Deutschland: Otto Glagau
Glagau (1834-1892) trat am Ende des 19. Jahrhunderts als Journalist der Berliner Nationalzeitung in Erscheinung. In seiner obigen Schrift bezichtigte er die Juden, mit unlauteren und hinterhältigen Methoden Finanzwesen und Kapitalismus insgesamt zu dominieren. Nicht unwesentlich mag Glagaus beträchtlicher finanzieller Verlust im sog. Gründerkrach von 1873 gewesen sein, für den er ebenfalls die Juden verantwortlich machte.
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OK
Ich will die Juden nicht umbringen oder abschlachten, sie auch nicht aus dem Lande vertreiben; ich will ihnen nichts nehmen, von dem, was sie einmal besitzen, aber ich will sie revidieren, und zwar funditus revidieren. Nicht länger dürfen falsche Toleranz und Sentimentalität, leidige Schwäche und Furcht uns Christen abhalten, gegen die Auswüchse, Ausschreitungen und Anmaßungen der Judenschaft vorzugehen. Nicht länger dürfen wir’s dulden, daß die Juden sich überall in den Vordergrund, an die Spitze drängen, überall die Führung das große Wort an sich reißen. Sie schieben uns Christen stets beiseite, sie drücken uns an die Wand, sie benehmen uns die Luft und den Athem. Sie führen tahtsächlich die Herrschaft über uns […]. Die ganze Weltgeschichte kennt kein zweites Beispiel, daß ein heimatloses Volk, ein physisch wie psychisch entschieden degenerirte Race, blos durch List und Schlauheit, durch Wucher und Schacher über den Erdkreis gebietet.
Richtig!
Ich will die Juden nicht umbringen oder abschlachten, sie auch nicht aus dem Lande vertreiben; ich will ihnen nichts nehmen, von dem, was sie einmal besitzen, aber ich will sie revidieren, und zwar funditus revidieren. Nicht länger dürfen falsche Toleranz und Sentimentalität, leidige Schwäche und Furcht uns Christen abhalten, gegen die Auswüchse, Ausschreitungen und Anmaßungen der Judenschaft vorzugehen. Nicht länger dürfen wir’s dulden, daß die Juden sich überall in den Vordergrund, an die Spitze drängen, überall die Führung das große Wort an sich reißen. Sie schieben uns Christen stets beiseite, sie drücken uns an die Wand, sie benehmen uns die Luft und den Athem. Sie führen tahtsächlich die Herrschaft über uns […]. Die ganze Weltgeschichte kennt kein zweites Beispiel, daß ein heimatloses Volk, ein physisch wie psychisch entschieden degenerirte Race, blos durch List und Schlauheit, durch Wucher und Schacher über den Erdkreis gebietet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Otto Glagau (1876): Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin. Leipzig, XXIV.
Kontext:
Der Gründerkrach leitete eine wirtschaftliche Konsolidierung in Deutschland ein, ohne allerdings den Industrialisierungsprozess nachhaltig zu unterbrechen: Nach der Phase der überhitzten Konjunktur und einer Zeit des fortwährenden wirtschaftlichen Aufschwungs wurden die in den vorangegangenen Jahren überhöhten Wachstumsraten lediglich ausgeglichen. Fallende Aktienkurse bedeuteten meist eine Angleichung an den tatsächlichen Wert von Aktiengesellschaften. Bis 1879 verzeichnete das Nettoinlandsprodukt, dessen Steigerung 1872 noch bei acht Prozent lag, kein Wachstum oder gar eine rückläufige Entwicklung. Besonders stark waren Schwerindustrie, Maschinenbau und Baugewerbe von der Stagnation betroffen. Der Roheisenverbrauch sank zwischen 1874 und 1879 um über 50 Prozent, Massenentlassungen waren die Folge. Die Hauptleidtragenden der Krise waren das mittelständische Bürgertum mit Einnahmen aus Aktienvermögen und die Entlassenen. Der Berliner Journalist Otto Glagau (1834-1892) machten Juden für die anhaltende wirtschaftliche Krise verantwortlich und schürten mit populistischem Antisemitismus antijüdische Stimmungen.
Zum Weiterlesen:
OK
Das freie, in der Südsee zur Begründung von Kolonien noch offen stehende Gebiet ist (…) umfassend (…). Die Berechtigung Deutschlands beruht in den zahlreichen, über viele Inselgruppen verbreiteten deutschen Ansiedlungen und Handelsniederlassungen, in dem erheblichen Anteil seiner Handelsflagge in der Südsee, in dem hohen Ansehen, welches seine Seemacht im Stillen Ozean genießt, und in den Häfen, die sich die deutsche Seemacht gesichert hat.
Richtig!
Das freie, in der Südsee zur Begründung von Kolonien noch offen stehende Gebiet ist (…) umfassend (…). Die Berechtigung Deutschlands beruht in den zahlreichen, über viele Inselgruppen verbreiteten deutschen Ansiedlungen und Handelsniederlassungen, in dem erheblichen Anteil seiner Handelsflagge in der Südsee, in dem hohen Ansehen, welches seine Seemacht im Stillen Ozean genießt, und in den Häfen, die sich die deutsche Seemacht gesichert hat.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Adolph von Hansemann (1826-1903) war Kolonialhändler und Bankier. Er machte die Bank seines Vaters zur größten Privatbank des Deutschen Kaiserreiches.
Quelle:
Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international (2012: 156)
Kontext:
Reichskanzler Bismarck bat den Unternehmer Hansemann, Möglichkeiten zu entwerfen, wie die deutschen Kolonialziele im Pazifik durchgesetzt werden könnten. Die Vorschläge von Hansemann, welche Gebiete kolonisiert werden sollten, wurden 1884, 1845 und 1899 von der deutschen Kolonialpolitik fast genauso umgesetzt. In der Sprache Hansemanns werden nicht von weißen Menschen besetzte und nicht durch internationale Handelsstrukturen „erschlossene“ Gebiete als „frei“ bezeichnet. Die deutsche Berechtigung, dort Kolonien zu gründen, sieht Hansemann darin, dass deutsche Kaufleute sich sowieso schon dort verbreitet haben. Erfolgreicher kapitalistischer Handel berechtigt demnach zur Kolonisierung nicht-Weißer.
