Padre José de Acosta (ca. 1539-1600) war spanischer Jesuit. Nachdem er in Spanien an der Universität gelehrt hatte, reiste er 1570 als Missionar in die Amerikas. Er ist Verfasser von „Historia natural y moral de las Indias“, aus dem das Zitat stammt.
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OK
Die Piru-Indianer glaubten gewöhnlich, dass die Seelen nach diesem Leben weiterlebten (…). Zu diesem Zweck legten sie ihren Nachkommen Kleider an und brachten Opfer dar. (…) So töteten sie an dem Tag, an dem sie starben, die Frauen, die ihnen gefallen hatten, und Diener und Beamte, damit sie ihnen im anderen Leben dienen würden. (…) Der gleiche Aberglaube und die Unmenschlichkeit, Männer und Frauen für die Begleitung und den Dienst der Verstorbenen im Jenseits zu töten, haben andere barbarische Nationen benutzt und benutzen sie noch immer.
Richtig!
Die Piru-Indianer glaubten gewöhnlich, dass die Seelen nach diesem Leben weiterlebten (…). Zu diesem Zweck legten sie ihren Nachkommen Kleider an und brachten Opfer dar. (…) So töteten sie an dem Tag, an dem sie starben, die Frauen, die ihnen gefallen hatten, und Diener und Beamte, damit sie ihnen im anderen Leben dienen würden. (…) Der gleiche Aberglaube und die Unmenschlichkeit, Männer und Frauen für die Begleitung und den Dienst der Verstorbenen im Jenseits zu töten, haben andere barbarische Nationen benutzt und benutzen sie noch immer.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Quelle:
Padre Joseph de Acosta (1589): Historia Natural y Moral de las Indias. Sevilla: Casa de Juan de Leon, S. 26.
Kontext:
Mit der Bezeichnung der indigenen Bevölkerung der Amerikas als bestialisch, kannibalistisch, als Teufelsanbeter:innen etc. rechtfertigten die Spanier:innen ihr Eroberungen. So konnten sie ihre Jagd nach Gold und Silber als Zivilisierungsmission tarnen (Federici 2014: 267). Diese Erzählungen, u.a. von de Acosta weitergeführt, halfen der spanischen Krone, um vom Papst 1508 die komplette Autorität über die Amerikas zugesprochen zu bekommen und rechtfertigten Unterwerfung, Versklavung, Vergewaltigung, Folter und Vernichtung. Einige vorkoloniale Gesellschaften in den Amerikas brachten tatsächlich massenhaft Menschenopfer. Allerdings standen diese in keinem Verhältnis zu der fast vollständigen Vernichtung der indigenen Bevölkerung durch die Spanier:innen, die u.a. der Dominikanermönch Bartolomé de las Casas beschreibt. Laut dem Cortez kamen 1521 bei der Eroberung der aztekitschen Stadt Tenochtitlan 100.000 Menschen ums Leben (ebd.: 269).
Zum Weiterlesen:
*James Cockcroft (1983): Mexico: Class Formation, Capital Accumulation and the State. New York: Monthly Review Press, S. 19
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: Mandelbaum kritik & utopie, S. 267ff.
*Teno, Jean Marie (2004): „Gehet hin in alle Welt …“ Die deutsche Mission in Afrika. Dokumentarfilm. Frankreich/ Deutschland.
OK
„So fühlte ich ja auch, nur, dass man das nach außen gar nicht tragen kann. Sie können ihren Schmerz und den Grund für diesen Schmerz, dass die Zwangssterilisation war, konnte ich ja gar nicht nach außen irgendwie deutlich machen. Weil es mit einem solchen Makel behaftet ist, als minderwertig zwangssterilisiert worden zu sein, lebenslang als minderwertig abgestempelt zu sein. Das ist ja eine unglaubliche Sache. Stellen Sie sich mal vor, Sie wären das!“
Richtig!
