Adolph von Hansemann (1826-1903) war Kolonialhändler und Bankier. Er machte die Bank seines Vaters zur größten Privatbank des Deutschen Kaiserreiches.
Random Quotes
Falsch!
Leider falsch.
Versuch's nochmal!
Die Antwort war
OK
Das freie, in der Südsee zur Begründung von Kolonien noch offen stehende Gebiet ist (…) umfassend (…). Die Berechtigung Deutschlands beruht in den zahlreichen, über viele Inselgruppen verbreiteten deutschen Ansiedlungen und Handelsniederlassungen, in dem erheblichen Anteil seiner Handelsflagge in der Südsee, in dem hohen Ansehen, welches seine Seemacht im Stillen Ozean genießt, und in den Häfen, die sich die deutsche Seemacht gesichert hat.
Richtig!
Das freie, in der Südsee zur Begründung von Kolonien noch offen stehende Gebiet ist (…) umfassend (…). Die Berechtigung Deutschlands beruht in den zahlreichen, über viele Inselgruppen verbreiteten deutschen Ansiedlungen und Handelsniederlassungen, in dem erheblichen Anteil seiner Handelsflagge in der Südsee, in dem hohen Ansehen, welches seine Seemacht im Stillen Ozean genießt, und in den Häfen, die sich die deutsche Seemacht gesichert hat.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international (2012: 156)
Kontext:
Reichskanzler Bismarck bat den Unternehmer Hansemann, Möglichkeiten zu entwerfen, wie die deutschen Kolonialziele im Pazifik durchgesetzt werden könnten. Die Vorschläge von Hansemann, welche Gebiete kolonisiert werden sollten, wurden 1884, 1845 und 1899 von der deutschen Kolonialpolitik fast genauso umgesetzt. In der Sprache Hansemanns werden nicht von weißen Menschen besetzte und nicht durch internationale Handelsstrukturen „erschlossene“ Gebiete als „frei“ bezeichnet. Die deutsche Berechtigung, dort Kolonien zu gründen, sieht Hansemann darin, dass deutsche Kaufleute sich sowieso schon dort verbreitet haben. Erfolgreicher kapitalistischer Handel berechtigt demnach zur Kolonisierung nicht-Weißer.
Zum Weiterlesen:
*Rheinisches JournalistInnenbüro & recherche international (2012): Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg. Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte.
OK
Die größte Schwierigkeit bei unsern Knaben ist, ihre angeborene Abneigung gegen die Arbeit zu überwinden. Man muss wissen, dass es Kinder geborener Bettler sind.
Richtig!
Die größte Schwierigkeit bei unsern Knaben ist, ihre angeborene Abneigung gegen die Arbeit zu überwinden. Man muss wissen, dass es Kinder geborener Bettler sind.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Anonymer Priester, der bei den Lakota-Sioux in Nordamerika missionierte, über seine Schüler.
Quelle:
Zitat: Jasmin Lörchner (23.11.2016): Wie die Sioux katholisch wurden. In: Spiegel Online. Die Jahreszahl (1900) ist eine ungefähre Angabe.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Die Spiritualität der Lakota war grundsätzlich verschieden vom Christentum: Die Lakota glaubten beispielsweise, dass sie nur mit dem Wohlwollen der Natur überleben konnten und hielten Menschen nicht für die Krone der Schöpfung. Sitting Bull und viele andere protestierten gegen das Zurückdrängen der Sioux (zu denen die Lakota gehören) in Reservate und gegen die dortigen Lebensbedingungen. Die Zwangsassimilierung der Sioux lehnten sie ebenso ab wie das Christentum. Die Missionierung verlief brutal und war eingebunden in die koloniale Unterwerfung und Ausbeutung von Native Americans.
Zum Weiterlesen:
*Manuel Menrath (2016): Mission Sitting Bull. Die Geschichte der katholischen Sioux. Paderborn: Schöningh.
*MariJo Moore (2003): Genocide of the Mind. New Native American Writing. New York: Nation Books.
OK
Ich kann mir nicht vorstellen, mich zu unterwerfen. Lieber sterbe ich. Aber kann ich von den Menschen verlangen, dass sie sich opfern? Denn diese wilden Tiere haben schon größere Reiche vernichtet.
Richtig!
Ich kann mir nicht vorstellen, mich zu unterwerfen. Lieber sterbe ich. Aber kann ich von den Menschen verlangen, dass sie sich opfern? Denn diese wilden Tiere haben schon größere Reiche vernichtet.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Der Satz wird Sarraouina Mangou zugeschrieben, die Ende des 19. Jahrhunderts Königin im Niger gewesen und gegen die französischen Kolonialtruppen gekämpft haben soll. Die Jahreszahl ist eine ungefähre Angabe.
Quelle:
Moustapha M. Diallo (2014): Visionäre Afrikas. Wuppertal: Peter Hammer, S. 64.
Kontext:
„Sarraounia“ bedeutet in der Sprache Hausa „Königin“ oder „Chefin“. Während unterschiedlicher antikolonialer Kämpfe im Niger, wurde dieser Titel vor allem für weibliche Führerinnen verwendet. Allerdings ist davon hauptsächlich eine Führungsposition auf religiöser Ebene erhalten geblieben und auch diese ist für eine Sarraouina umkämpft. Viele Geschichtsbücher ignorieren in größten Teilen die Königinnen, Priesterinnen und Anführer:innen, was zu einem weiteren fehlenden Wissen über nicht-weiße Frauen und Kämpfe führt.
Zum Weiterlesen:
*Med Hondo (1986): Der Kampf der Schwarzen Königin. Historienfilm.
*Abdoulaye Mamani (1980): Sarraounia. Film.
*Stanley B. Alpern (2011): Amazons of Black Sparta: The Women Warriors of Dahomey. New York: New York University Press.
OK
„In unserem Ringen um dringend benötigte Impfstoffe wurde Südafrika gezwungen, unvorstellbare Summen für überteuerte Impfstoffdosen auszugeben. Wir wurden zu unfairen und undemokratischen Bedingungen in Verträge gezwungen, die völlig einseitig waren“
Richtig!
