Paul Schneevogel (1460 – ca. 1517, auch bekannt als Paulus Niavis) war Philologe und Gymnasiallehrer. Er studierte in Ingolstadt und Leipzig. Zuletzt arbeitete er als Stadtschreiber in Bautzen.
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OK
Aber mit dieser Güte nicht zufrieden, dringt der Mensch in die Eingeweide seiner Mutter ein, durchwühlt ihren Leib, verletzt und beschädigt alle inneren Teile. So zerfleischt er schließlich den ganzen Körper und lähmt dessen Kräfte völlig.
Richtig!
Aber mit dieser Güte nicht zufrieden, dringt der Mensch in die Eingeweide seiner Mutter ein, durchwühlt ihren Leib, verletzt und beschädigt alle inneren Teile. So zerfleischt er schließlich den ganzen Körper und lähmt dessen Kräfte völlig.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Ulrich Grober (2010): Wem gehört die Erde.
Kontext:
Die Erzählung „Iudicium Iovis – Das Gericht Jupiters, gehalten im Tal der Schönheit…“ stellt sich als ein frühes und radikales grünes Manifest dar. Es geht darin u.a. um eine Gerichtsverhandlung der antiken Götter gegen den Bergmann wegen Vergewaltigung und Schändung der Mutter Erde. Das Zitat entstammt der Rede des Anwalts der Mutter Erde. Hier kritisiert Schneevogel, dass die Menschen nicht anerkennen, dass sie durch die Zerstörung der Natur ihre eigenen Lebensgrundlagen vernichten. Der Kontext war die Ausbeutung von Silbervorkommen im Erzgebirge im 15. Jahrhundert, welche große Schäden in der Natur hinterließ. Das Bild zeigt Arbeiter des Silberbergbaus im Freiburger Münster.
Die Inka in Peru ließen das Silber im Berg. Es gibt eine Überlieferung, die besagt, dass der Berg selbst ihnen die Ausbeutung verbot. Anfang des 16. Jhd. errichteten die spanischen Kolonisator:innen jedoch Silberminen und zwangen Arbeiter:innen mit dem System der ‚Mita‘ zur Arbeit unter Tage (Lateinamerika-Institut FU-Berlin, 2011). Auch heute noch wehren sich soziale Bewegungen weltweit gegen die Ausbeutung von Bodenschätzen, z.B. in Kolumbien gegen den Goldbergbau (Democracy Now, 18.05.2018).
Zum Weiterlesen:
*Lateinamerika-Institut FU Berlin (2011): Die Silberminen in Potosi (Peggy Goede).
*Democracy Now (2018): Afro-Colombian Activist Francia Márquez, 2018 Goldman Prize Winner, on Stopping Illegal Gold Mining.
OK
Wenn du gekommen bist, um mir zu helfen, verschwendest du deine Zeit. Aber wenn du gekommen bist, weil deine Befreiung mit meiner zusammenhängt, dann lass uns zusammen arbeiten!
Richtig!
Wenn du gekommen bist, um mir zu helfen, verschwendest du deine Zeit. Aber wenn du gekommen bist, weil deine Befreiung mit meiner zusammenhängt, dann lass uns zusammen arbeiten!
Jahr:
Autor*inneninfo:
Aborigine Aktivist:innengruppe aus Queensland, Australien.
Quelle:
Damien Riggs (2004): Benevolence and the management of stake: On being ‚good white people‘. Philament: An Online Journal of the Arts and Culture (Issue 4: August). Die Jahreszahl (1970) ist eine ungefähre Angabe.
Kontext:
Der Gedanke von Hilfe ist nicht nur in der sogenannten Entwicklungshilfe stark vertreten: Anderen müsse geholfen werden, weil sie es selbst angeblich nicht können. In Australien werden die Aborigines oft als hilfsbedürftig dargestellt. Aborigines sind in sozialen Bewegungen (z.B. in der Umweltschutzbewegung oder bei Protesten gegen Uranminen) stark vertreten. Allerdings gibt es innerhalb vieler Bewegungen aus Nicht-Aborigines und Aborigines oft starke Spannungen und Bevormundung. Der Aborigine-Aktivist Gary Foley schrieb, er habe das Gefühl, für jede Generation von Nicht-Aborigines das Rad neu erfinden zu müssen (Foley 1999), also den weißen Australier:innen immer wieder beibringen zu müssen, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.
Zum Weiterlesen:
*Gary Foley (1999): Whiteness and Blackness in the Koori struggle for self-determination.
*Clare Land (2015): Decolonizing Solidarity. Dilemmas and Directions for Supporters of Indiginous Struggles. London: Zed Books.
OK
Arme Länder – und arme Menschen – unterscheiden sich von reichen nicht nur dadurch, dass sie weniger Kapital haben, sondern dadurch, dass sie weniger Wissen haben (…) Noch größer als die Wissenslücke ist die Lücke bezüglich der Kapazität, Wissen zu schaffen.
Richtig!
Arme Länder – und arme Menschen – unterscheiden sich von reichen nicht nur dadurch, dass sie weniger Kapital haben, sondern dadurch, dass sie weniger Wissen haben (…) Noch größer als die Wissenslücke ist die Lücke bezüglich der Kapazität, Wissen zu schaffen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Weltbank ist eine in Washington D.C. (USA) angesiedelte multinationale Entwicklungsbank. Sie hatte ursprünglich den Zweck, den Wiederaufbau der vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Staaten zu finanzieren. Heute ist die Kernaufgabe, die wirtschaftliche Entwicklung von „weniger entwickelten“ Mitgliedsstaaten durch finanzielle Hilfen, Beratung und technische Hilfe zu fördern.
Quelle:
Weltbank, (1998/99): World Development Report: Knowledge for Development. New York: Oxford University Press, S. 1.
Kontext:
Die Weltbank bewertet den Entwicklungstatus von Ländern in der Logik westlicher kapitalistischer Wirtschaft. Die Annahme, dass nur eine Angleichung an diese Standards zu Fortschritt im Globalen Süden führe, macht eine Anerkennung von nicht-westlichen Werten und Weltanschauungen unmöglich. Abweichende Lebens- und Sozialformen gelten aus dieser herrschenden entwicklungspolitischen Perspektive als Defizite. Und das, obwohl sich der westliche Entwicklungsweg u.a. durch Ausbeutung und Zerstörung von Mensch und Natur nicht bewährt hat. Die Vorsitzenden der WB sind seit der Gründung 1946 bis auf zwei Ausnahmen männliche, weiße US-Amerikaner. Zahlreiche soziale Bewegungen und NGOs im Globalen Norden (attac) und Süden (Focus on the Global South) üben seit Jahrzehnten Kritik und Widerstand gegen Weltbankpolitiken.
