Die Generalakte der Berliner Konferenz von 1885, aus der dieses Zitat stammt, war das Abschlussdokument der mehr als dreimonatigen Zusammenkunft. Teil nahmen das Deutsche Reich, die USA, das Osmanische Reich, Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Portugal, Russland, Spanien und Schweden-Norwegen. Afrikanische Vertreter:innen waren nicht zugegen.
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OK
Alle Mächte, welche in den gedachten Gebieten Souveränitätsrechte oder einen Einfluß ausüben, verpflichten sich, die Erhaltung der eingeborenen Bevölkerung und die Verbesserung ihrer sittlichen und materiellen Lebenslage zu überwachen und an der Unterdrückung der Sklaverei und insbesondere des N****handels mitzuwirken; sie werden ohne Unterschied der Nationalität oder des Kultus alle (…) Einrichtungen und Unternehmungen schützen und begünstigen, welche (…) dahin zielen, die Eingeborenen zu unterrichten und ihnen die Vortheile der Civilisation verständlich und werth zu machen.
Richtig!
Alle Mächte, welche in den gedachten Gebieten Souveränitätsrechte oder einen Einfluß ausüben, verpflichten sich, die Erhaltung der eingeborenen Bevölkerung und die Verbesserung ihrer sittlichen und materiellen Lebenslage zu überwachen und an der Unterdrückung der Sklaverei und insbesondere des N****handels mitzuwirken; sie werden ohne Unterschied der Nationalität oder des Kultus alle (…) Einrichtungen und Unternehmungen schützen und begünstigen, welche (…) dahin zielen, die Eingeborenen zu unterrichten und ihnen die Vortheile der Civilisation verständlich und werth zu machen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Deutsches Reichsgesetzblatt (1885): Generalakte der Berliner Konferenz. Nr. 23, S. 225
Kontext:
Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck lud 1884 zur Berliner Konferenz ein, um die Grundlagen für die Aufteilung Afrikas in Kolonien und für den Handel festzulegen. Die in dem Dokument niedergeschriebenen Maßstäbe, die die europäischen Mächte als Schutzmacht für die Afrikaner*innen konstruierten, wurden in allen Kolonien verletzt: Unterdrückung, Gewalt und Willkür waren die koloniale Realität für die Kolonisierten (Zimmerer 2021). Kurz nach der Konferenz war fast der gesamte afrikanische Kontinent unter sieben europäischen Staaten aufgeteilt. 1914 war die Hälfte der Erdoberfläche und ein Drittel der Weltbevölkerung kolonisiert (Bertelsmann Universal-Lexikon 2006: 496).
Bismarck wird in der Geschichtspolitik als „vorsichtiger Kolonialpolitiker“ gehandelt (s. bpb 2015). Allerdings nicht, weil er dagegen war, andere Menschen zu unterwerfen und auszubeuten, sondern weil für ihn die Kosten den Nutzen überstiegen (ebd.).
Zum Weiterlesen:
*Bundeszentrale für politische Bildung (2015): Bismarck und der Kolonialismus.
*Jung & Naiv (29.10.2021): Historiker Jürgen Zimmerer über deutschen Völkermord & Kolonialismus – Folge 538.
OK
„Jetzt erst wurde es mir klar, wie schwer es für mich sein werde, meiner afrikanischen Herkunft wegen ein passendes Unterkommen zu finden; denn obschon ich Gaben hatte, dachte niemand daran, mich einen Beruf lernen zu lassen.“
Richtig!
„Jetzt erst wurde es mir klar, wie schwer es für mich sein werde, meiner afrikanischen Herkunft wegen ein passendes Unterkommen zu finden; denn obschon ich Gaben hatte, dachte niemand daran, mich einen Beruf lernen zu lassen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Henriette Alexander (1817-1895), geboren in Stuttgart, war Tochter von afrikanischen Kammerdiener:innen, die selbst als Hilfslehrerin an verschiedenen Orten tätig war.
Quelle:
Zitat: eigenhändige Aufzeichnungen der Henriette Alexander, veröffentlicht im Monatsblatt von Beuggen, Mai 1895, Nr. 4, S. 30-32.
Bild: Findagrave https://de.findagrave.com/memorial/54683438/johanna-henrietta-moldenhauer
Kontext:
Das Zitat stammt aus Henriette Alexanders eigenen Aufzeichnungen über ihr Leben. Als Tochter von sog. afrikanischen Kammerdiener:innen lebte sie Zeit ihres Lebens in Abhängigkeiten. Aufgrund ihres Lerndurstes, wie sie selbst schrieb, las sie viel, insbesondere die Bibel. In ihren Aufzeichnungen beschreibt sie die verschiedenen Stationen ihres Lebens als Lehrerin. In dem Zitat drückt sie aus, dass sie trotz ihrer Begabungen keine Unabhängigkeit im Wohnen oder im Beruf erreichen können würde. Ihr wurden Gleichheit und Freiheit wegen ihrer afrikanischen Herkunft verwehrt.
Zum Weiterlesen:
*Monika Firla (2001): Exotisch – höfisch – bürgerlich. Afrikaner in Württemberg vom 15. bis 19. Jahrhundert. Katalog zur Ausstellung des Hauptarchivs Stuttgarts: Stuttgart.
*Helen Whittle (13.11.2012): Homestory Deutschland, https://www.dw.com/de/schwarze-deutsche-geschichte/a-16372845
OK
„Die natürlichen Gesetze und Regeln der Menschen sind allen Völkern gemeinsam, den christlichen und heidnischen, ohne Unterschied und gleich welche ihre Sekte, ihr Gesetz, ihr Stand, ihre Hautfarbe und Herkunft sein mag.“
Richtig!
„Die natürlichen Gesetze und Regeln der Menschen sind allen Völkern gemeinsam, den christlichen und heidnischen, ohne Unterschied und gleich welche ihre Sekte, ihr Gesetz, ihr Stand, ihre Hautfarbe und Herkunft sein mag.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Bartholomé de Las Casas (1484-1566) war ein spanischer Dominikanermönch und erster Bischof von Chiapa (heute: Mexiko), der zunächst als Soldat, der an der Kolonisierung tatsächlich teilgenommen hatte, nach Mexiko kam. Später kritisierte er die Gewalt gegenüber der indigenen Bevölkerung scharf.
