Französisches Lied von weiblichen Spinnerinnen, das die Armut dieser Arbeiterinnen illustriert.
Random Quotes
Falsch!
Leider falsch.
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Die Antwort war
OK
Allezeit werden wir Seide wirken und deshalb doch nicht besser gekleidet leben. Wir werden allezeit arm und entblößt sein und allezeit Hunger und Durst leiden.
Richtig!
Allezeit werden wir Seide wirken und deshalb doch nicht besser gekleidet leben. Wir werden allezeit arm und entblößt sein und allezeit Hunger und Durst leiden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Zitat: Zitiert nach Bronislaw Geremek (1985): Poverty. A History. Oxford: Basil Blackwell, S. 65.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Weibliche Lohnabhängige wurden, wie Silvia Federici (2012: 66) schreibt und wie Aufzeichnungen aus französischen Stadtarchiven belegen, von der Mehrheitsgesellschaft oft mit Prostitution verbunden. Federici vermutet, dass dies aufgrund ihrer Unabhängigkeit so war: Viele Weberinnen lebten alleine, oft in großer Armut. Noch immer ist die Arbeit von Textilarbeiter*innen vor allem im Globalen Süden von extremer Ausbeutung geprägt, 80% sind Frauen (Clean Clothes Campaign 2020). Einer Studie von der Clean Clothes Campain und Fashionchecker zufolge, bei dem 108 Unternehmen untersucht wurden, bezahlten 93% keine existenzsichernden Löhne (Fashion Checker 2020).
Allerdings belegen einige historische Quellen, das weibliche Erwerbstätige durchaus nicht selten waren. Beispielsweise in Frankfurt zwischen 1300 und 1500 in 200 Berufen auch Frauen vertreten waren, im 14. Jahrhundert stellte die Stadt Frankfurt 16 Ärztinnen ein, einige von ihren sogar als Chirurginnen. Die Verbannung der Frauen in häusliche Berufe fand erst in den folgenden Jahrhunderten statt (Federici 2012: 37).
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2012): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum.
OK
Überall, wo in eurem Reiche feinere und daher bessere Wolle erzeugt wird, da sind hohe und niedere Adlige, ja auch heilige Männer, wie einige Äbte, nicht mehr mit den jährlichen Einkünften und Erträgnissen zufrieden […]. Es genügt ihnen nicht, müßig und üppig zu leben, der Allgemeinheit nicht zu nützen, sofern sie ihr nicht sogar schaden; sie lassen kein Stück Land zur Bebauung übrig, sie zäumen alles als Weide ein, reißen die Häuser ab, zerstören die Dörfer und lassen gerade noch die Kirchen als Schafställe stehen.
Richtig!
Überall, wo in eurem Reiche feinere und daher bessere Wolle erzeugt wird, da sind hohe und niedere Adlige, ja auch heilige Männer, wie einige Äbte, nicht mehr mit den jährlichen Einkünften und Erträgnissen zufrieden […]. Es genügt ihnen nicht, müßig und üppig zu leben, der Allgemeinheit nicht zu nützen, sofern sie ihr nicht sogar schaden; sie lassen kein Stück Land zur Bebauung übrig, sie zäumen alles als Weide ein, reißen die Häuser ab, zerstören die Dörfer und lassen gerade noch die Kirchen als Schafställe stehen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Thomas Morus (1478-1535) war englischer Rechtsanwalt, Politiker und Autor, der von Henry VIII. wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Er wurde 1935 von der römisch-katholischen Kirche zum Heiligen und Märtyrer ernannt.
Quelle:
Thomas Morus (1516): Utopia – Bericht.
Kontext:
Ab Ende des 15. Jahrhunderts wurden viele Pächter:innen kleiner Landstücke, die darauf Subsistenzwirtschaft (Selbstversorgung) betrieben, durch Großgrundbesitzer:innen vertrieben. Silvia Federici (2014: 68) zufolge begann diese Landprivatisierung in Europa zeitgleich mit der kolonialen Expansion in die Amerikas. Die englischen Großgrundbesitzer:innen benötigten Land für ihre Schafe, um den Textilmanufakturen in Flandern/Belgien mehr Wolle (deren Preis stark angestiegen war) liefern zu können. Landflucht und Verarmung waren die Folgen.
Zum Weiterlesen:
*Gerald Faschingeder & Andreas Novy (2005): Die gefräßigen kapitalistischen Schafe.
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum
OK
Aber mit dieser Güte nicht zufrieden, dringt der Mensch in die Eingeweide seiner Mutter ein, durchwühlt ihren Leib, verletzt und beschädigt alle inneren Teile. So zerfleischt er schließlich den ganzen Körper und lähmt dessen Kräfte völlig.
Richtig!
Aber mit dieser Güte nicht zufrieden, dringt der Mensch in die Eingeweide seiner Mutter ein, durchwühlt ihren Leib, verletzt und beschädigt alle inneren Teile. So zerfleischt er schließlich den ganzen Körper und lähmt dessen Kräfte völlig.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Paul Schneevogel (1460 – ca. 1517, auch bekannt als Paulus Niavis) war Philologe und Gymnasiallehrer. Er studierte in Ingolstadt und Leipzig. Zuletzt arbeitete er als Stadtschreiber in Bautzen.
Quelle:
Ulrich Grober (2010): Wem gehört die Erde.
Kontext:
Die Erzählung „Iudicium Iovis – Das Gericht Jupiters, gehalten im Tal der Schönheit…“ stellt sich als ein frühes und radikales grünes Manifest dar. Es geht darin u.a. um eine Gerichtsverhandlung der antiken Götter gegen den Bergmann wegen Vergewaltigung und Schändung der Mutter Erde. Das Zitat entstammt der Rede des Anwalts der Mutter Erde. Hier kritisiert Schneevogel, dass die Menschen nicht anerkennen, dass sie durch die Zerstörung der Natur ihre eigenen Lebensgrundlagen vernichten. Der Kontext war die Ausbeutung von Silbervorkommen im Erzgebirge im 15. Jahrhundert, welche große Schäden in der Natur hinterließ. Das Bild zeigt Arbeiter des Silberbergbaus im Freiburger Münster.