Zum Weiterlesen:
*Franziska Müller & Aram Ziai (2015): Eurozentrismus in der Entwicklungszusammenarbeit. In: APuZ – Aus Politik und Zeitgeschichte, 7-9.
*Grace Blakeley (2020): The Great World Bank Robbery: An Interview with Walden Bello (Podcast). Tribune Magazine.
OK
Nachdem meine Schule von den Nazis geschlossen wurde, arrangierte meine Mutter, dass ich als Auszubildende in Dr. Helmys illegaler Praxis in der Krehfelder Straße arbeiten konnte, sodass ich später einmal Krankenschwester werden konnte.
Richtig!
Nachdem meine Schule von den Nazis geschlossen wurde, arrangierte meine Mutter, dass ich als Auszubildende in Dr. Helmys illegaler Praxis in der Krehfelder Straße arbeiten konnte, sodass ich später einmal Krankenschwester werden konnte.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Rumänien: Anna Bros.
Anna Boros wird 1925 in Arad in Rumänien geboren. Als sich ihre Eltern trennen, zieht sie mit ihrer Mutter zur Großmutter nach Berlin. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialist*innen 1933 ändert sich das Leben der Familie: Anna kann als Jüdin aufgrund der nationalsozialistischen Gesetzgebung keine Schule mehr besuchen und keine Ausbildung absolvieren. Ihr Wunsch, Kinderkrankenschwester zu werden, der zunächst noch in einem jüdischen Kinderheim möglich scheint, wird durch die Schließung aller jüdischen Einrichtungen vereitelt. Durch die Enteignung des Familienbetriebes kann Anna auch dort keine Ausbildung aufnehmen. Mit dem Beginn der Deportation von Juden*Jüdinnen nimmt die Verfolgung der Familie weiter zu: Anna, ihr Onkel und ihre Großmutter gehen 1942 in den Untergrund. Ihr Arzt, der in Berlin lebende Ägypter Dr. Mohamed Helmy, verhilft der Familie in den Untergrund und versorgt sie auch mit Lebensmitteln. Durch seine Unterstützung überlebt sie die Shoa und bleibt mit Helmy bis zu ihrem Tod in tiefer Freundschaft verbunden.
Quelle:
Kontext:
Ungefähr 1700 Juden überlebten in Berlin in Verstecken oder unter Annahme einer falschen Identität. Speziell die Rettung von Kindern stand im Mittelpunkt vieler Bemühungen. In Belgien beispielsweise organisierten jüdische Verteidigungskomitees die Rettung von Kindern vor der Deportation.
Durch Hollywoodfilme wie Schindlers Liste (Steven Spielberg) oder Inglourious Basterds (Quentin Tarantino) wurden Rettungsaktionen und jüdische Nazi-Jäger einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Mohammed Helmys Geschichte hingegen wird erst seit 2017 durch zwei Publikationen von Ronen Steinke und Igal Avidan umfangreich aufgearbeitet.
Zum Weiterlesen:
Igal Avidan (2017): Mod Helmy. Wie ein arabischer Arzt in Berlin Juden vor der Gestapo rettete. München: dtv.
OK
Diese Migranten sind wie Kakerlaken. Sie sehen vielleicht ein wenig aus wie Bob Geldofs Ethiopien seit 1984, aber sie sind in der Lage einen nuklearen Schlag zu überleben.
Richtig!
Diese Migranten sind wie Kakerlaken. Sie sehen vielleicht ein wenig aus wie Bob Geldofs Ethiopien seit 1984, aber sie sind in der Lage einen nuklearen Schlag zu überleben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Katie Hopkins (geb. 1975) ist britische Journalistin u.a. bei The Sun und Daily Mail.
Quelle:
Aus der Tageszeitung The Sun, zitiert in The Guardian, 19. April 2015.
Kontext:
Katie Hopkins wurde wegen dieses und weiterer diskriminierender, rassistischer und menschenverachtender Zitate mehrfach angeklagt, erhielt für mehrere Äußerungen hohe Geldbußen. Solche Zitate sind eine typische Strategie des rechtspopulistischen Lagers. Sie wollen die öffentliche Meinung beeinflussen, indem Akteur:innen wie Hopkins immer wieder Tabus der bürgerlichen Mitte und des liberal-demokratischen Common Sense brechen. Ziel ist eine Normalisierung von rechtem Gedankengut. In dem Zitat wird Migration als allerhöchste Gefahr und als Unsicherheitsfaktor inszeniert.
Zum Weiterlesen:
*Zoe Williams (2015): Katie Hopkins calling migrants vermin recalls the darkest events of history.
OK
Drei Töchter, zwei Söhne. Bei wem hast du sie gelassen und bist gegangen. So ein schönes Heim hast Du in Feuer gesetzt und bist gegangen. Du hättest dort geheiratet. Ganze sieben Jahre sind vergangen und Du bist nicht nach Hause gekommen. Du schickst ein wenig Geld. Wem soll das Geld nur nützen? Deine Familie mit fünf Kindern suchen alle nur Dich.
Richtig!
Drei Töchter, zwei Söhne. Bei wem hast du sie gelassen und bist gegangen. So ein schönes Heim hast Du in Feuer gesetzt und bist gegangen. Du hättest dort geheiratet. Ganze sieben Jahre sind vergangen und Du bist nicht nach Hause gekommen. Du schickst ein wenig Geld. Wem soll das Geld nur nützen? Deine Familie mit fünf Kindern suchen alle nur Dich.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Verstext von einem Volkslieds der Schwarzmeerküste der Türkei. Der Text zählt zu den ersten populären Migrationsliedern, die die damals einsetzende Arbeitsmigration aus der Schwarzmeerregion nach Europa begleitete. 1977 bringen die Musiker Ruhi Su (1912-1985); Sümeyra Çakir (1946-1990) gemeinsam mit dem Chor „Dostlar Korosu“ (dt. Freundeschor) das Album „Kapıları“ (Fremde Länder)“ heraus. Sümeyra starb im politischen Exil in Frankfurt. Nachdem sie 1980 in Westberlin auf einem Konzert, das der (türkischsprachige) Westberliner Arbeiterchor, in dem politisch organisierte Arbeitsmigrant:innen musikalisch zusammenkamen, die kommunistische Internationale gesungen hatte, musste sie in Deutschland bleiben, um vor der staatlichen Repression nach dem Militärputsch 1980 in der Türkei Schutz zu suchen.
Quelle:
Zitiert nach Ceren Turkmen, Originalquelle Ruhi Su; Sümeyra Çakir (1977): „El Kapıları“, Imece Plaklari: Istanbul, Vinyl, LP. Musikalbum. Die Jahreszahl (1960) bezeichnet das ungefähre Entstehungsdatum.