„In unserem Ringen um dringend benötigte Impfstoffe wurde Südafrika gezwungen, unvorstellbare Summen für überteuerte Impfstoffdosen auszugeben. Wir wurden zu unfairen und undemokratischen Bedingungen in Verträge gezwungen, die völlig einseitig waren“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Fatima Hassan ist südafrikanische Menschenrechtsanwältin und als Aktivistin für soziale Gerechtigkeit Gründerin der »Health Justice Initiative« in Südafrika.
Sie gewann 2022 den Calgary Peace Price unter anderem für ihre Arbeit in der Aufdeckung von Ungleichheiten in der globalen Verteilung von COVID-19 Impfstoffen.
Quelle:
Zitatquelle: hil/aerzteblatt.de (19.09.23): “ Hohe Impfstoffpreise in Südafrika: Pharmaunternehmen und Impfstoffallianz in der Kritik„
Kontext:
Die Corona-Pandemie hat die globalen Ungleichheiten im Bezug auf medizinische Versorgung nochmal deutlich gemacht. Viele Länder im Globalen Norden sicherten sich Impfdosen, die ihre Bevölkerungsanzahl weit überstiegen. Deutschland beispielsweise hatte im Februar 2023 116,4 Millionen Covid-19-Impfstoffdosen gelagert, bei 84 Millionen Einwohner:innen. Dieser Impfstoffnationalismus (die Tendenz wohlhabender Länder, Impfstoffe für sich selbst zu reservieren) führte zu Engpässen und höheren Preisen auf dem internationalen Markt. Dies erschwerte es ärmeren Ländern, Zugang zu erschwinglichen Impfstoffen zu bekommen. Im April 2020 wurde die COVAX-Initiative von mehreren surpanationalen Institutionen gegründet, um die weltweite Impfstoffverteilung zu koordinieren. Allerdings kritisierte der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte im April 2021, dass COVAX nicht das Problem der global unzureichenden Impfstoffproduktion lösen kann. Hierfür sei technische Unterstützung und insbesondere auch Zugeständnisse im Bereich geisten Eigentums (Patente) nötig. Die Afrika-Koordinatorin der People’s Vaccine Alliance Maaza Seyoum bemängelt das System und spricht von Hinweis auf „systemischer Rassismus“ für die mangelhafte Reaktion der globalen Gemeinschaft auf die COVID-19-Pandemie in ärmeren Ländern (The Guardian, 26.08.2022).
Zum Weiterlesen:
*Edna Bonhomme (27.04.2022): Diseases of Relevance. London Review of Books.
* Fatima Hassan (23.05.2022): Vaccine apartheid is racist and wrong (PLOS Blogs Speaking of Medicine and Health)
OK
Kolonialpolitik zu betreiben kann unter Umständen eine Kulturtat sein. (…) Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, wie es z. B. die europäischen Nationen und die nordamerikanische sind, zu fremden Völkern als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir (…) die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind.
Richtig!
Kolonialpolitik zu betreiben kann unter Umständen eine Kulturtat sein. (…) Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, wie es z. B. die europäischen Nationen und die nordamerikanische sind, zu fremden Völkern als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir (…) die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind.
Jahr:
Autor*inneninfo:
August Bebel (1840-1913) war ein deutscher Politiker, Begründer der organisierten Arbeiterbewegung in Deutschland und „Vater der deutschen Sozialdemokratie“.
Quelle:
Reichtstagsprotokoll vom 01.12.1906
Kontext:
Die Rede von August Bebel im Reichstag, aus der das Zitat stammt, war ein Beitrag in der Debatte zum Umgang mit dem Vernichtungskrieg gegen Herero und Nama in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika 1904-1908. Bebel bezog sich auf den damals aktuellen Diskurs der „Zivilisierungsmission“: also in der Kolonien nicht mehr mit „zerstörerischen Mitteln“, sondern mit “Erhaltungsmitteln“ zu kolonisieren. Die Denkweise basiert stark auf einem rassistisch geprägten Kulturbegriff und einer Einteilung in Kulturvölker und Naturvölker. Die selbsternannten Kulturvölker legitimierten so die Herrschaft über und Erziehung von Anderen. Unter den Sozialdemokrat:innen gab es erbitterte Dispute über Kolonialpolitik (siehe Kautsky 1907). Eduard Bernstein und Gustav Noske lehnten Kolonialismus ebenfalls nicht gänzlich ab, während Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Karl Kautsky entschiedene Gegner waren.
Zum Weiterlesen:
*Noah Sow (2011): Naturvölker. In: Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast, S. 694.
*Karl Kautsky (1907): Sozialismus und Kolonialpolitik. Berlin: Buchhandlung Vorwärts, S. 6.
*Markku Hyrkkänen (1986): Sozialistische Kolonialpolitik. Helsinki: SHS.
OK
Wir sind nach Gottes Ebenbild gemacht, aber wir werden wie Tiere behandelt. (…) England wird es nicht gut gehen (…) solange es Herren und Leibeigene gibt!
Richtig!
Wir sind nach Gottes Ebenbild gemacht, aber wir werden wie Tiere behandelt. (…) England wird es nicht gut gehen (…) solange es Herren und Leibeigene gibt!
Jahr:
Autor*inneninfo:
John Ball (1335-1381) war englischer Priester, wurde aber exkommuniziert. Er trat für soziale Gerechtigkeit ein und war der intellektuelle Anführer des englischen Bauernaufstands. Mehrfach festgenommen, wurde er einmal von Bäuer:innen befreit. Ball wurde in Anwesenheit von König Richard II hingerichtet (gehängt, ausgeweidet und viergeteilt).
Quelle:
R. B. Dobson (1983: 371) zitiert nach Silvia Federici (2014: 35)
Kontext:
Es gab in ganz Europa Widerstände gegen die feudale Herrschaft und die Macht der Kirche. Nicht nur in England, aus dem das Zitat stammt, auch in Ypres und Brügge gab es im Jahr 1324 Aufstände (Federici 2014: 41). Sie verlangten eine gleichberechtigte gesellschaftliche Stellung zum Adel. Auch in Bremen weigerten sich Bäuer:innen, ihre Abgaben zu zahlen, und wurden von Bischof im Jahr 1234 bestraft (ebd.: 34). In Florenz übernahmen Textilarbeiter:innen 1379 die Macht in der Stadt und errichteten eine Arbeiter:innenregierung, die aber 1382 besiegt wurde (ebd.: 43). In den meisten Fällen beschränkten sich die Aufständischen nicht darauf, bessere Arbeits- oder Lebensbedingungen zu verlangen, sondern wollten eine völlig neue Gesellschaftsordnung schaffen (ebd.: 46).
