Quote:
“Ohne uns, ohne unsere Intervention würden diese indigenen Bevölkerungen immer noch Elend und Gemeinheit, Epidemien, massiven einheimische Krankheiten überlassen sein und Hungersnöte würden sie immer noch ihre Reihen lichten; gemeine Könige und korrupte “chiefs” würden sie immer noch nach bösartigen Launen opfern … and sie würden zugrunde gehen im Elend inmitten von unausgenutztem Reichtum.”
Quelle:
Autor*inneninfo:
Albert Sarrout war französischer Kolonialbeamter. Das Bild zeigt nicht ihn, sondern einen anonymen französischen Kolonialbeamten. Die Jahreszahl 1893 wurde von David Spurr nicht konkret angegeben und wurde von uns geschätzt.Kontext:
Aus dem Zitat spricht der koloniale Blick des europäischen Beamten: die dem weißen Mann auferlegte zivilisatorische Mission. Der Kinderbuchautor des Dschungelbuchs Rudyard Kipling hatte dies 1899 als „white mans burden“ bezeichnet. Diese „Last“ (burden) wurde von Europäer:innen ausgenutzt, um gewalttätige Unterwerfung und kapitalistische Ausbeutung zu rechtfertigen. Die Konzentration auf und die ständige Wiederholung von scheinbaren Mängeln und Defiziten (aus Perspektive von Europäer:innen!) erschafft die Abwertung der „Anderen“ als nicht-zivilisiert. Zwei Punkte sind dabei zentral: (1) die eurozentristische Perspektive darauf, was sogenannte Zivilisation zu sein hat und (2) die Reduktion der Kolonisierten auf Defizite. Auch in gegenwärtigen Beschreibungen von Nord-Freiwilligen im Globalen Süden tauchen oft noch dies auf Defizite fokussierten Perspektiven auf (glokal 2013: 30ff.).
Wie beschreibe ich die Lebensumstände in dem Land, in dem ich mich für meinen Freiwilligendienst aufhalte?