Quelle:
Zitat: Bartolomé de Las Casas (1996): „Brief an Prinz Philipp vom 20.4.1544″, erschienen in: Delgasdo Mariano (Hrsg.): Sozialethische und staatsrechtliche Schriften, Band 3 (1), Paderborn: Schöningh Verlag, S. 33-59, S. 51.
Bild: Unbekannter Maler; Informations source : National Geographic & Álvaro Huerga, Bartolomé de Las Casas: Vie et œuvres.
Kontext:
Weit vor der Formulierung der individuellen Freiheitsrechte im Europa des 18. Jahrhunderts wandte sich Las Casas mit der Forderung nach gleichen Rechten für alle Menschen gegen die spanische Politik der Unterwerfung und Kolonisierung. Er verwies auf die Unrechtmäßigkeit der vorgeblichen Verträge mit der indigenen Bevölkerung, die die Landnahme und Herrschaft der spanischen Eroberer:innen legitimieren sollten. Las Casas versuchte die Gleichheit und Freiheit der unterworfenen Völker als Menschen sowie ihr Recht auf politische Selbstbestimmung zu verteidigen. Seine Schriften und sein Eintreten für die indigene Bevölkerung setzten Las Casas dem Vorwurf aus, er beleidige die spanische Nation, betreibe Geschichtsfälschung oder sei schlichtweg geisteskrank.
Zum Weiterlesen:
*Julia Macher (31.07.2016): Vor 450 Jahren – Tod des spanischen Missionars Bartolomé de Las Casas, https://www.deutschlandfunk.de/vor-450-jahren-tod-des-spanischen-missionars-bartolome-de-100.html
*Lawrence A. Clayton (2012): Bartolomé de las Casas: A Biography. Cambridge: Cambridge University Press.
OK
Ich bin Lateinamerika, ein Volk ohne Beine, das trotzdem weitergeht. Du kannst nicht den Wind kaufen, Du kannst nicht die Sonne kaufen, Du kannst nicht den Regen kaufen,
Du kannst die Hitze nicht kaufen.
Du kannst nicht die Wolken kaufen,
Du kannst nicht die Farben kaufen,
Du kannst nicht meine Freude kaufen,
Du kannst mein Leid nicht kaufen.
Richtig!
Ich bin Lateinamerika, ein Volk ohne Beine, das trotzdem weitergeht. Du kannst nicht den Wind kaufen, Du kannst nicht die Sonne kaufen, Du kannst nicht den Regen kaufen,
Du kannst die Hitze nicht kaufen.
Du kannst nicht die Wolken kaufen,
Du kannst nicht die Farben kaufen,
Du kannst nicht meine Freude kaufen,
Du kannst mein Leid nicht kaufen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Calle 13 ist ein puerto-ricanisches Rap-Duo, das mit dem Song „Atrévete-te-te!“ („Trau dich!“) bekannt wurde. Die Band besteht aus René Pérez Joglar und seinem Halbbruder Eduardo José Cabra Martínez. Ihre Songs sind oft politisch motiviert und kritisieren u.a. die Politik der USA gegenüber lateinamerikanischen Ländern.
Quelle:
Calle 13 (2010): Latinoamérica. In: Entren Los Que Quieran. Sony Music Latin.
Kontext:
Viele soziale und indigene Bewegungen Lateinamerikas wehren sich seit langem gegen die Privatisierung und den Verkauf von Gemeineigentum sowie Natur- und Bodenschätzen. So wurde beispielsweise in Bolivien die Wasserrechte an das US-Unternehmen Bechtel verkauft. Der Preis stieg um 300 Prozent und Menschen wurde sogar verboten, Regenwasser aufzufangen. Der Widerstand gegen die Privatisierung des Wassers war trotz großer Repression erfolgreich.
Zum Weiterlesen:
*Florian Opitz (2007): Der große Ausverkauf. Dokumentarfilm. 94 Min.
*Icíar Bollaín (2010): Und dann der Regen. Spielfilm. 104 Min;
*Democracy Now (05.10.2006): Bolivian Activist Oscar Olivera on Bechtel’s Privatization of Rainwater and why Evo Morales should Remember the Ongoing Struggle over Water.
OK
,,Die dritten sprachen, dass die Juden alle Brunnen vergifet hätten und die Christenheit töten [wollten]; und man fand in vielen Brunnen Säckchen mit Gift, und [deshalb] tötete man unzählige von ihnen am Rhein, in Franken und in allen deutschen Landen. Wahrhaftig, ob einige Juden das taten, das weiß ich nicht. […] Jedoch weiß ich sehr wohl, dass es in Wien so viele Juden gab wie in keiner anderen Stadt, die ich in deutschen Landen kenne, und dass sie dort (..) zahlreich starben (…)“
Richtig!
,,Die dritten sprachen, dass die Juden alle Brunnen vergifet hätten und die Christenheit töten [wollten]; und man fand in vielen Brunnen Säckchen mit Gift, und [deshalb] tötete man unzählige von ihnen am Rhein, in Franken und in allen deutschen Landen. Wahrhaftig, ob einige Juden das taten, das weiß ich nicht. […] Jedoch weiß ich sehr wohl, dass es in Wien so viele Juden gab wie in keiner anderen Stadt, die ich in deutschen Landen kenne, und dass sie dort (..) zahlreich starben (…)“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Konrad von Megenberg (1309-1374) war Geistlicher und Autor. Das Zitat stammt aus seiner Schrift „Das Buch der Natur“. Es ist ausdrücklich für Laien und nicht für Expert:innen geschrieben.