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien, mandelbaum kritik & utopie.
OK
„Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute (Leibeigene) gehalten hat […], dass uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen […] erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten […]. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind […].“
Richtig!
„Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute (Leibeigene) gehalten hat […], dass uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen […] erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten […]. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind […].“
Jahr:
Autor*inneninfo:

Der Verfasser ist umstritten. Verabschiedet wurde der Text nach einer Bauernversammlung in Memmingen im Rahmen des Deutschen Bauernkriegs (1524-26).
Quelle:
Zitat: Zwölf Artikel der Bauernschaft.
Bild: Cleveland Museum of Art, Public domain, via Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:K%C3%A4the_Kollwitz_(German,_1867-1945)_-_Beim_Dengeln,_Part_3_of_the_series_%22Peasants%27_War%22_(Beim_Dengeln,_Blatt_3_aus_dem_Zyklus_%22Bauernkrieg%22),_-_2014.348_-_Cleveland_Museum_of_Art.jpg
Kontext:
Im Nachgang der Reformation sahen sich viele Bauern:Bäuerinnen darin bestätigt, dass die bisherige Gesetzeslage nicht dem Willen Gottes entsprach und ihnen Unrecht getan wurde. Sie argumentieren mit der Bibel gegen die kirchlich sanktionierte Ordnung. Die Zwölf Artikel der Bauernschaft gelten als frühe Forderung nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa.
Neben der Abschaffung der Leibeigenschaft wird unter anderem das Recht auf Jagd und Fischerei auf gemeinschaftlichem Land/Wasser, die Freiheit, einen Pfarrer zu wählen und abzusetzen sowie eine unabhängige Gerichtsbarkeit gefordert. Die Aufständigen beriefen sich explizit auf Martin Luther (1483-1546), der den Aufstand jedoch ablehnte und zur Niederschlagung der Bauernaufstände aufrief. Die Niederschlagung folgte und die Zwölf Artikel der Bauernschaft traten nicht in Kraft.
Zum Weiterlesen:
*Julia Huber (06.01.2018): Im Allgäu liegt ein Ursprung der Menschenrechte, https://www.sueddeutsche.de/bayern/memmingen-im-allgaeu-liegt-ein-ursprung-der-menschenrechte-1.3813725
*Gesamter Urtext: https://web.archive.org/web/20071112051419/http://stadtarchiv.memmingen.de/918.html
OK
Eine Theorie nach der anderen haben sie an uns ausprobiert. Erst haben sie meine Mutter verdächtigt und ihre Brüder; Mord aus Habgier haben sie unterstellt. Zur Zeit des Mordes war mein Vater auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Erfolges mit seinem Blumengroßhandel. Da hat er richtig gut verdient. Unter der Matratze meiner Eltern waren immer bündelweise Scheine versteckt. Später hieß es deshalb, mein Vater sei vermutlich Dealer gewesen und habe in Holland gar keine Blumen gekauft, sondern Drogen.
Richtig!
Eine Theorie nach der anderen haben sie an uns ausprobiert. Erst haben sie meine Mutter verdächtigt und ihre Brüder; Mord aus Habgier haben sie unterstellt. Zur Zeit des Mordes war mein Vater auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Erfolges mit seinem Blumengroßhandel. Da hat er richtig gut verdient. Unter der Matratze meiner Eltern waren immer bündelweise Scheine versteckt. Später hieß es deshalb, mein Vater sei vermutlich Dealer gewesen und habe in Holland gar keine Blumen gekauft, sondern Drogen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Semiya Şimşek (geb. 1986) ist Pädagogin und die Tochter des von dem NSU als ersten ermordeten Enver Şimşek. Semiya Şimşek ist eine wichtige Stimme der Opferangehörigen geworden. In ihrem Buch „Schmerzliche Heimat. Deutschland und der Mord an meinem Vater“ arbeitet sie ihre Erlebnisse über den Mord an ihrem Vater auf. Semiya Şimşek hat Deutschland verlassen und lebt mittlerweile in der Türkei.
Quelle:
Süddeutsche Magazin, 10/2013.
Kontext:
Die neonazistische und terroristische Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordete zwischen 2000 und 2007 neun Menschen mit Migrationsgeschichte und eine Polizistin: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.
Über zehn Jahre hielten sowohl der NSU als auch die Ermittler:innen diese Verbrechen verdeckt, bis der NSU sich 2011 mit einem Video selbst enttarnte. Nach dessen Bekanntwerden vernichteten einige Verfassungsschutzmitarbeiter:innen relevante Akten und ranghohe Verfassungsschützer traten zurück. Statt der Verfolgung tatsächlicher Hinweise, nahmen die Ermittler:innen die Opferangehörigen teils jahrelang ins Fadenkreuz und unterstellten ihnen kriminelle Machenschaften. Die beispiellosen rechtsterroristischen Verbrechen des NSU, die Ermittlungen und der anschließende Prozess verdeutlichen nur zu gut den tief verankerten institutionellen Rassismus bei Polizei, Geheimdienst und in den Gerichtssälen. Die Opferangehörigen, Nebenklagevertreter:innen, Aktivist:innen und kritische Journalist:innen heben hervor, dass während des ganzen Prozesses nicht im rechtsextremen Milieu ermittelt wurde.
Zum Weiterlesen:
*Semiya Şimşek & Peter Schwarz (2013): Schmerzliche Heimat: Deutschland und der Mord an meinem Vater, Berlin: Rowohlt.
*Juliane Karakayali, Çagri Kahveci & Doris Deutsch Liebscher (Hrsg., 2017): Den NSU-Komplex analysieren. Aktuelle Perspektiven aus der Wissenschaft. Bielefeld: transcript.
*NSU Watch.
OK
Seit sie Kontakt mit Europäer:innen haben, sind Aborigines wie ich als „straight“ konstruiert worden. (…) Die sexuelle und geschlechtsspezifische Vielfalt der Ureinwohner bleibt in den Aufzeichnungen und Interpretationen von Geschichten meistens abwesend, und diese Abwesenheiten verstärken eine heterozentrische Lektüre der Kultur der Aborigines. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Homophobie und Transphobie von den christlichen Missionaren eingeführt wurden. Die soziale Ordnung der Missionen in ihrem Versuch, die Eingeborenen zu „zivilisieren“, beschränkte den Ausdruck der Aborigines.
