Milton Friedman (1912-2006) war Ökonom der Chicagoer Schule, ein Erfinder des Neoliberalismus und Nobelpreisträger für Wirtschaft 1976. Das Zitat stammt aus einem Brief Friedmans an den chilenischen Diktator Pinochet.
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OK
Wenn dieser [wirtschaftliche] Schockansatz angenommen würde, sollte er meines Erachtens sehr detailliert öffentlich bekannt gegeben werden, um zu einem sehr nahen Zeitpunkt in Kraft zu treten. Je umfassender die Öffentlichkeit informiert ist, desto mehr werden ihre Reaktionen die Anpassung erleichtern.
Richtig!
Wenn dieser [wirtschaftliche] Schockansatz angenommen würde, sollte er meines Erachtens sehr detailliert öffentlich bekannt gegeben werden, um zu einem sehr nahen Zeitpunkt in Kraft zu treten. Je umfassender die Öffentlichkeit informiert ist, desto mehr werden ihre Reaktionen die Anpassung erleichtern.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Naomi Klein (2010: 109)
Kontext:
Milton Friedman war der Meinung, dass Gesellschaften radikal verändert werden müssten: auf die Bevölkerung sollten diese Veränderungen wie ein Schock treffen. Außerdem müssten die Kräfte der Wirtschaft frei regieren können, ohne staatliche Eingriffe. Dieser Freiheitsbegriff ist als Neoliberalismus in die Geschichte eingegangen. Friedmans Hauptwerk heißt daher auch „Capitalism and Freedom“ (1962). Diese Freiheit bedeutet jedoch in erster Linie wirtschaftliche Freiheit, oft auf Kosten von Mensch und Natur (vgl. Klein 2010: 85). Politiker sollten Schockstrategien für den Wandel zum neoliberalen Kapitalismus einsetzen. Dafür müssen Krisensituationen wie Naturkatastrophen ausgenutzt werden, so der Ökonom: Befinden sich Gesellschaften infolge einer Katastrophe in einer Schockstarre, lassen sich wirtschaftliche Veränderungen am besten umsetzen. Denn in solchen Ausnahmesituationen würden sich die Menschen „Reformen“ wie der Privatisierung von Bildung, Gesundheit und Sozialem nicht widersetzen, weil sie überfordert wären. Friedman und seine Chicago Boys (an der University of Chicago ausgebildete Ökonomen) experimentierten mit ihren Theorien vor allem in Diktaturen wie in Chile unter General Pinochet.
Zum Weiterlesen:
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a.M.: Fischer.
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie.
OK
Die Bodenschätze unter der Erde, die Banken und die Monopolindustrie sollen in das Eigentum des ganzen Volkes übergehen; (…) das Land soll unter denen geteilt werden, die es bearbeiten!
Männer und Frauen aller Rassen erhalten gleichen Lohn für gleiche Arbeit; es soll eine 40-Stunden-Woche geben (…) Bildung soll kostenlos, obligatorisch, universell und für alle Kinder gleich sein (…).
Richtig!
Die Bodenschätze unter der Erde, die Banken und die Monopolindustrie sollen in das Eigentum des ganzen Volkes übergehen; (…) das Land soll unter denen geteilt werden, die es bearbeiten!
Männer und Frauen aller Rassen erhalten gleichen Lohn für gleiche Arbeit; es soll eine 40-Stunden-Woche geben (…) Bildung soll kostenlos, obligatorisch, universell und für alle Kinder gleich sein (…).
Jahr:
Autor*inneninfo:
Freiheitscharta, die vom Afrikanischen Nationalkongress ANC erstellt wurde, in dem 50.000 Freiwillige in den Townships sammelten, was für die Menschen wichtige Freiheitsforderungen seien. Die auf einzelnen Zetteln gesammelten Forderungen wurden zusammengefasst und 1955 auf einem Kongress mit 3.000 Delegierten verabschiedet.
Quelle:
ANC (1955): The Freedom Charter.
Kontext:
In Südafrika regierte während des Apartheidsregimes von Beginn des 20. Jahrhunderts (besonders nach 1948) bis 1994 die weiße Minderheit über die Schwarze Mehrheit. Nelson Mandela, ehemaliger ANC-Widerstandskämpfer, wurde 1994 erster Schwarzer Präsident. Im Apartheidsregime wurde zwischen „White“, „Coloured“, „Asiatic“ oder „Indian“ und „Native“ Personen unterschieden, die je unterschiedliche Rechte hatten. Bereits 1912 gründete sich der ANC, der mit der „Missachtungskampagne“ (Defiance Campaign) gegen die Gesetze des Apartheidsregimes 1952 bis 1954 zur Massenorganisation und zum größten Hort des Widerstands wurde.
Zum Weiterlesen:
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Fischer.
OK
Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
schickt die Besten aus, die ihr erzieht –
Bannt eure Söhne ins Exil
den Bedürfnissen eurer Gefangenen zu dienen;
in schwerem Geschirre aufzuwarten
verschreckten wilden Leuten –
euren neugefangenen verdrossenen Völkern,
halb Teufel und halb Kind.
Richtig!
Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
schickt die Besten aus, die ihr erzieht –
Bannt eure Söhne ins Exil
den Bedürfnissen eurer Gefangenen zu dienen;
in schwerem Geschirre aufzuwarten
verschreckten wilden Leuten –
euren neugefangenen verdrossenen Völkern,
halb Teufel und halb Kind.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Rudyard Kipling, 1865-1936, war britischer Schriftsteller und Autor des Dschungelbuchs.
Quelle:
Rudyard Kipling (1899): „The White Man’s Burden“, Ersterscheinung im McClure’s Magazine vom 12.02.1899.
Kontext:
„Die Bürde des weißen Mannes“ drückt das koloniale Sendungsbewusstsein aus, das nicht erst Ende des 19. Jahrhunderts entstand, als Kipling das Gedicht schrieb. Europäische Kolonisation und christliche Mission wurden schon seit Jahrhunderten als Zivilisationsmissionen gerechtfertigt (Teno 2004). Kurz nachdem Kipling sein Werk veröffentlichte, erschien eine Satire darauf, ein Gedicht namens „The Brown Man’s Burden“ des Briten Henry du Pré Labouchère, in dem er schrieb, dass Kolonialismus keine Zivilisierungsmission ist und keinen positiven Einfluss auf das Leben der Kolonisierten habe, sondern imperialistische Dominierung von Anderen ist: „Der Verlust der braunen Mannes impliziert immer den Gewinn des weißen Mannes. (…) Lass alle deine Manifeste vor Menschenfreundlichkeit stinken. Und wenn er [the brown man] mit heidnischer Torheit es wagt, dies zu bestreiten. Dann im Namen der Freiheit, zögere nicht zu schießen.“
Zum Weiterlesen:
*Bausteine für eine nicht-rassistische Bildungsarbeit (2008): Die Bürde des weißen Mannes.