Zum Weiterlesen:
*Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international (2012): Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte.
OK
„Vor diesem Virus war die Menschheit bereits mit Erstickungsgefahr bedroht. Wenn es Krieg geben muss, kann er nicht so sehr gegen ein bestimmtes Virus gerichtet sein, sondern gegen alles, was […] in der langen Herrschaft des Kapitalismus ganze Bevölkerungsgruppen der Welt […] zu einem schweren, keuchenden Atem und einem Leben der Unterdrückung gezwungen hat.
Diese Einschränkung zu überwinden würde bedeuten, dass wir das Atmen jenseits seines rein biologischen Aspekts […] als das [erfassen], was wir gemeinsam haben […]. Damit meine ich das universelle Recht zu atmen.“
Richtig!
„Vor diesem Virus war die Menschheit bereits mit Erstickungsgefahr bedroht. Wenn es Krieg geben muss, kann er nicht so sehr gegen ein bestimmtes Virus gerichtet sein, sondern gegen alles, was […] in der langen Herrschaft des Kapitalismus ganze Bevölkerungsgruppen der Welt […] zu einem schweren, keuchenden Atem und einem Leben der Unterdrückung gezwungen hat.
Diese Einschränkung zu überwinden würde bedeuten, dass wir das Atmen jenseits seines rein biologischen Aspekts […] als das [erfassen], was wir gemeinsam haben […]. Damit meine ich das universelle Recht zu atmen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Joseph-Achille Mbembe (geb. 1957) ist kamerunischer Historiker und Politikwissenschaftler. Er ist Professor an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg, Südafrika.
Quelle:
The University of Chicago Press Journal (Achille Mbembe), 13.04.2020: „The Universal Right To Breathe.“
Kontext:
Mbembe macht in seinem Artikel auf die allgemeine Zerstörung der Grundlagen allen Lebens auf unserem Planeten aufmerksam. „Vor allem in Afrika, aber auch an vielen Orten im globalen Süden werden der energieintensive Abbau, die Ausweitung der Landwirtschaft, räuberische Landverkäufe und die Zerstörung von Wäldern unvermindert weitergehen. Die Stromversorgung und Kühlung von Computerchips und Supercomputern hängt davon ab. […] Wenn COVID-19 in der Tat der spektakuläre Ausdruck der planetarischen Sackgasse ist, in der sich die Menschheit heute befindet, dann geht es um nichts Geringeres als den Wiederaufbau einer bewohnbaren Erde, um uns allen den Atem des Lebens zu geben. Wir müssen die Lunge unserer Welt zurückerobern, um neue Wege zu beschreiten. Mensch und Biosphäre sind eins. Alleine hat die Menschheit keine Zukunft.“
Zum Weiterlesen:
OK
„Unsere Niederlage war immer enthalten im Sieg der Fremden, unser Reichtum hat immer unsere Armut geschaffen, um das Gedeihen anderer zu erhalten.“
Richtig!
„Unsere Niederlage war immer enthalten im Sieg der Fremden, unser Reichtum hat immer unsere Armut geschaffen, um das Gedeihen anderer zu erhalten.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Eduardo Galeano (1940-2015) war uruguayischer Schriftsteller.
Quelle:
Zitat: Galeano, Eduardo (1971/1999): „Las venas abiertas de América Latina.“ La Habana: Casa de las Americas, S. 19
Bild: Wikimedia
Kontext:
Eduardo Galeano setzt Armut und Reichtum in Beziehung: Koloniale Ausbeutung, u.a. von Rohstoffreichtum, zielte auf die Bereicherung Europas. Auch heute noch wird Armut im Globalen Süden oft als abgekoppelt von Reichtum im Globalen Norden dargestellt. In der Entwicklungszusammenarbeit wird beispielsweise oft über Armutsbekämpfung, aber nicht über die Ursachen und Begrenzung von Reichtum gesprochen. Während die Zahl der armen Menschen in den letzten Jahrzehnten nicht spürbar weniger wird, gab es noch nie so große Vermögen wie heute. Die 12 reichsten Menschen der Erde haben soviel Geld wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung: 3,77 Milliarden Menschen (Oxfam 2026: 9).
Auf der anderen Seite wird Armut im Zusammenhang von Freiwilligendiensten auch oft romantisiert (Hall 1994: 159). Menschen werden in Berichten von Nord-Freiwilligen oft als arm, aber glücklich dargestellt (vgl. Kontzi 2015: 156ff.). „So werden globale Zusammenhänge, ungerechte Strukturen des Welthandels und kolonialzeitliche Ausbeutung ausgeblendet und es wird gleichzeitig nicht mitgedacht, dass einige Menschen – uns inbegriffen – davon profitieren“ (glokal 2013: 36).
Wie denkst du über die Ursachen und Zusammenhänge von Armut und Reichtum in deinem sogenannten Partnerland? Spielen historische oder aktuelle Machtverhältnisse dabei eine Rolle?
Zum Weiterlesen:
*glokal (2016): Das Märchen von der Augenhöhe. Warum diese Broschüre? Berlin.
*BER 2012: Von Trommlern und Helfern. Beiträge zu einer nicht-rassistischen entwicklungspolitischen Bildungs- und Projektarbeit, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER).
OK
Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Frag mich nichts, gib mir nur Streichholz und Öl. Das Bassin-Gefängnis, da ist das Geld.
Richtig!
Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Frag mich nichts, gib mir nur Streichholz und Öl. Das Bassin-Gefängnis, da ist das Geld.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Lied über Mary Thomas (ca. 1848–1905), genannt Königin Mary (Queen Mary). Sie war eine von drei Schwarzen Anführer*innen der Arbeiter*innenproteste auf den Jungferninseln, damals dänische Kolonie.