„So fühlte ich ja auch, nur, dass man das nach außen gar nicht tragen kann. Sie können ihren Schmerz und den Grund für diesen Schmerz, dass die Zwangssterilisation war, konnte ich ja gar nicht nach außen irgendwie deutlich machen. Weil es mit einem solchen Makel behaftet ist, als minderwertig zwangssterilisiert worden zu sein, lebenslang als minderwertig abgestempelt zu sein. Das ist ja eine unglaubliche Sache. Stellen Sie sich mal vor, Sie wären das!“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Dorothea Buck (1917-2019) war eine deutsche Autor*in und Bildhauer*in. Sie wurde unter der NS-Herrschaft als psychisch krank eingestuft und zwangssterilisiert. Sie hielt kritische Vorträge, schrieb Aufsätze und u.a. ein Theaterstück über den hunderttausendfachen Mord an psychisch Kranken und Behinderten in der NS-Zeit. 1992 gründete sie mit anderen Betroffenen den Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener.
Quelle:
RBB, 27.05.2010: „
Kontext:
Während der NS-Herrschaft wurden hundertausende Menschen Opfer von Menschenversuchen durch Mediziner:innen, sowie von menschenverachtender medizinischer Behandlungen und Krankenmorden. Die Nazis suchten sich ihre Opfer in Psychatrien, in Konzentrations- oder Kriegsgefangenenlagern. Nach den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher fanden 1946-1949 zwölf Nachfolgeprozesse statt. Im Ärzte-Prozess von 1946-1947 klagte das amerikanische Militärgericht 23 Mediziner:innen, Verwaltungsangestellte und einen Juristen an u.a. wg. Verbechen gegen die Menschlichkeit an. Sieben von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Der bekannteste Kriegsverbrecher, Joseph Mengele, Lagerarzt in Auschwitz 1943-1945, wurde nie gefasst und starb 1979 bei einem Badeunfall in Brasilien. Jahrzehntelang kämpften Opfer von KZ-Menschenversuchen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs um Entschädigung und Anerkennung. Auch hier können koloniale Ungerechtigkeiten ausgemacht werden, denn die Nazis sahen in Osteuropa ihr koloniales Projekt (Zimmerer 2003). Nach dem Krieg wurden osteuropäischen Überlebenden lange Zeit von allen Leistungen ausgegrenzt. „Dies änderte sich erst durch die internationale Aufmerksamkeit für das Verfolgungsschicksal der Gruppe polnischer Frauen, die als Ravensbrueck Lapins bekannt wurden. Ihr Fall trug maßgeblich dazu bei, dass die radikale Ausgrenzung osteuropäischer NS-Verfolgter allmählich aufweichte“ (Baumann 2009).
Bild: Die von Dorothea Buck geschaffene Bronze-Statue „Mutter mit Kind“ (Hamburg).
Zum Weiterlesen:
*Stefanie Michaela Baumann 2009: Menschenversuche und Wiedergutmachung : Der lange Streit um Entschädigung und Anerkennung der Opfer nationalsozialistischer Humanexperimente. Berlin, Boston, Oldenbourg: De Gruyter.
*Jürgen Zimmerer, Holocaust und Kolonialismus. Beitrag zu einer Archäologie des genozidalen Gedankens, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 51/2003, S. 1098–1119, hier S. 1102. Seine Beiträge zur Kontinuitätsfrage erschienen noch einmal gesammelt als ders., Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust, Berlin 2011.
OK
Ich will die Juden nicht umbringen oder abschlachten, sie auch nicht aus dem Lande vertreiben; ich will ihnen nichts nehmen, von dem, was sie einmal besitzen, aber ich will sie revidieren, und zwar funditus revidieren. Nicht länger dürfen falsche Toleranz und Sentimentalität, leidige Schwäche und Furcht uns Christen abhalten, gegen die Auswüchse, Ausschreitungen und Anmaßungen der Judenschaft vorzugehen. Nicht länger dürfen wir’s dulden, daß die Juden sich überall in den Vordergrund, an die Spitze drängen, überall die Führung das große Wort an sich reißen. Sie schieben uns Christen stets beiseite, sie drücken uns an die Wand, sie benehmen uns die Luft und den Athem. Sie führen tahtsächlich die Herrschaft über uns […]. Die ganze Weltgeschichte kennt kein zweites Beispiel, daß ein heimatloses Volk, ein physisch wie psychisch entschieden degenerirte Race, blos durch List und Schlauheit, durch Wucher und Schacher über den Erdkreis gebietet.