Richtig!
Seit sie Kontakt mit Europäer:innen haben, sind Aborigines wie ich als „straight“ konstruiert worden. (…) Die sexuelle und geschlechtsspezifische Vielfalt der Ureinwohner bleibt in den Aufzeichnungen und Interpretationen von Geschichten meistens abwesend, und diese Abwesenheiten verstärken eine heterozentrische Lektüre der Kultur der Aborigines. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Homophobie und Transphobie von den christlichen Missionaren eingeführt wurden. Die soziale Ordnung der Missionen in ihrem Versuch, die Eingeborenen zu „zivilisieren“, beschränkte den Ausdruck der Aborigines.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Troy-Anthony Baylis (geb. 1976) ist ein Jawoyn-Aboriginal aus dem nördlichen Australien. Er ist Künstler, Kurator und Schriftsteller.
Quelle:
Troy-Anthon Baylis (15.04.2014): The art of seeing Aboriginal Australia’s queer potential. In: The Conversation.
Kontext:
Troy-Anthon Baylis forscht zu Gendervielfalt und fand heraus, dass es auf den australischen Tiwi-Inseln indigene Bezeichnungen für nicht-binäre Geschlechter gibt (The Hook Up 2018). Nicht-heterosexuelle Konzepte, wie z.B. ‚two-spirit‘ (zwei-geistig) in Nordamerika, gehörten in vielen vorkolonialen Gesellschaften zur Sexualität dazu. Diese wurden von christlicher Kirche und Kolonisator:innen als unmoralisch oder verwerflich betrachtet und verboten. In der katholischen Kirche war schon ab dem Dritten Lateranerkonzil von 1179 Homosexualität und nicht-prokreativer Sex verdammt (Boswell 1981, zitiert nach Federici 2014: 47) als eine Unkeuschheit gegen die Natur (Spencer 1995, zitiert nach Federici 2014: 47).
Zum Weiterlesen:
*Zuher Jazmati (2016): All-Round-Reflexionen: Was anti-koloniale Perspektiven mit Gender und Queer zu tun haben. In: Quix-Kollektiv (Hrsg.): Willst du mit mir gehen? S. 19f.
*The Hook Up (2018): What do we know about queer Indigenous history?
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum.
*Pearson McKinney (2016): Before European Christians Forced Gender Roles, Native Americans Acknowledged 5 Genders.
OK
Ich kann keinen Unterschied zwischen schwarz und weiß sehen (…). Weder als Einzelpersonen noch als Gruppe. Der Unterschied könnte sein, dass die Kultur nicht dieselbe ist oder dass sie nicht dasselbe Niveau erreicht haben wie wir (…). Und das liegt nicht am einzelnen Menschen.
Richtig!
Ich kann keinen Unterschied zwischen schwarz und weiß sehen (…). Weder als Einzelpersonen noch als Gruppe. Der Unterschied könnte sein, dass die Kultur nicht dieselbe ist oder dass sie nicht dasselbe Niveau erreicht haben wie wir (…). Und das liegt nicht am einzelnen Menschen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Anonymer dänischer „Entwicklungshelfer“, interviewt von Maria Eriksson Baaz im Rahmen ihres Buches „Paternalism of Partnership“.
Quelle:
Maria Eriksson Baaz (2005): The Paternalism of Partnership. A Postcolonial Reading of Identity in Development Aid. London: Zed Books. S. 47
Kontext:
In diesem Zitat zeigen sich zwei gängige Formen des Umgangs mit dem Kulturbegriff von weißen Menschen: Auf der einen Seite Unterschiede ganz negieren und so zu tun, als ob alle Menschen gleich wären („Farbenblindheit“). Problem: Insbesondere Machtverhältnisse werden darin nicht berücksichtigt. Trotzdem spricht aus dem Zitat auf der anderen Seite auch eine verinnerlichte Überlegenheit. Weiße Menschen gehen oft davon aus, dass sie selbst das höchste Niveau (auf unterschiedlichen Skalen: Entwicklung, Demokratie, etc.) erreicht hätten und andere Menschen bzw. Kulturen noch zu entwickeln seien.
Zum Weiterlesen:
*glokal e.V. (2013): „Mit kolonialen Grüßen…“ Berichte und Erzählungen von Auslandsaufenthalten rassismuskritisch betrachtet. Berlin.
*glokal e.V. (2016): Das Märchen von der Augenhöhe. Macht und Solidarität in Nord-Süd-Partnerschaften. Berlin: Selbstverlag.
*Timo Kiesel und Carolin Philipp (2011): White Charity. Schwarzsein und Weißsein auf Spendenplakaten. Dokumentarfilm.
OK
„Mehr als die Hälfte der Menschheit leben unter elenden Bedingungen. Ihr Essen ist unzu reichend. Sie sind Opfer von Krankheiten. Ihr wirtschaftliches Leben ist primitiv und stagnierend. Ihre Armut ist eine Behinderung und eine Bedrohung für beide, sie selbst und die wohlhabenderen Regionen. Das erste mal in der Geschichte besitzt die Menschheit das Wissen und das Können, um die leidenden Menschen zu erlösen.“
Richtig!
„Mehr als die Hälfte der Menschheit leben unter elenden Bedingungen. Ihr Essen ist unzu reichend. Sie sind Opfer von Krankheiten. Ihr wirtschaftliches Leben ist primitiv und stagnierend. Ihre Armut ist eine Behinderung und eine Bedrohung für beide, sie selbst und die wohlhabenderen Regionen. Das erste mal in der Geschichte besitzt die Menschheit das Wissen und das Können, um die leidenden Menschen zu erlösen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Harry S. Truman (1884-1972) war ein US-amerikanischer Politiker (Demokraten) und von 1945 bis 1953 Präsident der USA.
Quelle:
Zitat: Aus einer Rede Trumans, gehalten am 29.01.1949 im Capitol
Bild: Wikimedia
Kontext:
Diese Rede des ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten wird oft als die Gründungsrede der Entwicklungszusammenarbeit verstanden. Truman benutzt hier Menschheit („humanity“) als Synonym für Bewohner:innen des Globalen Nordens, deren Aufgabe es sei, andere – die nicht zur Menschheit gehören?- zu „entwickeln“. Anders als bei Sömmering oder in Immanuel Kants `Entwicklungsstufen ́ wird Entwicklung hier nicht explizit rassistisch begründet.