Die Inka in Peru ließen das Silber im Berg. Es gibt eine Überlieferung, die besagt, dass der Berg selbst ihnen die Ausbeutung verbot. Anfang des 16. Jhd. errichteten die spanischen Kolonisator:innen jedoch Silberminen und zwangen Arbeiter:innen mit dem System der ‚Mita‘ zur Arbeit unter Tage (Lateinamerika-Institut FU-Berlin, 2011). Auch heute noch wehren sich soziale Bewegungen weltweit gegen die Ausbeutung von Bodenschätzen, z.B. in Kolumbien gegen den Goldbergbau (Democracy Now, 18.05.2018).
Zum Weiterlesen:
*Lateinamerika-Institut FU Berlin (2011): Die Silberminen in Potosi (Peggy Goede).
*Democracy Now (2018): Afro-Colombian Activist Francia Márquez, 2018 Goldman Prize Winner, on Stopping Illegal Gold Mining.
OK
Die Piru-Indianer glaubten gewöhnlich, dass die Seelen nach diesem Leben weiterlebten (…). Zu diesem Zweck legten sie ihren Nachkommen Kleider an und brachten Opfer dar. (…) So töteten sie an dem Tag, an dem sie starben, die Frauen, die ihnen gefallen hatten, und Diener und Beamte, damit sie ihnen im anderen Leben dienen würden. (…) Der gleiche Aberglaube und die Unmenschlichkeit, Männer und Frauen für die Begleitung und den Dienst der Verstorbenen im Jenseits zu töten, haben andere barbarische Nationen benutzt und benutzen sie noch immer.
Richtig!
Die Piru-Indianer glaubten gewöhnlich, dass die Seelen nach diesem Leben weiterlebten (…). Zu diesem Zweck legten sie ihren Nachkommen Kleider an und brachten Opfer dar. (…) So töteten sie an dem Tag, an dem sie starben, die Frauen, die ihnen gefallen hatten, und Diener und Beamte, damit sie ihnen im anderen Leben dienen würden. (…) Der gleiche Aberglaube und die Unmenschlichkeit, Männer und Frauen für die Begleitung und den Dienst der Verstorbenen im Jenseits zu töten, haben andere barbarische Nationen benutzt und benutzen sie noch immer.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Padre José de Acosta (ca. 1539-1600) war spanischer Jesuit. Nachdem er in Spanien an der Universität gelehrt hatte, reiste er 1570 als Missionar in die Amerikas. Er ist Verfasser von „Historia natural y moral de las Indias“, aus dem das Zitat stammt.
Quelle:
Padre Joseph de Acosta (1589): Historia Natural y Moral de las Indias. Sevilla: Casa de Juan de Leon, S. 26.
Kontext:
Mit der Bezeichnung der indigenen Bevölkerung der Amerikas als bestialisch, kannibalistisch, als Teufelsanbeter:innen etc. rechtfertigten die Spanier:innen ihr Eroberungen. So konnten sie ihre Jagd nach Gold und Silber als Zivilisierungsmission tarnen (Federici 2014: 267). Diese Erzählungen, u.a. von de Acosta weitergeführt, halfen der spanischen Krone, um vom Papst 1508 die komplette Autorität über die Amerikas zugesprochen zu bekommen und rechtfertigten Unterwerfung, Versklavung, Vergewaltigung, Folter und Vernichtung. Einige vorkoloniale Gesellschaften in den Amerikas brachten tatsächlich massenhaft Menschenopfer. Allerdings standen diese in keinem Verhältnis zu der fast vollständigen Vernichtung der indigenen Bevölkerung durch die Spanier:innen, die u.a. der Dominikanermönch Bartolomé de las Casas beschreibt. Laut dem Cortez kamen 1521 bei der Eroberung der aztekitschen Stadt Tenochtitlan 100.000 Menschen ums Leben (ebd.: 269).
Zum Weiterlesen:
*James Cockcroft (1983): Mexico: Class Formation, Capital Accumulation and the State. New York: Monthly Review Press, S. 19
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie, S. 267ff.
*Teno, Jean Marie (2004): „Gehet hin in alle Welt …“ Die deutsche Mission in Afrika. Dokumentarfilm. Frankreich/ Deutschland.
OK
„Die ganze Menschheit weiß und gibt zu, dass zwei Völker, zwei Rassen unter allen anderen einzigartig sind: die Griechen und die Juden. Sie (die Juden) zeichnen sich durch ihre Religiosität und ihre Mentalität aus. Deshalb kämpfen diese gegen uns, sie verabscheuen uns. Ein Atheist verschmäht alle Religionen. Die Juden verschmähen den Hellenismus, sowie das Orthodoxe Christentum. Da die beiden [Hellenismus und Orthodoxes Christentum], wenn sie Hand in Hand gehen, eine außergewöhnliche Kraft haben“.
Richtig!
„Die ganze Menschheit weiß und gibt zu, dass zwei Völker, zwei Rassen unter allen anderen einzigartig sind: die Griechen und die Juden. Sie (die Juden) zeichnen sich durch ihre Religiosität und ihre Mentalität aus. Deshalb kämpfen diese gegen uns, sie verabscheuen uns. Ein Atheist verschmäht alle Religionen. Die Juden verschmähen den Hellenismus, sowie das Orthodoxe Christentum. Da die beiden [Hellenismus und Orthodoxes Christentum], wenn sie Hand in Hand gehen, eine außergewöhnliche Kraft haben“.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Theophilos, Bezirksregierender von Gortyna und Megalopolis (1970-2006), geboren als Athanasios Kanavos (1921-2006).