Richtig!
Ich will die Juden nicht umbringen oder abschlachten, sie auch nicht aus dem Lande vertreiben; ich will ihnen nichts nehmen, von dem, was sie einmal besitzen, aber ich will sie revidieren, und zwar funditus revidieren. Nicht länger dürfen falsche Toleranz und Sentimentalität, leidige Schwäche und Furcht uns Christen abhalten, gegen die Auswüchse, Ausschreitungen und Anmaßungen der Judenschaft vorzugehen. Nicht länger dürfen wir’s dulden, daß die Juden sich überall in den Vordergrund, an die Spitze drängen, überall die Führung das große Wort an sich reißen. Sie schieben uns Christen stets beiseite, sie drücken uns an die Wand, sie benehmen uns die Luft und den Athem. Sie führen tahtsächlich die Herrschaft über uns […]. Die ganze Weltgeschichte kennt kein zweites Beispiel, daß ein heimatloses Volk, ein physisch wie psychisch entschieden degenerirte Race, blos durch List und Schlauheit, durch Wucher und Schacher über den Erdkreis gebietet.
Jahr:
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Deutschland: Otto Glagau
Glagau (1834-1892) trat am Ende des 19. Jahrhunderts als Journalist der Berliner Nationalzeitung in Erscheinung. In seiner obigen Schrift bezichtigte er die Juden, mit unlauteren und hinterhältigen Methoden Finanzwesen und Kapitalismus insgesamt zu dominieren. Nicht unwesentlich mag Glagaus beträchtlicher finanzieller Verlust im sog. Gründerkrach von 1873 gewesen sein, für den er ebenfalls die Juden verantwortlich machte.
Quelle:
Otto Glagau (1876): Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin. Leipzig, XXIV.
Kontext:
Der Gründerkrach leitete eine wirtschaftliche Konsolidierung in Deutschland ein, ohne allerdings den Industrialisierungsprozess nachhaltig zu unterbrechen: Nach der Phase der überhitzten Konjunktur und einer Zeit des fortwährenden wirtschaftlichen Aufschwungs wurden die in den vorangegangenen Jahren überhöhten Wachstumsraten lediglich ausgeglichen. Fallende Aktienkurse bedeuteten meist eine Angleichung an den tatsächlichen Wert von Aktiengesellschaften. Bis 1879 verzeichnete das Nettoinlandsprodukt, dessen Steigerung 1872 noch bei acht Prozent lag, kein Wachstum oder gar eine rückläufige Entwicklung. Besonders stark waren Schwerindustrie, Maschinenbau und Baugewerbe von der Stagnation betroffen. Der Roheisenverbrauch sank zwischen 1874 und 1879 um über 50 Prozent, Massenentlassungen waren die Folge. Die Hauptleidtragenden der Krise waren das mittelständische Bürgertum mit Einnahmen aus Aktienvermögen und die Entlassenen. Der Berliner Journalist Otto Glagau (1834-1892) machten Juden für die anhaltende wirtschaftliche Krise verantwortlich und schürten mit populistischem Antisemitismus antijüdische Stimmungen.
Zum Weiterlesen:
OK
In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die N**** sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.
Richtig!
In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die N**** sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.
Jahr:
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Immanuel Kant (1724-1804) war der bekannteste deutsche Philosoph der Aufklärung. Er hat fast sein gesamtes Leben in Königsberg verbracht. Er war bei der Prägung der Rassentheorie für den deutschsprachigen Raum von zentraler Bedeutung.
Quelle:
Immanuel Kant (1764): Physische Geographie 2. T. 1. Abs. § 3 (IX 195). Königsberg: Göbbels und Unzer.
Kontext:
Obwohl allgemein mit der Aufklärung die universellen Menschenrechte verbunden werden, war sie auch die Zeit der aufkommenden Rassentheorien.
