Semiya Şimşek (geb. 1986) ist Pädagogin und die Tochter des von dem NSU als ersten ermordeten Enver Şimşek. Semiya Şimşek ist eine wichtige Stimme der Opferangehörigen geworden. In ihrem Buch „Schmerzliche Heimat. Deutschland und der Mord an meinem Vater“ arbeitet sie ihre Erlebnisse über den Mord an ihrem Vater auf. Semiya Şimşek hat Deutschland verlassen und lebt mittlerweile in der Türkei.
Random Quotes
Falsch!
Leider falsch.
Versuch's nochmal!
Die Antwort war
OK
Eine Theorie nach der anderen haben sie an uns ausprobiert. Erst haben sie meine Mutter verdächtigt und ihre Brüder; Mord aus Habgier haben sie unterstellt. Zur Zeit des Mordes war mein Vater auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Erfolges mit seinem Blumengroßhandel. Da hat er richtig gut verdient. Unter der Matratze meiner Eltern waren immer bündelweise Scheine versteckt. Später hieß es deshalb, mein Vater sei vermutlich Dealer gewesen und habe in Holland gar keine Blumen gekauft, sondern Drogen.
Richtig!
Eine Theorie nach der anderen haben sie an uns ausprobiert. Erst haben sie meine Mutter verdächtigt und ihre Brüder; Mord aus Habgier haben sie unterstellt. Zur Zeit des Mordes war mein Vater auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Erfolges mit seinem Blumengroßhandel. Da hat er richtig gut verdient. Unter der Matratze meiner Eltern waren immer bündelweise Scheine versteckt. Später hieß es deshalb, mein Vater sei vermutlich Dealer gewesen und habe in Holland gar keine Blumen gekauft, sondern Drogen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Süddeutsche Magazin, 10/2013.
Kontext:
Die neonazistische und terroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordete zwischen 2000 und 2007 neun Menschen mit Migrationsgeschichte und eine Polizistin: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.
Über zehn Jahre hielten sowohl der NSU als auch die Ermittler:innen diese Verbrechen verdeckt, bis der NSU sich 2011 mit einem Video selbst enttarnte. Nach dessen Bekanntwerden vernichteten einige Verfassungsschutzmitarbeiter:innen relevante Akten und ranghohe Verfassungsschützer traten zurück. Statt der Verfolgung tatsächlicher Hinweise, nahmen die Ermittler:innen die Opferangehörigen teils jahrelang ins Fadenkreuz und unterstellten ihnen kriminelle Machenschaften. Die beispiellosen rechtsterroristischen Verbrechen des NSU, die Ermittlungen und der anschließende Prozess verdeutlichen nur zu gut den tief verankerten institutionellen Rassismus bei Polizei, Geheimdienst und in den Gerichtssälen. Die Opferangehörigen, Nebenklagevertreter:innen, Aktivist:innen und kritische Journalist:innen heben hervor, dass während des ganzen Prozesses nicht im rechtsextremen Milieu ermittelt wurde.
Zum Weiterlesen:
*Semiya Şimşek & Peter Schwarz (2013): Schmerzliche Heimat: Deutschland und der Mord an meinem Vater, Berlin: Rowohlt.
*Juliane Karakayali, Çagri Kahveci & Doris Deutsch Liebscher (Hrsg., 2017): Den NSU-Komplex analysieren. Aktuelle Perspektiven aus der Wissenschaft. Bielefeld: transcript.
*NSU Watch.
OK
Die Linie setzt sich kontinuierlich fort – diejenigen, die den Indigenen das Land wegnahmen, unterdrücken heute uns mit ihren feudalen Strukturen (…) Ich glaube, dass Wahrheit und Gerechtigkeit letztendlich triumphieren werden. Es wird ganze Generationen dauern. Wenn ich in diesem Kampf sterben muss, soll es so sein. Aber eines Tages werden wir triumphieren. Inzwischen weiß ich, wer der Feind ist, und der Feind weiß, wer ich bin.
Richtig!
Die Linie setzt sich kontinuierlich fort – diejenigen, die den Indigenen das Land wegnahmen, unterdrücken heute uns mit ihren feudalen Strukturen (…) Ich glaube, dass Wahrheit und Gerechtigkeit letztendlich triumphieren werden. Es wird ganze Generationen dauern. Wenn ich in diesem Kampf sterben muss, soll es so sein. Aber eines Tages werden wir triumphieren. Inzwischen weiß ich, wer der Feind ist, und der Feind weiß, wer ich bin.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Sergio Tomasella, Tabakpflanzer und Generalsekretär des argentinischen Bauernverbandes, saß während der Junta (Militärdiktatur) fünf Jahre im Gefängnis und wurde gefoltert. Das Zitat stammt aus seiner Aussage vor dem argentinischen Tribunal gegen Straffreiheit nach der Diktatur.
Quelle:
Zitiert nach Naomi Klein (2010: 180).
Kontext:
Tomasella verknüpft in diesem Zitat sowohl Kolonialismus wie auch die Ungleichheit, die mit ungleichen Besitzverhältnissen einhergeht. Auch in Deutschland besitzen 10% der Bevölkerung 50% des gesamten Nettovermögens. Einkommen und Vermögen hängen überall auf der Welt mit der sozialen Herkunft der Menschen zusammen (70% der Akademiker:innenkinder, aber nur 20% der Arbeiter:innenkinder gehen zur Universität, s. Fratzscher 2017).
Zum Weiterlesen:
*Marcel Fratzscher (2017): Sozialer Sprengstoff.
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 307.
OK
Wir dürfen in der Kolonialpolitik nicht einen rein negativen Standpunkt einnehmen, sondern wir müssen eine positive sozialistische Kolonialpolitik treiben. (Publikum: Bravo!) Wir müssen von der utopischen Idee abkommen, die dahin geht, die Kolonien zu verkaufen. Die letzte Konsequenz dieser Anschauung wäre, dass man die Vereinigten Staaten den Indianern zurückgäbe. (Publikum: Unruhe.) Die Kolonien sind da, damit muss man sich abfinden.