Quelle:
Zitat: Jeannette Allis Bastian (2003): Owning Memory: How a Caribbean Community Lost its Archives and Found its History. London: Libraries Unlimited, S. 12.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Obwohl die Sklaverei auf den damals dänischen Jugferninseln 1848 nach massiven Protesten von 8000 versklavten Menschen abgeschafft wurde, waren die Arbeitsbedingungen nicht viel besser geworden. Queen Mary organisierte mit Queen Agnes und Queen Mathilda die sogenannte Fireburn-Proteste („brennendes Feuer“) 1878. Dies waren die größten Arbeiter*innenproteste in der dänischen Geschichte (The Workers Museum 2018: Fireburn) in Bezug auf die Beteiligung an den Protesten, die Zerstörung von Infrastruktur und vor allem, den Verlust von Leben, besonders auf der Seite der Rebell*innen (Gespräch von glokal mit Gunvor Simonsen, Universität Kopenhagen 2020). Durch Statuen auf den Inseln sowie in Dänemark, durch Lieder und durch Theateraufführungen werden die Erinnerungen an die drei „Königinnen“ aufrecht erhalten.
Zum Weiterlesen:
*Gunvor Simonsen (2017): Slave Stories: Law, Representation, and Gender in the Danish West Indies. Aarhus: Aarhus Universitetsforlag.
*Jeannette Allis Bastian (2003): Owning Memory: How a Caribbean Community Lost Its Archives and Found Its History. London: Libraries Unlimited.
OK
Beim Suchen fand ich etwas, das ich nicht erwartet hatte, etwas, wofür auch Jahrzehnte von entschlossener Assimilation mich nicht blind machen konnten: In diesem schwulen Mekka war ich ein unsichtbarer Mann; immer noch hatte ich keinen Schatten, keine Substanz. Keine Geschichte, keinen Platz. Keine Spiegelung. Ich war ein Alien, ungesehen – und gesehen, ungewollt. Hier, wie in Hepzibah, war ich ein [N.], immer noch. Ich gab auf.
Richtig!
Beim Suchen fand ich etwas, das ich nicht erwartet hatte, etwas, wofür auch Jahrzehnte von entschlossener Assimilation mich nicht blind machen konnten: In diesem schwulen Mekka war ich ein unsichtbarer Mann; immer noch hatte ich keinen Schatten, keine Substanz. Keine Geschichte, keinen Platz. Keine Spiegelung. Ich war ein Alien, ungesehen – und gesehen, ungewollt. Hier, wie in Hepzibah, war ich ein [N.], immer noch. Ich gab auf.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Marlon Riggs (1957-1994) war US-amerikanischer Filmemacher, Dichter und gay-rights-Aktivist.
Quelle:
Aus Marlon Riggs‘ „Tongues Untied“, zitiert in: José Esteban Muñoz (1999): Disidentifications. Queers of Color and the Performance of Politics. Minneapolis: University of Minnesota Press, S. 9.
Kontext:
Riggs spricht davon, wie unterschiedliche Strukturen wie Rassismus und Sexualität sich gegenseitig beeinflussen. Das wird Intersektionalität genannt. Diskriminierung intersektional zu denken wird einer Lebensrealität gerecht, in der jede:r immer mehrere Zugehörigkeiten empfindet oder von der Gesellschaft zugeschrieben bekommt (Alter, Geschlecht, sexuelle Identität, Behinderung, legaler Status, Bildungsabschluss, u.v.m.). So schrieb beispielsweise Audre Lorde davon, dass sie innerhalb der lesbischen Community Schwarz und innerhalb der Schwarzen Community lesbisch sei. Lorde schreibt, dass es keine Hierarchie der Unterdrückung gibt, sodass man Unterdrückung immer in seinen vielfältigen Erscheinungsformen erkennen und bedenken muss.
Zum Weiterlesen:
*Marlon Riggs (1994): Black is … Black ain‘t. Dokumentarfilm. 87 min.
*Marlon Riggs (1989): Tongues untied. Dokumentarfilm. 55 min.
*Audre Lorde (2009): I Am Your Sister: Collected and Unpublished Writings of Audre Lorde. Oxford & New York: Oxford University Press.
OK
Kultur ist die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von anderen unterscheidet.
Richtig!
Kultur ist die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von anderen unterscheidet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Geert Hofstede (1928-2020) war ein niederländischer Sozialpsychologe und Kulturtheoretiker und Vordenker des „interkulturellen Lernens“.
Quelle:
Geert Hofstede (1991): Cultures and Organisations: Software of the Mind. New York: Mcgraw-Hill Education Ltd.
Kontext:
Hofstede hat von 1967 bis 1972 eine interkulturelle Vergleichsstudie gemacht und daraus eine Kulturtheorie entwickelt. Diese basiert auf klar von einander abgegrenzten Kulturräumen mit jeweils festgeschriebenen Eigenschaften. Hofstedes Theorie wurde jahrzehntelang in der Wirtschaft und in internationalen Jugendbegegnungen als Grundlage für interkulturelles Lernen und interkulturelles Management genutzt. Ein Kulturraum ist für ihn gleichbedeutend mit einer Nation. Er wurde u.a. dafür kritisiert, Unterschiede innerhalb eines Landes zu ignorieren. Auch seine Culture Compass App [https://www.hofstede-insights.com/product/culture-compass/], in der Menschen eintragen können, aus welchem Land sie kommen und wo sie sich gerade aufhalten und welche kulturellen Schwierigkeiten sie dort haben könnten, basiert auf diesem Denkmuster. Diese Auffassung von Kulturerdteilen hat die Ausstellung Geografisch-Postkolonial kritisch betrachtet.
Zum Weiterlesen:
OK
Afrikanische Frauen waren, lange bevor sie sich dem ‚offiziellen‘ Befreiungskampf anschlossen, schon Teil einer andauernden Geschichte des Widerstands gegen den Kolonialismus. (…) Sie hatten nicht nur aktiv an Protesten teilgenommen, sondern auch in vielen Fällen eine Führungsposition übernommen, bei der Organisation von Protesten, Streiks, Demonstrationen, Kampagnen der Arbeitsverweigerung, des zivilen Ungehorsams und anderer Formen des Widerstands in der Geschichte ihrer Nationen.