Aber auch die neuen Strukturen verblieben in einer ähnlichen Denkstruktur. Der Maßstab für `Entwicklung ́ wurde immer noch vom Globalen Norden durch Normsetzung und Definitionsmacht vorgegeben. Eine grundsätzliche Hierarchisierung blieb bestehen, auch wenn sich die Legitimationsmuster ändern. Heute bekommen Ländern etwa die Markierung `unterentwickelt ́ oder `korrupt/ nicht funktionierende Staaten ́. Die sogenannten Entwicklungsländer in denen aufgrund dieser Markierung interveniert werden `darf ́, sind meist die ehemaligen Kolonien im Globalen Süden. Eigene Defizite in sogenannten entwickelten Ländern werden ausgeblendet. Aram Ziai argumentiert: Durch Entwicklung und an Entwicklung angedockte Denkweisen sollen immer weiterhin die Ausbeutung der wirtschaftlichen Ressourcen erzielt werden; sie hatte nicht primär die Verbesserung der Lebensumstände der Kolonisierten zum Ziel (Ziai 2004: 103).
Auch Freiwilligendienste wie weltwärts oder das ASA-Programm sind Teil von staatlicher Entwicklungszusammenarbeit und somit auch durch diese Denkweisen beeinflusst (glokal 2019).
Kennst du andere Ansätze und Ideen für gesellschaftliche Veränderungen als Entwicklung? Vielleicht sogar aus deinem Partnerland?
Zum Weiterlesen:
*Brückenwind: Change of Perspective 2: Voluntourism – Helping or Hurting? Podcast.
*glokal (2019): Ausstellung WirStimmen! Für widerständige Alternativen zum Entwicklungsmythos. Video.
OK
wunderbar onschamhafft menschen beyderlei geschlecht undereinander als die wilden Thyr: etlich allein die Scham bedecken / die andern nackend / all schwartz
als die wir bei uns Moren nenn umblauffen: der Moren land sich auch da anheben: Ire wonungen und hüser gleichen sich den hütten als die armen dorfleut in unsern landen über die backöffen machen (…) Diß volck braucht noch nympt bei ynen gantz kein gelt (…) / do geben sie ware umb ware (…)
Richtig!
wunderbar onschamhafft menschen beyderlei geschlecht undereinander als die wilden Thyr: etlich allein die Scham bedecken / die andern nackend / all schwartz
als die wir bei uns Moren nenn umblauffen: der Moren land sich auch da anheben: Ire wonungen und hüser gleichen sich den hütten als die armen dorfleut in unsern landen über die backöffen machen (…) Diß volck braucht noch nympt bei ynen gantz kein gelt (…) / do geben sie ware umb ware (…)
Jahr:
Autor*inneninfo:
Balthazar Sprenger (vor 1500-1509 oder 1511) war Handlungsreisender aus Tirol und reiste im Auftrag der Bankiers Welser nach Afrika und Indien. Er nahm 1505 als Vertreter des Augsburger Handelshaus Welser an einer portugiesischen Expeditionsfahrt teil, um neue Märkte zu erkunden. Die Reise führte ihn um den afrikanischen Kontinent herum bis nach Indien. Das Zitat stammt aus seinem Reisetagebuch.
Quelle:
*Originalquelle: Balthazar Sprenger (1509). In: Beate Borowka-Clausberg (1999): Balthasar Sprenger und der frühneuzeitliche Reisebericht. München: ludicium, S. 198. In: Elisabeth Dulko et al: Afrikabilder. Dokumentation einer Tagungsreihe zum Afrikadiskurs in den Medien und zum Alltagsrassismus in Deutschland, S. 10.
Kontext:
Die Vernichtung indigener Gesellschaften weltweit wurde moralisch dadurch legitimiert, dass diese nicht richtige Menschen seien, sondern eher der Natur angehörten. Als tiergleich oder tierähnlich wurden den kolonisierten Menschen keine Rechte als Menschen zugesprochen. Dadurch konnte auch einfach das Land, auf dem sie lebten, und ihre Ressourcen geraubt werden, weil diese als ohne Besitzer:in definiert wurden. Die Gleichsetzung von indigenen Menschen mit Tieren ist immer noch aktuell, wie Beispiele aus vielen Erdteilen zeigen (Welt, 13.10.2017: Museum in China entfernt nach Rassismusvorwürfen Fotos aus Afrika-Ausstellung).
Zum Weiterlesen:
*Aïssatou Bouba (2013): Afrika in frühen Schriften der deutschen Neuzeit. Am Beispiel von „Die Merfart“ von Balthasar Sprenger.
*Maria Mies & Vandana Shiva (2016): Ökofeminismus. Die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker, komplett überarbeitete und aktualisierte Neuauflage. Neu-Ulm: AG SPAK.
OK
Bei weitem das beste wäre es, die Grenzen derart zu schützen, daß sie gar nicht erst kommen können. Die Grenzen dichtmachen, das wäre die beste Lösung. Man sollte den Abgewiesenen ein Paket für den Rückweg mitgeben. So würden beiden Seiten Gewalttätigkeiten erspart bleiben. (…) Deshalb wäre es das Beste, diese unglücklichen Leute so bald und so freundlich wie möglich hinauszubefördern, dorthin, wo sie hergekommen sind.
Richtig!
Bei weitem das beste wäre es, die Grenzen derart zu schützen, daß sie gar nicht erst kommen können. Die Grenzen dichtmachen, das wäre die beste Lösung. Man sollte den Abgewiesenen ein Paket für den Rückweg mitgeben. So würden beiden Seiten Gewalttätigkeiten erspart bleiben. (…) Deshalb wäre es das Beste, diese unglücklichen Leute so bald und so freundlich wie möglich hinauszubefördern, dorthin, wo sie hergekommen sind.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Golo Mann (1909 – 1994) war ein deutsch-schweizerischer Historiker, Publizist und Schriftsteller. Der Sohn des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann emigrierte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten über Frankreich und die Schweiz in die USA. Mitte der 1950er Jahre kehrte er nach Deutschland zurück und siedelte später in die Schweiz über. Er war Berater von Willy Brandt, engagierte sich aber vor der Bundestagswahl 1980 für Franz Josef Strauß, den Kanzlerkandidaten der CDU/CSU.