Richtig!
Wir dürfen in der Kolonialpolitik nicht einen rein negativen Standpunkt einnehmen, sondern wir müssen eine positive sozialistische Kolonialpolitik treiben. (Publikum: Bravo!) Wir müssen von der utopischen Idee abkommen, die dahin geht, die Kolonien zu verkaufen. Die letzte Konsequenz dieser Anschauung wäre, dass man die Vereinigten Staaten den Indianern zurückgäbe. (Publikum: Unruhe.) Die Kolonien sind da, damit muss man sich abfinden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Eduard Bernstein (1850-1932) war deutscher Sozialdemokrat und Mitglied der SPD. Das Zitat stammt aus einer Rede auf dem Internationalen Sozialisten-Kongress zu Stuttgart, der vom 18. bis zum 24. August 1907 stattfand.
Quelle:
Zitiert nach Karl Kautsky (1907): Sozialismus und Kolonialpolitik. Berlin: Buchhandlung Vorwärts, S. 6.
Kontext:
Während die katholische Zentrumspartei die Kolonialpolitik geschlossen unterstützte, gab es bei den Sozialist:innen Auseinandersetzungen. Im Gegensatz zu Bernstein vertrat Karl Kautsky die Ansicht, dass Sozialismus und Kolonialpolitik ein Widerspruch in sich seien. Kautsky kritisiert, dass Bernstein ausdrücklich ein Herrschaftsverhältnis rechtfertige (Kautsky 1907: 17): das Recht von Völkern „höherer“ Kultur, Völker „minderer“ Kultur zu bevormunden. Am Ende des Kongresses wurde nur „kapitalistische Kolonialpolitik“ verdammt, da diese unvermeidlich zu „Zwangsarbeit und der Vernichtung der indigenen Völker“ führe, während nur Sozialismus eine „friedliche kulturelle Entwicklung“ ermöglichen könne. Kautsky widerspricht in seiner Publikation der Zivilisierungsmission der Europäer:innen: „Was braucht man an solchen Leuten viel zu erziehen und zu bevormunden?“ (ebd. S. 46).
Zum Weiterlesen:
*Karl Kautsky (1907): Sozialismus und Kolonialpolitik. Berlin: Buchhandlung Vorwärts, S. 6.
OK
Ich werde sterben. Aber ich werde zurückkommen und Millionen sein.
Richtig!
Ich werde sterben. Aber ich werde zurückkommen und Millionen sein.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Tupac Katari (1750-1781) war ein Aymara-Anführer in der Rebellion gegen die spanischen Kolonisatoren im heutigen Bolivien. Er hatte die Namen von früheren Widerstandkämpfern (Tomás Katari und Túpac Amaru) übernommen, die von den Spaniern 1572 umgebracht worden waren.
Quelle:
Zitiert nach Thomas Guthmann (2017): Körper im Zeichen des Zeitstrahls. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand, S. 98
Kontext:
Tupac Katari versammelte eine Armee von 40.000 Kämpfer:innen und belagerte La Paz. Seine Frau Bartolina Sisa hatte die Befehlsgewalt über die Belagerung und spielte nach der Festnahme Kataris eine wichtige Rolle. Als in fast allen lateinamerikanischen Ländern im 19. Jahrhundert der europäische Kolonialismus erfolgreich abgeworfen wurde, bedeutete das jedoch nicht, dass sich freie und gleiche Gesellschaften entwickeln konnten. Denn das formale Ende des europäischen Kolonialismus‘ bedeutete nicht das Ende der Herrschaftsverhältnisse. Neue Hierarchien wurden geschaffen, die Verteilung von Reichtum in vielen Ländern ist an Klasse, „Rasse“ und Geschlecht gebunden. Anibal Quijano argumentiert, dass der globale Kapitalismus den Kolonialismus als Herrschaftssystem ablöste und die Hauptprofiteur:innen dieses Systems noch immer die Europäer:innen und ihre Nachkommen in anderen Ländern sind (Quijano 2007: 168). Tupac Kataris Ausspruch wurde 2003 wieder aufgegriffen, als sich die Bevölkerung von Bolivien dem Ausverkauf des Erdgases widersetzte. „Als der neoliberale Präsident Sanchez de Lozada aus dem Präsidentenamt vertrieben wurde, hallte der Spruch durch die Straßen El Altos“ (Guthmann 2017: 98). Auch der ehemalige bolivianische Präsident Evo Morales sieht sich in Tupac Kataris Widerstandstradition (Morales Antrittsrede dokumentiert in New York Times, 23.01.2006).
Zum Weiterlesen:
*Thomas Guthmann (2017): Körper im Zeichen des Zeitstrahls. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand.
*Anibal Quihano (2007): Coloniality and Modernity/Rationality, Cultural Studies 21 (2-3); 168-178.
**The New York Times (23.01.2006): “Bolivia Indians Hail the Swearing In of One of Their Own as President.”
OK
Die Geburtenkontrolle selbst, die oft als Verletzung des Naturgesetzes verurteilt wird, ist nichts anderes als die Erleichterung des Ausscheidens der Unfähigen, der Entstehung von Fehlern oder von Defekten. In Übereinstimmung mit dem Arbeitsplan der Natur müssen wir der Weiblichkeit ihre volle Entwicklung ermöglichen, bevor wir von einer effizienten Mutterschaft ausgehen können. Wenn wir rassischen Fortschritt machen wollen, muss diese Entwicklung der Weiblichkeit der Mutterschaft in jeder einzelnen Frau vorangehen.
Richtig!