Richtig!
Afrikanische Frauen waren, lange bevor sie sich dem ‚offiziellen‘ Befreiungskampf anschlossen, schon Teil einer andauernden Geschichte des Widerstands gegen den Kolonialismus. (…) Sie hatten nicht nur aktiv an Protesten teilgenommen, sondern auch in vielen Fällen eine Führungsposition übernommen, bei der Organisation von Protesten, Streiks, Demonstrationen, Kampagnen der Arbeitsverweigerung, des zivilen Ungehorsams und anderer Formen des Widerstands in der Geschichte ihrer Nationen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Micere Mugo (geb. 1942) ist kenianische Autorin, Dichterin und Aktivistin. Sie musste Kenia 1982 aufgrund ihres politischen Aktivismus verlassen.
Quelle:
Micere Mugo (2010): Die Rolle der Frauen in afrikanischen Befreiungsbewegungen – Ein illustratives Beispiel aus Kenia. In: Africavenir (Hrsg.): 50 Jahre afrikanische Un-Abhängigkeiten – Eine (selbst)kritische Bilanz, S.48-55.
Kontext:
Frauen spielten in Widerstandsbewegungen eine wichtige Rolle: in Europa (s. für einen historischen Überblick Federici 2012), in Lateinamerika (s. für die mexikanische Revolution Linhard 2005) oder in Asien (s. für die Philippinen im Zweiten Weltkrieg Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international e.V. 2008). In Westafrika gab es im 18. und 19. Jahrhundert die kämpferischen Dahomey, die Stanley Alpern in seinem Buch „Amazons of Black Sparta“ (2011) beschreibt. Auch beim Mau-Mau-Krieg gegen die deutschen Kolonialherr:innen gibt es Zeugnisse weiblicher Kämpfer:innen (Mugo 2004), ebenso wie in den Unabhängigkeitsbewegungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (s. für Zimbabwe Sinclair 1996).
Zum Weiterlesen:
*Micere Githae Mugo (2004): Muthoni Wa Kirima: Mau Mau woman field marshal: interrogation of silencing, erasure, and manipulation of female combatants‘ texts. Harare: Sapes Books.
*Stanley B. Alpern (2011): Amazons of Black Sparta: The Women Warriors of Dahomey. New York: New York University Press.
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie.
*Ingrid Sinclair (1996): Flame. (Film über weibliche Guerillas im Unabhängigkeitskrieg in Zimbabwe).
*Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international e.V (2008): Die dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte.
*Tabea Alexa Linhard (2005): Fearless Women in the Mexican Revolution and Spanish Civil War. Columbia: University of Missouri Press.
OK
Lasst das Erdöl in der Erde und die Kohle auf der Sohle!
Richtig!
Lasst das Erdöl in der Erde und die Kohle auf der Sohle!
Jahr:
Autor*inneninfo:
Graswurzelinitiativen aus Südamerika
Quelle:
Imperial College London (2014): Event Leave the Oil in the Soil, Leave the Coal in the Hole, Leave the Gas under the Grass
Kontext:
Auf dem Klimagipfel im Dezember 2009 in Kopenhagen präsentierten Graswurzelinitiativen aus Südamerika ihre Kampagne „Keep the oil in the soil! Keep the coal in the hole!“. Die Ausbeutung von fossilen Energieträgern zerstört den Lebensraum von Menschen (oftmals arme und von Rassismus betroffene Bevölkerungsgruppen) und ist für den Klimawandel verantwortlich. 2007 machte die ecuadorianische Regierung auf Druck von sozialen Bewegungen den Vorschlag, die Ölquellen im Biosphärenreservat Yasuní nicht auszubeuten. Die deutsche Regierung war daran beteiligt, diesen Vorstoß ins Leere laufen zu lassen.
Zum Weiterlesen:
*Ende Gelände (2017)
*EJOLT Press release (2013): Unburnable fuels. How to keep the oil in the soil.
OK
„Es gibt keine anderen Unterscheidungen als die der Tugenden und Talente, keine andere Überlegenheit als die, die das Gesetz bei der Ausübung einer öffentlichen Aufgabe gewährt. Das Gesetz ist für alle dasselbe, ob es bestraft oder schützt.“
Richtig!
„Es gibt keine anderen Unterscheidungen als die der Tugenden und Talente, keine andere Überlegenheit als die, die das Gesetz bei der Ausübung einer öffentlichen Aufgabe gewährt. Das Gesetz ist für alle dasselbe, ob es bestraft oder schützt.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Unabhängige Republik Haiti von 1804
Quelle:
Zitat: übersetzt aus der englischen Fassung des Art. 5, Verfassung von St. Dominique 1801.
BIld: Von Bdx – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=68872721
Kontext:
Das Zitat stammt aus der Verfassung von St. Dominique (heute Haiti) aus dem Jahr 1801. Im August 1791 revoltierten Schwarze versklavte Menschen gegen die französische Kolonialmacht und befreiten sich selbst. Nachdem die französische Nationalversammlung 1792 allen Bewohner:innen der Kolonien gleiche Rechte zubilligt, kommt es zu militärischen Auseinandersetzungen gegen weiße Royalist:innen. Die Verfassung von 1801 geht maßgeblich auf Toussaint L’Ouverture zurück. In ihr installiert er sich zum Gouverneur auf Lebenszeit und gründet das Gemeinwesen zugleich auf universalistische Überzeugungen von Gleichheit. Die Verfassung führte zum politischen Bruch. Napoleon entsandte daraufhin eine Streitmacht. Die Armee L’Ouvertures musste sich nach drei Monaten ergeben. Trotzdem wird St. Dominique 1804 unabhängig und in Haiti umbenannt.
Zum Weiterlesen:
*C.L.R. James (2021) [1938]: Die schwarzen Jakobiner. Berlin: Karl Dietz Verlag Berlin.
*Sudhir Hazareesingh (2022): Black Spartacus. Das große Leben des Toussaint Lou-verture. München: C.H. Beck.