Quelle:
Bildzeitung vom 30. Januar 1991, zitiert nach Ulrich Herbert (2001: 305).
Kontext:
Golo Manns Abwehrhaltung gegenüber Migrant:innen repräsentiert die Praxis deutscher Ausländerpolitik seit der Beendigung des Gastarbeiter:innenabkommens 1973. Zum Entstehungszeitpunkt des Zitats beginnen auch die tödlichen Brandanschläge auf Migrant:innen und ihre Häuser in Ost- und Westdeutschland: Rostock, Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln, Solingen. In allen Fällen versagt der Staat in Ost und West an einer angemessenem Schutz der Opfer oder einer würdigen Beileidskundgebung. In Debatten wird argumentiert, dass man an den Übergriffen sehen kann, dass die Belastbarkeitsgrenze der Deutschen überschritten ist und darum das Asylrecht abgeschafft werden müsse. Schließlich wurde das Recht auf Asyl von CDU, CSU und FDP mit Zustimmung der SPD 1993 radikal beschnitten.
Zum Weiterlesen:
*Ulrich Herbert (2001): Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. München: C.H. Beck.
*Medico International (2016): Jenseits in Afrika. Die Europäische Union nutzt Entwicklungshilfe zur Abschottung. Migration gen Norden soll schon in Afrika gestoppt werden.
OK
Eine neue Konfrontation mit dem internationalen Judentum steht kurz bevor. Wir sollten darauf vorbereitet sein.
Richtig!
Eine neue Konfrontation mit dem internationalen Judentum steht kurz bevor. Wir sollten darauf vorbereitet sein.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Polen: Piotr Rybak ist ein vorbestrafter polnischer Nationalist und offener Antisemit. Die Ausssage stammt von einer rechtsextremen Demonstration am 74. Jahrestag (2019) zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.
Quelle:
Kontext:
Das antisemitische Narrativ des „internationalen Judentums“ entstand während Weltwirtschaftskrise 1873. Juden wurde dabei kollektiv die Schuld an den negativen Folgen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels zugesprochen. Das Narrativ ist auch in der deutschen Gesellschaft weit verbreitet und mitnichten lediglich eine Einstellung, welche ausschließlich bei der extremen Rechten zu verorten ist. In einer Studie des World Jewish Congress von 2019 gaben 28 Prozent der Befragten (die selbst Topverdiener waren und ein Jahreseinkommen von über 100.000€ verzeichneten!): „Juden hätten zu viel Macht“ (de.statista.com).
Zum Weiterlesen:
OK
Witbooi an Leutwein: (…) Daß ich dem deutschen Kaiser nicht unterstellt sein will, das ist doch keine Sünde, Schuld oder Ehrlosigkeit, die Sie berechtigte, die Todesstrafe gegen mich auszusprechen. Ich bitte Sie nochmals, lieber Freund, (…) greifen Sie mich nicht an und lassen Sie mich in Frieden. Leutwein an Witbooi: Daß Du Dich dem Deutschen Reich nicht unterwerfen willst, ist keine Sünde und keine Schuld, aber es ist gefährlich für den Bestand des deutschen Schutzgebietes. Also (…) sind alle weiteren Briefe, in denen Du mir Deine Unterwerfung nicht anbietest, nutzlos.
Richtig!
Witbooi an Leutwein: (…) Daß ich dem deutschen Kaiser nicht unterstellt sein will, das ist doch keine Sünde, Schuld oder Ehrlosigkeit, die Sie berechtigte, die Todesstrafe gegen mich auszusprechen. Ich bitte Sie nochmals, lieber Freund, (…) greifen Sie mich nicht an und lassen Sie mich in Frieden. Leutwein an Witbooi: Daß Du Dich dem Deutschen Reich nicht unterwerfen willst, ist keine Sünde und keine Schuld, aber es ist gefährlich für den Bestand des deutschen Schutzgebietes. Also (…) sind alle weiteren Briefe, in denen Du mir Deine Unterwerfung nicht anbietest, nutzlos.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Hendrik Witbooi, eigentlich ǃNanseb ǀGabemab (ca. 1830-1905) war seit Ende des Jahres 1888 Kaptein des mit den Nama verwandten Volks der Orlam, der Witbooi.
Quelle:
Der Spiegel 13/1985.
Kontext:
Theodor Gotthilf Leutwein war Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe und Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika. Hornkranz (im heutigen Namibia) war kolonial-historisch bekannt für ein Massaker, bei dem 1893 unter Leutweins Kommando 80 Witbooi-Kämpfer getötet sowie 40 Frauen und Kinder verschleppt wurden. Kaptein Hendrik Witbooi wird als afrikanischer Führer gesehen und gefeiert, der als Erster bewaffneten Widerstand gegen die deutschen Kolonialist*innen geleistet hat. Interessant ist in dem Briefwechsel, dass in Leutweins Erwiderungen die Betroffenen der Kolonialisierung mitverantwortlich gemacht werden für die Brutalität, mit der die koloniale Eroberung einherging. Witboois “Hartnäckigkeit” wird von Leutwein als irrationales Verhalten beschrieben, das den Frieden für die deutschen Schutzgebiete gefährde. In diesem Sinn wird Witbooi auch verantwortlich dafür gemacht, dass es zum Krieg und Mord gegen die Witboois kommt. Damals wie auch heute wurde eine Strategie verfolgt, die in Deutschland Wohlstand und Frieden auf Kosten des Globalen Südens wahren will. Auch heute noch wird in den hiesigen Geschichtsbüchern Widerstand gegen Kolonialherrschaft kaum thematisiert und damit nicht wertgeschätzt. Stattdessen wird immer noch das Märchen von gleichberechtigten Handelsbeziehungen und Entdeckungsreisen erzählt. Witbooi starb 1904 im Gefecht gegen die deutsche Kolonialmacht.
Zum Weiterlesen:
*Der Spiegel (1985): „Aufräumen, aufhängen, niederknallen …“. Die Deutschen in ihrer Kolonie Südwestafrika: Rassenhochmut und Völkermord.