*Teno, Jean Marie (2004): „Gehet hin in alle Welt …“ Die deutsche Mission in Afrika. Dokumentarfilm. Frankreich/ Deutschland.
*Henry Labouchère (1899): The Brown Man’s Burden. London: Truth.
OK
„Die natürlichen Gesetze und Regeln der Menschen sind allen Völkern gemeinsam, den christlichen und heidnischen, ohne Unterschied und gleich welche ihre Sekte, ihr Gesetz, ihr Stand, ihre Hautfarbe und Herkunft sein mag.“
Richtig!
„Die natürlichen Gesetze und Regeln der Menschen sind allen Völkern gemeinsam, den christlichen und heidnischen, ohne Unterschied und gleich welche ihre Sekte, ihr Gesetz, ihr Stand, ihre Hautfarbe und Herkunft sein mag.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Bartholomé de Las Casas (1484-1566) war ein spanischer Dominikanermönch und erster Bischof von Chiapa (heute: Mexiko), der zunächst als Soldat, der an der Kolonisierung tatsächlich teilgenommen hatte, nach Mexiko kam. Später kritisierte er die Gewalt gegenüber der indigenen Bevölkerung scharf.
Quelle:
Zitat: Bartolomé de Las Casas (1996): „Brief an Prinz Philipp vom 20.4.1544″, erschienen in: Delgasdo Mariano (Hrsg.): Sozialethische und staatsrechtliche Schriften, Band 3 (1), Paderborn: Schöningh Verlag, S. 33-59, S. 51.
Bild: Unbekannter Maler; Informations source : National Geographic & Álvaro Huerga, Bartolomé de Las Casas: Vie et œuvres.
Kontext:
Weit vor der Formulierung der individuellen Freiheitsrechte im Europa des 18. Jahrhunderts wandte sich Las Casas mit der Forderung nach gleichen Rechten für alle Menschen gegen die spanische Politik der Unterwerfung und Kolonisierung. Er verwies auf die Unrechtmäßigkeit der vorgeblichen Verträge mit der indigenen Bevölkerung, die die Landnahme und Herrschaft der spanischen Eroberer:innen legitimieren sollten. Las Casas versuchte die Gleichheit und Freiheit der unterworfenen Völker als Menschen sowie ihr Recht auf politische Selbstbestimmung zu verteidigen. Seine Schriften und sein Eintreten für die indigene Bevölkerung setzten Las Casas dem Vorwurf aus, er beleidige die spanische Nation, betreibe Geschichtsfälschung oder sei schlichtweg geisteskrank.
Zum Weiterlesen:
*Julia Macher (31.07.2016): Vor 450 Jahren – Tod des spanischen Missionars Bartolomé de Las Casas, https://www.deutschlandfunk.de/vor-450-jahren-tod-des-spanischen-missionars-bartolome-de-100.html
*Lawrence A. Clayton (2012): Bartolomé de las Casas: A Biography. Cambridge: Cambridge University Press.
OK
1. Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten. Soziale Unterschiede dürfen nur im gemeinen Nutzen begründet sein. 2. Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. 3. Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volke. 4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet.
Richtig!
1. Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten. Soziale Unterschiede dürfen nur im gemeinen Nutzen begründet sein. 2. Das Ziel jeder politischen Vereinigung ist die Erhaltung der natürlichen und unveräußerlichen Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. 3. Der Ursprung jeder Souveränität liegt ihrem Wesen nach beim Volke. 4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen) ist einer der Grundlagentexte der französischen Revolution.
Quelle:
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789), Artikel 1, 2 und 4.
Kontext:
Die französische Revolution hatte das Motto „liberté, egalité, fraternité“ (Freiheit, Gleicheit, Brüderlichkeit). Sie schaffte die absolutistische Monarchie ab (Ludwig XIV.: „Der Staat bin ich“) und etablierte ein neues Herrschaftssystem. Die feudalen Machtstrukturen wurden von der Mehrheitsbevölkerung infrage gestellt und die Königsfamilie hingerichtet. Die Revolution wird als einschneidendes Ereignis der Aufklärung gesehen, auch in Bezug auf Menschenrechte, Demokratie und Herrschaftsformen. Kritisch beurteilt werden meist aber der Revolutionsterror und die Guillotine für alle Feind:innen der Revolution innerhalb Frankreichs. Beispielsweise wurde Olympe de Gouges 1793 hingerichtet, als sie die allgemeinen Menschenrechte auch für Frauen einforderte. Ab 1799 erlangte der General Napoléon Bonaparte den Rang des ersten Konsuls der Republik und als Kaiser absolute diktatorische Macht. Gleichzeitig zu diesen Entwicklungen hatte Frankreich Kolonien und der französische Staat herrschte somit ebenfalls über Kolonisierte. Im 19. Jahrhundert waren die Französ:innen sogar die zweitgrößte Kolonialmacht weltweit. Nachdem Frankreich sich im 17. Jahrhundert hauptsächlich auf Kolonien in Nordamerika fokussierte, konzentrierten sich die Kolonialbestrebungen ab den 1830er Jahren auf afrikanische Gebiete. In diesen Gebieten galten weder Gleichheit noch unveräußerliche Menschenrechte.
Zum Weiterlesen:
*Jean Ziegler (2010): Haiti und der Hass auf den Westen. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Heft 3, S. 39-53.
*Podcast SÜDNORDFUNK (2020): Wie Haiti zu einem der ärmsten Länder der Erde wurde.
OK
Eine neue Konfrontation mit dem internationalen Judentum steht kurz bevor. Wir sollten darauf vorbereitet sein.
Richtig!
Eine neue Konfrontation mit dem internationalen Judentum steht kurz bevor. Wir sollten darauf vorbereitet sein.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Polen: Piotr Rybak ist ein vorbestrafter polnischer Nationalist und offener Antisemit. Die Ausssage stammt von einer rechtsextremen Demonstration am 74. Jahrestag (2019) zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.