Quelle:
Bernd Schneidmüller (2012): Katastrophenerinnerung: Große Pest und Judenpogrome 1348 bis 1352. Band 2, S. 399
Kontext:
Beim so genannten Judenbrennen Mitte des 14. Jahrhunderts wurde viele tausend Jüdinnen und Juden verfolgt, vertrieben und ermordet. Die Pogrome waren nicht nur Folge der damals wütenden Pestseuche, denn nicht selten gingen die Pogrome der Seuche voraus. Jüdische Gemeinden wurde beschuldigt, Brunnen vergiftet und somit die Pest hervorgerufen zu haben. Mergenberg stellt eine der wenigen kritischen Stimmen der Zeit dar, indem er schreibt, dass jüdische Menschen gleichermaßen an der Pest starben. Einige Herrschende wie Kaiser Karl IV. (1316-1378) garantierten den Täter:innen Straffreiheit (Urkunde vom 25.06.1349, siehe Schneidmüller 2012: 399): „Die Pestseuche ergriff also nicht nur die Körper, sondern auch die Köpfe der Menschen (…) Menschen, von Mikroorganismen im eigenen Körper tödlich bedroht, suchten ihr Heil in der Tilgung des scheinbar Fremden aus ihrem Lebensraum“ (ebds. 400).
Zum Weiterlesen:
*Ruth Kinet (2020): Mit der Pest kamen die Progome (aus dem Podcast „Aus der jüdischen Welt“)
*František Graus (2002): Judenprogrome im 14. Jahrhundert: Der schwarze Tod
*Haverkamp, Alfred (1981): Die Judenverfolgung zur Zeit des Schwarzen Todes im Gesellschaftsgefüge Deutscher Städte
OK
Wir wollen dem Judentum in unserem öffentlichen und Staatsleben diejenige Stellung anweisen, welche ihm nach Gottes klar und deutlich offenbartem Willen zukommt. Gott hat die Juden zur Strafe in die Gefangenschaft unter alle Völker zerstreut. Für eine christliche Nation ist es daher ein Versündigung ihre heiligsten öffentlichen und Staatsangelegenheiten den Strafgefangenen Gottes und dadurch der Mitwirkung antichristlicher Einflüsse preiszugeben. Als Christen haben wir die Pflicht, den Juden Schutz und Gerechtigkeit angedeihen zu lassen, sie als Mitmenschen vor dem Zivilgesetz uns völlig gleich zu stellen, sie aber von unserem Staatsbürgertum prinzipiell auszuschließen und zwar nicht weil sie Semiten oder Juden, sondern weil sie Nichtchristen (Antichristen) sind.
Richtig!
Wir wollen dem Judentum in unserem öffentlichen und Staatsleben diejenige Stellung anweisen, welche ihm nach Gottes klar und deutlich offenbartem Willen zukommt. Gott hat die Juden zur Strafe in die Gefangenschaft unter alle Völker zerstreut. Für eine christliche Nation ist es daher ein Versündigung ihre heiligsten öffentlichen und Staatsangelegenheiten den Strafgefangenen Gottes und dadurch der Mitwirkung antichristlicher Einflüsse preiszugeben. Als Christen haben wir die Pflicht, den Juden Schutz und Gerechtigkeit angedeihen zu lassen, sie als Mitmenschen vor dem Zivilgesetz uns völlig gleich zu stellen, sie aber von unserem Staatsbürgertum prinzipiell auszuschließen und zwar nicht weil sie Semiten oder Juden, sondern weil sie Nichtchristen (Antichristen) sind.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Der Wahlverein der Deutsch-Konservativen, gegründet im ausgehenden 19. Jahrhundert, zeichnete sich durch eine streng christlich, national-konservative Programmatik aus. Bestandteil derselben war eine ausgeprägt feindliche Haltung gegenüber Sozialdemokratie, Anarchist*innen und Jüd*innen und Juden, die sie jeweils als vaterlandslose Umstürzler*innen oder als Zersetzer*innen des deutsch-christlichen Volkslebens bezeichneten. Einen bedeutenden Einfluss auf die antisemitische und antisozialistische Stoßrichtung des Vereins nahm der evangelische Theologe und Politiker Adolf Stoecker.
Quelle:
Wahlverein der Deutschen Konservativen (Hg. 1893), Stenographischer Bericht über den Allgemeinen konservativen Parteitag. Berlin, S. 21-22.
Kontext:
Der Antisemitismus nahm insgesamt in den rund vier Jahrzehnten von der Reichsgründung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Staat und Gesellschaft stark zu. Zwar gehörten Ausschreitungen gegen jüdische Bürger- wie zum Beispiel 1881 im hinterpommerschen Neustettin oder 1900 im westpreußischen Konitz – nicht zum Alltäglichen, aber der Antisemitismus gewann erheblichen Einfluss bei vielen politischen und gesellschaftlichen Organisationen im Kaiserreich und spielte eine wichtige Funktion im
Denken des national gesinnten Bürgertums. Er wurde im gesellschaftlichen Leben zur sozialen Norm.
Zum Weiterlesen:
OK
Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch.
Richtig!
Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Theodor W. Adorno (1903-1969), geboren in Frankfurt am Main als Theodor Ludwig Wiesengrund, war u.a. Philosoph und Mitbegründer der „Frankfurter Schule“ und bekannt für Studien zum autoritären Charakter.
Quelle:
Theodor W. Adorno (1975): Schuld und Abwehr. Gesammelte Schriften Band 9/2. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Kontext:
Adorno hatte unter den Nazis seit 1933 Lehrverbot, da er väterlicherseits aus einer jüdischen Familie stammte. Er emigrierte in die USA. Nach seiner Rückkehr 1953 beobachtete er im postnationalsozialistischen Deutschland, wie der Begriff „Rasse“ ein Tabuwort geworden war und immer weiter aus dem Sprachgebrauch gestrichen wurde. Zusammen mit Max Horkheimer beschrieb er in der Dialektik der Aufklärung und im Lichte der deutschen Gesellschaft nach Auschwitz eine Kritik der Aufklärung und des Fortschrittdenkens. Etienne Balibar und Stuart Hall haben später mit ihren Forschungen zu „Kulturellem Rassismus“ und „Rassismus ohne Rassen“ auf Beobachtungen von Adorno und anderen aufgebaut.
Zum Weiterlesen:
*Stuart Hall (1989): Rassismus als ideologischer Diskurs. In: Das Argument Nr. 178, Jg. 31, S. 913-921.