Kontext:
Das Lied „Almanya, bittere Heimat“ wurde eine Hymne, die von diasporischen Arbeiter:innenchören auf politischen Großveranstaltungen als auch in der Alltagskultur zu einem Kultstatus empor gesungen wurde. Das Lied symbolisiert ein „nostalgisches Migrationsnarrativ“.
Dieses Narrativ, das auch in diasporischen kommunistisch-sozialistischen Arbeiterchören verbreitet war, bestand auch in einer Vermännlichung der Migrationsdynamik. Es gab zwar regionale Unterschiede, aber schon seit den 1950er Jahren gab es auch weibliche Arbeitsmigration nach Europa. Ebenfalls unterschlägt das Lied die weibliche Lohnarbeit in der Türkei (in der familiären Landwirtschaft, in der halb-ökonomisierten Agrarwirtschaft als auch in den Industrien).
Zum Weiterlesen:
*Ceren Türkmen (2017): Gastarbeitsgeschichte zwischen Migrationsregime, Staat und kommunaler Befreiung. Methoden zur Wissensproduktion, Material & Machtkritik. In glokal e.V. (Hrsg.): Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand. Berlin, S. 46.
*Ceren Türkmen (2011): Diskontinuität und Kohärenz. Gastarbeitsmigration und die Organisierung der Arbeitsteilung in Deutschland. In: Jane Angerjärv & Hella Hertzfeldt (Hrsg.): Geschlecht – Migration – Integration. Manuskripte 94. Berlin: Dietz, S. 51-65.
OK
„Wir haben in letzter Zeit ein enormes Wachstum der jüdischen Bevölkerung unserer Stadt erlebt, hauptsächlich aufgrund der täglichen Ankunft und Ansiedlung vieler neuer Familien aus verschiedenen Orten. Wenn dieser Zustrom von Besiedlung hier für einige Zeit anhält, wird Kavalla innerhalb weniger Jahre das Aussehen einer vollständig jüdischen Stadt erwerben und in ein zweites Saloniki umgewandelt werden. Diese Ansiedlung wird leider erheblich durch die drei großen jüdischen Fabriken erleichtert, die in unserer Stadt existieren und Allatini, Vix und Eskenazy gehören. Nach und nach soll hier die derzeitigen griechische Arbeiterschaft durch eine jüdische ersetzt werden. Wenn Eure Exzellenz zustimmt, dass wir in Zusammenarbeit mit der [örtlichen griechisch-orthodoxen] Gemeinschaft verschiedene ernsthafte Maßnahmen gegen die Juden ergreifen und einen systematischen Wirtschaftskrieg gegen sie führen, können wir diesen Zustrom wahrscheinlich ein wenig steuern und ihre von Tag zu Tag wachsende Besiedlung hier eindämmen. „
Richtig!
„Wir haben in letzter Zeit ein enormes Wachstum der jüdischen Bevölkerung unserer Stadt erlebt, hauptsächlich aufgrund der täglichen Ankunft und Ansiedlung vieler neuer Familien aus verschiedenen Orten. Wenn dieser Zustrom von Besiedlung hier für einige Zeit anhält, wird Kavalla innerhalb weniger Jahre das Aussehen einer vollständig jüdischen Stadt erwerben und in ein zweites Saloniki umgewandelt werden. Diese Ansiedlung wird leider erheblich durch die drei großen jüdischen Fabriken erleichtert, die in unserer Stadt existieren und Allatini, Vix und Eskenazy gehören. Nach und nach soll hier die derzeitigen griechische Arbeiterschaft durch eine jüdische ersetzt werden. Wenn Eure Exzellenz zustimmt, dass wir in Zusammenarbeit mit der [örtlichen griechisch-orthodoxen] Gemeinschaft verschiedene ernsthafte Maßnahmen gegen die Juden ergreifen und einen systematischen Wirtschaftskrieg gegen sie führen, können wir diesen Zustrom wahrscheinlich ein wenig steuern und ihre von Tag zu Tag wachsende Besiedlung hier eindämmen. „
Jahr:
Autor*inneninfo:
Nikolaos Souidas (griechischer Vizekonsul in Kavalla) an den Außenminister Alexandros Skouzes, Kavalla, 29. September 1907, Nr. 407.
Quelle:
Historisches Archiv des griechischen Außenministeriums, Akte 1907/5
Kontext:
Das vermeintliche Übergewicht der jüdischen Gemeinde der Hafenstadt Saloniki (unter den 61.439 Einwohner waren 39% jüdischer Abstammung bei der ersten griechischen Volkszählung im Jahr 1913), wurde als negativer Faktor für die Region gesehen. Kavalla war der zweite Hafen der Region. Nach der osmanischen Volkszählung von 1905 wurde es hauptsächlich von griechischsprachigen orthodoxen Christen (11.242) und muslimischen Türken (8.562) sowie 1.862 Juden und rund 1.000 nicht registrierten slawischen Reisenden bewohnt. Der griechisch-politisch-militärische Apparat hatte bereits seit 1906 einen drastischen Wirtschaftskrieg geführt, verbunden mit einer Reihe von Terroranschlägen, gegen die kleineren bulgarischen Gemeinden in Saloniki und Kavalla. Die Stadt wurde schließlich nach dem zweiten Balkankrieg 1913 in den griechischen Staat eingegliedert.
Zum Weiterlesen:
Mark Mazower, Saloniki, Stadt der Geister. Christen, Moslems und Juden, 1430-1950. N. York: Alfred A. Knopf, 2005, S.252-254; Αθανάσιος Σουλιώτης Νικολαΐδης, Ο Μακεδονικός Αγών. Η Οργάνωσις Θεσσαλονίκης, 1906-1908. Απομνημονεύματα, Thessaloniki: Society for Macedonian Studies – Institute for Balkan Studies, 1959.
OK
Die Polizei kommt, um unsere Mieten einzutreiben. Die Schutzinstitution für Aboriginals findet, dass es wichtig ist für colored Menschen, ihre Miete zu bezahlen. Aber weiße Menschen haben nie daran gedacht, Miete zu bezahlen für das ganze Land, dass sie von unseren Vorfahren weggenommen haben.
Richtig!
Die Polizei kommt, um unsere Mieten einzutreiben. Die Schutzinstitution für Aboriginals findet, dass es wichtig ist für colored Menschen, ihre Miete zu bezahlen. Aber weiße Menschen haben nie daran gedacht, Miete zu bezahlen für das ganze Land, dass sie von unseren Vorfahren weggenommen haben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Mary Clarke, (Geburtsdatum ungekannt – 1984) war eine Koori-Aboriginal-Aktivistin. Das Zitat stammt aus einer Rede, die auf einem Treffen mit Journalist:innen aufgezeichnet wurde. Das Treffen richtete sich gegen die Vertreibung von einer Frau und ihrer Kindern aus ihrem Haus im Framlingham Settlement (Victoria, Australien).