*Europeana: Drei Portraits der Haitianischen Revolution, https://www.europeana.eu/de/exhibitions/black-lives-in-europe/three-portraits-of-the-haitian-revolution
OK
„Nach der Entthronung des Sultans Abdülhamid II. wurde, wie für alle bekannt, die Osmanische Regierung von den vom Judenbund Zion kontrollierten Staatsmännern übernommen, namens Komitee für Union und Fortschritt. An einem Oktobertag des Jahres 1325 (1909), dessen genauen Datum ich nicht mehr in meiner Erinnerung habe, veranstaltete die Komitee für Union und Fortschritt mit der Teilnahme all ihrer Abgeordneten ihren massigen Kongress in Thessaloniki. Ein kleinerer Ausschuss, bestehend aus führenden Personen und Vorsitzenden, beantwortete in einer geheimen Sitzung die Frage „Wie wird nun die Türkei regiert?“ des Zionistenbundes und dessen Unterorganisation Ostjuden Freimaurerloge mit einem vier Punktenbeschluss:
- Der Einfluss und die Macht der Religion in der Türkei wird gebrochen,
- Wirtschaftsressourcen der Türkei werden unter Brüdern verteilt,
- Das Kalifat wird von dem Sultanat getrennt und dadurch geschwächt,
- Bei der ersten Chance wird die Republik erklärt und die Dynastie wird ausgetilgt.“
Richtig!
„Nach der Entthronung des Sultans Abdülhamid II. wurde, wie für alle bekannt, die Osmanische Regierung von den vom Judenbund Zion kontrollierten Staatsmännern übernommen, namens Komitee für Union und Fortschritt. An einem Oktobertag des Jahres 1325 (1909), dessen genauen Datum ich nicht mehr in meiner Erinnerung habe, veranstaltete die Komitee für Union und Fortschritt mit der Teilnahme all ihrer Abgeordneten ihren massigen Kongress in Thessaloniki. Ein kleinerer Ausschuss, bestehend aus führenden Personen und Vorsitzenden, beantwortete in einer geheimen Sitzung die Frage „Wie wird nun die Türkei regiert?“ des Zionistenbundes und dessen Unterorganisation Ostjuden Freimaurerloge mit einem vier Punktenbeschluss:
- Der Einfluss und die Macht der Religion in der Türkei wird gebrochen,
- Wirtschaftsressourcen der Türkei werden unter Brüdern verteilt,
- Das Kalifat wird von dem Sultanat getrennt und dadurch geschwächt,
- Bei der ersten Chance wird die Republik erklärt und die Dynastie wird ausgetilgt.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Mevlanzade war ein kurdischer osmanischer Autor und Journalist, der die Umbruchzeit vom osmanischen Reich in die türkische Republik als politisch aktiver Mensch miterlebte und währenddessen antisemitische Verschwörungstheorien produzierte. Seine letzten Jahre verbrachte er als Exilant der türkischen Republik im französischen Mandat Syrien und war aktiv in der Gründung der damaligen kurdischen Bewegung Xoybun.
Quelle:
Mevlanzade Rıfat Bey (2013): Siyonistler Osmanlıyı Nasıl Yıktı? Derin Tarih Kültür Yayınları, İstanbul. S. 70
Kontext:
Mevlanzade´s antisemitische Texte wurden in den letzten 10 – 15 Jahren in der Türkei insbesondere von den islamistischen und national-konservativen Kreisen wiederentdeckt und ohne jegliche kritische Kommentare erneut sowie transliteriert herausgegeben. Das Buch von Mevlanzade, aus dem das untere Zitat ist, wurde zum ersten Mal im Jahr 1923 während seines Exils in Constanza, Rumänien, veröffentlicht.
Zum Weiterlesen:
Yetkin, E. Y. (2018): Imperialer Wahn und Untergangsfantasien. Zum Antisemitismus der konservativ-nationalistischen Szene in der Türkei. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 27. Metropol Verlag. S. 204–228
OK
Allezeit werden wir Seide wirken und deshalb doch nicht besser gekleidet leben. Wir werden allezeit arm und entblößt sein und allezeit Hunger und Durst leiden.
Richtig!
Allezeit werden wir Seide wirken und deshalb doch nicht besser gekleidet leben. Wir werden allezeit arm und entblößt sein und allezeit Hunger und Durst leiden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Französisches Lied von weiblichen Spinnerinnen, das die Armut dieser Arbeiterinnen illustriert.
Quelle:
Zitat: Zitiert nach Bronislaw Geremek (1985): Poverty. A History. Oxford: Basil Blackwell, S. 65.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Weibliche Lohnabhängige wurden, wie Silvia Federici (2012: 66) schreibt und wie Aufzeichnungen aus französischen Stadtarchiven belegen, von der Mehrheitsgesellschaft oft mit Prostitution verbunden. Federici vermutet, dass dies aufgrund ihrer Unabhängigkeit so war: Viele Weberinnen lebten alleine, oft in großer Armut. Noch immer ist die Arbeit von Textilarbeiter*innen vor allem im Globalen Süden von extremer Ausbeutung geprägt, 80% sind Frauen (Clean Clothes Campaign 2020). Einer Studie von der Clean Clothes Campain und Fashionchecker zufolge, bei dem 108 Unternehmen untersucht wurden, bezahlten 93% keine existenzsichernden Löhne (Fashion Checker 2020).
Allerdings belegen einige historische Quellen, das weibliche Erwerbstätige durchaus nicht selten waren. Beispielsweise in Frankfurt zwischen 1300 und 1500 in 200 Berufen auch Frauen vertreten waren, im 14. Jahrhundert stellte die Stadt Frankfurt 16 Ärztinnen ein, einige von ihren sogar als Chirurginnen. Die Verbannung der Frauen in häusliche Berufe fand erst in den folgenden Jahrhunderten statt (Federici 2012: 37).
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2012): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum.