Wenn alle Menschen gleich und frei waren, dann brauchte es eine parallele Theorie, die belegten sollte, warum einige eben doch nicht ganz gleichwertig sein können (siehe oben Adorno und Horkheimer und ihre „Die Dialektik der Aufklärung“).
Immanuel Kant versuchte, eine „Rassenhierarchie“ zu konstruieren, die auf „Rationalität“, „Moral“, „Mündigkeit“, „Erziehbarkeit“ und „Faulheit“ als Merkmale des Andersseins aufbaute. Er platzierte den weißen Mann im Zentrum dieser Ideologie und machte ihn zur Norm, an der Fortschritt gemessen wurde. Die Abwertung von People of Color ging bei Kant so weit, dass er sich bei bestimmten Weltregionen fragte, warum sie überhaupt existierten.
Zum Weiterlesen:
*Peggy Piesche (2005): Der „Fortschritt“ der Aufklärung – Kants „Race“ und die Zentrierung des weißen Subjekts. In: Maureen Maisha Eggers et al. (Hrsg.): Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster: Unrast, S. 30-39.
*Bayrischer Rundfunk (17.09.2020): Philosophen der Aufklärung: Waren Hegel, Kant und Co. Rassisten?
OK
Die bürgerlichen Reformer, die ihre sozialen Reformen zur Bannung der Revolution durchführen wollten, jedoch ja nicht auf Kosten des heiligen Profits, der Herrschaftsstellung der Bourgeoisie, mussten eine andere wirtschaftliche Basis für die Reformen suchen. Sie fanden sie außerhalb ihres Heimatlandes, in der Ausbeutung der kolonialen und halbkolonialen Völker, deren skrupellose, unmenschliche Ausplünderung und Knechtschaft übernormale Profite einbrachte, aus denen die Kapitalisten die Brosamen von gewerkschaftlichen Zugeständnissen und sozialen Reformen zahlten.
Richtig!
Die bürgerlichen Reformer, die ihre sozialen Reformen zur Bannung der Revolution durchführen wollten, jedoch ja nicht auf Kosten des heiligen Profits, der Herrschaftsstellung der Bourgeoisie, mussten eine andere wirtschaftliche Basis für die Reformen suchen. Sie fanden sie außerhalb ihres Heimatlandes, in der Ausbeutung der kolonialen und halbkolonialen Völker, deren skrupellose, unmenschliche Ausplünderung und Knechtschaft übernormale Profite einbrachte, aus denen die Kapitalisten die Brosamen von gewerkschaftlichen Zugeständnissen und sozialen Reformen zahlten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Clara Zetkin (1857-1933) war eine deutsche Marxistin, Frauenrechtlerin und Parlamentarierin für die KPD bis 1933. Sie war eine begabte Rednerin und Erzfeindin von Paul von Hindenburg, dem damaligem Reichspräsidenten, den sie als Diener des Kapitals bezeichnete. Sie starb im Moskauer Exil.
Quelle:
Clara Zetkin (1924): Die Intellektuellenfrage. In: Protokoll. Fünfter Kongress der Kommunistischen Internationale, Bd. II, S. 946-982.
Kontext:
Durch die Arbeiter:innenbewegung wurde besonders im 19. Jahrhundert Druck auf die deutsche Reichsregierung aufgebaut. Reichskanzler Bismarck führte Reformen und Verbesserungen für die Arbeiter:innen ein, um diese zu bändigen. Für Zetkin als Marxistin gab einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und Emanzipation der Arbeiter:innen im Globalen Norden und der Ausbeutung von Arbeiter:innen im Globalen Süden. Nicht nur marxistische Historiker:innen wie Silvia Federici und Walter Rodney sind der Meinung, die industrielle Revolution in Europa wäre nicht möglich gewesen ohne Versklavung und das Plantagensystem im Globalen Süden, dessen verklavte Arbeitskräfte und der Exportorientierung (Federici 2014: 129). Rodney spricht davon, dass europäische Arbeiter:innen mit „Gewinnen aus Kolonialzeiten“ (Rodney 1972) bestochen wurden.
Zum Weiterlesen:
*Walter Rodney (1972): How Europe Underdeveloped Africa. London: Bogle-L’Ouverture Publications.