*Reinhard Koesseler (2007): Genocide, Apology and Reparation – the linkage between images of the past in Namibia and Germany.
*Horst Gründer (Hrsg., 2006): ‚…da und dort ein junges Deutschland gründen. Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.
*Sebastian Conrad (2008): Deutsche Kolonialgeschichte. München: C.H. Beck.
OK
Entwicklung wurde damit auf die Fortführung des Prozesses der Kolonisierung reduziert; sie wurde zu einer Erweiterung des Projekts der Produktion von Reichtum in der ökonomischen Vision des modernen westlichen Patriarchats. Diese basiert auf der Ausbeutung oder dem Ausschluss von Frauen (westliche wie nicht-westliche), auf der Ausbeutung und Verschmutzung der Umwelt und auf der Ausbeutung und Erosion anderer Kulturen.
Richtig!
Entwicklung wurde damit auf die Fortführung des Prozesses der Kolonisierung reduziert; sie wurde zu einer Erweiterung des Projekts der Produktion von Reichtum in der ökonomischen Vision des modernen westlichen Patriarchats. Diese basiert auf der Ausbeutung oder dem Ausschluss von Frauen (westliche wie nicht-westliche), auf der Ausbeutung und Verschmutzung der Umwelt und auf der Ausbeutung und Erosion anderer Kulturen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Vandana Shiva (geb. 1952) ist eine indische Physikerin, Intellektuelle, Frauen- und Umweltrechtlerin. Die Anti-Globalisierungs-Aktivistin ist Trägerin des Alternativen Nobelpreises.
Quelle:
Vandana Shiva (1988): 1f.
Kontext:
Shiva ist eine der wichtigsten Vertreter:innen des Ökofeminismus. Damit werden soziale Bewegungen und Denkschulen bezeichnet, die ökologische Fragen mit feministischer Analyse verbinden. Sie entstanden im Zuge der internationalen Umwelt-, Friedens- und Frauenbewegungen in den 1970er Jahren. Ökofeminismus geht davon aus, dass es zwischen der patriarchalen Unterdrückung von Frauen und der Ausbeutung der Natur Zusammenhänge gibt. Von Umweltzerstörung sind wiederum Frauen besonders stark betroffen. Denn sie stellen u.a. in der oft kleinbäuerlichen Landwirtschaft im Globalen Süden 60 bis 80% der Nahrung her (dw.com, 14.10.2019).
Zum Weiterlesen:
*Shiva, Vandana (1988): Staying Alive: Women, Ecology and Development. London: Zed Books.
*Shiva, Vandana (2018): Stupidity of modern day civillization. Interview.
OK
Sie lehren ihren eigenen Leuten, ihren Herren nicht zu gehorchen, sie hassen den König, verspotten die Ältesten, verurteilen die Bojaren (Fürsten), betrachten die dem König ergebenen als niederträchtig und verbieten den Leibeigenen für ihre Herren zu arbeiten.
Richtig!
Sie lehren ihren eigenen Leuten, ihren Herren nicht zu gehorchen, sie hassen den König, verspotten die Ältesten, verurteilen die Bojaren (Fürsten), betrachten die dem König ergebenen als niederträchtig und verbieten den Leibeigenen für ihre Herren zu arbeiten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Presbyter Kosma war ein bulgarischer Schriftsteller im späten 10. Jahrhundert. Sein bekanntestes Werk, aus dem das Zitat stammt, richtet sich gegen die Bogomilien, eine asketisch lebende Glaubensgemeinschaft, die im heutigen Bulgarien verbreitet war.
Quelle:
Silvia Federici (2014: 56)
Kontext:
In den radikalen religiösen Häretiker:innenbewegungen hatten Frauen eine zentrale Rolle (Federici 2014: 38). Sie wurden ab dem 11. Jahrhundert in Frankreich und Italien, aber auch in anderen Regionen meist von Frauen gegründet (ebd.: 39). Von der Kirche wurden sie vehement bekämpft, wie aus dem Zitat deutlich wird. In den Inquisitionen im Mittelalter und danach wurden Menschen, hauptsächlich Frauen, als Hexen bezeichnet, um so Gemeinschaften und widerständige Individuen zu brechen. Es wird geschätzt, dass während der drei Jahrhunderte, in denen die Hexenverfolgung am stärksten war, 200.000 Frauen angeklagt, verurteilt und/oder ermordet wurden (ebd.: 208). Allein in Südwestdeutschland wurden von 1560 bis 1670 3200 Frauen als Hexen verbrannt (ebd.: 208).
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: mandelbaum kritik & utopie.
OK
Im Namen der Moral gegen ‚Exzesse‘ oder ‚Missbrauch‘ zu protestieren ist ein Fehler, der aktiver Komplizenschaft nahe kommt. Es gibt hier keinen ‚Missbrauch‘ und keine ‚Exzesse‘, einfach nur ein alles durchdringendes System.
Richtig!
Im Namen der Moral gegen ‚Exzesse‘ oder ‚Missbrauch‘ zu protestieren ist ein Fehler, der aktiver Komplizenschaft nahe kommt. Es gibt hier keinen ‚Missbrauch‘ und keine ‚Exzesse‘, einfach nur ein alles durchdringendes System.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Simone de Beauvoir (1908-1986) war eine französische Schriftstellerin und Feministin. Sie war mit dem antikolonialen Widerstandskämpfer und Psychoanalytiker Franz Fanon befreundet, aktiv gegen den Algerienkrieg und die kolonialen Bestrebungen Frankreichs. Sie kritisierte und analysierte unterschiedliche Machtstrukturen wie Kapitalismus, Rassismus und Sexismus. Sie legte sich auch mit vielen Linken an, weil sie behauptete, die Unterdrückung der Frau würde sich in kommunistischen Staatsformen nicht automatisch auflösen. Auch mit anderen Feminist:innen stritt sie, weil sie der Meinung war, das die Frau auch selbst an ihrer Unterdrückung mitwirkt und sich aus ihr befreien muss.