*Katrin Osterloh & Nele Westerholt (2011): Kultur. In: Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast, S. 412-416.
*Rudolf Leiprecht (2001): Alltagsrassismus. Eine Untersuchung bei Jugendlichen in Deutschland und den Niederlanden. Münster: Waxmann.
OK
Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muss in Deutschland Kritik an der Politik Israels üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden.
Richtig!
Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muss in Deutschland Kritik an der Politik Israels üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Deutschland: Jürgen Möllemann
Möllemann (1945-2003) war FDP-Politiker und bekleidete zwischen 1987 und 1991 das Amt des Bundesministers für Bildung und des Bundeswirtschaftsministers zwischen 1991 und 1993. In der sog. Möllemann-Affäre 2002/2003 rief Möllemanns scharfe Kritik am Vorgehen Israels gegenüber Palästinensern und dem geäußerten Verständnis für Selbstmordattentate parteiübergreifend Widerspruch und Kritik hervor.
Quelle:
heute Journal (16.05.2002): Interview mit Jürgen Möllemann
Kontext:
Möllemann gibt in dem Zitat an, dass nicht antisemitische Stereotype und Judenhass Antisemitismus stärkt, sondern macht das Vorgehen der damaligen israelischen Regierung sowie Äußerungen des damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, für Antisemitismus verantwortlich. Die Verantwortung für Antisemitismus alleinig der israelischen Regierung zuzuschieben, setzt sich auch heute fort. In der 2019 veröffentlichten Studie zu Antisemitismus in Deutschland des World Jewish Congress gaben 22 Prozent der Befragten an, diesem Narrativ zuzustimmen.
Zum Weiterlesen:
Spiegel (2002): FDP: Für den Zentralrat der Juden ist Möllemann ein Antisemit.
Statista.com (2019): Einstellungen in Deutschland zu antisemitischen Aussagen.
OK
Danach stehen neben unstrittigen kolonialen Grausamkeiten, gesellschaftlichen Zerstörungen, wirtschaftlichen Strukturveränderungen und mentalen Traumatisierungen auch Veränderungen, ohne die jegliche Entwicklung ausgeschlossen wäre, etwa der Aufbau von Schul- und Gesundheitssystemen, Infrastrukturen und das Eindringen des „europäischen Geistes“.
Richtig!
Danach stehen neben unstrittigen kolonialen Grausamkeiten, gesellschaftlichen Zerstörungen, wirtschaftlichen Strukturveränderungen und mentalen Traumatisierungen auch Veränderungen, ohne die jegliche Entwicklung ausgeschlossen wäre, etwa der Aufbau von Schul- und Gesundheitssystemen, Infrastrukturen und das Eindringen des „europäischen Geistes“.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wurde 1952 als Bundeszentrale für Heimatdienst gegründet, um einen deutschen Beitrag zur Erziehung zur Demokratie zu leisten. Sie ist dem Bundesinnenministeriums zugehörig. Die bpb erstellt und verlegt Materialien, organisiert Veranstaltungen und fördert andere Träger der politischen Bildung.
Quelle:
Bundeszentrale für politische Bildung (2007): Afrika Verstehen Lernen. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 148.
Kontext:
Das Zitat beruht auf dem kolonial-rassistischen Argument, dass Afrikaner:innen ohne Europäer:innen weder Bildung, Gesundheitssysteme noch irgendeine Form der Infrastruktur hätten. Dahinter steht die Vorstellung, dass Afrika vor der Kolonisierung keine komplexen Gesellschaftsstrukturen hatte. Diese Logik rechtfertigt auch das „zivilisatorisch“-koloniale Eingreifen von außen. Indem die bpb Negatives vermeintlich Positivem gegenüberstellt, wird davon abgelenkt, dass koloniale Infrastruktur vor allem für die Ausbeutung von Ressourcen geschaffen wurde.
Zum Weiterlesen:
*Walter Rodney (1975): Afrika. Die Geschichte einer Unterentwicklung. Berlin: Klaus Wagenbach.
*Chimananda Ngozi Adichie (2011): Narratives of Europe. Stories that matter.
*David Harvey (2000): Cosmopolitanism and the Banality of Geographical Evils.
OK
„Daß es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben […], wissen wir erst, seitdem Millionen von Menschen auftauchten, die solche Rechte verloren hatten […].“
Richtig!
„Daß es so etwas gibt wie ein Recht, Rechte zu haben […], wissen wir erst, seitdem Millionen von Menschen auftauchten, die solche Rechte verloren hatten […].“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Hannah Arendt (1906-1975) war eine jüdische deutsch-US-amerikanische Theoretikerin und Journalistin, die durch die Nationalsozialist:innen in die Emigration gezwungen wurde und vor dem Hintergrund dieser Erfahrung dachte, schrieb und handelte.
Quelle:
Zitat: Hannah Arendt (1949): „Es gibt nur ein einziges Menschenrecht“, erschienen in: Die Wandlung, 4. Jg., Herbstheft 1949, S. 754-770, S. 759.
Bild: By Barbara Niggl Radloff – sammlungonline.muenchner-stadtmuseum.de, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127246587
Kontext:
Das Zitat stammt aus Arendts Essay „Es gibt nur ein einziges Menschenrecht“ aus dem Herbst 1949. Ausgehend von sog. Displaced Persons, von Staatenlosen, die sich nicht auf ihre Staatsbürgerlichkeit und damit verbundene Rechte berufen können, fragt sie, welche Rechte „verlustig gingen, als sie ihre Menschenrechte verloren“. Arendt verweist darauf, dass die Menschenrechte gerade die Entrechteten, also diejenigen, die den Schutz der Menschenrechte am dringlichsten bräuchten, nicht schützen können. Daher müssten sie, ausgehend von den Entrechteten, neu gedacht werden. Arendts Überlegungen beziehen sich vor allem auf die durch nationalsozialistische Verfolgung Entrechter und Staatenloser und ihre eigene Erfahrung als solche.