Quelle:
Kontext:
Das antisemitische Narrativ des „internationalen Judentums“ entstand während Weltwirtschaftskrise 1873. Juden wurde dabei kollektiv die Schuld an den negativen Folgen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels zugesprochen. Das Narrativ ist auch in der deutschen Gesellschaft weit verbreitet und mitnichten lediglich eine Einstellung, welche ausschließlich bei der extremen Rechten zu verorten ist. In einer Studie des World Jewish Congress von 2019 gaben 28 Prozent der Befragten (die selbst Topverdiener waren und ein Jahreseinkommen von über 100.000€ verzeichneten!): „Juden hätten zu viel Macht“ (de.statista.com).
Zum Weiterlesen:
OK
Wären diese Leute unfreundlich gewesen, hätten wir ihnen nicht entkommen können, denn unsere Pferde hätten nicht in einen Galopp fallen können, um unser oder ihr eigenes Leben zu retten. Wir waren daher ganz in ihrer Macht, obwohl sie sich dessen vielleicht glücklicherweise nicht bewusst waren; aber so weit sie kein unfreundliches Gefühl zeigten, behandelten sie uns mit echter Gastfreundschaft, und wir hätten bestimmt nach allem verlangen können, was sie hatten.
Richtig!
Wären diese Leute unfreundlich gewesen, hätten wir ihnen nicht entkommen können, denn unsere Pferde hätten nicht in einen Galopp fallen können, um unser oder ihr eigenes Leben zu retten. Wir waren daher ganz in ihrer Macht, obwohl sie sich dessen vielleicht glücklicherweise nicht bewusst waren; aber so weit sie kein unfreundliches Gefühl zeigten, behandelten sie uns mit echter Gastfreundschaft, und wir hätten bestimmt nach allem verlangen können, was sie hatten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Charles Sturt (1795–1869) war ein sogenannter Entdecker im südöstlichen Australien.
Quelle:
Charles Sturt (1849): Narrative of an Expedition into Central Australia. London: T. and W. Boone. S. 76
Kontext:
Die Europäer:innen beschrieben die „Anderen“ keineswegs immer als kulturlos. Auch wurden Nicht-Europäer:innen oft, wie in diesem Zitat, als höflich, freundlich, gastfreundlich, einfach und gut beschrieben. Oft dienten diese „edlen Wilden“ als Vorbilder für die „zivilisationsverseuchten“ Europäer:innen (Hall 1992: 131f.). Allerdings: Diese paternalistische Zuschreibung der „guten Naturvölker“ verbleibt in einer verallgemeinernden Zusammenfassung, die jede Individualität ausschließt und lediglich den Europäer:innen zur Reflexion dient. Oft hielten diese Vergleiche aber trotzdem den Europäer:innen einen kritischen Spiegel vor.
Zum Weiterlesen:
*glokal e.V. (2017): Willkommen ohne Paternalismus. Hilfe und Solidarität in der Unterstützungsarbeit. Kapitel: Rassismus als System verstehen. Berlin, S. 28.
*Stuart Hall (1992): The West and the Rest: Discourse and Power. In: Stuart Hall & Bram Gieben: Formations of Modernity. Understanding Modern Societies: An Introduction. Trowbridge: Redwood Books, S. 275–320.
OK
Gleich nach meiner Ankunft in Indien ergriff ich auf der ersten von mir entdeckten Insel mit Gewalt einige ihrer Bewohner, damit sie lernen und mich informieren sollten, über das, was es in diesen Gegenden gab. Und so verstanden sie uns bald, und wir sie, durch Sprache oder Zeichen, und sie waren sehr nützlich. Ich habe sie immer noch bei mir und sie sind sich sicher, dass ich vom Himmel komme.
Richtig!
Gleich nach meiner Ankunft in Indien ergriff ich auf der ersten von mir entdeckten Insel mit Gewalt einige ihrer Bewohner, damit sie lernen und mich informieren sollten, über das, was es in diesen Gegenden gab. Und so verstanden sie uns bald, und wir sie, durch Sprache oder Zeichen, und sie waren sehr nützlich. Ich habe sie immer noch bei mir und sie sind sich sicher, dass ich vom Himmel komme.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Christoph Kolumbus (ca. 1451-1506) war italienischer Seefahrer und Menschenhändler. Die Suche nach einem Seeweg nach Indien führte ihn in die Amerikas. Kolumbus war so maßgeblich an der Kolonisierung des Kontinents beteiligt.
Quelle:
Andres Bernaldez (1930): The Voyages of Christopher Columbus, Being the Journals of his First and Third, and the Letters Concerning his First and Last Voyages, to Which is Added the Account of his Second Voyage. London: The Argonaut Press.
Kontext:
Die europäische Kolonialexpansion wird oft in drei Phasen aufgeteilt: [1] Der spanische und portugiesische Kolonialismus, hauptsächlich der Amerikas ab dem Ende des 15. Jahrhunderts, dem die Ausbeutung der Ressourcen zugrunde lagen. [2] Die britische, französische und niederländische Kolonialisierung Asiens und Teilen Amerikas und Südafrikas ab dem 17. Jahrhundert (mit Unterstützung der „British East India Company“ und der „Dutch West“ und „East India Company“) sowie der Siedlungskolonialismus in den Amerikas und [3] Ende des 19. Jahrhundert die koloniale Aufteilung Afrikas in Einflusszonen europäischer Großmächte. Obwohl sich die unterschiedlichen Phasen unterschieden, einte sie die gewalttätige Unterwerfung der Bevölkerung und der Glauben an weiße Überlegenheit, der schon aus Kolumbus‘ Zitat spricht. Die Kolonisation war in vielen Gebieten von großem Widerstand begleitet: In Südafrika gab es von 1779 bis 1879 Kriege mit den Xhosa. Auch die britische Eroberung Indiens dauerte 100 Jahre. In Algerien brauchten die Franzosen 20 Jahre für die Besetzung des Landes.
Zum Weiterlesen:
*Josephine Apraku (2017): Kolonialismus im Unterricht. Webinar.
*Bernd-Stefan Grewe & Thomas Lange (2015): Kolonialismus. Stuttgart: Reclam.
*Al Jazeera (2019): Because Colonialism. 25min.
*Raoul Peck (2021): Exterminate All the Brutes. Trailer.
*Göran Olsson (2014): Concerning Violence. Trailer.
OK
„Daß es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben […], wissen wir erst, seitdem Millionen von Menschen auftauchten, die solche Rechte verloren hatten […].“
Richtig!