Quelle:
Originalquelle: Zeitung Melbourse Argus (22.02.1951)
Wiedergedruckt in: Jan Chritchett (1998): Untold Stories: Memories and Lives of Victorian Kooris. Melbourne: Melbourne University Press, S. 4.
Kontext:
Australien war eine Siedlungskolonie von Großbritannien. 1770 beanspruchte James Cook Ost-Australien für die britische Krone. Auch die Idee einer Gefangenenkolonie kam von ihm, um die überfüllten britischen Gefängnisse zu entlasten. 1788 landete Captain Arthur Phillip mit 1500 Gefangenen in Sydney. Es wird geschätzt, dass zwischen 1788 und 1900 bis zu 90% der indigenen Bevölkerung Australiens durch eingeschleppte Krankheiten, Landvertreibungen und gewalttätige Konflikte getötet wurden. Es gab Massenerschießungen, Menschen wurden gruppenweise von Klippen gestürzt oder ihnen wurde mit Arsen oder anderen Stoffen vergiftetes Land angeboten (Behrendt 2012: 274). Nicht nur für George Reid, Politiker der Free Trade Party, der 1903 in einer Wahlansprache sagte: „Wir sollten ein weißes Australien haben“ (1904 wurde er Premierminister). Ein weißes Australien wurde über Jahrhunderte von der Politik als Ziel verfolgt. Auch die Proteste der Aboriginal Bevölkerung gehen weit zurück. 1938 fand ein Schweigemarsch statt, um an die 150 Jahre Landraub und Kolonisierung zu erinnern (creativespirits.info).
Zum Weiterlesen:
*Foley, Gary (1999): ATSIC: Flaws in the Machine. The Koori History Website.
*John Harris (2003): Hiding the Bodies: the myth of the humane colonisation of Australia. In: Aboriginal History Journal. Canberra: Australian Centre for Indigenous History, S. 79-104.
*Larissa Behrendt (2013): Indigenous Australia for Dummies. Canberra: International Journal of Critical Indigenous Studies, S. 53f. (Rezension)
*creativespirits.info: Aboriginal timeline: Protest.
OK
Wir verkünden und erklären hiermit feierlich im Namen und durch Autorität des Volkes dieser philippinischen Inseln, (…) dass sie frei sind (…); dass sie keinerlei Treue mehr zur Krone von Spanien haben; dass alle politischen Bindungen zwischen ihnen vollständig getrennt und annulliert werden sollten; und dass sie, wie andere freie und unabhängige Staaten, die volle Macht genießen, Krieg zu führen und Frieden zu schließen, Handelsverträge abzuschließen, Bündnisse einzugehen, den Handel zu regeln und alle anderen Handlungen und Dinge zu tun, zu denen ein unabhängiger Staat ein Recht hat.
Richtig!
Wir verkünden und erklären hiermit feierlich im Namen und durch Autorität des Volkes dieser philippinischen Inseln, (…) dass sie frei sind (…); dass sie keinerlei Treue mehr zur Krone von Spanien haben; dass alle politischen Bindungen zwischen ihnen vollständig getrennt und annulliert werden sollten; und dass sie, wie andere freie und unabhängige Staaten, die volle Macht genießen, Krieg zu führen und Frieden zu schließen, Handelsverträge abzuschließen, Bündnisse einzugehen, den Handel zu regeln und alle anderen Handlungen und Dinge zu tun, zu denen ein unabhängiger Staat ein Recht hat.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Aus der Unabhängigkeitserklärung der Philippinen.
Quelle:
Ambrosio Rianzares Bautista (1898): Declaration of Independence.
Kontext:
Die Philippinen waren ab 1571 eine spanische Kolonie, bis sie nach antikolonialen Befreiungskämpfen 1898 die Unabhängigkeit ausriefen. Nun allerdings wollten die USA sich die Inseln einverleiben. Im Philippinisch-Amerikanischen Krieg von 1899 bis 1902 verlor ein Fünftel der Bevölkerung ihr Leben. Danach wurden die Inseln eine US-amerikansche Kolonie, bis sie 1942 von japanischen Truppen besetzt wurden. Es bildete sich die linksgerichtete anti-japanische Volksbefreiungsarmee, eine Partisanenbewegung aus 30.000 Kämpfer:innen und 70.000 Reservist:innen. Sie kollaborierten mit den USA gegen die Japaner, waren aber gegen die US-amerikanische Kolonialherrschaft. Schriftsteller Ricardo Trota Jose zufolge waren 80% der Filippin@s im Widerstand oder haben ihn unterstützt: „Eine Million Filipinos kämpften in verschiedenen Guerilla-Bewegungen“ (RJB & recherche international 2008: 132). 1946 erlangten die Philippinen zwar ihre Unabhängigkeit, es wurde aber eine US-freundliche Regierung installiert. Erst 1990 unter Präsidentin Corazon Aquino wurden die Widerstandskämpfer:innen als solche anerkannt (ebd.: 100f.).
Zum Weiterlesen:
*Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international (2008): Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte. Köln.
OK
„Wenn der Staat kriminell ist, weil er die Menschen- und Freiheitsrechte […] verletzt, ist Mitmachen kriminell.“
Richtig!
„Wenn der Staat kriminell ist, weil er die Menschen- und Freiheitsrechte […] verletzt, ist Mitmachen kriminell.“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Fritz Bauer (1903-1968) war ein deutscher Jurist. Er brachte als Generalstaatsanwalt die Verbrechen im Vernichtungslager Auschwitz vor Gericht. Er steht für den unermüdlichen Kampf um die Aufarbeitung und juristische Strafverfolgung von NS-Verbrechen.
Quelle:
Zitat: Fritz Bauer (1964): „Warum Auschwitz-Prozesse?“, erschienen in: Neutralität. Kritische Schweizer Zeitschrift für Kultur und Politik, Jg. 2 (6/7), S. 9.
Bild: Von Fritz Bauer Institut / A. Mergen – https://www.fritz-bauer-institut.de/fileadmin/editorial/publikationen/einsicht/einsicht-05.pdf, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=88521845
Kontext:
Fritz Bauer nimmt hier zu der bundesdeutschen Kontroverse über Grund und Zweck der Frankfurter Auschwitz-Prozesse (1963-1965) Stellung. In dieser Kontroverse wurde unter anderem argumentiert, die Taten seien inzwischen verjährt. Fritz Bauer hält hingegen die juristische Verfolgung der NS-Verbrechen weiterhin für notwendig, um die historische Wahrheit über die Taten, Mittäter:innen und Mitwisser:innen ans Licht zu bringen. Er argumentierte, die Lehren, die daraus gezogen werden müssten, seien weiterhin aktuell. Dazu gehört für ihn die gesellschaftliche Anerkennung und rechtliche Absicherung des Widerstandsrechtes gegen gesetzliches Unrecht. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von einer „Tugend des Ungehorsams“ gegenüber Gesetzen und Befehlen, die die Würde des Menschen verletzen.