OK
„Mein innerer Kompass, der durch meine Sozialisation in Deutschland als Person of Color ausgerichtet wurde, braucht nun neue Koordinaten, damit ich mich verorten kann … und darüber dann wohl oder übel Andere verorten werde.“
Richtig!
„Mein innerer Kompass, der durch meine Sozialisation in Deutschland als Person of Color ausgerichtet wurde, braucht nun neue Koordinaten, damit ich mich verorten kann … und darüber dann wohl oder übel Andere verorten werde.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Chandra-Milena Danielzik (geb. 1981) ist Politikwissenschaftlerin und glokal-Mitglied.
Quelle:
Zitat: glokal 2013: 18
Bild: glokal 2013: 19
Kontext:
Das Aufwachsen als BIPoC im Globalen Norden konfrontiert Menschen mit den ideologisch Folgen des Kolonialismus: mit Rassismus. Wenn BIPoC dann in den Globalen Süden reisen und als Menschen aus dem Globalen Norden wahrgenommen werden, kann dies verwirrend und auch schmerzhaft sein. Rassismus in Deutschland am eigenen Leib zu spüren bedeutet aber nicht, dass BIPoC-Freiwillige im Globalen Kontext nicht andere Vorteile genießen: „Wenn wir z.B. in Europa aufgewachsen und sozialisiert sind, einen europäischen Pass und Mittel zum Reisen haben, sind wir zum einen durch „westliches“ (Überlegenheits-)Denken geprägt, zum anderen stehen uns dadurch bestimmte materielle und politische Ressourcen zur Verfügung“ (glokal 2013: 42).
Wie verortest du dich im Bezug auf Rassismus, Gender, Klasse etc. wenn du in Deutschland bist? Ändert sich diese Verortung, wenn du in einem Land des Globalen Südens bist?
Zum Weiterlesen:
*glokal (2013): „Mit kolonialen Grüßen …“ Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. Berlin: Eigenverlag.
OK
„Die deutsche Wissenschaft sollte bei dem allseitig aufgenommenen Kampf gegen die Schlafkrankheit (auch eine portugiesische Mission ist seit einigen Jahren tätig) nicht zurückbleiben. Den vereinigten Bemühungen der englischen, französischen, portugiesischen und deutschen Ärzte wird es hoffentlich gelingen, dieser mörderischen, auch unsere Kolonien ernstlich bedrohenden Seuche Herr zu werden.“
Richtig!
„Die deutsche Wissenschaft sollte bei dem allseitig aufgenommenen Kampf gegen die Schlafkrankheit (auch eine portugiesische Mission ist seit einigen Jahren tätig) nicht zurückbleiben. Den vereinigten Bemühungen der englischen, französischen, portugiesischen und deutschen Ärzte wird es hoffentlich gelingen, dieser mörderischen, auch unsere Kolonien ernstlich bedrohenden Seuche Herr zu werden.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Robert Koch (1843-1910) war ein deutscher Mikrobiologe und gilt als einer der Pioniere der bakteriologischen Forschung. Er erlangte weltweite Bekanntheit durch seine Entdeckungen von Krankheitserregern, darunter das Tuberkulose-Bakterium (Mycobacterium tuberculosis) und den Cholera-Erreger (Vibrio cholerae), was ihm 1905 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin einbrachte.
Quelle:
Robert Koch (1904): „Über die Schlafkrankheit (Brief an den Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten)„
Kontext:
Medizinische Forschung spielte im Kolonialismus eine Schlüsselrolle. Nach Einschätzung des ehemaligen Leiters des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin (Universität Heidelberg) hätte Afrika ohne die Fortschritte in der Bekämpfung von Malaria und anderen Kranheiten niemals so kolonisiert werden können (SRF, 04.02.2021). Robert Koch experimentierte von 1906 bis 1906 mit dem arsenhaltige Mittel Atoxyl im heutigen Uganda. Ihm war bekannt, dass Atoxyl in hoher Dosis gefährlich ist. Koch spritze das Mittel in Intervallen von sieben bis zehn Tagen und nahm Schmerzen, Erblindung und den Tod tausender Menschen billigend in Kauf (ebds.). Dafür wurden die Kranken in sogenannten Konzentrationslagern gefangen gehalten. Das Konzept des KZ entnahm Koch den britischen Kolonisator:innen Südafrikas, die in diesen Lagern politische Gegner:innen inhaftierten (Bauche 2006). Die Lager dienten als Isolationsort der Kranken, damit sich Krankheiten nicht weiter verbreiteten, aber auch als Forschungsstätte, in dem Menschen zu medizinischen Versuchen gezwungen wurden „Da in den Konzentrationslagern eine genaue Beobachtung während längerer Zeit möglich sei, könne man hier am besten den empfehlenswerten Modus der Atoxylbehandlung ausfindig machen und beispielsweise auch eine etappenmäßige Therapie erproben“ (Robert Koch zitiert nach Bauch 2006).
Zum Weiterlesen:
*Manuela Bauche 2006: Robert Koch, die Schlafkrankheit und Menschenexperimente im kolonialen Ostafrika. In: Freiburg Postkolonial/Orte
OK
„Der Mensch gilt so, weil er Mensch ist, nicht weil er Jude, Katholik, Protestant, Deutscher, Italiener ist. “
Richtig!
„Der Mensch gilt so, weil er Mensch ist, nicht weil er Jude, Katholik, Protestant, Deutscher, Italiener ist. “
Jahr:
Autor*inneninfo:

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) war ein Philosoph des Deutschen Idealismus.
Quelle:
Zitat: Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1820): Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse, §209 Anm.
Bild: Von Lazarus Gottlieb Sichling/ Nach Friedrich Julius Ludwig Sebbers – http://www.hegel.net/en/gwh3.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=111424
Kontext:
Obwohl Hegel sich für die Gleichheit aller Menschen einsetzte, argumentierte er in seinen Vorlesungen wiederholt rassistisch. Er bezeichnete die Bewohner des von ihm so genannten subsaharischen Afrikas als „eine Kindernation“, die sich aufgrund ihres Mangels an Bewusstsein von Persönlichkeit „so leicht zu Sclaven machen“ ließen. Das hießige Zitat stammt hingegen aus der Anmerkung zu §209 der „Grundlinien der Philosophie des Rechts“. Hier betont Hegel, dass in der modernen bürgerlichen Gesellschaft alle Menschen gleich sind, unabhängig von Religion oder Nationalität. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass diese rechtliche Gleichheit erst geschichtlich errungen werden muss. Dieser Gedanke birgt die Möglichkeit, andere Lebensformen, die nicht der europäischen, modernen, bürgerlichen Ordnung entsprechen, als unterentwickelt abzuwerten.