„Daß es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben […], wissen wir erst, seitdem Millionen von Menschen auftauchten, die solche Rechte verloren hatten […].“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Hannah Arendt (1906-1975) war eine jüdische deutsch-US-amerikanische Theoretikerin und Journalistin, die durch die Nationalsozialist:innen in die Emigration gezwungen wurde und vor dem Hintergrund dieser Erfahrung dachte, schrieb und handelte.
Quelle:
Zitat: Hannah Arendt (1949): „Es gibt nur ein einziges Menschenrecht“, erschienen in: Die Wandlung, 4. Jg., Herbstheft 1949, S. 754-770, S. 759.
Bild: By Barbara Niggl Radloff – sammlungonline.muenchner-stadtmuseum.de, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127246587
Kontext:
Das Zitat stammt aus Arendts Essay „Es gibt nur ein einziges Menschenrecht“ aus dem Herbst 1949. Ausgehend von sog. Displaced Persons, von Staatenlosen, die sich nicht auf ihre Staatsbürgerlichkeit und damit verbundene Rechte berufen können, fragt sie, welche Rechte „verlustig gingen, als sie ihre Menschenrechte verloren“. Arendt verweist darauf, dass die Menschenrechte gerade die Entrechteten, also diejenigen, die den Schutz der Menschenrechte am dringlichsten bräuchten, nicht schützen können. Daher müssten sie, ausgehend von den Entrechteten, neu gedacht werden. Arendts Überlegungen beziehen sich vor allem auf die durch nationalsozialistische Verfolgung Entrechter und Staatenloser und ihre eigene Erfahrung als solche.
Zum Weiterlesen:
*Deutschlandfunk (Thomas Meyer, 15.12.2015): https://www.deutschlandfunk.de/hannah-arendt-ueber-fluechtlinge-es-bedeutet-den-100.html
*Michael Rothberg (2021): An den Grenzen des Eurozentrismus. Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, in: Michael Rothberg: Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung. Berlin: Metropolverlag, S. 59-96.
*Thomas Meyer (2023): Hannah Arendt. Die Biographie. München: Piper Verlag.
OK
„Daß also ein Teil der Menschen durch die Natur (von Natur aus) selbst zu freien Leuten und ein anderer zu Sklaven bestimmt ist und daß es für die letzteren gerecht und zuträglich ist, auch wirklich Sklaven zu sein, ist hiermit bewiesen.“
Richtig!
„Daß also ein Teil der Menschen durch die Natur (von Natur aus) selbst zu freien Leuten und ein anderer zu Sklaven bestimmt ist und daß es für die letzteren gerecht und zuträglich ist, auch wirklich Sklaven zu sein, ist hiermit bewiesen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Aristoteles (384 v. Z. – 322 v. Z.) war ein antiker Philosoph, Schüler in der Platonischen Akademie und Erzieher Alexanders am Hof König Philipps. Er lehrte ab 335/4 im öffentlichen Gymnasium (Lykeion) in Athen und gründete dann die später nach Peripathos genannte eigene Schule.
Quelle:
Zitat: Aristoteles: Politica / Politik, 1255a3–6.
Bild: Von Nach Lysipp – Jastrow (2006), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1359807
Kontext:
Das Zitat stammt aus Aristoteles erstem Buch seiner „Politik“, in dem er versucht, die Ungleichheit von Machtverteilung und die Unter- und Überordnung der Menschen als natürliche Gegebenheit auszuweisen. Gegen den Einwand, dass Kriegsgefangene zufällig in die Versklavung geraten könnten, ohne vorher versklavt gewesen zu sein, wendet er ein, dass sich gerade in ihrem Unterliegen im Kampf ihre bis dahin verborgen gebliebene „Sklavennatur“ zeige: Denn es ist „immer der Sieger dem Besiegten […] an Trefflichkeit überlegen, so daß die Gewalt nie ohne eine gewisse Tugend zu sein scheint“ (1525a). Aristoteles Verteidigung der Institution der Versklavung bildete für die Eroberer:innen, Versklavungshalter:innen und Siedler:innen der Vormoderne wie auch der Moderne eine wirkmächtige Quelle zur Rechtfertigung ihres Handelns.
Zum Weiterlesen:
*Annika von Lüpke (2019): Sklavennatur und Menschennatur im politischen Denken des Aristoteles. Berlin/Boston: De Gruyter Oldenbourg., https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110651478/html
*Alfried Schmitz (17.04.2018): Geschichte der Sklaverei – Unterdrückung im Namen des Höchsten.
OK
Die Vereinigten Staaten müssen ihre wirtschaftlichen Hilfsprogramme im Ausland überprüfen (…). Wir wollen, dass [die armen Länder] sich wirtschaftlich verbessern, indem sie sich an uns halten und mit unseren Methoden an ihrer wirtschaftlichen Entwicklung arbeiten.
Richtig!
Die Vereinigten Staaten müssen ihre wirtschaftlichen Hilfsprogramme im Ausland überprüfen (…). Wir wollen, dass [die armen Länder] sich wirtschaftlich verbessern, indem sie sich an uns halten und mit unseren Methoden an ihrer wirtschaftlichen Entwicklung arbeiten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Theodore W. Schultz (1902-1998) war Dekan für Wirtschaftswissenschaften and der Universität Chicago und erhielt 1979 den Nobelpreis für Wirtschaft.
Quelle:
Juan Gabriel Valdés (1995): Pinochet‘s Economists: The Chicago School in Chile. Cambridge: Cambrige University Press. (Übersetzung aus Klein 2010: 89)
Kontext:
Ab den 1950er Jahren gibt es besonders im Globalen Süden Theorien, die sich stark vom Ideal westlicher Entwicklung unterscheiden. Vertreter waren u.a. der Ökonom Raúl Prebisch (Argentinien) und der Soziologe Walden Bello (Philippinen). Sie wurden „rosa-rote“ Ökonom:innen oder Dependenztheoretiker:innen genannt. Rosa-rot bezeichnete eine Ausrichtung, die links, aber nicht kommunistisch (also „rot“) war. Viele unterhielten Beziehungen zu Staatschefs wie Salvador Allende (Chile) und Mohammad Mosaddegh (Iran). Weil sie die Allgemeingültigkeit des westlich-kapitalistischen Systems in Frage stellten, versuchte der Westen, sie u.a. durch Entwicklungshilfegelder oder im Ausland (z.B. and der Universität Chicago) ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler umzustimmen. Allende und Mosaddegh wurden mit Unterstützung von westlichen Geheimdiensten gestürzt.