Die Geburtenkontrolle selbst, die oft als Verletzung des Naturgesetzes verurteilt wird, ist nichts anderes als die Erleichterung des Ausscheidens der Unfähigen, der Entstehung von Fehlern oder von Defekten. In Übereinstimmung mit dem Arbeitsplan der Natur müssen wir der Weiblichkeit ihre volle Entwicklung ermöglichen, bevor wir von einer effizienten Mutterschaft ausgehen können. Wenn wir rassischen Fortschritt machen wollen, muss diese Entwicklung der Weiblichkeit der Mutterschaft in jeder einzelnen Frau vorangehen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Margaret Sanger (1879-1966) war als Frauenrechtlerin aktiv in der Geburtenkontrollbewegung in den USA und schloss sich im Laufe ihres Aktivismus‘ den Zielen der eugenischen Bewegung an.
Quelle:
Margaret Sanger (1920): Woman and the New Race. New York: Brentano’s, S. 8.
Kontext:
Margaret Sanger war 1921 Mitgründerin der American Birth Control League, sowie 1952 der internationale International Planned Parenthood Federation (IPFF), die sich internationaler Bevölkerungskontrolle zuwandte.
Bündnisse und Überlappungen zwischen feministischen, sozialistischen und eugenischen (Erbgesundheits-) Bewegungen gab es vor dem Zweiten Weltkrieg nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Nachdem Eugenik durch die brutale Bevölkerungspolitik des Nationalsozialismus diskreditiert war, wandten sich deren Verfechter:innen der globalen Bevölkerungskontrolle zu – und transportierten ähnliche Ideen, ohne sich direkt auf die rassenhygienischen Lehren der Eugenik zu beziehen.
Zum Weiterlesen:
*Betsy Hartmann (1995): Reproductive Rights and Wrongs. The Global Politics of Population Control. Cambridge: South Ende Press.
OK
1. Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten. Soziale Unterschiede dürfen nur im gemeinen Nutzen begründet sein. 2. Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. 3. Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volke. 4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet.
Richtig!
1. Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten. Soziale Unterschiede dürfen nur im gemeinen Nutzen begründet sein. 2. Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. 3. Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volke. 4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen) ist einer der Grundlagentexte der französischen Revolution.
Quelle:
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789), Artikel 1, 2 und 4.
Kontext:
Die französische Revolution hatte das Motto „liberté, egalité, fraternité“ (Freiheit, Gleicheit, Brüderlichkeit). Sie schaffte die absolutistische Monarchie ab (Ludwig XIV.: „Der Staat bin ich“) und etablierte ein neues Herrschaftssystem. Die feudalen Machtstrukturen wurden von der Mehrheitsbevölkerung infrage gestellt und die Königsfamilie hingerichtet. Die Revolution wird als einschneidendes Ereignis der Aufklärung gesehen, auch in Bezug auf Menschenrechte, Demokratie und Herrschaftsformen. Kritisch beurteilt werden meist aber der Revolutionsterror und die Guillotine für alle Feind:innen der Revolution innerhalb Frankreichs. Beispielsweise wurde Olympe de Gouges 1793 hingerichtet, als sie die allgemeinen Menschenrechte auch für Frauen einforderte. Ab 1799 erlangte der General Napoléon Bonaparte den Rang des ersten Konsuls der Republik und als Kaiser absolute diktatorische Macht. Gleichzeitig zu diesen Entwicklungen hatte Frankreich Kolonien und der französische Staat herrschte somit ebenfalls über Kolonisierte. Im 19. Jahrhundert waren die Französ:innen sogar die zweitgrößte Kolonialmacht weltweit. Nachdem Frankreich sich im 17. Jahrhundert hauptsächlich auf Kolonien in Nordamerika fokussierte, konzentrierten sich die Kolonialbestrebungen ab den 1830er Jahren auf afrikanische Gebiete. In diesen Gebieten galten weder Gleichheit noch unveräußerliche Menschenrechte.
Zum Weiterlesen:
*Jean Ziegler (2010): Haiti und der Hass auf den Westen. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Heft 3, S. 39-53.
*Podcast SÜDNORDFUNK (2020): Wie Haiti zu einem der ärmsten Länder der Erde wurde.
OK
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith
Richtig!
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith
Jahr:
Autor*inneninfo:
Ukraine: Paul Celan.
Paul Celan war ein jüdischer deutschsprachiger Lyriker, der 1920 in Czernowitz, der heutigen Ukraine, geboren wurde. Er hieß ursprünglich Paul Antschel, später rumänisiert Ancel, woraus das Anagramm Celan entstand. Paul Celan gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter des 20. Jahrhunderts.
Quelle:
Paul Celan (1968): Todesfuge. Der Sand aus den Urnen.
Kontext:
Celans „Todesfuge“ gehört zu den eindrücklichsten Werken deutscher Nachkriegslyrik. In wenigen Zeilen vermag das Werk die Genoziderfahrung der europäischen Juden in Worte zu verpacken.
Zum Weiterlesen:
https://youtu.be/BP-JyOXllzI
OK
Die moderne Anschauung von Natur ist letztlich auch der Hintergrund, vor dem Frauenarbeit, Kolonialgebiete und bäuerliche Produktion als ökonomisch irrelevant angesehen werden (…).
Richtig!
Die moderne Anschauung von Natur ist letztlich auch der Hintergrund, vor dem Frauenarbeit, Kolonialgebiete und bäuerliche Produktion als ökonomisch irrelevant angesehen werden (…).
Jahr:
Autor*inneninfo:
Veronika Bennholdt-Thomsen (geb. 1944) ist österreichische Ethnologin und Soziologin.
Quelle:
Veronika Bennholdt-Thomsen (2010: 26)
Kontext:
Die Folgen der Zerstörung der Lebensgrundlagen weltweit durch das herrschende Industriesystem und den Lebensstil der reichen Länder und Klassen sind heute nicht mehr zu übersehen. Dennoch gilt dieser Lebensstil als das erstrebenswerte Ziel für alle Menschen auf der Welt. Aus ökofeministischer Perspektive liegt dieser Ausbeutung die Abwertung von Frauen, von Natur und von nicht-westlichen Gesellschaften zugrunde. Eine andere Sichtweise wäre, Menschen als Teil der Natur zu sehen und achtsam und respektvoll mit der Natur, Mitmenschen und anderen Gesellschaften umzugehen.