Zum Weiterlesen:
*Susan Buck-Morss (2011): Hegel und Haiti. Für eine neue Universalgeschichte. Berlin: Suhrkamp Verlag.
*Daniel James und Franz Knappik (27.05.2021): Das Untote in Hegel. Warum wir über seinen Rassismus reden müssen, https://praefaktisch.de/hegel/das-untote-in-hegel-warum-wir-ueber-seinen-rassismus-reden-muessen/
*Micha Brumlik (3.9.2020): Hegel und die Juden, https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/hegel-und-die-juden/
OK
(Ich erkläre meine Unterstützung dafür), zu vermeiden, Fremde hier einzuführen und die Reinheit der australischen Menschen zu zerstören.
Richtig!
(Ich erkläre meine Unterstützung dafür), zu vermeiden, Fremde hier einzuführen und die Reinheit der australischen Menschen zu zerstören.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Andrew Fisher (1862-1928) war australischer Premierminister von 1908 – 1909.
Quelle:
Andrew Fisher (1910): Election Speeches. Australian Labour Party.
Kontext:
Auch Australien war eine Siedlungskolonie. Um 1788 landete das erste britische Schiff in Australien, das damals noch ausschließlich von den australischen Aboriginals bewohnt war. Die Eroberung und Landnahme Australiens ging schnell voran. Es entwickelten sich lokale Unabhängigkeitsbestrebungen der weißen Australier:innen, die 1901 zur Gründung des Australischen Bunds führten. Im Zitat wird deutlich, wie schnell die Verdrehung stattfinden kann: Weiße Australier:innen waren gerade erst gewaltvoll in das Land migriert und entwickelten schon kurz darauf einen „Fremdenhass“ gegenüber Migrant:innen nach Australien. Sie imaginierten eine von Fremden bedrohte „weiße Reinheit“ Australiens und versuchten sie im Rahmen einer aggressiven „White Australia Policy“ umzusetzten.
Zum Weiterlesen:
*Philip Gavin Griffiths (2006): The Making of White Australia: Ruling Class Agendas, 1876-1888. Doctoral Thesis. The Australian National University.
OK
Wir werden die Verhältnisse einer über 500-jährigen kolonialen Realität nicht weiter dulden. Dies gilt für sämtliche aktuelle Diskurse und Praktiken, für Theorien, für Debatten und die Arbeitspraxis. Wir werden uns nicht länger von staatlichen und nichtstaatlichen Vertreter:innen, von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteur:innen, von etablierten oder eben erst in Erscheinung getretenen Förder:innen unsere Perspektive auf das Feld Migration und Entwicklung diktieren lassen.
Richtig!
Wir werden die Verhältnisse einer über 500-jährigen kolonialen Realität nicht weiter dulden. Dies gilt für sämtliche aktuelle Diskurse und Praktiken, für Theorien, für Debatten und die Arbeitspraxis. Wir werden uns nicht länger von staatlichen und nichtstaatlichen Vertreter:innen, von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteur:innen, von etablierten oder eben erst in Erscheinung getretenen Förder:innen unsere Perspektive auf das Feld Migration und Entwicklung diktieren lassen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Lucía Muriel ist Psychologin, Aktivistin und Nertzwerkerin in Berlin, die sich dafür einsetzt, dass globale Gerechtigkeit rassismuskritisch und dekolonial verstanden wird.
Quelle:
move global (2017): Versuch eines Paradigmenwechsels, S. 17.
Kontext:
Die koloniale Definitionsmacht über Schwarze und weiße Diskurse, Politiken, Kultur sowie Körper kritisierte schon der Psychiater Frantz Fanon (1925-1961), der auf unterschiedlichen Ebenen für die Dekolonisierung eintrat. Dekolonisierung bedeutet, koloniale Muster zu erkennen, infrage zu stellen und zu überkommen. Sie bezieht sich nicht nur auf die Unabhängigkeit vormals kolonisierter Staaten, sondern auch auf gesellschaftliche, kulturelle und individuelle Dimensionen von Kolonisierung, z.B. sich als Migrant*in von der Mehrheitsgesellschaft nicht vorschreiben zu lassen, was Migration bedeutet, wie Lucía Muriel in dem Zitat deutlich macht. Dekolonisierung bedeutet Empowerment und die Befreiung von Herrschaft.
Zum Weiterlesen:
*Ismahan Wayah (2017): Wir schreiben Geschichte. In: glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand. S. 10.
*Raykamal Kahlon (2017): Du hast gesagt, es würde nicht wehtun. Verkörperte Pädagogik. In: glokal: Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand. S. 82.
OK
Er ist schön, kokett, anziehend, höflich, liebenswürdig und an der Brust wie eine Nachtigall. Sein Haar ist wie Hyazinth (roter Edelstein), sein Grübchen eine Rose, sein Blick wie der Henker, seine Farbe wie Buchsbaumholz, sein Kehlkopf wie Stahl, sein Hinterteil wie eine Kristallschale, sein Nabel wie eine Lichtquelle, seine Waden sind wie silberne Säulen, seine Füsse wie Silberbarren, seine Stirnlocken wie Seidenfransen.
Richtig!