Zum Weiterlesen:
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastophen-Kapitalismus. Frankfurt am Main: Fischer.
OK
Art. 24. Entlang der Küste oder am Fort sollen Sie so viele Sklaven, wie für die Arbeit nötig sind, kaufen (…).
Art. 25. Wenn es mehr Sklaven als benötigt gibt, soll ein Vorrat von ihnen angelegt werden (denn man kann sie mit wenig mehr als mit etwas Reis durchbringen), um sie je nach Bedarf, hierher oder anderswohin zu schicken. (…)
Art. 26. Sobald wir mit den Spaniern oder mit jemand anderem zu einem Abkommen über die Lieferung von Sklaven gelangen können, werden Sie informiert.
Richtig!
Art. 24. Entlang der Küste oder am Fort sollen Sie so viele Sklaven, wie für die Arbeit nötig sind, kaufen (…).
Art. 25. Wenn es mehr Sklaven als benötigt gibt, soll ein Vorrat von ihnen angelegt werden (denn man kann sie mit wenig mehr als mit etwas Reis durchbringen), um sie je nach Bedarf, hierher oder anderswohin zu schicken. (…)
Art. 26. Sobald wir mit den Spaniern oder mit jemand anderem zu einem Abkommen über die Lieferung von Sklaven gelangen können, werden Sie informiert.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Benjamin Raule (1634-1707) war niederländischer Reeder (Seeschiffseigentümer) und Generaldirektor der Brandenburgischen Marine.
Quelle:
Adam Jones (1985): Brandenburg Sources for West African History, Stuttgart: Franz Steiner, S. 75.
Kontext:
Dieses Zitat entstammt der kurfürstlichen Anweisung von Benjamin Raule, einem kurbrandenburgischen Generalmarinedirektor an Joost Van Colster, dem ersten Direktor des Fort Groß-Friedrichsburg, heutiges Pokesu. Sowohl Fort Groß-Friedrichsburg als auch Elmina Castle (beides liegt im heutigen Ghana), wo Colster zuvor mitverantwortlich war für die Versklavung von Menschen, waren Sklavenfestungen. Gebaut 1482, war Elmina Castle der erste europäische Posten für Sklavenhandel in ganz Subsahara-Afrika. Das Zitat verdeutlicht die Entmenschlichung von Schwarzen Menschen und den Umgang mit ihnen als Ware, als Tiere, deren menschliche Bedürfnisse und Würde durch die Ausbeutung völlig missachtet wurden. Auf brutale Weise wurden Menschen aus Westafrika in die Karibik und nach Brasilien verschleppt. Das Zitat verdeutlicht zudem, dass Mord, Versklavung und Zwangsarbeit schon lange vor dem Genozid an den Herero und Nama, von 1904 bis 1908, unter brandenburgischer Herrschaft stattgefunden hatten.
Zum Weiterlesen:
*Christian Kopp/Berlin Postkolonial (2010): „Mission Moriaen“ – Otto Friedrich von der Gröben und Brandenburg-Preußens Handel mit Versklavten.
*Peter Linebaugh & Marcus Rediker (2008): Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantik. Berlin: Assoziation A.
*Olaudah Equiano (1789): The Interesting Narrative of the Life of Olaudah Equiano, or Gustavus Vassa, the African.
OK
Tatsächlich hat DER HOLOCAUST sich als unentbehrliche ideologische Waffe erwiesen. Durch deren Einsatz hat eine der stärksten Militärmächte der Welt mit einer erschreckenden Menschenrechtsbilanz sich in die Rolle eines »Opfer-Staates« versetzt, und ebenso hat die erfolgreichste ethnische Gruppe der Vereinigten Staaten sich einen »Opferstatus« zugelegt. Aus dieser scheinbar bestechenden Opferrolle erwachsen beträchtliche Dividenden – insbesondere die Immunität gegenüber Kritik, wie berechtigt sie auch sei.
Richtig!
Tatsächlich hat DER HOLOCAUST sich als unentbehrliche ideologische Waffe erwiesen. Durch deren Einsatz hat eine der stärksten Militärmächte der Welt mit einer erschreckenden Menschenrechtsbilanz sich in die Rolle eines »Opfer-Staates« versetzt, und ebenso hat die erfolgreichste ethnische Gruppe der Vereinigten Staaten sich einen »Opferstatus« zugelegt. Aus dieser scheinbar bestechenden Opferrolle erwachsen beträchtliche Dividenden – insbesondere die Immunität gegenüber Kritik, wie berechtigt sie auch sei.
Jahr:
Autor*inneninfo:
USA, Norman G. Finkelstein
Finkelstein (geb. 1953) ist ein jüdisch-amerikanischer Politikwissenschaftler mit den Forschungsschwerpunkten Holocaust-Studies und dem Israel-Palästina Konflikt. Finkelstein veröffentlichte eine Anzahl von Büchern zu beiden Themenfeldern. Internationale Bekanntheit erlangte er durch die mit seinem Buch „Die Holocaust-Industrie“ verbundene Kontroverse im Jahre 2000. Die DePaul University in Chicago verweigerte ihm 2006 aufgrund der mit dem Buch im Zusammenhang stehende Auseinandersetzung die Beförderung zum ordentlichen Professor.
Quelle:
Norman G. Finkelstein (2001): Die Holocaustindustrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird. München:Pieper, S. 5.
Kontext:
Finkelsteins Publikation „Die Holocaustindustrie“ beinhaltet viele geschichtsrevisionistische Inhalte, bis hin zur Leugnung des Massenmords an 6 Millionen europäischen Juden. In seiner Publikation kommt Finkelstein u.a. zu dem Schluss, dass das Ausmaß der Shoa künstlich aufgebauscht sei, um den Holocaust als „Todschlagargument“ zu benutzen, damit sich jüdische Communities Vorteile und Privilegien sichern könnten.
In der 2022 vorgestellten Allensbach Studie „Antisemitismus in Deutschland – eine Repräsentativbefragung“, im Auftrag des American Jewish Comittee Deutschland, wird deutlich, dass auch heute noch 34 Prozent der Bevölkerung die Einstellung vertritt „Juden hätten aus dem Holocaust einen Vorteil gezogen“.