Quelle:
Naomi Klein (2010: 179)
Kontext:
Oft werden nur extreme Auswirkungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems kritisiert, aber nicht das Wirtschaftssystem an sich, das als einzig realistisches dargestellt wird (vgl. Klein 2010: 36). Einen radikalen Systemwechsel zu fordern war in den 1960er Jahren sehr viel verbreiteter als zur heutigen Zeit. Als Papst Franziskus 2013 pauschal sagte: „Kapitalismus tötet“ gab es einen großen Aufschrei in deutschen Medien (welt.de (2013): Die Kirche sollte den Kapitalismus schätzen, Zeit.de (2013): Heillose Kapitalismuskritik). In den 1960er Jahren setzten sich viele soziale Bewegungen und antikoloniale Kämpfe in allen Erdteilen für radikale Systemwechsel ein. Eine Alternative zum bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystem war für viele Menschen viel eher vorstellbar als heute.
Zum Weiterlesen:
*Naomi Klein (2010): Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Frankfurt am Main: Fischer.
*attac (2017): Kapitalismus – oder was? Über Marktwirtschaft und Alternativen. Bildungsmaterialien.
OK
Wir Roma und Sinti sind die Blumen dieser Erde.
Man kann uns zertreten,
man kann uns aus der Erde reißen, man kann uns vergasen,
man kann uns verbrennen,
man kann uns erschlagen –
aber wie die Blumen kommen wir immer wieder (…).
Richtig!
Wir Roma und Sinti sind die Blumen dieser Erde.
Man kann uns zertreten,
man kann uns aus der Erde reißen, man kann uns vergasen,
man kann uns verbrennen,
man kann uns erschlagen –
aber wie die Blumen kommen wir immer wieder (…).
Jahr:
Autor*inneninfo:
Karl Stojka (1931 – 2003) war österreichischer Überlebender des Porajmos (Genozid an Romn:ja während des Nationalsozialismus). Nach seinem Überleben der Konzentrationslager wurde Karl Stojka Künstler und Autor.
Quelle:
Projekt Kulturelles Erbe. Tradition mit Zukunft (2007): Roma und Sinti. Vergangenheit und Gegenwart. HAK International Klagenfurt.
Kontext:
Trotz dieser langen Geschichte in Deutschland wurde immer wieder versucht Sint:ezza und Romn:ja über Jahrhunderte aus dem gesellschaftlichen Leben in Deutschland auszuschließen, zu unterdrücken und zu deportieren. Auch heute noch trifft das angesichts der Abschiebung von Sint:ezza und Romn:ja in sogenannte europäische sichere Herkunftsstaaten zu. Trotz der erlebten Diskriminierung und Verfolgung organisierten sich Sint:ezza und Romn:ja und übten Widerstand aus. In Deutschland gibt es zahlreiche von Sint:ezza und Romn:ja selbstorganisierte Vereine und Verbände, die zu Empowerment, Rassismussensibilisierung, Dokumentation und politischer Partizipation arbeiten. Stojkas Vorfahren lebten seit schätzungsweise 300 Jahren im heutigen Österreich, bevor viele seiner Familienangehörigen, darunter auch sein Vater und Bruder, in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Stojka selbst überlebte Porajmos und begann später zu malen. In seinen Malereien drückte er die Verfolgung von Sint:ezza und Romn:ja aus.
Zum Weiterlesen:
*Gerald Grassl (Hrsg., 1992): Karl Stojka. Nach der Kindheit im KZ kamen die Bilder. Wien: VIDO.
OK
„Die deutsche Wissenschaft sollte bei dem allseitig aufgenommenen Kampf gegen die Schlafkrankheit (auch eine portugiesische Mission ist seit einigen Jahren tätig) nicht zurückbleiben. Den vereinigten Bemühungen der englischen, französischen, portugiesischen und deutschen Ärzte wird es hoffentlich gelingen, dieser mörderischen, auch unsere Kolonien ernstlich bedrohenden Seuche Herr zu werden.“
Richtig!
„Die deutsche Wissenschaft sollte bei dem allseitig aufgenommenen Kampf gegen die Schlafkrankheit (auch eine portugiesische Mission ist seit einigen Jahren tätig) nicht zurückbleiben. Den vereinigten Bemühungen der englischen, französischen, portugiesischen und deutschen Ärzte wird es hoffentlich gelingen, dieser mörderischen, auch unsere Kolonien ernstlich bedrohenden Seuche Herr zu werden.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Robert Koch (1843-1910) war ein deutscher Mikrobiologe und gilt als einer der Pioniere der bakteriologischen Forschung. Er erlangte weltweite Bekanntheit durch seine Entdeckungen von Krankheitserregern, darunter das Tuberkulose-Bakterium (Mycobacterium tuberculosis) und den Cholera-Erreger (Vibrio cholerae), was ihm 1905 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin einbrachte.
Quelle:
Robert Koch (1904): „Über die Schlafkrankheit (Brief an den Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten)„
Kontext:
Medizinische Forschung spielte im Kolonialismus eine Schlüsselrolle. Nach Einschätzung des ehemaligen Leiters des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin (Universität Heidelberg) hätte Afrika ohne die Fortschritte in der Bekämpfung von Malaria und anderen Kranheiten niemals so kolonisiert werden können (SRF, 04.02.2021). Robert Koch experimentierte von 1906 bis 1906 mit dem arsenhaltige Mittel Atoxyl im heutigen Uganda. Ihm war bekannt, dass Atoxyl in hoher Dosis gefährlich ist. Koch spritze das Mittel in Intervallen von sieben bis zehn Tagen und nahm Schmerzen, Erblindung und den Tod tausender Menschen billigend in Kauf (ebds.). Dafür wurden die Kranken in sogenannten Konzentrationslagern gefangen gehalten. Das Konzept des KZ entnahm Koch den britischen Kolonisator:innen Südafrikas, die in diesen Lagern politische Gegner:innen inhaftierten (Bauche 2006). Die Lager dienten als Isolationsort der Kranken, damit sich Krankheiten nicht weiter verbreiteten, aber auch als Forschungsstätte, in dem Menschen zu medizinischen Versuchen gezwungen wurden „Da in den Konzentrationslagern eine genaue Beobachtung während längerer Zeit möglich sei, könne man hier am besten den empfehlenswerten Modus der Atoxylbehandlung ausfindig machen und beispielsweise auch eine etappenmäßige Therapie erproben“ (Robert Koch zitiert nach Bauch 2006).
Zum Weiterlesen:
*Manuela Bauche 2006: Robert Koch, die Schlafkrankheit und Menschenexperimente im kolonialen Ostafrika. In: Freiburg Postkolonial/Orte
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