Zum Weiterlesen:
*Deutschlandfunk (Thomas Meyer, 15.12.2015): https://www.deutschlandfunk.de/hannah-arendt-ueber-fluechtlinge-es-bedeutet-den-100.html
*Michael Rothberg (2021): An den Grenzen des Eurozentrismus. Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, in: Michael Rothberg: Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung. Berlin: Metropolverlag, S. 59-96.
*Thomas Meyer (2023): Hannah Arendt. Die Biographie. München: Piper Verlag.
OK
Wir müssen ein kühnes neues Programm in Gang setzen, um die Vorzüge unseres wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts für die Verbesserung und das Wachstum der unterentwickelten Gegenden zur Verfügung zu stellen.
Richtig!
Wir müssen ein kühnes neues Programm in Gang setzen, um die Vorzüge unseres wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts für die Verbesserung und das Wachstum der unterentwickelten Gegenden zur Verfügung zu stellen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Harry S. Truman (1884-1972) war ein US-amerikanischer Politiker (Demokraten) und von 1945 bis 1953 Präsident der USA.
Quelle:
Harry S. Truman (20.01.1949): 19 – Inaugural Address.
Kontext:
Trumans Rede wird oftmals als Beginn von Entwicklungspolitik herangezogen. Diese ist jedoch schon älter. Schon 1929 schufen Großbritannien den ‚Colonial Development Act‘. Ideen von menschlicher und gesellschaftlicher Entwicklung lassen sich über die Aufklärung zurückverfolgen bis in die griechische Antike. Besonders wirkmächtig wurde das Konzept politisch nach dem Zweiten Weltkrieg, im Kontext des Kalten Krieges und der Dekolonisierung. Auch die USA nutzte sowohl das Versprechen von „Entwicklung“ sowie auch die Abwertung der „Unterentwicklung“ für ihre geo- und außenpolitischen Interessen.
Zum Weiterlesen:
*Aram Ziai (2010): Zur Kritik des Entwicklungsdiskurses. In: APuZ – Aus Politik und Zeitgeschichte 10.
*Arturo Escobar (1995): Encounterin Development. The Making and Unmaking of the Third World. Princeton: Princeton University Press.
OK
Ich hörte schon im Kindergarten Weiße zu mir N**** sagen
Die Klischees nicht hinterfragen, jetzt Brüder niederschlagen
Wir fordern mehr als gleiche Rechte, wir wollen endlich Frieden haben
Neue Ziele haben und nicht das Image von Dealern haben
Im Landtag diskutiert man über einen Antrag
Und währenddessen plant der nächste Nazi seinen Anschlag
Die Schandtat wird bedauert, doch was ich mich frag:
„Warum steht schon wieder ’ne schwarze Familie am Grab?“
Richtig!
Ich hörte schon im Kindergarten Weiße zu mir N**** sagen
Die Klischees nicht hinterfragen, jetzt Brüder niederschlagen
Wir fordern mehr als gleiche Rechte, wir wollen endlich Frieden haben
Neue Ziele haben und nicht das Image von Dealern haben
Im Landtag diskutiert man über einen Antrag
Und währenddessen plant der nächste Nazi seinen Anschlag
Die Schandtat wird bedauert, doch was ich mich frag:
„Warum steht schon wieder ’ne schwarze Familie am Grab?“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Brothers Keepers ist ein Zusammenschluss von überwiegend Schwarzen Musikern, die sich aufgrund des steigenden Rassismus in Deutschland zusammengeschlossen haben, um auf die schwierige, teils lebensbedrohliche Situation von Menschen mit Migrationsgeschichte, Schwarzen und People of Color aufmerksam zu machen. Der Text stammt aus dem Lied „Adriano (Letzte Warnung)“, der Teil des Zitats wird von Samy Deluxe und D-Flame gerappt.
Quelle:
Brothers Keepers (2001): Adriano (Letzte Warnung).
Kontext:
In dem Zusammenschluss hauptsächlich Schwarzer Musiker:innen aus Deutschland, Brothers Keepers, besingt die Band in ihrem Song ‚Adriano‘ den Mord an Alberto Adriano vom 5. Juni 2000. Adriano Alberto, Vater von drei Kindern, wurde von drei Nazis auf brutale Weise zusammengeschlagen und erlag wenige Tage später seinen Verletzungen. Brothers Keepers wollten mit diesem Lied auch auf den zunehmenden Rassismus aufmerksam machen, der vor allem nach dem Fall der Mauer einen deutlichen Anstieg verzeichnen ließ. Kritik ging auch in Richtung Politik, dem mangelnden Interesse an Rassismus und an den von Rassismus betroffenen Menschen. Dieses Lied wird auch als eine Widerstandsform und Ansage von selbstorganisierten Schwarzen Musikern, die den Rassismus in Deutschland nicht mehr länger hinnehmen wollen, verstanden.
Zum Weiterlesen:
*Advanced Chemistry (1992): Fremd im eigenen Land.
*Samy Deluxe (2001): Weck mich auf.
*SXTN (2016): Ich bin schwarz.
*Ah Nice (2016): Ich bin Schwarz.
OK
Und natürlich war der Ansatz zu sagen, jetzt machen wir mal Multikulti und leben so nebeneinander her. Dieser Ansatz ist gescheitert, absolut gescheitert!
Richtig!
Und natürlich war der Ansatz zu sagen, jetzt machen wir mal Multikulti und leben so nebeneinander her. Dieser Ansatz ist gescheitert, absolut gescheitert!
Jahr:
Autor*inneninfo:
Bundeskanzlerin Angela Merkel (geb. 1954) ist Politikerin der CDU und war von 2005-2021 Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Sie war die erste Frau in diesem Amt.
Quelle:
In einer Rede vom 16. Oktober 2010 vor der Jungen Union.