Zum Weiterlesen:
*Fritz Bauer (2018): Kleine Schriften. Band 1 und 2. Frankfurt am Main: Campus Verlag.
*Fritz Bauer (2021): Das Hörbuch, https://www.bmj.de/DE/ministerium/geschichte/fritz_bauer/fritz_bauer_node.html
OK
Dieser europäische Überfluß ist buchstäblich skandalös, denn er ist auf dem Rücken der Sklaven errichtet worden, er hat sich vom Blut der Sklaven ernährt, er stammt in direkter Linie vom Boden und aus der Erde dieser unterentwickelten Welt.
Richtig!
Dieser europäische Überfluß ist buchstäblich skandalös, denn er ist auf dem Rücken der Sklaven errichtet worden, er hat sich vom Blut der Sklaven ernährt, er stammt in direkter Linie vom Boden und aus der Erde dieser unterentwickelten Welt.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Frantz Fanon (1925-1961) war ein in der französischen Kolonie Martinique aufgewachsener Psychiater, Politiker, Schriftsteller und Vordenker antikolonialer Bewegungen. Nachdem er als Soldat in der französischen Armee gegen das faschistische Deutschland gekämpft hatte, schloss er sich in den 1950er Jahren dem algerischen Befreiungskampf gegen die französische Kolonialmacht an.
Quelle:
Frantz Fanon (1961/2015: 79)
Kontext:
Fanon beschreibt „Entwicklung“ und „Unterentwicklung“ als eine unmittelbare Folge des Kolonialismus nach der Befreiung der Kolonien. Er vertritt die Ansicht, dass Entwicklungshilfe keine „Hilfe“, sondern eine Entschädigungsleistung für die Grausamkeiten und Ausbeutung des Kolonialismus darstelle.
Zum Weiterlesen:
*Frantz Fanon (1961/2015): Die Verdammten dieser Erde, 15. Auflage. Franfurt a.M.: Suhrkamp.
OK
Die rassistischen Ideen der Weißen sind in der kapitalistischen Gesellschaft so tief verwurzelt, dass das Nicht-Fortschreiten der afrikanischen Landwirtschaft der angeborenen Minderwertigkeit des Afrikaners zugeschrieben wurde. Es wäre sehr viel zutreffender, zu sagen, dass es auf das Eindringen der Weißen zurückzuführen war, obgleich die Erklärung nicht den persönlichen bösen Willen der Kolonialherren oder ihrer rassischen Herkunft, sondern vielmehr an der organisierten Bosheit des kapitalistisch-kolonialistischen Systems liegt.
Richtig!
Die rassistischen Ideen der Weißen sind in der kapitalistischen Gesellschaft so tief verwurzelt, dass das Nicht-Fortschreiten der afrikanischen Landwirtschaft der angeborenen Minderwertigkeit des Afrikaners zugeschrieben wurde. Es wäre sehr viel zutreffender, zu sagen, dass es auf das Eindringen der Weißen zurückzuführen war, obgleich die Erklärung nicht den persönlichen bösen Willen der Kolonialherren oder ihrer rassischen Herkunft, sondern vielmehr an der organisierten Bosheit des kapitalistisch-kolonialistischen Systems liegt.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Walter Rodney (1942-1980) war ein marxistischer Historiker und Politiker aus Guyana. In einer Arbeiterfamilie geboren, hat er in Guyana und auf Jamaika studiert und u.a. in Hamburg und in Tansania gelehrt. 1980 wurde er während des Wahlkampfes für die Working People’s Alliance bei einem Bombenanschlag umgebracht. Eine Untersuchungskommission befand 2015, dass der Anschlag von staatlichen guayanischen Stellen ausging.
Quelle:
Walter Rodney (1975): 190.
Kontext:
Rodney analysiert in seinem Buch die gesellschaftliche und ökonomische Geschichte Afrikas vom 14. Jahrhundert bis zum Ende der Kolonialzeit. Im 15. Jahrhundert liegen Europa und Afrika demnach noch gleich auf. Er argumentiert, dass von da an durch Versklavung, imperialistische Dominanz, Kolonisierung und allgemeine Ausbeutung Afrika vom Westen abhängig gemacht wurde. Verarmung und Misere seit dem Ende der Kolonialzeit seien damit zu erklären.
Zum Weiterlesen:
Walter Rodney (1975): Afrika. Die Geschichte einer Unterentwicklung. Berlin: Klaus Wagenbach.
OK
Integration bedeutet zwangsläufig ein gutes Stück Assimilation an die deutsche Leitkultur und deren Kernwerte.
Richtig!
Integration bedeutet zwangsläufig ein gutes Stück Assimilation an die deutsche Leitkultur und deren Kernwerte.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Theo Sommer (geb. 1930) ist ein deutscher Journalist, u.a. war er Chefredakteur und Herausgeber der Wochenzeitung Die ZEIT.
Quelle:
Die ZEIT, 09.05.2017.
Kontext:
Der Begriff „Leitkultur“ wurde erstmals 1998 von Bassam Tibi, Professor für Internationale Beziehungen, benutzt. 2000 griff Theo Sommer, Herausgeber der Zeitung „Die ZEIT“, diesen Begriff auf und forderte von Menschen mit Migrationsgeschichte, People of Color, Schwarzen und Jüd:innen, sich zu assimilieren (anzupassen) und einer deutschen Leitkultur zu folgen, die an sich nicht klar definiert ist. Der Begriff wurde immer wieder herangezogen, um Stimmung vor Wahlkämpfen zu machen, wie zuletzt im Jahr 2000 von Friedrich Merz, dem heutigen CDU-Vorsitzenden. Diese Äußerungen verstärkten vor allem ein Überlegenheitsgefühl manch weißer Deutscher und stellten vor allem als muslimisch markierte Menschen als rückständig, gewaltvoll und frauenverachtend dar. Der Begriff Leitkultur stellt sich so als ein Sammelsurium rassistischer Ideologien dar, wie sie zum Beispiel auch von der AfD in ihrem Parteiprogramm aufgegriffen werden, um einen Gegenbegriff zur Ideologie des ‚Mulitkulturalismus‘ darzustellen.
Zum Weiterlesen:
*Tupoka Ogette (2017): Exit Racism. Rassismuskritisch denken lernen, Münster: Unrast.
*Noah Sow (2009): Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus. München: Goldmann.
*Kien Nghi Ha, Nicola Lauré al-Samarai & Sheila Mysorekar (2016): re/visionen. Postkoloniale Perspektiven von People of Color auf Rassismus, Kulturpolitik und Widerstand in Deutschland, Münster: Unrast.