Quelle:
Μητροπολίτου Γόρτυνος και Μεγαλοπόλεως Θεοφίλου, «Η ουσία της γιορτής της Χριστιανοσύνης», Τύπος της Κυριακής, 22/4/2001 [Theophilos, metropolitan of Gortyna and Megalopolis, “The essence of the Christiandom’s feast”, newspaper “Typos tis Kyriakis”, 22/4/2001]
Kontext:
Dieses Zitat spiegelt sehr gut das wider, was man als „Antisemitismus der Mitte“ bezeichnen kann (nach dem Paradigma von Michel Billigs „banalem Nationalismus“): eine Denkweise, die von einer großen Anzahl gewöhnlicher Menschen geteilt wird und nicht nur ausschließlich von den Antisemiten der extremen Rechten. Bezirksregierender Theophilos zum Beispiel war ein konservativer Mainstream-Politiker; „Typos tis Kyriakis“, die Zeitung, die seinen Artikel veröffentlichte, ist kein faschistisches Medium, sondern die Sonntagsausgabe der konservativen Mainstream-Zeitung „Eleftheros Typos“, einer Zeitung, die seit 1984 mit der Partei Nea Dimokratia identifiziert wird. Theophilos‘ Artikel wurde anlässlich von Ostern veröffentlicht und befasste sich hauptsächlich mit der angeblich „antireligiösen“ Politik der damals an der Macht befindlichen PASOK-Regierung. Im Jahr zuvor hatte die griechisch-orthodoxe Kirche ihre Anhänger gegen die Streichung der Religionszugehörigkeit aus den neuen Personalausweisen der Bürger mobilisiert. Diese Maßnahme wurde von der rechten Fraktion der Nea Dimokratia, und der Partei LAOS (Popular Orthodox Rally) unterstützt, unter dem Deckmantel eines vermeintlichen „internationalen jüdischen Drucks auf Griechenland“ sowie einer imaginären „jüdischen Abstammung“ des damaligen griechischen Ministerpräsidenten Kostas Simitis.
Zum Weiterlesen:
Δημήτρης Ψαρράς, Το κρυφό χέρι του Καρατζαφέρη. Η τηλεοπτική αναγέννηση στης ελληνικής Ακροδεξιάς, Athens: Alexandreia, 2010, pp.104-108.
OK
Wenn nötig, werden wir sie mit dem Stock ins Paradies treiben.
Richtig!
Wenn nötig, werden wir sie mit dem Stock ins Paradies treiben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Abel Alier (geb. 1933) war von 1971 bis 1982 Vizepräsident des Sudan.
Quelle:
Vincent Tucker (1999): 11
Kontext:
Der ehemalige sudanesische Vizepräsident artikulierte die in entwicklungspolitischen Großprojekten oft inhärente Gewalt mit diesem Ausspruch deutlich. Er drohte den Dinka und Nuer, die gegen das Jonglei-Kanalprojekt protestierten, weil es ihre Lebensweise bedrohte. Die Konstruktion wurde 1974 von Ägypten und dem Sudan begonnen, aber der Riesenkanal wurde nie fertig gestellt. Es wird befürchtet, dass ein fertiger Kanal Dürren und Grundwasserverseuchung im Südsudan zur Folge hätte (sudantribune.com, 26.05.2007).
Zum Weiterlesen:
Vincent Tucker (1999): The Myth of Development. A Critique of a Eurocentric Discourse. In: Ronaldo Munck / Denis O’Hearn (Hrsg.): Critical Development Theory. Contributions to a New Paradigm. London: Zed Books, S. 1-26.
OK
Westliche Filme scheinen immer die Native American Frauen beim Wäsche waschen im Fluss zu zeigen, Männer mit Tomahawks oder Speeren in der Hand, geschmückt mit vielen Federn. Diese Bilder sind in den Köpfen einiger Menschen hängengeblieben. Viele denken, dass wir entweder Visionäre sind, „edle Wilde“, (…) oder tragische Alkoholiker*innen. Wir werden selten als wirkliche Menschen dargestellt, die eine größere Zähigkeit im Hinblick darauf haben, an unserem Kultur- und Wertesystem festzuhalten als die meisten Menschen.
Richtig!
Westliche Filme scheinen immer die Native American Frauen beim Wäsche waschen im Fluss zu zeigen, Männer mit Tomahawks oder Speeren in der Hand, geschmückt mit vielen Federn. Diese Bilder sind in den Köpfen einiger Menschen hängengeblieben. Viele denken, dass wir entweder Visionäre sind, „edle Wilde“, (…) oder tragische Alkoholiker*innen. Wir werden selten als wirkliche Menschen dargestellt, die eine größere Zähigkeit im Hinblick darauf haben, an unserem Kultur- und Wertesystem festzuhalten als die meisten Menschen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Wilma Mankiller (1945-2010) war eine Native American Aktivistin, Feministin und Chief der Cherokee/Tsalagi Nation.
Quelle:
Jone Johnson Lewis (2017): Wilma Mankiller Quotes. (Orginalquelle unbekannt)
Kontext:
Besonders in Western-Filmen, aber auch in anderen Genres ist stereotype Darstellung von Native Americans verbreitet. Oft wurden sie einseitig als gewalttätige Bedrohung dargestellt und somit auch von der Kulturindustrie Hollywoods die Enteignungen und Genozide indigener Menschen in den Amerikas rückwirkend gerechtfertigt. Gleichzeitig wurden weiße Menschen meist als Individuen und Vertreter von höherer Kultur dargestellt und so die weiße Überlegenheit gefestigt. Wilma Mankiller, erste weibliche Chief der Cherokee, setzte auf Empowerment und die Verbreitung positiver Selbstbilder von marginalisierten Gruppen, um gezielt dieser rassistischen Bildproduktion entgegenzuwirken. John Wayne, der bekannteste Western-Schauspieler, hat über die Enteignung der Indigenen behauptet: „Wir haben nichts falsch gemacht, als wir ihnen dieses großartige Land weggenommen haben. Dieser sogenannte Diebstahl war nichts anderes als eine Frage des Überlebens.“ (Der Spiegel, 11.06.2019)
Zum Weiterlesen:
*Neil Diamond (2010): Reel Injun. Dokumentarfilm. (Trailer)
*Red Haircrow et al. (derzeit in Arbeit): Forget Winnetou. Going beyond Native Stereotypes. Dokumentarfilm.
*Matika Wilbur (2013): Changing the way we see Native Americans. Dokumentarfilm.
*Der Spiegel (11.06.2019): Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf.
OK
Es scheint, dass die Deutschen uns Auschwitz nie verzeihen werden.
Richtig!