Kontext:
Angela Merkel machte als Bundeskanzlerin Integrationspolitik zur Chefinnensache. Die sogenannten ‚Deutschen mit Migrationshintergrund‘ kamen aufgrund von Berichten über Armut, soziale Ungleichheit an Schulen und auf dem Arbeitsmarkt etc. in den Fokus der Medien. Schnell wurde im rechts-konservativen Lager von selbstverschuldeter Armut gesprochen und vom Scheitern des „Multikulti“-Ansatzes. Angela Merkel setzte zunächst auf staatliche Integrationspolitik. Sie organisierte seit 2006 jährlich die Deutsche Islamkonferenz und den Integrationsgipfel. Im gleichen Jahr des Zitats veröffentlichte der ehemalige SPD-Politiker Thilo Sarrazin sein Buch „Deutschland schafft sich ab“. CSU-Vorsitzender Horst Seehofer bezog sich positiv auf Sarrazins Idee der Leitkultur. Angela Merkel stellte sich mit diesem Zitat hinter Seehofer und ein autoritäres Integrationsprojekt.
Zum Weiterlesen:
*Spiegel (2010): Integration: Merkel erklärt Multikulti für gescheitert.
OK
Gib einem Mann einen Fisch und er kann einen Tag davon essen. Gib ihm eine Angel, und er kann sich selbst ernähren! Eine Alternative wäre, seine Gewässer nicht zu vergiften, seine Großeltern nicht in die Sklaverei zu verschleppen und dann 400 Jahre später in deinem Freiwilligen Sozialen Jahr im Ausland wieder aufzutauchen, um Unsinn von irgendwelchen Fischen zu reden.
Richtig!
Gib einem Mann einen Fisch und er kann einen Tag davon essen. Gib ihm eine Angel, und er kann sich selbst ernähren! Eine Alternative wäre, seine Gewässer nicht zu vergiften, seine Großeltern nicht in die Sklaverei zu verschleppen und dann 400 Jahre später in deinem Freiwilligen Sozialen Jahr im Ausland wieder aufzutauchen, um Unsinn von irgendwelchen Fischen zu reden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Frankie Boyle (geb. 1972) ist ein schottischer Komödiant und Schriftsteller.
Quelle:
Frankie Boyle (2015): Britain’s criminally stupid attitudes to race and immigration are beyond parody.
Kontext:
Das Zitat entstand im Kontext der Diskussion um Migrationsabwehr in Großbritannien. Boyle weist darauf hin, dass Armut und daraus entstehende Migration mit der kolonialen Vergangenheit und Ausbeutung des britischen Empire in Verbindung gebracht werden muss. Auch die britische Entwicklungshilfe parodiert er folgend: „Danke für das Gold, Jungs, danke für die Diamanten. Wir haben ’ne Spendensammlung gemacht und euch Angelruten besorgt.“
Zum Weiterlesen:
Timo Kiesel / Carolin Philipp (2011): white charity. Schwarzsein und Weißsein auf Spendenplakaten.
OK
Nichts, was der Große Geist in das Land der Ind***** brachte, gefiel dem weißen Mann, und nichts entging seiner verwandelnden Hand. Wo die Wälder nicht abgeholzt sind, wo das Tier in seinen stillen Schutz zurückgezogen ist, wo die Erde nicht des vierfüßigen Lebens beraubt ist – das ist für ihn eine „ununterbrochene Wildnis“.
Richtig!
Nichts, was der Große Geist in das Land der Ind***** brachte, gefiel dem weißen Mann, und nichts entging seiner verwandelnden Hand. Wo die Wälder nicht abgeholzt sind, wo das Tier in seinen stillen Schutz zurückgezogen ist, wo die Erde nicht des vierfüßigen Lebens beraubt ist – das ist für ihn eine „ununterbrochene Wildnis“.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Chief Luther Standing Bear (1868-1939) war Chief der Oglala Lakota (oder Oglala Sioux), Autor und Philosoph. Er trug dazu bei, dass indigene Kultur als holistisch und respektvoll der Natur gegenüber aufgefasst wurde.
Quelle:
First People: Chief Luther Standing Bear
Kontext:
Nicht nur in Amerika, aus dem dieses Zitat stammt, konstruierten Europäer:innen unbekannte Natur, Menschen und Lebensweisen als wild. Dieses Zitat legt nahe, dass dies bei den Lakota Sioux, zu denen Standing Bear gehörte, keineswegs der Fall war. Standing fährt fort:
„Er (der Lakota Sioux) wusste, dass das Herz eines Menschen abseits der Natur hart wird; Er wusste, dass mangelnder Respekt vor wachsenden, lebenden Wesen bald auch zu mangelndem Respekt gegenüber Menschen führte. So hielt er seine Kinder dem mildernden Einfluss der Natur nahe“ (ebd.). Paula Gunn Allen (1979, zitiert in Booth 2003) formulierte es so: „Das Land [die Natur] ist ein Teil von uns selbst.“
Zum Weiterlesen:
*Annie L. Booth (2003): We are the Land: Native American Views of Nature. In: Selin H. (eds) Nature Across Cultures. Science Across Cultures: The History of Non-Western Science, vol 4. Springer, Dordrecht.
OK
Wenn du gekommen bist, um mir zu helfen, verschwendest du deine Zeit. Aber wenn du gekommen bist, weil deine Befreiung mit meiner zusammenhängt, dann lass uns zusammen arbeiten!
Richtig!
Wenn du gekommen bist, um mir zu helfen, verschwendest du deine Zeit. Aber wenn du gekommen bist, weil deine Befreiung mit meiner zusammenhängt, dann lass uns zusammen arbeiten!
Jahr:
Autor*inneninfo:
Aborigine Aktivist:innengruppe aus Queensland, Australien.
Quelle:
Damien Riggs (2004): Benevolence and the management of stake: On being ‚good white people‘. Philament: An Online Journal of the Arts and Culture (Issue 4: August). Die Jahreszahl (1970) ist eine ungefähre Angabe.
Kontext:
Der Gedanke von Hilfe ist nicht nur in der sogenannten Entwicklungshilfe stark vertreten: Anderen müsse geholfen werden, weil sie es selbst angeblich nicht können. In Australien werden die Aborigines oft als hilfsbedürftig dargestellt. Aborigines sind in sozialen Bewegungen (z.B. in der Umweltschutzbewegung oder bei Protesten gegen Uranminen) stark vertreten. Allerdings gibt es innerhalb vieler Bewegungen aus Nicht-Aborigines und Aborigines oft starke Spannungen und Bevormundung. Der Aborigine-Aktivist Gary Foley schrieb, er habe das Gefühl, für jede Generation von Nicht-Aborigines das Rad neu erfinden zu müssen (Foley 1999), also den weißen Australier:innen immer wieder beibringen zu müssen, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.