Zum Weiterlesen:
*Bennholdt-Thomsen & Veronika (2010): Geld oder Leben. Was uns wirklich reich macht. München: oekom.
*Maria Mies & Vandana Shiva (2016): Ökofeminismus. Die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker, komplett überarbeitete und aktualisierte Neuauflage.
OK
Ich musste meine Habitualiation aufgeben und ich war gezwungen das Krankenhaus zu verlassen, da mein Vertrag endete und sie ihn nicht erneuern wollten. Ich wurde an keinem anderen Krankenhaus angestellt.
Richtig!
Ich musste meine Habitualiation aufgeben und ich war gezwungen das Krankenhaus zu verlassen, da mein Vertrag endete und sie ihn nicht erneuern wollten. Ich wurde an keinem anderen Krankenhaus angestellt.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Ägypten: Mohammed Helmy.
Mohammed (Mod) Helmy (1901-1982) war ein ägyptisch-deutscher Arzt. Er kam im Rahmen seines Medizinstudiums in den 1920ern nach Berlin. Helmy ermöglichte zur Zeit des Nationalsozialismus mehreren Juden und anderen Verfolgten das Überleben in Verstecken. Er wurde 2013 von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet, als bislang einziger Ägypter unter etwa 70 Muslimen.
Quelle:
Kontext:
Helmy praktizierte seine Profession in städtischen wie privaten Kliniken. Damals waren rund 70% der beschäftigten Mediziner*innen in Berlin jüdischer Abstammung. Somit hatte Helmy sowohl beruflich, aber auch privat viele gute Beziehung zu seinen jüdischen Mitmenschen. Hierdurch geriet er in den Fokus der Nationalsozialisten. Auch Menschen arabischer Herkunft waren von den rassistischen Praktiken der Nazis betroffen.
Zum Weiterlesen:
Igal Avidan (2017): Mod Helmy. Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete. München: dtv.
NDR (Susanne Birkner, 2020): Politischer Widerstand brachte Muslime ins KZ.
OK
Tatsächlich hat DER HOLOCAUST sich als unentbehrliche ideologische Waffe erwiesen. Durch deren Einsatz hat eine der stärksten Militärmächte der Welt mit einer erschreckenden Menschenrechtsbilanz sich in die Rolle eines »Opfer-Staates« versetzt, und ebenso hat die erfolgreichste ethnische Gruppe der Vereinigten Staaten sich einen »Opferstatus« zugelegt. Aus dieser scheinbar bestechenden Opferrolle erwachsen beträchtliche Dividenden – insbesondere die Immunität gegenüber Kritik, wie berechtigt sie auch sei.
Richtig!
Tatsächlich hat DER HOLOCAUST sich als unentbehrliche ideologische Waffe erwiesen. Durch deren Einsatz hat eine der stärksten Militärmächte der Welt mit einer erschreckenden Menschenrechtsbilanz sich in die Rolle eines »Opfer-Staates« versetzt, und ebenso hat die erfolgreichste ethnische Gruppe der Vereinigten Staaten sich einen »Opferstatus« zugelegt. Aus dieser scheinbar bestechenden Opferrolle erwachsen beträchtliche Dividenden – insbesondere die Immunität gegenüber Kritik, wie berechtigt sie auch sei.
Jahr:
Autor*inneninfo:
USA, Norman G. Finkelstein
Finkelstein (geb. 1953) ist ein jüdisch-amerikanischer Politikwissenschaftler mit den Forschungsschwerpunkten Holocaust-Studies und dem Israel-Palästina Konflikt. Finkelstein veröffentlichte eine Anzahl von Büchern zu beiden Themenfeldern. Internationale Bekanntheit erlangte er durch die mit seinem Buch „Die Holocaust-Industrie“ verbundene Kontroverse im Jahre 2000. Die DePaul University in Chicago verweigerte ihm 2006 aufgrund der mit dem Buch im Zusammenhang stehende Auseinandersetzung die Beförderung zum ordentlichen Professor.
Quelle:
Norman G. Finkelstein (2001): Die Holocaustindustrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird. München:Pieper, S. 5.
Kontext:
Finkelsteins Publikation „Die Holocaustindustrie“ beinhaltet viele geschichtsrevisionistische Inhalte, bis hin zur Leugnung des Massenmords an 6 Millionen europäischen Juden. In seiner Publikation kommt Finkelstein u.a. zu dem Schluss, dass das Ausmaß der Shoa künstlich aufgebauscht sei, um den Holocaust als „Todschlagargument“ zu benutzen, damit sich jüdische Communities Vorteile und Privilegien sichern könnten.
In der 2022 vorgestellten Allensbach Studie „Antisemitismus in Deutschland – eine Repräsentativbefragung“, im Auftrag des American Jewish Comittee Deutschland, wird deutlich, dass auch heute noch 34 Prozent der Bevölkerung die Einstellung vertritt „Juden hätten aus dem Holocaust einen Vorteil gezogen“.
Zum Weiterlesen:
OK
„Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt.“
Richtig!
„Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

aus dem Babylonischen Talmud
Quelle:
Zitat: Babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 37a.