OK
Die Linie setzt sich kontinuierlich fort – diejenigen, die den Indigenen das Land wegnahmen, unterdrücken heute uns mit ihren feudalen Strukturen. (…) Ausländische Monopole zwingen uns Kulturen auf, zwingen uns Chemikalien auf, die unsere Atemluft verschmutzen, zwingen uns Technologien und Ideologien auf. All dies durch die Oligarchie, die das Land besitzt und die Politik kontrolliert. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Oligarchie ihrerseits von denselben Monopolen kontrolliert wird, demselben Ford Motor, Monsanto, Philip Morris. Es ist die Struktur, die wir ändern müssen. Ich bin gekommen, um darüber zu berichten. (…) Ich glaube, dass Wahrheit und Gerechtigkeit letztendlich triumphieren werden. Es wird ganze Generationen dauern. Wenn ich in diesem Kampf sterben muss, soll es so sein. Aber eines Tages werden wir triumphieren. Inzwischen weiß ich, wer der Feind ist, und der Feind weiß, wer ich bin.
Richtig!
Die Linie setzt sich kontinuierlich fort – diejenigen, die den Indigenen das Land wegnahmen, unterdrücken heute uns mit ihren feudalen Strukturen. (…) Ausländische Monopole zwingen uns Kulturen auf, zwingen uns Chemikalien auf, die unsere Atemluft verschmutzen, zwingen uns Technologien und Ideologien auf. All dies durch die Oligarchie, die das Land besitzt und die Politik kontrolliert. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Oligarchie ihrerseits von denselben Monopolen kontrolliert wird, demselben Ford Motor, Monsanto, Philip Morris. Es ist die Struktur, die wir ändern müssen. Ich bin gekommen, um darüber zu berichten. (…) Ich glaube, dass Wahrheit und Gerechtigkeit letztendlich triumphieren werden. Es wird ganze Generationen dauern. Wenn ich in diesem Kampf sterben muss, soll es so sein. Aber eines Tages werden wir triumphieren. Inzwischen weiß ich, wer der Feind ist, und der Feind weiß, wer ich bin.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Sergio Tomasella, Tabakpflanzer und Generalsekretär des argentinischen Bauernverbandes, saß während der Junta (Militärdiktatur) fünf Jahre im Gefängnis und wurde gefoltert. Das Zitat stammt aus seiner Aussage vor dem argentinischen Tribunal gegen Straffreiheit nach der Diktatur.
Quelle:
Zitiert nach Naomi Klein (2010: 180).
Kontext:
Tomasella verknüpft in diesem Zitat sowohl Kolonialismus wie auch die Ungleichheit, die mit ungleichen Besitzverhältnissen einhergeht. Auch in Deutschland besitzen 10% der Bevölkerung 50% des gesamten Nettovermögens. Einkommen und Vermögen hängen überall auf der Welt mit der sozialen Herkunft der Menschen zusammen (70% der Akademiker:innenkinder, aber nur 20% der Arbeiter:innenkinder gehen zur Universität, s. Fratzscher 2017).
Zum Weiterlesen:
*Marcel Fratzscher (2017): Sozialer Sprengstoff.
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 307.
OK
Kultur ist die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von anderen unterscheidet.
Richtig!
Kultur ist die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von anderen unterscheidet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Geert Hofstede (1928-2020) war ein niederländischer Sozialpsychologe und Kulturtheoretiker und Vordenker des „interkulturellen Lernens“.
Quelle:
Geert Hofstede (1991): Cultures and Organisations: Software of the Mind. New York: Mcgraw-Hill Education Ltd.
Kontext:
Hofstede hat von 1967 bis 1972 eine interkulturelle Vergleichsstudie gemacht und daraus eine Kulturtheorie entwickelt. Diese basiert auf klar von einander abgegrenzten Kulturräumen mit jeweils festgeschriebenen Eigenschaften. Hofstedes Theorie wurde jahrzehntelang in der Wirtschaft und in internationalen Jugendbegegnungen als Grundlage für interkulturelles Lernen und interkulturelles Management genutzt. Ein Kulturraum ist für ihn gleichbedeutend mit einer Nation. Er wurde u.a. dafür kritisiert, Unterschiede innerhalb eines Landes zu ignorieren. Auch seine Culture Compass App [https://www.hofstede-insights.com/product/culture-compass/], in der Menschen eintragen können, aus welchem Land sie kommen und wo sie sich gerade aufhalten und welche kulturellen Schwierigkeiten sie dort haben könnten, basiert auf diesem Denkmuster. Diese Auffassung von Kulturerdteilen hat die Ausstellung Geografisch-Postkolonial kritisch betrachtet.
Zum Weiterlesen:
OK
Die stärkste Kolonisierungskraft hat die Konsumgesellschaft … Das ist die Kultur, die uns unterwirft, tyrannisiert, uns in unserer Zeitgestaltung beherrscht … Einige Jahrhunderte Kapitalismus haben uns Technologie, Individualismus und Fortschritt beschert, aber wir haben unseren geselligen, sozialen Zustand verloren. Wir befinden uns an einem Kreuzpfad. Der einzige Kampf, den wir anbieten können, ist kultureller Natur: mehr Betrachtung der Natur und weniger Zeitaufwand fürs Einkaufen!
Richtig!
Die stärkste Kolonisierungskraft hat die Konsumgesellschaft … Das ist die Kultur, die uns unterwirft, tyrannisiert, uns in unserer Zeitgestaltung beherrscht … Einige Jahrhunderte Kapitalismus haben uns Technologie, Individualismus und Fortschritt beschert, aber wir haben unseren geselligen, sozialen Zustand verloren. Wir befinden uns an einem Kreuzpfad. Der einzige Kampf, den wir anbieten können, ist kultureller Natur: mehr Betrachtung der Natur und weniger Zeitaufwand fürs Einkaufen!
Jahr:
Autor*inneninfo:
Pepe Mujica (1935-2025) war Mitglied der linken Tupamaro Guerilla und wurde während der Militärdiktatur in Uruguay gefoltert und 14 Jahre inhaftiert. Von 2010 bis 2015 war er Präsident Uruguays. Während seiner Amtszeit spendete er 90% seines Einkommens und galt als bescheidenster Präsident weltweit.
Quelle:
Das Zitat ist zusammengesetzt aus einem Interview auf Telesur von 2014 und einem Artikel von 2018. Die Übersetzung stammt von Füllgraf 2020.