Zum Weiterlesen:
*Gary Foley (1999): Whiteness and Blackness in the Koori struggle for self-determination.
*Clare Land (2015): Decolonizing Solidarity. Dilemmas and Directions for Supporters of Indiginous Struggles. London: Zed Books.
OK
„Gezi Geschehnisse waren genau wie der leitende Protagonist von CHP ein Projekt. Dieses Projekt ist der Verrat, die Türkei zu fesseln, den gesegneten Marsch unserer Nation zu behindern. Die Historiker werden es schreiben, wie wir durch unsere Einheit, unsere Brüderlichkeit dieses für unsere Nation geplante Leichentuch zerrissen haben. Eine Person, die die Gezi Geschehnisse lobte, die Vandalen von Gezi verherrlichte, die uns dadurch mit Irrsinn beschuldigte und die wieder als Investor der Gezi-Terroristen agierte, ist nun im Gefängnis. Hinter ihm steht der berühmte ungarische Jude Soros.
Dieser Mann besitzt so viel Geld und beauftragt einfach andere, um Nationen zu spalten. Sein Handlanger in der Türkei ist vom Vater genau so reich und unterstützt einfach den Terror – egal welche Art – mit all seinen Möglichkeiten, der diese Nation aufspalten will. Der ist nun im Gefängnis. Warum sollte unsere Justiz einen Unschuldigen reinnehmen?“
Richtig!
„Gezi Geschehnisse waren genau wie der leitende Protagonist von CHP ein Projekt. Dieses Projekt ist der Verrat, die Türkei zu fesseln, den gesegneten Marsch unserer Nation zu behindern. Die Historiker werden es schreiben, wie wir durch unsere Einheit, unsere Brüderlichkeit dieses für unsere Nation geplante Leichentuch zerrissen haben. Eine Person, die die Gezi Geschehnisse lobte, die Vandalen von Gezi verherrlichte, die uns dadurch mit Irrsinn beschuldigte und die wieder als Investor der Gezi-Terroristen agierte, ist nun im Gefängnis. Hinter ihm steht der berühmte ungarische Jude Soros.
Dieser Mann besitzt so viel Geld und beauftragt einfach andere, um Nationen zu spalten. Sein Handlanger in der Türkei ist vom Vater genau so reich und unterstützt einfach den Terror – egal welche Art – mit all seinen Möglichkeiten, der diese Nation aufspalten will. Der ist nun im Gefängnis. Warum sollte unsere Justiz einen Unschuldigen reinnehmen?“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Recep Tayyip Erdogan ist ein türkischer Politiker. Von 1994 – 1998 war Bürgermeister der Stadt Istanbul. Von 2003 – 2014 wurde er in das Amt des Ministerpräsidenten gewählt. Seit 2014 ist er Präsident der türkischen Republik.
Quelle:
https://www.salom.com.tr/haber-108792-cumhurbaskani_erdogan_kavalanin_arkasinda_macar_yahudisi_soros_var.html
Kontext:
2013 soll Osman Kavala im Zusammenhang mit den Gezi-Protesten den Umsturz der Regierung Erdogan versucht haben. Es ist das Ende eines umstrittenen Prozesses, den viele westliche Staaten als politisch motiviert erachten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2019 die Freilassung von Osman Kavala angeordnet. 2022 wurde Kavala zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch die antisemitische Verschwörungserzählung des „Great reset“ (beliebt bei den Neuen Rechten und Trump Anhängern) benutzt das Narrativ „Soros“ würde mit seinen Sitftungen „Regierungen stürzen“.
Zum Weiterlesen:
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/kavala-tuerkei-101.html
OK
Sie sind Mörder des Herrn, Totschläger der Propheten, haßerfüllte Rebellen gegen Gott; sie treten das Gesetz mit Füßen, leisten der Gnade Widerstand und verschmähen den Gauben ihrer Väter. Sie sind Statisten des Teufels, eine Rasse von Schlangen, Verräter, in ihrem Gehirn verdunkelt, verflucht, verabscheuungswürdig, Feinde von allem was schön ist.
Richtig!
Sie sind Mörder des Herrn, Totschläger der Propheten, haßerfüllte Rebellen gegen Gott; sie treten das Gesetz mit Füßen, leisten der Gnade Widerstand und verschmähen den Gauben ihrer Väter. Sie sind Statisten des Teufels, eine Rasse von Schlangen, Verräter, in ihrem Gehirn verdunkelt, verflucht, verabscheuungswürdig, Feinde von allem was schön ist.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Palästina: Gregor von Nyssa
Von Nyssa (um 335/340 – nach 394) kam im 4. Jahrhundert in Caesarea auf die Welt. Er wurde 372 zum Bischof von Nyssa geweiht und genoss in der orthodoxen Kirche das Ansehen eines Heiligen und Kirchenlehrers. Seine Gotteslehre erlangte vor allem durch die Zusammenführung des christlichen und des platonischen Denkens Bekanntheit. Sein Hauptwerk, das „Große katechetische Gebet“ stellt die christlichen Lehre als „wahre Lehre“ gegenüber Juden und „Heiden“ dar.
Quelle:
Gregor von Nyssa, Patrologie grecque de Migne, 46,685; zit. n. Leon Poliakov (1979): Geschichte des Antisemitismus, Bd. 1 Von der Antike bis zu den Kreuzzügen. Worms: Verlag Georg Heintz, S. 21.
Kontext:
Der Antijudaismus prägte die Haltung der Christen gegenüber den Juden von Anfang des Christentums auf allen Ebenen: von der Volksreligiosität bis zur Theologie. Legitimiert wurde er durch den Vorwurf des Christusmords, gelegentlich auch des „Gottesmords“ und durch die Behauptung, die Juden hätten, von Gott verflucht, die Zugehörigkeit zum Bund, die Auserwählung und die Qualität als Eigentumsvolk Gottes verloren; das Judentum sei in allen positiven Hinsichten von der christlichen Kirche beerbt worden.