Bild: The Babylonian Talmud published by Daniel Bomberg 1519-1523.; Daniel Bomberg, Public domain, via Wikimedia Commons https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c9/Babylonian_Talmud_%28Daniel_Bomberg_1519-1523%29.jpg
Kontext:
Das Zitat stammt aus dem Babylonischen Talmud, der nicht die jüdischen Religionsgesetze selbst, sondern rabbinische Interpretationen ihrer Auslegung und Anwendung in der Praxis enthält. Das Zitat drück eine strikte Gegenseitigkeit zwischen Menschen aus. Es handelt sich um ein meta-halachisches – ein universalistisches – Prinzip, das die gleichzeitige Universalität und Partikularität aller und jedes Menschen hervorhebt. Insofern hat es einen Anspruch, der den Menschenrechten nahe kommt. Das Zitat aus dem Talmud hat eine zentrale Bedeutung für Religionsgelehrte wie zum Beispiel Maimonides. Die internationale Gedenkstätte Yad Vaschem ehrt die „Gerechten unter den Völkern“ (diejenigen, die Jüd:innen während der Shoah retteten) mit einer Medaille, auf der dieser Satz aus dem Talmud eingraviert ist.
Zum Weiterlesen:
*Programm Yad Vashem zur Medaille der Gerechten: Ein ganzes Universum, https://www.yadvashem.org/de/righteous/about-the-program/entire-universe.html
*Omri Böhm (2022): Radikaler Universalismus. Berlin: Ullstein Verlag.
OK
Das Problem mit Gewinnen aus dem Finanzsystem ist, dass sie nur durch Spekulationsblasen geschaffen werden. Irgendwann gibt es zu viele Blasen und sie platzen.
Richtig!
Das Problem mit Gewinnen aus dem Finanzsystem ist, dass sie nur durch Spekulationsblasen geschaffen werden. Irgendwann gibt es zu viele Blasen und sie platzen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Walden Bello (geb. 1945) ist ein philippinischer Soziologe und Direktor der NGO Focus on the Global South. Bello war einer der ersten Globalisierungskritiker und im Widerstand gegen Diktator Marcos, der von 1965-1986 der Machthaber der Philippinen war. Bello drang Anfang der 1980er Jahre in das Büro der Weltbank ein und stahl ca. 3000 Seiten vertraulicher Dokumente, um die Zusammenarbeit vom Internationalen Währungsfond (Schwesterorganisation der Weltbank) mit Diktator Marcos zu belegen.
Quelle:
Walden Bello (2019): „We Have to Move to a Post-Capitalist System“. In: Jacobinmag 28.10.2019
Kontext:
In den letzten Jahrzehnten fand eine zunehmende Finanzialisierung der Wirtschaft statt. Statt mit Warenproduktion oder Dienstleistungen kann man mit Finanzgeschäften sehr viel Geld in sehr kurzer Zeit verdienen oder verlieren. Bello beschreibt in seinem Buch „Dark Victory“ (1994), dass diese Strategie besonders von der britischen Premierministerin Margaret Thatcher und US-Präsident Ronald Reagan in den 1980er Jahren umgesetzt wurde, um den sich dekolonisierenden Globalen Süden wieder zu unterwerfen. Zum Beispiel durch Währungsspekulation: Durch Gerüchte über fehlende Dollarreserven in Thailand 1997 zogen Banken und Investoren sofort ihr Geld nicht nur dort ab, sondern auch in anderen Staaten, die somit bankrott gingen.
Zum Weiterlesen:
*Walden Bello (1994): Dark Victory. The United States and Global Poverty. Amsterdam: Transnational Institut.
*Ulrike Herrmann (2013): Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam. Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen. Frankfurt a.M.: Westend.
*Ranabir Samaddar (2017): Die Krise des Kapitalismus bedeutet nicht das Ende des Kapitalismus. In glokal: connecting the dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand. Berlin.
OK
Die ineffizienten Staatsbetriebe in private Hände zu bringen ist von entscheidender Bedeutung für die Gesundung der irakischen Volkswirtschaft.
Richtig!
Die ineffizienten Staatsbetriebe in private Hände zu bringen ist von entscheidender Bedeutung für die Gesundung der irakischen Volkswirtschaft.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Paul Bremer (geb. 1941) ist US-amerikanischer Diplomat und war ab 2003 Zivilverwalter im Irak.
Quelle:
Naomi Klein (2010: 480)
Kontext:
Naomi Klein beschreibt, dass Bremer als Zivilverwalter in Saddam Husseins Palast saß, Handels- und Investitionsgesetze per Email entgegen nahm und sie dem irakischen Volk per Befehl auferlegte (Klein 2010: 479). Bremer vertagte die für 2003 angesetzten Wahlen, ließ erst später Wahlen und eine von Washington überwachte Demokratie zu. Das irakische Kabinett verabschiedete 2007 ein Gesetz, mit dem es sich selbst entmachtete: U.a. hatte es danach keinerlei Mitbestimmungsrecht mehr in der Aushandlung von Ölverträgen (ebd.: 527). Auch südeuropäischen Ländern ging es in der Euro-Krise ähnlich. Griechische Parlamentarier:innen hatten wenig Mitspracherecht, als öffentliche Güter verkauft wurden. Die Vorsitzenden des Privatisierungsfonds waren zusätzlich immun gegen Strafverfolgung (Die Zeit, 16.06.2017: Spanien droht mit Veto gegen Griechenland-Hilfen).
Zum Weiterlesen:
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt am Main: Fischer, S. 451ff.
*David Harvey (2005): Der neue Imperialismus. Hamburg: VSA, S. 270ff.
OK
„Nach der Entthronung des Sultans Abdülhamid II. wurde, wie für alle bekannt, die Osmanische Regierung von den vom Judenbund Zion kontrollierten Staatsmännern übernommen, namens Komitee für Union und Fortschritt. An einem Oktobertag des Jahres 1325 (1909), dessen genauen Datum ich nicht mehr in meiner Erinnerung habe, veranstaltete die Komitee für Union und Fortschritt mit der Teilnahme all ihrer Abgeordneten ihren massigen Kongress in Thessaloniki. Ein kleinerer Ausschuss, bestehend aus führenden Personen und Vorsitzenden, beantwortete in einer geheimen Sitzung die Frage „Wie wird nun die Türkei regiert?“ des Zionistenbundes und dessen Unterorganisation Ostjuden Freimaurerloge mit einem vier Punktenbeschluss:
- Der Einfluss und die Macht der Religion in der Türkei wird gebrochen,
- Wirtschaftsressourcen der Türkei werden unter Brüdern verteilt,
- Das Kalifat wird von dem Sultanat getrennt und dadurch geschwächt,
- Bei der ersten Chance wird die Republik erklärt und die Dynastie wird ausgetilgt.“
Richtig!