Es scheint, dass die Deutschen uns Auschwitz nie verzeihen werden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Österreich-Ungarn: Zvi Rix.
Zvi Rix (1909-1981) wurde in Österreich-Ungarn geboren. Der jüdische Arzt arbeitete zunächst in Wien. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten floh er und widmete sich der Psychoanalyse mit Schwerpunkt auf generationale Traumaverarbeitung. Er wanderte nach Israel aus, wo er bis zu seinem Tod lebte.
Quelle:
Leo Katcher (1968): Post Mortem. The Jews in Germany now. New York: MW Books.
Kontext:
Der Satz nimmt Bezug auf den „Schuldabwehrantisemitismus“. Eine der prägenden, größeren Manifestationen dieses „Schuldabwehrantisemitismus“ in der Berliner Republik war die Walser-Rede in der Frankfurter Paulskirche 1998. Walser sprach in seiner Laudatio vom Holocaust als eine „Dauerrepräsentation unserer Schande“, von einer „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“. Auschwitz sei ein „jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel“ um „alle Deutschen“ zu verletzen. Die 1.200 Zuhörer – die Elite Deutschlands – stand auf und applaudierte „stürmisch“. Nur Friedrich Schorlemmer, Ignatz Bubis und seine Frau blieben sitzen. Walser hatte bis dahin als ein „Linker“, progressiver Intellektueller gegolten.
Alle Motive der Leugnung, der Relativierung sowie der „Schlussstrich“-Forderung spielen also im Komplex des sogenannten sekundären Antisemitismus eine Rolle. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich hierbei um eine Projektion, um das eigene Eingeständnis des im deutschen Namen verübten Verbrechens zu verhindern.
Zum Weiterlesen:
Max Czollek (2018): Desintegriert euch. München: Hanser Verlag.
Jüdische Allgemeine (Meron Mendel, 2020): Moralische Selbsterhöhung. Die Deutschen werden keine Gelegenheit verpassen, die Juden über Auschwitz zu belehren.
OK
Wir haben jeder Familie eine Arbeitsstelle gegeben, die ihre Häuser und ihr Land durch den Dock Complex verloren haben.
Richtig!
Wir haben jeder Familie eine Arbeitsstelle gegeben, die ihre Häuser und ihr Land durch den Dock Complex verloren haben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
M.L. Meena (Geburtsdatum unbekannt) war Deputy Chairman des Haldia Dock Complex nahe Kolkatta, Indien.
Quelle:
Zitiert in Samata Biwas (2016): Haldia: Logistics and its Other(s). Workshop-paper Kolkata Research Group.
Kontext:
Viele Migrationen von Menschen finden auch innerhalb einer Nation statt. Als Indien sich 1947 von der britischen Kolonialherrschaft befreite, wurde die ehemalige Kolonie in die unabhängigen Staaten Indien und Pakistan geteilt. „Für mehr als zehn Millionen Menschen auf beiden Seiten der neuen Grenze war das gleichbedeutend mit Umsiedlung, Flucht und Vertreibung“ (Bundeszentrale für politische Bildung (2014): Die Teilung Britisch-Indiens 1947). Andere erzwungene Migrationen finden aufgrund von sogenannten Entwicklungsprojekten statt. Das Zitat stammt aus dem Raum Kolkatta in West-Bengalen, wo für den Bau des Dock- und Hafenkomplex viele Menschen enteignet wurden. Viele warten seit Jahrzehnten auf Entschädigungen.
Zum Weiterlesen:
*Samata Biswas (2017): Haldia, A Port City in India.
*Ranabir Samaddar (2017): Die Krise des Kapitalismus bedeutet nicht das Ende des Kapitalismus. In: glokal e.V. (Hrsg.): Connecting the dots. Lernen aus Geschichte(n) von Unterdrückung und Widerstand, S. 72.
*Kalim Siddiqui (2012): Development and Displacement in India: Reforming the
Economy towards Sustainability.
OK
„Gezi Geschehnisse waren genau wie der leitende Protagonist von CHP ein Projekt. Dieses Projekt ist der Verrat, die Türkei zu fesseln, den gesegneten Marsch unserer Nation zu behindern. Die Historiker werden es schreiben, wie wir durch unsere Einheit, unsere Brüderlichkeit dieses für unsere Nation geplante Leichentuch zerrissen haben. Eine Person, die die Gezi Geschehnisse lobte, die Vandalen von Gezi verherrlichte, die uns dadurch mit Irrsinn beschuldigte und die wieder als Investor der Gezi-Terroristen agierte, ist nun im Gefängnis. Hinter ihm steht der berühmte ungarische Jude Soros.
Dieser Mann besitzt so viel Geld und beauftragt einfach andere, um Nationen zu spalten. Sein Handlanger in der Türkei ist vom Vater genau so reich und unterstützt einfach den Terror – egal welche Art – mit all seinen Möglichkeiten, der diese Nation aufspalten will. Der ist nun im Gefängnis. Warum sollte unsere Justiz einen Unschuldigen reinnehmen?“
Richtig!
„Gezi Geschehnisse waren genau wie der leitende Protagonist von CHP ein Projekt. Dieses Projekt ist der Verrat, die Türkei zu fesseln, den gesegneten Marsch unserer Nation zu behindern. Die Historiker werden es schreiben, wie wir durch unsere Einheit, unsere Brüderlichkeit dieses für unsere Nation geplante Leichentuch zerrissen haben. Eine Person, die die Gezi Geschehnisse lobte, die Vandalen von Gezi verherrlichte, die uns dadurch mit Irrsinn beschuldigte und die wieder als Investor der Gezi-Terroristen agierte, ist nun im Gefängnis. Hinter ihm steht der berühmte ungarische Jude Soros.
Dieser Mann besitzt so viel Geld und beauftragt einfach andere, um Nationen zu spalten. Sein Handlanger in der Türkei ist vom Vater genau so reich und unterstützt einfach den Terror – egal welche Art – mit all seinen Möglichkeiten, der diese Nation aufspalten will. Der ist nun im Gefängnis. Warum sollte unsere Justiz einen Unschuldigen reinnehmen?“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Recep Tayyip Erdogan ist ein türkischer Politiker. Von 1994 – 1998 war Bürgermeister der Stadt Istanbul. Von 2003 – 2014 wurde er in das Amt des Ministerpräsidenten gewählt. Seit 2014 ist er Präsident der türkischen Republik.