Zum Weiterlesen:
OK
„Alle Menschen sind gleich im Sinne der grundlegenden Menschenwürde sowie der Grundrechte und Grundpflichten, ohne jede Diskriminierung […]. Wahrer Glaube ist die Garantie für den Genuss solcher Würde auf dem Weg zur Vervollkommnung des Menschen.“
Richtig!
„Alle Menschen sind gleich im Sinne der grundlegenden Menschenwürde sowie der Grundrechte und Grundpflichten, ohne jede Diskriminierung […]. Wahrer Glaube ist die Garantie für den Genuss solcher Würde auf dem Weg zur Vervollkommnung des Menschen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Organisation für Islamische Zusammenarbeit
Quelle:
Zitat: Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam, 1. Artikel.
Bild: Decorative logo from p. 2 of Cairo Declaration on Human Rights in Islam. Quelle: Official Document System of the United Nations (ODS) https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/05/Cairo_Declaration_on_Human_Rights_in_Islam_Page_2_seal.jpg
Kontext:
Das Zitat stammt aus der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam. Sie wurde 1990 von der Konferenz der Organisation Islamischer Staaten angenommen. Sie resultierte aus der Kritik, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sei „eine säkulare Interpretation der judäo-christlichen Tradition“ und deshalb von Muslimen:Muslimas nicht ohne Bruch ihres eigenen Rechts zu befolgen, so etwa 1981 der iranische Vertreter bei den vereinten Nationen, Said Rajaie-Khorassani. Deshalb ist die Kairoer Erklärung explizit auf die islamische Scharia gegründet. Das verursacht eine Spannung, die sich auch im Zitat ausdrückt. Einerseits wird die Menschenwürde „ohne jede Diskriminierung“ – ausdrücklich auch solcher aufgrund von „religiösem Glauben“ – garantiert, andererseits ist der „wahre Glaube“ die „Garantie für den Genuss solcher Würde“.
Zum Weiterlesen:
*Anna Würth, unter Mitarbeit von Sonja Tillmann (2005): Menschenrechte, Dialog und Islam: Überlegungen zu Strategien des Menschenrechtsschutzes. In: Zeitschrift Menschenrecht Heft 1/2, https://www.buergerundstaat.de/1_2_05/dialog.htm
*Heiner Bielefeldt (11. April 2022): Menschenrechte unter Vorbehalt? In: Welt-Sichten: Magazin für globale Entwicklung und ökumenische Zusammenarbeit, https://www.welt-sichten.org/artikel/40111/menschenrechte-unter-vorbehalt
OK
Die bürgerlichen Reformer, die ihre sozialen Reformen zur Bannung der Revolution durchführen wollten, jedoch ja nicht auf Kosten des heiligen Profits, der Herrschaftsstellung der Bourgeoisie, mussten eine andere wirtschaftliche Basis für die Reformen suchen. Sie fanden sie außerhalb ihres Heimatlandes, in der Ausbeutung der kolonialen und halbkolonialen Völker, deren skrupellose, unmenschliche Ausplünderung und Knechtschaft übernormale Profite einbrachte, aus denen die Kapitalisten die Brosamen von gewerkschaftlichen Zugeständnissen und sozialen Reformen zahlten.
Richtig!
Die bürgerlichen Reformer, die ihre sozialen Reformen zur Bannung der Revolution durchführen wollten, jedoch ja nicht auf Kosten des heiligen Profits, der Herrschaftsstellung der Bourgeoisie, mussten eine andere wirtschaftliche Basis für die Reformen suchen. Sie fanden sie außerhalb ihres Heimatlandes, in der Ausbeutung der kolonialen und halbkolonialen Völker, deren skrupellose, unmenschliche Ausplünderung und Knechtschaft übernormale Profite einbrachte, aus denen die Kapitalisten die Brosamen von gewerkschaftlichen Zugeständnissen und sozialen Reformen zahlten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Clara Zetkin (1857-1933) war eine deutsche Marxistin, Frauenrechtlerin und Parlamentarierin für die KPD bis 1933. Sie war eine begabte Rednerin und Erzfeindin von Paul von Hindenburg, dem damaligem Reichspräsidenten, den sie als Diener des Kapitals bezeichnete. Sie starb im Moskauer Exil.
Quelle:
Clara Zetkin (1924): Die Intellektuellenfrage. In: Protokoll. Fünfter Kongress der Kommunistischen Internationale, Bd. II, S. 946-982.
Kontext:
Durch die Arbeiter:innenbewegung wurde besonders im 19. Jahrhundert Druck auf die deutsche Reichsregierung aufgebaut. Reichskanzler Bismarck führte Reformen und Verbesserungen für die Arbeiter:innen ein, um diese zu bändigen. Für Zetkin als Marxistin gab einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und Emanzipation der Arbeiter:innen im Globalen Norden und der Ausbeutung von Arbeiter:innen im Globalen Süden. Nicht nur marxistische Historiker:innen wie Silvia Federici und Walter Rodney sind der Meinung, die industrielle Revolution in Europa wäre nicht möglich gewesen ohne Versklavung und das Plantagensystem im Globalen Süden, dessen verklavte Arbeitskräfte und der Exportorientierung (Federici 2014: 129). Rodney spricht davon, dass europäische Arbeiter:innen mit „Gewinnen aus Kolonialzeiten“ (Rodney 1972) bestochen wurden.
Zum Weiterlesen:
*Walter Rodney (1972): How Europe Underdeveloped Africa. London: Bogle-L’Ouverture Publications.
*Maria Mies (1986): Patriachy and Accumulation on a World Scale. Women in the International Division of Labour. London & New York: Zed Books.
*Silvia Federici (2014): Caliban and the Witch: Women, the Body and Primitive Accumulation. New York: Automedia (auch in deutscher Übersetzung)
*Anne McClintock (1995): Imperial Leather. Race, Gender and Sexuality in the Colonial Contest. New York: Routledge.
OK
1500
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