„Nach der Entthronung des Sultans Abdülhamid II. wurde, wie für alle bekannt, die Osmanische Regierung von den vom Judenbund Zion kontrollierten Staatsmännern übernommen, namens Komitee für Union und Fortschritt. An einem Oktobertag des Jahres 1325 (1909), dessen genauen Datum ich nicht mehr in meiner Erinnerung habe, veranstaltete die Komitee für Union und Fortschritt mit der Teilnahme all ihrer Abgeordneten ihren massigen Kongress in Thessaloniki. Ein kleinerer Ausschuss, bestehend aus führenden Personen und Vorsitzenden, beantwortete in einer geheimen Sitzung die Frage „Wie wird nun die Türkei regiert?“ des Zionistenbundes und dessen Unterorganisation Ostjuden Freimaurerloge mit einem vier Punktenbeschluss:
- Der Einfluss und die Macht der Religion in der Türkei wird gebrochen,
- Wirtschaftsressourcen der Türkei werden unter Brüdern verteilt,
- Das Kalifat wird von dem Sultanat getrennt und dadurch geschwächt,
- Bei der ersten Chance wird die Republik erklärt und die Dynastie wird ausgetilgt.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Mevlanzade war ein kurdischer osmanischer Autor und Journalist, der die Umbruchzeit vom osmanischen Reich in die türkische Republik als politisch aktiver Mensch miterlebte und währenddessen antisemitische Verschwörungstheorien produzierte. Seine letzten Jahre verbrachte er als Exilant der türkischen Republik im französischen Mandat Syrien und war aktiv in der Gründung der damaligen kurdischen Bewegung Xoybun.
Quelle:
Mevlanzade Rıfat Bey (2013): Siyonistler Osmanlıyı Nasıl Yıktı? Derin Tarih Kültür Yayınları, İstanbul. S. 70
Kontext:
Mevlanzade´s antisemitische Texte wurden in den letzten 10 – 15 Jahren in der Türkei insbesondere von den islamistischen und national-konservativen Kreisen wiederentdeckt und ohne jegliche kritische Kommentare erneut sowie transliteriert herausgegeben. Das Buch von Mevlanzade, aus dem das untere Zitat ist, wurde zum ersten Mal im Jahr 1923 während seines Exils in Constanza, Rumänien, veröffentlicht.
Zum Weiterlesen:
Yetkin, E. Y. (2018): Imperialer Wahn und Untergangsfantasien. Zum Antisemitismus der konservativ-nationalistischen Szene in der Türkei. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 27. Metropol Verlag. S. 204–228
OK
Das Volk, dessen Zustand und Herkunft ich in dieser Schrift abzuhandeln gedenke, die Z*******, sind eine überaus sonderbare Erscheinung in Europa. Wir mögen uns in ihren Wohnungen umsehen, oder bei ihren Mahlzeiten als Zuschauer setzen oder endlich auch nur einen Blick auf ihre Gesichter werfen. Immer finden wir sie eigen und werden bei jedem Schritte von einer neuen und ungewohnten Scene überrascht. Das Sonderbare aber bei diesen irrenden Fremdlingen ist, daß weder Zeit noch Clima, noch Beispiele, bisher auf sie, überhaupt genommen, merklichen Einfluß gehabt haben.
Richtig!
Das Volk, dessen Zustand und Herkunft ich in dieser Schrift abzuhandeln gedenke, die Z*******, sind eine überaus sonderbare Erscheinung in Europa. Wir mögen uns in ihren Wohnungen umsehen, oder bei ihren Mahlzeiten als Zuschauer setzen oder endlich auch nur einen Blick auf ihre Gesichter werfen. Immer finden wir sie eigen und werden bei jedem Schritte von einer neuen und ungewohnten Scene überrascht. Das Sonderbare aber bei diesen irrenden Fremdlingen ist, daß weder Zeit noch Clima, noch Beispiele, bisher auf sie, überhaupt genommen, merklichen Einfluß gehabt haben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Moritz Gottlieb Grellmann (1756-1804) gilt als Gründer der „Tsiganologie“. In seinem Werk behauptete er, Rom:nja würden Kinder stehlen und vermutlich essen. Weiter beschrieb er die Romni als äußerst sexuell freizügig. Er wurde 1787 zum Professor in Göttingen ernannt.
Quelle:
Gottlieb Grellmann (1787): Historischer Versuch über die Z******* betreffend die Lebensart und Verfassung und Sitten und Schicksale dieses Volkes seit seiner Erscheinung in Europa und dessen Ursprung. Göttingen: Bey Johann Christian Dieterich.
Kontext:
Obwohl Grellmann als der sogenannte Gründer der Tsiganologie gehandelt wird, hat er wohl selbst nie mit Rom:nja gesprochen. Sein gesamtes Werk ist entweder abgeschrieben oder im Gespräch mit einem Priester, der mit Romnja: arbeitete, entstanden. Auch war es nicht Grellmann, der die indische Herkunft linguistisch nachweisen konnte. Die Schrift ist ein Beispiel dafür, wie in der sozialwissenschaftlichen Forschung über, aber nicht mit den „Forschungsobjekten“ gesprochen wird.
Zum Weiterlesen:
*Ian F. Hancock (1987): The Pariah Syndrome: An Account of Gypsy Slavery and Persecution. Ann Arbor: Karoma Publishers.