Er ist schön, kokett, anziehend, höflich, liebenswürdig und an der Brust wie eine Nachtigall. Sein Haar ist wie Hyazinth (roter Edelstein), sein Grübchen eine Rose, sein Blick wie der Henker, seine Farbe wie Buchsbaumholz, sein Kehlkopf wie Stahl, sein Hinterteil wie eine Kristallschale, sein Nabel wie eine Lichtquelle, seine Waden sind wie silberne Säulen, seine Füsse wie Silberbarren, seine Stirnlocken wie Seidenfransen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Der Text „Yemenici Bali“ (Bali der Schusterbube) stammt aus dem Buch „Dellakname-i Dilküsa“ (Das Buch über die Badediener) aus dem 17. Jahrhundert, das der Journalist Murat Bardakçı wieder bekannt gemacht hat. „Es ist einer der seltenen erotischen Texte der Osmanen, der in unsere Zeit übergekommen ist“ (Erdoğan 1998). 1680 ist eine ungefähre Angabe.
Quelle:
Zitiert nach Sema Nilgün Erdoğan (1998): Sexuelles Leben bei den Osmanen. Istanbul: Dönence.
Kontext:
Sexueller Kontakt unter Männern gehörte zum Osmanischen Reich ebenso wie auch das Dichten und Fantasieren von Männern über andere junge Männer. Junge Knaben, die oftmals einem bestimmten Schönheitsideal entsprachen, wurden nicht als männliche Lebewesen betrachtet, sondern als eine Art unperfekter Mann oder unperfekte Frau. Mit ihnen in sexuellen Kontakt zu kommen gehörte für viele Osmanen dazu, um Erfahrungen zu sammeln, bevor sie die Heirat mit einer Frau eingingen. Eine Beziehung als Mann mit einer Frau zu führen, bedeutete ein stabiles Leben mit Familienplanung, Treue und rein ehelichem Sex mit der Ehefrau. In seinem Buch ‚Desiring Arabs‘ (2008) spricht Joseph Massad von erzwungenen westlichen Sexualmodellen. Er trägt historische arabische Schriften über sexuelle Begierden zusammen, sowie konservative Antworten darauf. Auch aus dem antiken Griechenland gibt es zahlreiche Belege für homosexuelle Beziehungen, besonders unter Männern, aus Sparta und von der Insel Lesbos auch unter Frauen.
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexen. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie.
OK
„Die Idee der Menschenrechte trägt in sich eine Art des Sozialdarwinismus.”
Richtig!
„Die Idee der Menschenrechte trägt in sich eine Art des Sozialdarwinismus.”
Jahr:
Autor*inneninfo:

Gayatri Chakravorty Spivak (*1942) ist eine indisch-US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin und eine zentrale Denkerin der postkolonialen Theorien.
Quelle:
Zitat übersetzt nach: Gayatri Chakravorty Spivak (2004): „Righting Wrongs“, erschienen in: The South Atlantic Quarterly, Band 103 (2/3), S. 523-581, S. 524.
Bild: Von Robert Crc – Subversive festival media, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27132005
Kontext:
Spivak kritisiert in diesem Zitat die den Menschenrechten innewohnende Idee von Zivilisation und Fortschritt. Sie zeigt auf, dass die Menschenrechte eine Logik des Stärkeren implizieren: die Menschenrechte suggerieren, dass die weißen Europäer:innen dank ihrer vermeintlichen Zivilisiertheit die Menschenrechte hervorbringen konnten, die Schwarzen Menschen lange Zeit verwehrt blieben und diesen „Anderen“ jetzt erst vermittelt werden müssen. Spivak zeigt mit ihrer Kritik auf, dass sich dieses Bild bis heute hält, obwohl längst gezeigt worden ist, dass die vermeintliche europäische Zivilisierung eine Kolonialisierung, d.h. Ausbeutung, Versklavung und Unterdrückung von Schwarzen Menschen bedeutete, deren Folgen bis heute andauern.
Zum Weiterlesen:
*Gayatri Chakravorty Spivak (21.05.2021): Wie gelingt guter Fortschritt?, https://www.deutschlandfunkkultur.de/100-jahre-frankfurter-schule-gibt-es-heute-noch-fortschritt-dlf-kultur-1852cde7-100.html
*Gayatri Chakravorty Spivak (2007): Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und sub-alterne Artikulation, Übersetzt aus dem Englischen von Alexander Joskowicz und Stefan Nowotny. Wien: Turia + Kant Verlag.
OK
Der Teufel steckte in dem Engländer, dass er alles zum Arbeiten zwingt: er zwingt den [Schwarzen] zur Arbeit, das Pferd zur Arbeit, den Esel zur Arbeit, das Holz zur Arbeit, das Wasser zur Arbeit, und den Wind zur Arbeit.
Richtig!
Der Teufel steckte in dem Engländer, dass er alles zum Arbeiten zwingt: er zwingt den [Schwarzen] zur Arbeit, das Pferd zur Arbeit, den Esel zur Arbeit, das Holz zur Arbeit, das Wasser zur Arbeit, und den Wind zur Arbeit.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Anonyme versklavte Person in Barbados
Quelle:
Zitat: Anonym (1676): Great Newes from the Barbadoes, Or, A True and Faithful Account of the Grand Conspiracy of the Negroes against the English and the Happy Discovery of the Same with the Number of Those That Were Burned Alive, Beheaded, and Otherwise Executed for Their Horrid Crimes. With a Short Discription of That Plantation. London: L. Curtis, S. 6f.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Nachdem die Bewohner:innen von Barbados im 16. Jahrhundert von Portugal gekidnappt und versklavt oder vertrieben worden waren, eignete sich England die Insel 1625 an (bis 1962). Englische und irische Leibeigene, versklavte Afrikaner*innen sowie amerikanische Indigene wurden als Plantagenarbeiter*innen für den Zuckerrohranbau angesiedelt, ausgebeutet, gefoltert und ermordet. Sie setzten sich – oftmals gemeinsam – durch Flucht, Brandstiftung, Totschlag und Revolte zur Wehr. In der Karibik, sowie in anderen Teilen der Amerikas, bildeten widerständige ehemals Verklavte sogenannte Maroon-Gemeinschaften (Linebaugh & Rediker 2008).
Zum Weiterlesen:
*Peter Linebaugh & Marcus Rediker (2008): Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks. Hamburg: Assoziation A.
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