*Maria Mies (1986): Patriachy and Accumulation on a World Scale. Women in the International Division of Labour. London & New York: Zed Books.
*Silvia Federici (2014): Caliban and the Witch: Women, the Body and Primitive Accumulation. New York: Automedia (auch in deutscher Übersetzung)
*Anne McClintock (1995): Imperial Leather. Race, Gender and Sexuality in the Colonial Contest. New York: Routledge.
OK
Wir haben jeder Familie eine Arbeitsstelle gegeben, die ihre Häuser und ihr Land durch den Dock Complex verloren haben.
Richtig!
Wir haben jeder Familie eine Arbeitsstelle gegeben, die ihre Häuser und ihr Land durch den Dock Complex verloren haben.
Jahr:
Autor*inneninfo:
M.L. Meena (Geburtsdatum unbekannt) war Deputy Chairman des Haldia Dock Complex nahe Kolkatta, Indien.
Quelle:
Zitiert in Samata Biwas (2016): Haldia: Logistics and its Other(s). Workshop-paper Kolkata Research Group.
Kontext:
Viele Migrationen von Menschen finden auch innerhalb einer Nation statt. Als Indien sich 1947 von der britischen Kolonialherrschaft befreite, wurde die ehemalige Kolonie in die unabhängigen Staaten Indien und Pakistan geteilt. „Für mehr als zehn Millionen Menschen auf beiden Seiten der neuen Grenze war das gleichbedeutend mit Umsiedlung, Flucht und Vertreibung“ (Bundeszentrale für politische Bildung (2014): Die Teilung Britisch-Indiens 1947). Andere erzwungene Migrationen finden aufgrund von sogenannten Entwicklungsprojekten statt. Das Zitat stammt aus dem Raum Kolkatta in West-Bengalen, wo für den Bau des Dock- und Hafenkomplex viele Menschen enteignet wurden. Viele warten seit Jahrzehnten auf Entschädigungen.
Zum Weiterlesen:
*Samata Biswas (2017): Haldia, A Port City in India.
*Ranabir Samaddar (2017): Die Krise des Kapitalismus bedeutet nicht das Ende des Kapitalismus. In: glokal e.V. (Hrsg.): Connecting the dots. Lernen aus Geschichte(n) von Unterdrückung und Widerstand, S. 72.
*Kalim Siddiqui (2012): Development and Displacement in India: Reforming the
Economy towards Sustainability.
OK
Ich bin Lateinamerika, ein Volk ohne Beine, das trotzdem weitergeht. Du kannst nicht den Wind kaufen, Du kannst nicht die Sonne kaufen, Du kannst nicht den Regen kaufen,
Du kannst die Hitze nicht kaufen.
Du kannst nicht die Wolken kaufen,
Du kannst nicht die Farben kaufen,
Du kannst nicht meine Freude kaufen,
Du kannst mein Leid nicht kaufen.
Richtig!
Ich bin Lateinamerika, ein Volk ohne Beine, das trotzdem weitergeht. Du kannst nicht den Wind kaufen, Du kannst nicht die Sonne kaufen, Du kannst nicht den Regen kaufen,
Du kannst die Hitze nicht kaufen.
Du kannst nicht die Wolken kaufen,
Du kannst nicht die Farben kaufen,
Du kannst nicht meine Freude kaufen,
Du kannst mein Leid nicht kaufen.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Calle 13 ist ein puerto-ricanisches Rap-Duo, das mit dem Song „Atrévete-te-te!“ („Trau dich!“) bekannt wurde. Die Band besteht aus René Pérez Joglar und seinem Halbbruder Eduardo José Cabra Martínez. Ihre Songs sind oft politisch motiviert und kritisieren u.a. die Politik der USA gegenüber lateinamerikanischen Ländern.
Quelle:
Calle 13 (2010): Latinoamérica. In: Entren Los Que Quieran. Sony Music Latin.