OK
Je mehr die Kultur der Länder zunimmt, desto enger wird die Wüste, desto seltner ihre wilden Bewohner.
Richtig!
Je mehr die Kultur der Länder zunimmt, desto enger wird die Wüste, desto seltner ihre wilden Bewohner.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Johann Gottfried Herder (1744-1803) war ein deutscher Schriftsteller und Philosoph. Er war einer der bedeutendsten Köpfe der deutschsprachigen Aufklärungsphilosophie.
Quelle:
Johann Gottfried Herder (1903 [1784]): Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. Leipzig: Reclam. Darin: Alle zerstörenden Kräfte in der Natur müssen den erhaltenden Kräften mit der Zeitenfolge nicht nur unterliegen, sondern auch selbst zuletzt zur Ausbildung des Ganzen dienen. Fünfzehntes Buch, Kapitel II. S. 161.
Kontext:
Herder hat das westliche Kulturverständnis stark geprägt. Von ihm kam die Idee einer linearen Entwicklung menschlicher Kultur. Während vor der Aufklärung die Natur im christlichen Verständnis als etwas Positives, der Urzustand als „paradiesisch“ verstanden wurde, befand Herder die Natur als kulturlos. Für ihn war Kultur etwas ethnisches an sich und er verknüpfte es mit dem Konzept Nation: Für ihn war Volk und Nation dasselbe und von Gott gegeben (Sehn 2003).
Zum Weiterlesen:
*Franziska Müller (2017): Von grüner Hölle und grünem Gold. (Post)Koloniale gesellschaftliche Naturverhältnisse. In: glokal e.V. (Hrsg.): Connecting the dots. Lernen aus Geschichte(n) von Unterdrückung und Widerstand. Berlin, S. 62
*Moritz Sehn (2003): Nationen und Nationalismus bei Johann Gottfried Herder.
OK
Monatelang haben die deutschen Medien ausführlich Entwicklungen und Geschehnisse bezüglich der Geflüchtetenfrage kommentiert. Die meisten dieser Kommentator:innen waren in der Regel weiße Journalist:innen, Politiker:innen, Migrationsforscher:innen oder freiwillige Helfer:innen. Die Stimmen von Geflüchteten waren stets eher Randnotizen. In den seltenen Fällen, in denen sie zu Wort kommen durften, wurden diesen nur wenige Zeilen oder bestenfalls Sekunden gewährt. Geflüchtete sollten in ihren eigenen Narrativen vor allem als Bekräftigung des Konsens der Mehrheitsgesellschaft über sie dienen. Sie sind nicht die Erzähler:innen, sondern das Erzählte.
Richtig!
Monatelang haben die deutschen Medien ausführlich Entwicklungen und Geschehnisse bezüglich der Geflüchtetenfrage kommentiert. Die meisten dieser Kommentator:innen waren in der Regel weiße Journalist:innen, Politiker:innen, Migrationsforscher:innen oder freiwillige Helfer:innen. Die Stimmen von Geflüchteten waren stets eher Randnotizen. In den seltenen Fällen, in denen sie zu Wort kommen durften, wurden diesen nur wenige Zeilen oder bestenfalls Sekunden gewährt. Geflüchtete sollten in ihren eigenen Narrativen vor allem als Bekräftigung des Konsens der Mehrheitsgesellschaft über sie dienen. Sie sind nicht die Erzähler:innen, sondern das Erzählte.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Sinthujan Varatharajah (geb. 1985) ist politischer Geograph und lebt in Berlin.
Quelle:
Sinthujan Varatharajah (2015): Das Selbstgespräch brechen: Perspektiven auf Asyl von ehemaligen Geflüchteten.
Kontext:
2015 erreichten die Flucht- und Migrationbewegungen nach Europa einen Höhepunkt. Die Grenzen blieben geschlossen, so dass auf den gefährlichen Routen des Mittelmeeres und der Transitländer unzählige Menschen starben. Es bildeten sich eine Bewegungen „von unten“, die selbstorganisiert Unterstützungsarbeit leisteten: auf dem Meer, in Herkunfts-, Transit- und Ankunftsländern. Diese Aktivist:innen bestanden aus migrantischen Selbstorganisierungen, NGOs, ehrenamtlichen Bürger:innen, Kirchenmitgliedern, Ärzt:innen und Journalist:innen. Die strenge Grenzregimepolitik erlebte einen historischen Bruch, als Angela Merkel die Grenzen kurz öffnen ließ. In den Medien erlebte die Flüchtlingsfrage eine enorme Präsenz. Sinthujan Varatharajah kritisierte in diesem Zusammenhang kritisch, dass der Fokus auf weißen Menschen liegt und Stimmen geflüchteter Menschen eher selten gehört werden.
Zum Weiterlesen:
*Sinthujan Varatharajah (2017): Ein bischen wie im Kolonialismus hat mein Vater gesagt …“ In: glokal e.V. (Hrsg.): Willkommen ohne Paternalismus. Hilfe und Solidarität in der Unterstützungsarbeit, S. 56-61.
OK
Interkulturelle Kompetenz ist Herrschaftskompetenz.
Richtig!
Interkulturelle Kompetenz ist Herrschaftskompetenz.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Paul Mecheril (geb. 1962) ist ein deutscher Bildungswissenschaftler. Er forscht zu Bildung in der Migrationsgesellschaft aus einer rassismuskritischen Perspektive.
Quelle:
Paul Mecheril et al (2010): Bachelor | Master: Migrationspädagogik. Weinheim: Beltz, S. 77ff.
Kontext:
Mecheril kritisiert interkulturelle Kompetenz als Vielfaltsmanagement aus dominanter Perspektive. Es gelte als erstrebenswert, dass (in der Regel weiße) Menschen durch Fortbildungen und Auslandsaufenthalte sogenannte interkulturelle Kompetenz erwerben. Paradoxerweise werden Migrant*innen und People of Color diese interkulturelle Kompetenzen jedoch oft abgesprochen: Warum werden migrantische Strategien zum Umgang mit Überleben in einer rassistischen Gesellschaft nicht als interkulturelle Kompetenzen verstanden?