Kontext:
Mujica kritisiert den sogenannten westlichen Lebensstil, der sich oft darin erschöpfe, wirtschaftlichen Erfolg und Konsumgüter als Lebensinhalt zu begreifen. Da unser Wirtschaftssystem auf Profitmaximierung beruht, muss das Bedürfnis nach Konsum in den Menschen unserer Gesellschaft geschaffen und gefördert werden, u.a. durch Werbung. Die Menschen streben dann nach der Befriedigung dieses Bedürfnisses, ohne dass eine Regierung oder sonst eine Autorität es ihnen vorschreiben muss. Die westliche kapitalistische Kultur beruht somit nicht nur auf demokratischen und freiheitlichen Werten, sondern auf einer individualistischen und profitorientierten Kultur, dem Diktat des Konsums, in dem Mujica eine Kolonisierung des Lebens an sich sieht. Adam Curtis (2002) drehte den Dokumentarfilm The Century of the Self, der sich mit den psychologischen Tricks von Werbung und politischer Bevölkerungskontrolle beschäftigt.
Zum Weiterlesen:
*Emir Kusturica (2018): El Pepe, una vida suprema. Trailer.
*Alvaro Brechner (2018): La noche de 12 años. Trailer.
*Adam Curtis (2002): The Century of the Self. BBC Documentary. Gesamter Film.
OK
„Meine Mutter wurden oft Schmerzen abgesprochen bzw. nicht ernstgenommen. Falsche Medikamente wurden ihr während eines Krankenhausaufenthaltes aufgrund einer Lebererkrankung verabreicht. Gegen ihren Willen und obwohl sie darauf mehrmals hingewiesen hat. Die Nebenwirkungen waren sehr drastisch, sie hat viel Gewicht verloren, konnte nichts mehr essen und hatte kaum Energie. Dennoch, ihr wurde immer unterstellt, dass sie übertreibt und die Behandlung die Richtige sei. Bis zu dem Punkt, an dem sie wirklich unter akuter Lebensgefahr stand …“
Richtig!
„Meine Mutter wurden oft Schmerzen abgesprochen bzw. nicht ernstgenommen. Falsche Medikamente wurden ihr während eines Krankenhausaufenthaltes aufgrund einer Lebererkrankung verabreicht. Gegen ihren Willen und obwohl sie darauf mehrmals hingewiesen hat. Die Nebenwirkungen waren sehr drastisch, sie hat viel Gewicht verloren, konnte nichts mehr essen und hatte kaum Energie. Dennoch, ihr wurde immer unterstellt, dass sie übertreibt und die Behandlung die Richtige sei. Bis zu dem Punkt, an dem sie wirklich unter akuter Lebensgefahr stand …“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Interviewpartner:in Iman in einem Artikel von Alisha Qamar (2020). Alisha Qamar ist Medizinstudentin in Bochum und Aktivistin im Bereich Menschenrechte, u.a. bei „The ONE Campaign“.
Quelle:
Thieme.de (Alisha Qamar), 12.08.2020: „Black Lives Matter – Rassismus im Gesundheitswesen„
Kontext:
Durch koloniale Kontinuitäten werden Schwarze Menschen bis heute in der medizinischen Versorgung unzureichend mitgedacht und oft schlechter versorgt.
Damals wurden schrecklichen Taten der Versklavung gerechtfertigt und damit begründet, dass schwarze Haut vermeintlich dicker und schmerzresistenter sei als weiße Haut. Bis heute lässt sich die Medizin von diesem Gedanken beeinflussen. Die wissenschaftliche Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ aus den USA veröffentlichte bereits 2016 legt in einem Artikel über die Ungleiche Behandlung von Schwarzen Patient*innen dar, dass ein Großteil der Ärzt*innen Schwarze Patient*innen im Gegensatz zu weißen weniger Schmerzmedikationen verschreiben (57 % zu 74 %). Die Studie von Staton et al untersuchte die unterschiedliche Wahrnehmung von Schmerz bei Patient*innen durch Ärzt*innen. In der Studie lag die Unterschätzung von verspürtem Schmerz bei Schwarzen Patient*innen und Patienten bei 47 %, den weißer bei 33,5 %. Schwarze Patientinnen und Patienten warten im Durchschnitt länger in der Notaufnahme und werden in ihrem Anliegen nicht ernstgenommen. (Thieme 12.08.2020)
Zudem sehen sich BIPOC stigmatisierenden Diagnosen ausgesetzt, Stichwörter sind hier Beispielsweise der sogenannte Mongolenfleck oder der Morbus Mediterraneus. Diese stigmatisierenden Diagnosen können mitunter tödliche oder gesundheitsschädigende Folgen haben, da zum Teil ernsthafte Krankheitsbilder zu spät erkannt und präventive Maßnahmen nur unzureichend getroffen werden können (Ärztezeitung, 21.04.2015). Diese Frage der Repräsentation ist eng mit der grundsätzlichen Frage der globalen Ungleichverteilung von medizinischer Versorgung, die sich besonders in der Coronapandemie gezeigt hat.
Zum Weiterlesen:
*The New England Journal of Medicine (LaShyra Nolen), 25.06.2020: „How Medical Education Is Missing the Bull’s-eye„
OK
Wenn der Sozialkörper des Landes von einer Krankheit befallen ist, die ihm das Gedärm zerfrisst, bildet er Antikörper. (…) Je mehr die Regierung die Guerilla kontrolliert und vernichtet, desto mehr gehen die Aktivitäten der Antikörper zurück, wie es bereits geschieht. Es ist nur eine natürliche Reaktion auf einen kranken Körper.
Richtig!
Wenn der Sozialkörper des Landes von einer Krankheit befallen ist, die ihm das Gedärm zerfrisst, bildet er Antikörper. (…) Je mehr die Regierung die Guerilla kontrolliert und vernichtet, desto mehr gehen die Aktivitäten der Antikörper zurück, wie es bereits geschieht. Es ist nur eine natürliche Reaktion auf einen kranken Körper.
Jahr:
Autor*inneninfo:
César Augusto Guzzetti (1925-1988) war Außenminister der argentinischen Junta ab 1976. Er wurde im Mai 1977 von linken Gueriller@s angeschossen und musste sein Amt einem anderen überlassen.
Quelle:
Zitiert nach Nami Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 162f.
Kontext:
Kranheitsmetaphern wurden und werden in der Politik oft benutzt, um komplizierte gesellschaftliche Vorgänge zuzuspitzen und drastische politische Maßnahmen zu rechtfertigen. Der Nazi-Arzt Fritz Klein sagte: „Der Jude ist ein entzündeter Blinddarm im Körper der Menschheit.“ Die Roten Khmer rechtfertigten Massenhinrichtungen in Kambodscha: „Was infiziert ist, muss herausgeschnitten werden“ (vgl. Klein 2010: 163). Susan Sontag (1981) schrieb, dass die Verwendung von Krankheitsmetaphern wie „Krebs“ strenge Maßnahmen rechtfertigt und „als solche schon implizit genozidal“ ist.