Quelle:
https://www.salom.com.tr/haber-108792-cumhurbaskani_erdogan_kavalanin_arkasinda_macar_yahudisi_soros_var.html
Kontext:
2013 soll Osman Kavala im Zusammenhang mit den Gezi-Protesten den Umsturz der Regierung Erdogan versucht haben. Es ist das Ende eines umstrittenen Prozesses, den viele westliche Staaten als politisch motiviert erachten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2019 die Freilassung von Osman Kavala angeordnet. 2022 wurde Kavala zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch die antisemitische Verschwörungserzählung des „Great reset“ (beliebt bei den Neuen Rechten und Trump Anhängern) benutzt das Narrativ „Soros“ würde mit seinen Sitftungen „Regierungen stürzen“.
Zum Weiterlesen:
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/kavala-tuerkei-101.html
OK
Wir müssen ein kühnes neues Programm in Gang setzen, um die Vorzüge unseres wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts für die Verbesserung und das Wachstum der unterentwickelten Gegenden zur Verfügung zu stellen.
Richtig!
Wir müssen ein kühnes neues Programm in Gang setzen, um die Vorzüge unseres wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts für die Verbesserung und das Wachstum der unterentwickelten Gegenden zur Verfügung zu stellen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Harry S. Truman (1884-1972) war ein US-amerikanischer Politiker (Demokraten) und von 1945 bis 1953 Präsident der USA.
Quelle:
Harry S. Truman (20.01.1949): 19 – Inaugural Address.
Kontext:
Trumans Rede wird oftmals als Beginn von Entwicklungspolitik herangezogen. Diese ist jedoch schon älter. Schon 1929 schufen Großbritannien den ‚Colonial Development Act‘. Ideen von menschlicher und gesellschaftlicher Entwicklung lassen sich über die Aufklärung zurückverfolgen bis in die griechische Antike. Besonders wirkmächtig wurde das Konzept politisch nach dem Zweiten Weltkrieg, im Kontext des Kalten Krieges und der Dekolonisierung. Auch die USA nutzte sowohl das Versprechen von „Entwicklung“ sowie auch die Abwertung der „Unterentwicklung“ für ihre geo- und außenpolitischen Interessen.
Zum Weiterlesen:
*Aram Ziai (2010): Zur Kritik des Entwicklungsdiskurses. In: APuZ – Aus Politik und Zeitgeschichte 10.
*Arturo Escobar (1995): Encounterin Development. The Making and Unmaking of the Third World. Princeton: Princeton University Press.
OK
„Vor diesem Virus war die Menschheit bereits mit Erstickungsgefahr bedroht. Wenn es Krieg geben muss, kann er nicht so sehr gegen ein bestimmtes Virus gerichtet sein, sondern gegen alles, was […] in der langen Herrschaft des Kapitalismus ganze Bevölkerungsgruppen der Welt […] zu einem schweren, keuchenden Atem und einem Leben der Unterdrückung gezwungen hat.
Diese Einschränkung zu überwinden würde bedeuten, dass wir das Atmen jenseits seines rein biologischen Aspekts […] als das [erfassen], was wir gemeinsam haben […]. Damit meine ich das universelle Recht zu atmen.“
Richtig!
„Vor diesem Virus war die Menschheit bereits mit Erstickungsgefahr bedroht. Wenn es Krieg geben muss, kann er nicht so sehr gegen ein bestimmtes Virus gerichtet sein, sondern gegen alles, was […] in der langen Herrschaft des Kapitalismus ganze Bevölkerungsgruppen der Welt […] zu einem schweren, keuchenden Atem und einem Leben der Unterdrückung gezwungen hat.
Diese Einschränkung zu überwinden würde bedeuten, dass wir das Atmen jenseits seines rein biologischen Aspekts […] als das [erfassen], was wir gemeinsam haben […]. Damit meine ich das universelle Recht zu atmen.“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Joseph-Achille Mbembe (geb. 1957) ist kamerunischer Historiker und Politikwissenschaftler. Er ist Professor an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg, Südafrika.
Quelle:
The University of Chicago Press Journal (Achille Mbembe), 13.04.2020: „The Universal Right To Breathe.“
Kontext:
Mbembe macht in seinem Artikel auf die allgemeine Zerstörung der Grundlagen allen Lebens auf unserem Planeten aufmerksam. „Vor allem in Afrika, aber auch an vielen Orten im globalen Süden werden der energieintensive Abbau, die Ausweitung der Landwirtschaft, räuberische Landverkäufe und die Zerstörung von Wäldern unvermindert weitergehen. Die Stromversorgung und Kühlung von Computerchips und Supercomputern hängt davon ab. […] Wenn COVID-19 in der Tat der spektakuläre Ausdruck der planetarischen Sackgasse ist, in der sich die Menschheit heute befindet, dann geht es um nichts Geringeres als den Wiederaufbau einer bewohnbaren Erde, um uns allen den Atem des Lebens zu geben. Wir müssen die Lunge unserer Welt zurückerobern, um neue Wege zu beschreiten. Mensch und Biosphäre sind eins. Alleine hat die Menschheit keine Zukunft.“
Zum Weiterlesen:
OK
Afrikas Drama ist, dass der Afrikaner nicht genug in die Geschichte eingetreten ist. Der afrikanische Bauer kennt nur den ewigen Wiederbeginn der Zeit im Rhythmus der endlosen Wiederholung derselben Gesten und derselben Worte. In dieser Geisteshaltung, wo alles immer wieder anfängt, gibt es Platz weder für das Abenteuer der Menschheit noch für die Idee des Fortschritts.
Richtig!
Afrikas Drama ist, dass der Afrikaner nicht genug in die Geschichte eingetreten ist. Der afrikanische Bauer kennt nur den ewigen Wiederbeginn der Zeit im Rhythmus der endlosen Wiederholung derselben Gesten und derselben Worte. In dieser Geisteshaltung, wo alles immer wieder anfängt, gibt es Platz weder für das Abenteuer der Menschheit noch für die Idee des Fortschritts.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Nicolas Sarkozy (geb. 1955) war von 2007 bis 2012 französischer Staatspräsident.
