.
Vor dem Hintergrund des Berliner Kongresses 1878 (Neuordnung des Balkans) thematisierte Treitschke in den ersten beiden Dritteln seines Aufsatzes „Unsere Aussichten“ die außenpolitische Situation des deutschen Kaiserreichs. Der Historiker befürwortete die Politik des Reichskanzlers Otto von Bismarck. In ihr erblickte er neues nationales Selbstverständnis, das sich nicht zuletzt durch weltanschauliche und kulturelle Homogenität auszeichne. In diesem Zusammenhang problematisierte Treitschke im letzten Drittel des Aufsatzes die jüdische Bevölkerung als „nationale Sonderexistenz“, engegen der angeblichen Homogenität . Er sprach Juden den Willen zur gesellschaftlichen Integration ab und stigmatisierte sie als Gegner der nationalen Einigung Deutschlands. Mit diesem Aufsatz gelang es dem renommierten und weithin bekannten Historiker, als scheinbar neutraler und wissenschaftlicher Beobachter den in Deutschland grassierenden Antisemitismus in intellektuelle und akademische Führungsschichten hineinzutragen und salonfähig zu machen.
Zum Weiterlesen:
https://youtu.be/V33_Pi2_GxE
OK
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