Zum Weiterlesen:
OK
Ich ging in die Spielzeugabteilung, die ebenfalls nach Geschlechtern organisiert war. Spielzeug für Jungen ist überwiegend ‚aktiv‘ und verlangt nach einer Betätigung – Züge, Autos – und Spielzeug für Mädchen ist überwiegend ‚passiv‘ und besteht zu einem überwältigenden Prozentsatz aus Puppen. Ich war schockiert. Mir war nicht klar, wie früh unsere Kultur festlegt, wie ein Junge und wie ein Mädchen sein sollten. Ich wünschte mir, Spielzeug wäre nach Kategorien sortiert, nicht nach Geschlechtern.
Richtig!
Ich ging in die Spielzeugabteilung, die ebenfalls nach Geschlechtern organisiert war. Spielzeug für Jungen ist überwiegend ‚aktiv‘ und verlangt nach einer Betätigung – Züge, Autos – und Spielzeug für Mädchen ist überwiegend ‚passiv‘ und besteht zu einem überwältigenden Prozentsatz aus Puppen. Ich war schockiert. Mir war nicht klar, wie früh unsere Kultur festlegt, wie ein Junge und wie ein Mädchen sein sollten. Ich wünschte mir, Spielzeug wäre nach Kategorien sortiert, nicht nach Geschlechtern.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Chimamanda Ngozi Adichie (geb. 1977) ist eine nigerianisch-US-amerikanische Schriftstellerin.
Quelle:
Chimamanda Ngozi Adichie (2017): Liebe Ijeawele … Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden. Frankfurt am Main: Fischer, S. 25.
Kontext:
Menschen werden schon im Babyalter in zwei Geschlechter aufgeteilt. Dabei haben nicht nur die Eltern Einfluss auf die geschlechterspezifische Erziehung, sondern auch die kapitalistische Wirtschaftsproduktion, die durch sog. „Gender Marketing“ binär in Produkte für „Jungen“ und „Mädchen“ aufteilt. Diese werden so gestaltet und vermarktet, sodass die Kinder schon ganz früh erlernen, wie sie sein „müssen“. Diese Verkaufsstrategie dient vor allem den Unternehmen, denn so wird mehr Umsatz gemacht: Das Mädchen braucht ein rosa Fahrrad mit Prinzessin, während ihr Bruder sicherlich ein blaues Zweirad mit Piratenabbildung will. Uta Brandes von der Uni Köln forscht dazu und sagt: „Nehmen Sie Lego. Das war mal ein neutrales Spielzeug, damals, als es nur die bunten Klötzchen gab. Heute gibt es die rosa Lego-Friends-Serie für Mädchen“ (Emma, 06.11.2008).
Zum Weiterlesen:
*Chimamanda Ngozi Adichie (2017): Dear Ijeawele or a Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions. New York: Alfred A. Knopf.
*Elke Richter (2015): Süßes Rosa, wildes Blau.
*Lea Streisand (2016): Würgereiz im Spielwarengeschäft.
OK
„Vor diesem Virus war die Menschheit bereits mit Erstickungsgefahr bedroht. Wenn es Krieg geben muss, kann er nicht so sehr gegen ein bestimmtes Virus gerichtet sein, sondern gegen alles, was […] in der langen Herrschaft des Kapitalismus ganze Bevölkerungsgruppen der Welt […] zu einem schweren, keuchenden Atem und einem Leben der Unterdrückung gezwungen hat.
Diese Einschränkung zu überwinden würde bedeuten, dass wir das Atmen jenseits seines rein biologischen Aspekts […] als das [erfassen], was wir gemeinsam haben […]. Damit meine ich das universelle Recht zu atmen.“
Richtig!
„Vor diesem Virus war die Menschheit bereits mit Erstickungsgefahr bedroht. Wenn es Krieg geben muss, kann er nicht so sehr gegen ein bestimmtes Virus gerichtet sein, sondern gegen alles, was […] in der langen Herrschaft des Kapitalismus ganze Bevölkerungsgruppen der Welt […] zu einem schweren, keuchenden Atem und einem Leben der Unterdrückung gezwungen hat.
Diese Einschränkung zu überwinden würde bedeuten, dass wir das Atmen jenseits seines rein biologischen Aspekts […] als das [erfassen], was wir gemeinsam haben […]. Damit meine ich das universelle Recht zu atmen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Joseph-Achille Mbembe (geb. 1957) ist kamerunischer Historiker und Politikwissenschaftler. Er ist Professor an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg, Südafrika.
Quelle:
The University of Chicago Press Journal (Achille Mbembe), 13.04.2020: „The Universal Right To Breathe.“
Kontext:
Mbembe macht in seinem Artikel auf die allgemeine Zerstörung der Grundlagen allen Lebens auf unserem Planeten aufmerksam. „Vor allem in Afrika, aber auch an vielen Orten im globalen Süden werden der energieintensive Abbau, die Ausweitung der Landwirtschaft, räuberische Landverkäufe und die Zerstörung von Wäldern unvermindert weitergehen. Die Stromversorgung und Kühlung von Computerchips und Supercomputern hängt davon ab. […] Wenn COVID-19 in der Tat der spektakuläre Ausdruck der planetarischen Sackgasse ist, in der sich die Menschheit heute befindet, dann geht es um nichts Geringeres als den Wiederaufbau einer bewohnbaren Erde, um uns allen den Atem des Lebens zu geben. Wir müssen die Lunge unserer Welt zurückerobern, um neue Wege zu beschreiten. Mensch und Biosphäre sind eins. Alleine hat die Menschheit keine Zukunft.“
Zum Weiterlesen:
OK
Ich werde sterben. Aber ich werde zurückkommen und Millionen sein.
Richtig!
Ich werde sterben. Aber ich werde zurückkommen und Millionen sein.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Tupac Katari (1750-1781) war ein Aymara-Anführer in der Rebellion gegen die spanischen Kolonisatoren im heutigen Bolivien. Er hatte die Namen von früheren Widerstandkämpfern (Tomás Katari und Túpac Amaru) übernommen, die von den Spaniern 1572 umgebracht worden waren.