Zum Weiterlesen:
*Susan Sonntag (1981): Krankheit als Metapher. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch.
OK
„Die psychologischen Eigenheiten der Amerikaner weisen Züge auf, die der Psychoanalyse zugänglich wären, da sie auf eine starke sexuelle Unterdrückung hinweisen. Die Gründe für die Verdrängung sind im spezifisch amerikanischen Komplex zu suchen, nämlich im Zusammenleben mit den niederen Rassen, insbesondere den N*****. Das Zusammenleben mit den barbarischen Rassen hat eine suggestive Wirkung auf die mühsam unterworfenen Instinkte der weißen Rasse und zieht sie herunter. Daher sind stark ausgeprägte Abwehrmaßnahmen notwendig, die sich in den besonderen Aspekten der amerikanischen Kultur manifestieren. […]“
Richtig!
„Die psychologischen Eigenheiten der Amerikaner weisen Züge auf, die der Psychoanalyse zugänglich wären, da sie auf eine starke sexuelle Unterdrückung hinweisen. Die Gründe für die Verdrängung sind im spezifisch amerikanischen Komplex zu suchen, nämlich im Zusammenleben mit den niederen Rassen, insbesondere den N*****. Das Zusammenleben mit den barbarischen Rassen hat eine suggestive Wirkung auf die mühsam unterworfenen Instinkte der weißen Rasse und zieht sie herunter. Daher sind stark ausgeprägte Abwehrmaßnahmen notwendig, die sich in den besonderen Aspekten der amerikanischen Kultur manifestieren. […]“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Carl Gustav Jung (1875-1961) war ein Schweizer Psychiater. In den 1920er Jahren, machte Jung einige lange Reisen zu verschiedenen Teilen Afrikas, außerdem besuchte er Indigene Gruppen in Nordamerika. Er gilt als Begründer der analytischen Psychologie.
Quelle:
Fernando, Suman (2017). Rassedenken und Rassismus werden zur Norm. In: Institutioneller Rassismus in Psychiatrie und klinischer Psychologie. Contemporary Black History. Palgrave Macmillan, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-319-62728-1_3
Kontext:
Die Analytische Psychologie wurde in Abgrenzung zur Psychoanalyse Freuds entwickelt. Jung war von 1907 bis 1913 ein Schüler und Freund Freuds. Analytische Psychologie wird überwiegend als Einzeltherapie angeboten. Hier sitzen sich Klient*in und Therapeut*in in der Regel gegenüber. Angestrebt wird ein Dialog zwischen beiden als gleichberechtigten Partner*innen und eine tiefe menschliche Begegnung. Die Therapeut*in wird aber auch als Belehrende und „Seelenführer*in“ verstanden.
Neben Kranheitsursachen in der individuellen Lebensgeschichte und in der gesellschaftlichen und kulturellen Situation gibt es auch Lebenskonflikte, die alle Menschen bewältigen müssen: die sogenannten archetypischen Probleme. Seine Beschreibungen dieser Archetypen basieren u.a. auf rassistischen Stereotypen die durch den Kolonialismus Einklang in europäische Wissenschaften gefunden haben.
Deshalb wird die Klient*in in der Analytischen Psychotherapie mit archetypischen Lösungswegen, wie sie in Mythen oder Märchen aufgezeigt werden, in Kontakt gebracht. Hierbei kommt es Unweigerlich zur Reproduktion von rassistischen und sexistischen Stereotypen. Die „Heilung“ soll durch Individuation erreicht werden. Individuation geschieht über Bewußtmachung und Integration bislang unbewußter polarer Persönlichkeitsanteile wie z.B. dem sogenannten Schatten als negativem oder dem Animus bzw. der Anima als gegengeschlechtlichen Anteil.
Zum Weiterlesen:
Typology Triad Blog (2021): Jung and racism.
OK
„Die derzeitige epidemiologische Evidenz identifiziert mehrere Gruppen in den Vereinigten Staaten mit einem erhöhten Risiko, an AIDS zu erkranken (3-7). Die meisten Fälle wurden bei homosexuellen Männern mit mehreren sexuellen Partnern, bei intravenösen Drogenmissbrauchenden und bei Haitianern gemeldet, insbesondere bei denen, die in den letzten Jahren ins Land gekommen sind.“
Richtig!
„Die derzeitige epidemiologische Evidenz identifiziert mehrere Gruppen in den Vereinigten Staaten mit einem erhöhten Risiko, an AIDS zu erkranken (3-7). Die meisten Fälle wurden bei homosexuellen Männern mit mehreren sexuellen Partnern, bei intravenösen Drogenmissbrauchenden und bei Haitianern gemeldet, insbesondere bei denen, die in den letzten Jahren ins Land gekommen sind.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die „Centers for Disease Control and Prevention“ sind eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums. Die CDC wurden 1946 ursprünglich gegründet, um die Kontrolle der Malaria in der Nachkriegszeit zu gewährleisten. Die Behörde unterhält Außenstellen in 49 Bundesstaaten. Direktor war von 1983 bis 1989 James O. Mason.
Quelle:
Kontext:
Auch andere Epidemien hatten zur Folge, dass BIPoC oder Menschen aus dem Globalen Süden stigmatisiert wurden. Als sich Anfang der 1980er Jahre HIV/AIDS verbreitete, gaben die Centers for Desease Control and Prevention unter Direktor James O. Mason eine Erklärung heraus, die Haitianer:innen als Risikogruppe für HIV/AIDS einstufte. Die Behauptung wurde später zurückgezogen, aber die Folgen waren fatal. Die Ursprünge dieser lassen sich auf fehlerhafte wissenschaftliche Annahmen zurückführen. Auch 1992 gab es wieder eine Warnung vom CDC, dass haitianische Geflüchtete eine „nicht zu rechtfertigende Bedrohung für die Gesundheit der USA darstellen könnten (Washington Post, 07.08.1992). 2007 wurde wieder eine Studie veröffentlicht, die HIV mit Haiti verbindet und feststellt, dass „Subtyp B wahrscheinlich um 1966 von Afrika nach Haiti wanderte“ und dann weiter in die Vereinigten Staaten. Sie stützen diese Hypothese auf Virussequenzen von nur fünf (!) an AIDS erkrankten haitianischen Amerikaner:innen im Jahr 1981, die „nach 1975“ in die Vereinigten Staaten gekommen waren. Diese Stigmatisierung hatte weitreichende Auswirkungen, darunter soziale Isolation, Diskriminierung im Gesundheitswesen und im Alltag sowie negative Auswirkungen auf die gesamte haitianische Gemeinschaft in den USA.
Zum Weiterlesen:
*The Guardian (Edna Bonhomme), 22.02.2021: „From HIV to Covid, pandemics show us fear of disease is coloured by prejudice„
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