Quelle:
Peter Cichon / Reinhart Hosch / Fritz Peter Kirsch (Hrsg., 2010): Der undankbare Kontinent? Afrikanische Antworten auf europäische Bevormundung. Hamburg: Argument, S. 44.
Kontext:
Das Zitat stammt aus einer Rede Sarkozys an einer Universität im Senegal, die nach dem senegalesischen Historiker Cheikh Anta Diop (1923-1986) benannt ist. Diop hatte erklärt, die westliche Geschichtswissenschaft erforsche die Welt aus einer eurozentristischen Perspektive. Außerdem verfälsche sie die Geschichte Afrikas massiv. Frankreich war seit dem 17. Jhd an kolonialen Angriffen auf den Senegal beteiligt, ab 1891 Kolonialmacht. 1960 erreichte das Land seine Unabhängigkeit. Sarkozy wurde von senegalesischen Kommentator*innen vorgeworfen, sich eines rassistischen kolonialen Sprache zu bedienen. Sarkozys Nachfolger Präsident Emmanuel Macron folgt diesem kolonialen Diskurs. Er behauptete 2017, Afrika hätte „zivilisatorische Probleme“, u.a. „weil Frauen sieben Kinder hätten.“
Zum Weiterlesen:
*Peter Cichon, Reinhart Hosch & Fritz Peter Kirsch (Hrsg. 2010): Der undankbare Kontinent? Afrikanische Antworten auf europäische Bevormundung. Hamburg: Argument, S. 37-56.
*Boniface Mabanza (2020): 60 Jahre Unabhängigkeit des Kongo: Die alten Strukturen bestehen weiter.
OK
Wenn der Richter sonst allenthalben zu individualisieren hat, d.h. das zu behandelnde Subjekt erst in seiner Eigentümlichkeit erforschen und kennenlernen und danach den Gang seines Verfahrens bestimmen muß, so darf der Eingeweihte, mit dem Wesen der Z* ohne alle Gefahr generalisieren.
Richtig!
Wenn der Richter sonst allenthalben zu individualisieren hat, d.h. das zu behandelnde Subjekt erst in seiner Eigentümlichkeit erforschen und kennenlernen und danach den Gang seines Verfahrens bestimmen muß, so darf der Eingeweihte, mit dem Wesen der Z* ohne alle Gefahr generalisieren.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Aus einer Schrift des fürstlich Reuß-Plauenscher Criminalraths und Vorstand des Fürstlichen Criminalgerichts zu Lobenstein in Thürigen aus dem 19. Jahrhundert.
Quelle:
Klaus Michael Bogdal (2011): Europa erfindet die Zigeuner. Bonn: bpb, S. 279.
Kontext:
Erste dokumentierte Erwähnungen von Sint:ezza und Romn:ja im heutigen Deutschland finden am Anfang des 15. Jahrhunderts statt. Die Vorfahren der heute in Europa lebenden Sint:ezza und Romn:ja migrierten aus dem heutigen Indien und Pakistan. Sehr bald nach ihrer Ankunft entstanden nach anfänglicher Duldung diskriminierende Praktiken und rassifizierende Zuschreibungen gegenüber Sint:ezza und Romn:ja. Sehr früh wird weißen Deutschen ein Freischein ausgesprochen, alle Sint:ezza und Romn:ja mit Kriminellen gleichzusetzen, so dass es z.B. keinerlei Beweise bedarf, wenn Sint:ezza und Romn:ja eines Diebstahls beschuldigt werden. Sie werden per se als Kriminelle behandelt. Trotz Ausgrenzungen, die Sint:ezza und Romn:ja bis heute in Deutschland erleben, waren sie entgegen der NS-Propaganda und bis zur Machtübernahme durch den Reichskanzler Adolf Hitler fester Bestandteil gesellschaftlichen Lebens. Trotz vielfältigen Widerstands vor der Deportation und in den Vernichtungslagern selber fielen schätzungsweise 500.000 Sint:ezza und Romn:ja im Porajmos, dem Genozid, den Deutschen zum Opfer.
Zum Weiterlesen:
*Karola Fings (2016): Sinti und Roma. Geschichte einer Minderheit. München: Ch. Beck.
*Ian Hancock (1987): The Pariah Syndrome. An Account of Gypsy Slavery and Persecution.
*Romani Phen: Romnja Archiv.
*Amoro Foro e.V.: Interkulturelle Jugendselbstorganisation von Roma und Nicht-Roma.
OK
du siehst/ mich hinter/ deiner pocket kamera/ erinnerungen aus ostafrika/ und das/ was du gelesen hast/ darüber/ bereit es auf mir abzuladen// (…)/ den letzten urlaub/ hast du/ dort verbracht/ und willst/ mich/ tanzen sehen/ damit die bilder wieder/ greifbar werden// ich schau dich an/ und in die ferne/ in die vergangenheit/ vor und zurück/ suche/ nach einem grund/ dich/ SCHWESTER/ zu nennen.
Richtig!
du siehst/ mich hinter/ deiner pocket kamera/ erinnerungen aus ostafrika/ und das/ was du gelesen hast/ darüber/ bereit es auf mir abzuladen// (…)/ den letzten urlaub/ hast du/ dort verbracht/ und willst/ mich/ tanzen sehen/ damit die bilder wieder/ greifbar werden// ich schau dich an/ und in die ferne/ in die vergangenheit/ vor und zurück/ suche/ nach einem grund/ dich/ SCHWESTER/ zu nennen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
May Ayim (1960-1996) war afrodeutsche Dichterin, Aktivistin, Pädagogin und Logopädin.