Zum Weiterlesen:
*Astrid Messerschmidt (2009): Weltbilder und Selbstbilder. Bildungsprozesse im Umgang mit Globalisierung, Migration und Zeitgeschichte. Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel.
*glokal (2013): Bildung für nachhaltige Ungleichheit. Eine postkoloniale Analyse von Materialien der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit in Deutschland.
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Die Polizei kommt, um unsere Mieten einzutreiben. Die Schutzinstitution für Aboriginals findet, dass es wichtig ist für colored Menschen, ihre Miete zu bezahlen. Aber weiße Menschen haben nie daran gedacht, Miete zu bezahlen für das ganze Land, dass sie von unseren Vorfahren weggenommen haben.
Richtig!
Die Polizei kommt, um unsere Mieten einzutreiben. Die Schutzinstitution für Aboriginals findet, dass es wichtig ist für colored Menschen, ihre Miete zu bezahlen. Aber weiße Menschen haben nie daran gedacht, Miete zu bezahlen für das ganze Land, dass sie von unseren Vorfahren weggenommen haben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Mary Clarke, (Geburtsdatum ungekannt – 1984) war eine Koori-Aboriginal-Aktivistin. Das Zitat stammt aus einer Rede, die auf einem Treffen mit Journalist:innen aufgezeichnet wurde. Das Treffen richtete sich gegen die Vertreibung von einer Frau und ihrer Kindern aus ihrem Haus im Framlingham Settlement (Victoria, Australien).
Quelle:
Originalquelle: Zeitung Melbourse Argus (22.02.1951)
Wiedergedruckt in: Jan Chritchett (1998): Untold Stories: Memories and Lives of Victorian Kooris. Melbourne: Melbourne University Press, S. 4.
Kontext:
Australien war eine Siedlungskolonie von Großbritannien. 1770 beanspruchte James Cook Ost-Australien für die britische Krone. Auch die Idee einer Gefangenenkolonie kam von ihm, um die überfüllten britischen Gefängnisse zu entlasten. 1788 landete Captain Arthur Phillip mit 1500 Gefangenen in Sydney. Es wird geschätzt, dass zwischen 1788 und 1900 bis zu 90% der indigenen Bevölkerung Australiens durch eingeschleppte Krankheiten, Landvertreibungen und gewalttätige Konflikte getötet wurden. Es gab Massenerschießungen, Menschen wurden gruppenweise von Klippen gestürzt oder ihnen wurde mit Arsen oder anderen Stoffen vergiftetes Land angeboten (Behrendt 2012: 274). Nicht nur für George Reid, Politiker der Free Trade Party, der 1903 in einer Wahlansprache sagte: „Wir sollten ein weißes Australien haben“ (1904 wurde er Premierminister). Ein weißes Australien wurde über Jahrhunderte von der Politik als Ziel verfolgt. Auch die Proteste der Aboriginal Bevölkerung gehen weit zurück. 1938 fand ein Schweigemarsch statt, um an die 150 Jahre Landraub und Kolonisierung zu erinnern (creativespirits.info).
Zum Weiterlesen:
*Foley, Gary (1999): ATSIC: Flaws in the Machine. The Koori History Website.
*John Harris (2003): Hiding the Bodies: the myth of the humane colonisation of Australia. In: Aboriginal History Journal. Canberra: Australian Centre for Indigenous History, S. 79-104.
*Larissa Behrendt (2013): Indigenous Australia for Dummies. Canberra: International Journal of Critical Indigenous Studies, S. 53f. (Rezension)
*creativespirits.info: Aboriginal timeline: Protest.
OK
In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die N**** sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.
Richtig!
In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die N**** sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Immanuel Kant (1724-1804) war der bekannteste deutsche Philosoph der Aufklärung. Er hat fast sein gesamtes Leben in Königsberg verbracht. Er war bei der Prägung der Rassentheorie für den deutschsprachigen Raum von zentraler Bedeutung.
Quelle:
Immanuel Kant (1764): Physische Geographie 2. T. 1. Abs. § 3 (IX 195). Königsberg: Göbbels und Unzer.
Kontext:
Obwohl die Aufklärung allgemein mit der Aufklärung die universellen Menschenrechte verbunden wird, war sie auch die Zeit der aufkommenden Rassentheorien. Die Vorstellung, dass alle Menschen gleich und frei waren, war eine Bedrohung für diejenigen, die von gesellschaftlichen Ungleichheiten profitierten. Darum brauchte es eine parallele Theorie, die belegten sollte, warum einige eben doch nicht ganz gleichwertig sein können (siehe oben Adorno und Horkheimer und ihre „Die Dialektik der Aufklärung“). Immanuel Kant versuchte, eine „Rassenhierarchie“ zu konstruieren, die auf „Rationalität“, „Moral“, „Mündigkeit“, „Erziehbarkeit“ und „Faulheit“ als Merkmale des Andersseins aufbaute. Er platzierte den weißen Mann im Zentrum dieser Ideologie und machte ihn zur Norm, an der Fortschritt gemessen wurde. Die Abwertung von People of Color ging bei Kant so weit, dass er sich bei bestimmten Weltregionen fragte, warum sie überhaupt existierten.
Zum Weiterlesen:
*Peggy Piesche (2005): Der „Fortschritt“ der Aufklärung – Kants „Race“ und die Zentrierung des weißen Subjekts. In: Maureen Maisha Eggers et al. (Hrsg.): Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster: Unrast, S. 30-39.
*Bayrischer Rundfunk (17.09.2020): „Philosophen der Aufklärung: Waren Hegel, Kant und Co. Rassisten?„
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