Quelle:
Zitiert nach Thomas Guthmann (2017): Körper im Zeichen des Zeitstrahls. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand, S. 98
Kontext:
Tupac Katari versammelte eine Armee von 40.000 Kämpfer:innen und belagerte La Paz. Seine Frau Bartolina Sisa hatte die Befehlsgewalt über die Belagerung und spielte nach der Festnahme Kataris eine wichtige Rolle. Als in fast allen lateinamerikanischen Ländern im 19. Jahrhundert der europäische Kolonialismus erfolgreich abgeworfen wurde, bedeutete das jedoch nicht, dass sich freie und gleiche Gesellschaften entwickeln konnten. Denn das formale Ende des europäischen Kolonialismus‘ bedeutete nicht das Ende der Herrschaftsverhältnisse. Neue Hierarchien wurden geschaffen, die Verteilung von Reichtum in vielen Ländern ist an Klasse, „Rasse“ und Geschlecht gebunden. Anibal Quijano argumentiert, dass der globale Kapitalismus den Kolonialismus als Herrschaftssystem ablöste und die Hauptprofiteur:innen dieses Systems noch immer die Europäer:innen und ihre Nachkommen in anderen Ländern sind (Quijano 2007: 168). Tupac Kataris Ausspruch wurde 2003 wieder aufgegriffen, als sich die Bevölkerung von Bolivien dem Ausverkauf des Erdgases widersetzte. „Als der neoliberale Präsident Sanchez de Lozada aus dem Präsidentenamt vertrieben wurde, hallte der Spruch durch die Straßen El Altos“ (Guthmann 2017: 98). Auch der ehemalige bolivianische Präsident Evo Morales sieht sich in Tupac Kataris Widerstandstradition (Morales Antrittsrede dokumentiert in New York Times, 23.01.2006).
Zum Weiterlesen:
*Thomas Guthmann (2017): Körper im Zeichen des Zeitstrahls. In glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand.
*Anibal Quihano (2007): Coloniality and Modernity/Rationality, Cultural Studies 21 (2-3); 168-178.
**The New York Times (23.01.2006): “Bolivia Indians Hail the Swearing In of One of Their Own as President.”
OK
Afrikas Drama ist, dass der Afrikaner nicht genug in die Geschichte eingetreten ist. Der afrikanische Bauer kennt nur den ewigen Wiederbeginn der Zeit im Rhythmus der endlosen Wiederholung derselben Gesten und derselben Worte. In dieser Geisteshaltung, wo alles immer wieder anfängt, gibt es Platz weder für das Abenteuer der Menschheit noch für die Idee des Fortschritts.
Richtig!
Afrikas Drama ist, dass der Afrikaner nicht genug in die Geschichte eingetreten ist. Der afrikanische Bauer kennt nur den ewigen Wiederbeginn der Zeit im Rhythmus der endlosen Wiederholung derselben Gesten und derselben Worte. In dieser Geisteshaltung, wo alles immer wieder anfängt, gibt es Platz weder für das Abenteuer der Menschheit noch für die Idee des Fortschritts.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Nicolas Sarkozy (geb. 1955) war von 2007 bis 2012 französischer Staatspräsident.
Quelle:
Peter Cichon / Reinhart Hosch / Fritz Peter Kirsch (Hrsg., 2010): Der undankbare Kontinent? Afrikanische Antworten auf europäische Bevormundung. Hamburg: Argument, S. 44.
Kontext:
Das Zitat stammt aus einer Rede Sarkozys an einer Universität im Senegal, die nach dem senegalesischen Historiker Cheikh Anta Diop (1923-1986) benannt ist. Diop hatte erklärt, die westliche Geschichtswissenschaft erforsche die Welt aus einer eurozentristischen Perspektive. Außerdem verfälsche sie die Geschichte Afrikas massiv. Frankreich war seit dem 17. Jhd an kolonialen Angriffen auf den Senegal beteiligt, ab 1891 Kolonialmacht. 1960 erreichte das Land seine Unabhängigkeit. Sarkozy wurde von senegalesischen Kommentator*innen vorgeworfen, sich eines rassistischen kolonialen Sprache zu bedienen. Sarkozys Nachfolger Präsident Emmanuel Macron folgt diesem kolonialen Diskurs. Er behauptete 2017, Afrika hätte „zivilisatorische Probleme“, u.a. „weil Frauen sieben Kinder hätten.“
Zum Weiterlesen:
*Peter Cichon, Reinhart Hosch & Fritz Peter Kirsch (Hrsg. 2010): Der undankbare Kontinent? Afrikanische Antworten auf europäische Bevormundung. Hamburg: Argument, S. 37-56.
*Boniface Mabanza (2020): 60 Jahre Unabhängigkeit des Kongo: Die alten Strukturen bestehen weiter.
OK
Wie Sie alle wissen, war unser Land einmal eine deutsche Kolonie. Die Deutschen begannen zuerst im Jahre XXXX, das Land zu besetzen. Fünfzehn Jahre lang, zwischen XXXX und XXXX, kämpfte mein Volk verzweifelt mit Pfeil und Bogen, mit Speeren und Keulen, mit Messern und rostigen Flinten, um die Deutschen nicht hereinzulassen. (…) In der berühmten Maji-Maji-Rebellion, versuchte es mein Volk ein letztes Mal, die Deutschen zu vertreiben (…). Die Menschen kämpften, weil sie nicht an das Recht des weißen Mannes glaubten, die Schwarzen zu regieren und zu zivilisieren.
Richtig!
Wie Sie alle wissen, war unser Land einmal eine deutsche Kolonie. Die Deutschen begannen zuerst im Jahre XXXX, das Land zu besetzen. Fünfzehn Jahre lang, zwischen XXXX und XXXX, kämpfte mein Volk verzweifelt mit Pfeil und Bogen, mit Speeren und Keulen, mit Messern und rostigen Flinten, um die Deutschen nicht hereinzulassen. (…) In der berühmten Maji-Maji-Rebellion, versuchte es mein Volk ein letztes Mal, die Deutschen zu vertreiben (…). Die Menschen kämpften, weil sie nicht an das Recht des weißen Mannes glaubten, die Schwarzen zu regieren und zu zivilisieren.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Julius K. Nyerere (1922-1999) war der Unabhängigkeitsführer und später erster Präsident Tansanias. Das Zitat stammt aus einer Rede vor der UNO über den Maji-Maji-Krieg 1905-07. Die fehlenden Jahrezahlen sind 1885, nochmal 1885 und 1900.
Quelle:
Julius Nyerere (1966): Freedom and Unity (Uhuru na Umoja). A Selection from Writings and Speeches. 1952-1965. Oxford: Oxford University Press, S. 40 ff.