Quelle:
May Ayim 1995: 75
Kontext:
Ayim spricht von der Herausforderungen der Bündnisse zwischen Schwarzen und weißen Feminist*innen. Das Konzept einer „globalen“ Schwesternschaft, zu dem die Frauenbewegung des Globalen Nordens aufruft, ist auch für Gayatri Spivak oft nichts weiter als eine paternalistische Mission in Richtung der „armen“ Schwestern in der „Dritten Welt“. Immer wieder weist sie die feministischen Bewegungen des Nordens darauf hin, dass die Kämpfe der Frauen im Süden eine andere materielle Grundlage haben als jene, die von Frauen der „Ersten Welt“ ausgetragen werden. Die verbreitete Praxis, Frauen des Südens zu romantisieren, zu viktimisieren oder etwa in paternalistischer Manier darzustellen, ist symptomatisch für ein kolonialistisches Wohlwollen. Auch bell hooks ruft zu einer Vielfältigkeit, Auseinandersetzung und Anderssein innerhalb der feministischen Solidarität auf: „Solidarität muß nicht unbedingt auf gemeinsame Erfahrung beruhen. Sie kann sich auf das politische und ethische Verständnis von Rassismus und die Absage an Dominanz gründen“ (hooks 1994: 23f.)
Zum Weiterlesen:
*May Ayim (1995): schwarz weiss monolog, in: Blues in Schwarz-Weiss. Berlin: Orlanda Frauenverlag.
*Audre Lorde (2009): I Am Your Sister: Collected and Unpublished Writings of Audre Lorde. Oxford & New York: Oxford University Press.
*Gayatri Spivak (1988): Can The Subaltern Speak? In: Cary Nelson & Lawrence Grossberg (Hrsg.): Marxism and the Interpretation of Culture. Chicago: University of Illinois Press, S. 66f.
*bell hooks (1986): Sisterhood: Political Solidarity between Women.
* bell hooks (1994): Black Looks. Deutsche Ausgabe, S. 23 f.
OK
Die Bauernknechte sind zu reich … sie kennen keinen Gehorsam, sie beachten keine Gesetze, sie möchten keine Herren haben. … Sie werden uns vorschreiben wollen, welche Pacht wir für unser Grundstück nehmen sollen!
Richtig!
Die Bauernknechte sind zu reich … sie kennen keinen Gehorsam, sie beachten keine Gesetze, sie möchten keine Herren haben. … Sie werden uns vorschreiben wollen, welche Pacht wir für unser Grundstück nehmen sollen!
Jahr:
Autor*inneninfo:
Englische Chronik aus dem 16. Jahrhundert. 1550 ist eine ungefähre Jahreszahl.
Quelle:
Zitat: R. H. Tawney and Eileen Power (1924): Tudor Economic Documents, London, vol. iii, S. 58 (Rechtschreibung modernisiert) zitiert nach Christopfer Dyer (1968): A Redistribution of Incomes in Fifteenth-Century England? In: Past & Present, No. 39, Oxford University Press, S. 33
Bild: Spartakus Educational
Kontext:
Besonders im 14. Jahrhundert gab in ganz Europa Aufstände gegen Kirche und Adel, die Bäuer*innen als Leibeigene arbeiten ließen. Dieser Widerstand wurde von den großen Pestseuchen geschwächt (Federici 2014: 55ff.). Arme Menschen, deren Gesundheit schon vorher angegriffen war, waren besonders anfällig. Die Pest führte allerdings auch dazu, dass viele Leibeigene aufgrund des drohenden Todes keinen Sinn mehr darin sahen, so hart zu arbeiten. Auch führten die großen Pestepidemie von 1346 bis 1353 (durch die ein Drittel von Europas Bevölkerung starb) zu einem Mangel an Arbeitskräften. Dadurch konnten die überlebenden Bäuer:innen in einigen Regionen bessere Arbeits- und Lebensbedingungen von ihren Herren fordern (ebd.), die sich – wie im Zitat – über das neue Selbstbewusstsein beschwerten.
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum, S. 55ff.
*Juliet B. Schor (1991): The Overworked American: The Unexpected Decline of Leisure. New York: Basic Books.
OK
(…) die Flüchtlinge müssen hinausgeworfen werden, und die Bauern müssen dabei tatkräftig mithelfen.
Richtig!
(…) die Flüchtlinge müssen hinausgeworfen werden, und die Bauern müssen dabei tatkräftig mithelfen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Jakob Fischbacher (1886-1972) gründete 1946 die Bayernpartei, die sich als Sammelbecken von Konservativen und Separatisten für ein unabhängiges Bayern verstand und in deren Zentrum die Abwehr von Ost-Flüchtlingen stand.
Quelle:
Der Spiegel 16/1947: Preußen-Attacke.
Kontext:
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nicht nur transnationale Migrationsbewegungen, sondern ein viele Menschen migrierten auch innerhalb der neu entstandenen Staaten. In Deutschland migrierten 14 Millionen vertriebene Deutsche aus den während des Faschismus besetzen Ostgebieten und den ehemaligen Teilen Deutschlands gen Westen. In Bayern gab es bis 1950 einen Bevölkerungszuwachs von fast 30%. Die Ost-Flüchtlinge waren zwar Teil des völkischem Konstruktes der deutschen Identität, aber aus Gründen der radikalen Umverteilung wurden sie vehement abgewehrt. Andreas Schachner von der Bayernpartei sagte, dass sich so viele Fremde an den „bayerischen Futterkrippen“ bedienten, „dass Pogrome nötig wären, um die Gerechtigkeit wiederherzustellen“ (Hoefer 2015). Die Parolen erinnern an aktuelle Diskussionen, die Flucht und Migrationsbewegungen seit Anfang der 2010er Jahre nach Europa begleiten.
Zum Weiterlesen:
*Carsten Hoefer (2015): „Die Flüchtlinge müssen hinausgeworfen werden.“
*Spiegel (1947): Preußen-Attacke.
OK
Wir haben es jetzt mit einem anderen Volk zu tun, klein und schwach, als unsere Vorfahren zum ersten Mal mit ihnen zusammentrafen, aber jetzt groß und anmaßend. Seltsamerweise haben sie die Absicht, den Boden zu bestellen, und die Liebe zum Besitz ist eine Krankheit in ihnen. Sie haben viele Gesetze gemacht, die die Reichen brechen dürfen, die Armen aber nicht. Sie haben eine Religion, in der die Armen beten und die Reichen nicht. Sie nehmen das Geld der Armen und Schwachen, um die Reichen und Regierenden damit zu unterstützen. Sie beanspruchen unsere Mutter, die Erde, für ihren eigenen Gebrauch und grenzen sich von ihren Nachbarn ab. Wenn Amerika doppelt so groß wäre, wie es ist, es wäre immer noch nicht genug für sie.
Richtig!
Wir haben es jetzt mit einem anderen Volk zu tun, klein und schwach, als unsere Vorfahren zum ersten Mal mit ihnen zusammentrafen, aber jetzt groß und anmaßend. Seltsamerweise haben sie die Absicht, den Boden zu bestellen, und die Liebe zum Besitz ist eine Krankheit in ihnen. Sie haben viele Gesetze gemacht, die die Reichen brechen dürfen, die Armen aber nicht. Sie haben eine Religion, in der die Armen beten und die Reichen nicht. Sie nehmen das Geld der Armen und Schwachen, um die Reichen und Regierenden damit zu unterstützen. Sie beanspruchen unsere Mutter, die Erde, für ihren eigenen Gebrauch und grenzen sich von ihren Nachbarn ab. Wenn Amerika doppelt so groß wäre, wie es ist, es wäre immer noch nicht genug für sie.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Sitting Bull (ca. 1831-1890) hieß eigentlich Tȟatȟáŋka Íyotake. Er war ein Anführer und Heiler der Hunkpapa-Lakota-Sioux.
Quelle:
Bob Blaisdell (2014): The Dover Anthology of American Literature. From 1865 to 1922. S. 77.
Kontext:
Die heutigen USA wurden als sogenannte Siedlungskolonie mit europäischen Migrant:innen bevölkert. In dem Zitat spricht Sitting Bull als Native American über die Genoziderfahrung während dieser Kolonisation. Der bis heute populäre Anführer der Sioux trauert um die Enteignung der Native Americans. Gleichzeitig werden in dem Zitat auch analytische Aspekte deutlich, die Aufschluss darüber geben, wie Sitting Bull die Siedlungspolitik, die Massenermordung und die Kriege, aber auch die neue gesamte Kultur, die mit dem ‚weißen Mann‘ in ihr Land kam, beobachtete, analysierte und interpretierte.
Zum Weiterlesen:
*Dee Brown (1970): Bury My Heart at Wounded Knee. An Indian History of the American West. New York: Holt, Rinehart & Winston.
OK
Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muss in Deutschland Kritik an der Politik Israels üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden.
Richtig!
Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muss in Deutschland Kritik an der Politik Israels üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Deutschland: Jürgen Möllemann
Möllemann (1945-2003) war FDP-Politiker und bekleidete zwischen 1987 und 1991 das Amt des Bundesministers für Bildung und des Bundeswirtschaftsministers zwischen 1991 und 1993. In der sog. Möllemann-Affäre 2002/2003 rief Möllemanns scharfe Kritik am Vorgehen Israels gegenüber Palästinensern und dem geäußerten Verständnis für Selbstmordattentate parteiübergreifend Widerspruch und Kritik hervor.
Quelle:
heute Journal (16.05.2002): Interview mit Jürgen Möllemann
Kontext:
Möllemann gibt in dem Zitat an, dass nicht antisemitische Stereotype und Judenhass Antisemitismus stärkt, sondern macht das Vorgehen der damaligen israelischen Regierung sowie Äußerungen des damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, für Antisemitismus verantwortlich. Die Verantwortung für Antisemitismus alleinig der israelischen Regierung zuzuschieben, setzt sich auch heute fort. In der 2019 veröffentlichten Studie zu Antisemitismus in Deutschland des World Jewish Congress gaben 22 Prozent der Befragten an, diesem Narrativ zuzustimmen.
Zum Weiterlesen:
Spiegel (2002): FDP: Für den Zentralrat der Juden ist Möllemann ein Antisemit.
Statista.com (2019): Einstellungen in Deutschland zu antisemitischen Aussagen.
OK
Am Anfang erzählte ich allen, ich sei aus Trinidad, damit ich nicht über Sri Lanka und den Krieg sprechen musste. Ich wollte nicht sagen, dass ich eine Geflüchtete bin.
Richtig!
Am Anfang erzählte ich allen, ich sei aus Trinidad, damit ich nicht über Sri Lanka und den Krieg sprechen musste. Ich wollte nicht sagen, dass ich eine Geflüchtete bin.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Mathangi „Maya“ Arulpragasam (geb. 1975) ist eine britische Sängerin und Musikproduzentin, die unter dem Kürzel M.I.A. auftritt, was sowohl für Missing in Action als auch Missing in Acton (Stadtteil von London) steht.
Quelle:
Frank Sawatzki (2005): Maya rennt.
Kontext:
Geflüchtete Menschen sind oft jahrelanger Migration ausgesetzt, bis sie ihr Zielland erreichen. Die seelischen Traumata, die Geflüchtete möglicherweise aus Kriegsgebieten mit sich bringen (Kriegserfahrungen und Vergewaltigung, Verlust von Familienangehörigen), haben aufgrund des Überlebenskampfes im Grenzregime oft wenig Raum für Heilung. Im Gegenteil: Die Gewalt und fehlende Schutzräume – insbesondere für Frauen – setzen sich im Ankunftsland oft fort. In vielen Ländern gibt es allerdings selbstorganisierte kritisch-psychiatrische Versorgungsstellen, die bei der Bearbeitung von psychischen Traumata Hilfestellungen leisten.
Zum Weiterlesen:
*Kien Nghi Ha (2003): Die kolonialen Muster deutscher Arbeitsmigrationspolitik. In: Hito Steyerl & Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Hrsg.): Spricht die Subalterne deutsch? Migration und postkoloniale Kritik. Münster: Unrast, S. 56–107.
*Maria do Mar Castro Varela (2017): „Das Leiden der Anderen betrachten“. Flucht, Solidarität und Postkoloniale Soziale Arbeit. In: Johanna Bröse et al. (Hrsg.): Flucht. Herausforderungen für Soziale Arbeit. Wiesbaden: Springer, S. 3-20.
OK
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