Kontext:
Nyerere erinnert an die Maji-Maji-Rebellion, die gegen die deutsche Kolonialherrschaft im damaligen Deutsch-Ostafrika stattfand. Sie gilt als einer der größten Kolonialkriege Afrikas und baute auf einer breiten Allianz unterschiedlicher kolonisierter Gruppen auf. Besonders ab den 1950er Jahren kämpften antikoloniale Unabhängigkeitsbewegungen auf dem ganze Kontinent erfolgreich: 1951 wurde mit Libyen die erste afrikanische Kolonie unabhängig, in den folgenden 25 Jahren folgten die meisten afrikanischen Länder. Allerdings wendete der Westen fortan wirtschaftspolitische Unterwerfungsstrategien (Verschuldungs- und Zollpolitik) an: David Budhoo, ehemaliger IWF-Ökonom, schrieb: „Alles, was wir von 1983 an taten, basierte auf unserer neuen Mission, das der Süden ‚privatisiert‘ werden oder sterben müsste; im Hinblick darauf haben wir in den Jahren 1983 bis 1988 schändlicherweise in Lateinamerika und Afrika das totale wirtschaftliche Chaos angerichtet“ (zitiert nach Klein 2010: 239).
Zum Weiterlesen:
*Global Black History (2016): The Maji Maji Revolt in Tanzania 1905-1907.
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastophen-Kapitalismus. Frankfurt am Main: Fischer.
OK
„Der Arzt erkannte sofort, dass der Mann an Syphilis im Endstadium litt. Er verschrieb ihm Penicillin – und bekam deshalb furchtbaren Ärger von der Seuchenschutzbehörde. Ihm wurde vorgeworfen, er habe jemanden behandelt, der nicht behandelt werden durfte. Kein Wunder, er wusste nichts von der Studie.“
Richtig!
„Der Arzt erkannte sofort, dass der Mann an Syphilis im Endstadium litt. Er verschrieb ihm Penicillin – und bekam deshalb furchtbaren Ärger von der Seuchenschutzbehörde. Ihm wurde vorgeworfen, er habe jemanden behandelt, der nicht behandelt werden durfte. Kein Wunder, er wusste nichts von der Studie.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Peter Buxtun (geb. 1937) ist ein amerikanischer Sozialarbeiter und ehemaliger Mitarbeiter des United States Public Health Service, der aufgrund seiner Veröffentlichung der Tuskegee-Syphilis-Studie als Whistleblower bekannt wurde. Das Experiment wurde nach seinem öffentlichen Bekanntwerden eingestellt.
Quelle:
Der Spiegel (Johanna Lutteroth), 07.06.2012: „Medizin-Skandal Todesstudie von Tuskegee.“
Kontext:
In den 1930er Jahren begannen Mediziner:innen, arme Schwarze männliche Landarbeiter, die an Syphilis litten, in der sogenannten Tuskegee-Studie zu missbrauchen. Sie wollten erforschen, wie sich Syphillis entwickelt, wenn sie unbehandelt bleibt. Die Studie wurde vom Public Health Service, einer dem US-Gesundheitsministerium unterstehenden Behörde durchgeführt. Fast 400 erkrankten Männern in Tuskegee (Alabama) wurde absichtlich und ohne ihr Wissen eine wirksame Therapie vorenthalten. Es war verboten, den Erkranten Penecellin zu verschreiben, als es 1943 als wirksames Medikament gegen Syphilis entdeckt wurde. Ziel war es, das Fortschreiten der Krankheit und ihre Spätfolgen zu beobachten. „Die Studie hatte überhaupt keinen wissenschaftlichen Wert. Denn die grausigen Folgen der Syphilis waren schon seit Jahrhunderten bekannt“ (Berliner Zeitung, 19.05.2022). Die Studie wurde erst 1972 abgebrochen, nachdem Peter Buxton jahrelang vergeblich versucht hatte, auf den Missbrauch aufmerksam zu machen. Die selbe Forscher:innengruppe infizierte in den 1940er Jahren hunderte Menschen in Guatemala mit dem Virus, um die Kranheit zu erforschen (ebds.). Obwohl die Forscher:innen die Tuskegee-Studie in 15 medizinischen Journalen beschrieben, gab es nie einen Aufschrei in der Fachwelt (Martin J. Tobin 2022).
Zum Weiterlesen:
*Berliner Zeitung (Annett Stein), 19.05.2022): „Tuskegee-Experiment: Folgen der grausamen Menschenversuche reichen bis heute.“
*Tobin (2022): „Uncovering the Tuskegee Syphilis Study: The Story and Timeless Lessons.„
OK
Wenn der Sozialkörper des Landes von einer Krankheit befallen ist, die ihm das Gedärm zerfrisst, bildet er Antikörper. (…) Je mehr die Regierung die Guerilla kontrolliert und vernichtet, desto mehr gehen die Aktivitäten der Antikörper zurück, wie es bereits geschieht. Es ist nur eine natürliche Reaktion auf einen kranken Körper.
Richtig!
Wenn der Sozialkörper des Landes von einer Krankheit befallen ist, die ihm das Gedärm zerfrisst, bildet er Antikörper. (…) Je mehr die Regierung die Guerilla kontrolliert und vernichtet, desto mehr gehen die Aktivitäten der Antikörper zurück, wie es bereits geschieht. Es ist nur eine natürliche Reaktion auf einen kranken Körper.
Jahr:
Autor*inneninfo:
César Augusto Guzzetti (1925-1988) war Außenminister der argentinischen Junta ab 1976. Er wurde im Mai 1977 von linken Gueriller@s angeschossen und musste sein Amt einem anderen überlassen.
Quelle:
Zitiert nach Nami Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 162f.
Kontext:
Kranheitsmetaphern wurden und werden in der Politik oft benutzt, um komplizierte gesellschaftliche Vorgänge zuzuspitzen und drastische politische Maßnahmen zu rechtfertigen. Der Nazi-Arzt Fritz Klein sagte: „Der Jude ist ein entzündeter Blinddarm im Körper der Menschheit.“ Die Roten Khmer rechtfertigten Massenhinrichtungen in Kambodscha: „Was infiziert ist, muss herausgeschnitten werden“ (vgl. Klein 2010: 163). Susan Sontag (1981) schrieb, dass die Verwendung von Krankheitsmetaphern wie „Krebs“ strenge Maßnahmen rechtfertigt und „als solche schon implizit genozidal“ ist.
Zum Weiterlesen:
*Susan Sonntag (1981): Krankheit als Metapher. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch.
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1500
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