Kontext:
Viele soziale und indigene Bewegungen Lateinamerikas wehren sich seit langem gegen die Privatisierung und den Verkauf von Gemeineigentum sowie Natur- und Bodenschätzen. So wurde beispielsweise in Bolivien die Wasserrechte an das US-Unternehmen Bechtel verkauft. Der Preis stieg um 300 Prozent und Menschen wurde sogar verboten, Regenwasser aufzufangen. Der Widerstand gegen die Privatisierung des Wassers war trotz großer Repression erfolgreich.
Zum Weiterlesen:
*Florian Opitz (2007): Der große Ausverkauf. Dokumentarfilm. 94 Min.
*Icíar Bollaín (2010): Und dann der Regen. Spielfilm. 104 Min;
*Democracy Now (05.10.2006): Bolivian Activist Oscar Olivera on Bechtel’s Privatization of Rainwater and why Evo Morales should Remember the Ongoing Struggle over Water.
OK
Während unsere Vorfahren (unfreiwillig) die ersten erfolgreichen Kultivierenden der Wildnis Amerikas waren, fühlen wir uns als Nachkommen berechtigt, an den Segnungen ihres üppigen Bodens teilzunehmen … Wir werden uns niemals freiwillig von der Sklavenbevölkerung dieses Landes trennen; sie sind unsere Brüder durch die Bindungen der Blutsverwandtschaft, des Leidens und des Unrechts.
Richtig!
Während unsere Vorfahren (unfreiwillig) die ersten erfolgreichen Kultivierenden der Wildnis Amerikas waren, fühlen wir uns als Nachkommen berechtigt, an den Segnungen ihres üppigen Bodens teilzunehmen … Wir werden uns niemals freiwillig von der Sklavenbevölkerung dieses Landes trennen; sie sind unsere Brüder durch die Bindungen der Blutsverwandtschaft, des Leidens und des Unrechts.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Versammlung freier Schwarzer Männer, die am 15.01.1817 in der Bethel Kirche in Philadelphia tagten.
Quelle:
Resolution of assembled free blacks “A Voice from Philadelphia. Philadelphia, January, 1817” in William Lloyd Garrison, Thoughts on African Colonization: Or an Impartial Exhibition of the Doctrines, Principles and Purposes of the American Colonization Society (Boston, 1831).
Kontext:
Die Begriffe Kultur bzw. Kultivierung werden auch für die Fruchtbarmachung von Boden verwendet. In diesem Fall wird der Begriff benutzt von einer Versammlung freier Schwarzer, die sich gegen eine Übersiedlung nach Westafrika aussprechen, da sie einen großen Beitrag zur Fruchtbarmachung amerikanischen Bodens beigetragen hätten. Freie Schwarze Menschen wurden von Sklav:innenbesitzer:innen als Bedrohung gesehen, da sie die immer noch Versklavten zum Aufstand inspirieren konnten und sollten so in das noch zu schaffende Liberia verschifft werden. Aber auch einige Abolitionist:innen (Gegner:innen der Versklavung) unterstützen die Übersiedlung nach Liberia, da sie darin eine Möglichkeit zur Emanzipation sahen (siehe History Today, 04.04.2020).
Zum Weiterlesen:
*History Today (Angela Thompsell, 04.04.2020): The Foundations of Liberia.
OK
Jeder, der Autorität bekommt, tyrannisiert andere; so wie viele Männer, Eltern, Herren, Magistrate, (…) sich aufschwingen zu Unterdrückern über solche, die unter ihnen sind, ohne zu wissen, dass ihre Frauen, Kinder, Diener, Subjekte ihre Mitgeschöpfe sind und das gleiche Privileg haben, teilzuhaben am Segen der Freiheit.
Richtig!
Jeder, der Autorität bekommt, tyrannisiert andere; so wie viele Männer, Eltern, Herren, Magistrate, (…) sich aufschwingen zu Unterdrückern über solche, die unter ihnen sind, ohne zu wissen, dass ihre Frauen, Kinder, Diener, Subjekte ihre Mitgeschöpfe sind und das gleiche Privileg haben, teilzuhaben am Segen der Freiheit.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Gerrard Winstanley (1609-1676) war protestantischer Reformer und politischer Aktivist in England.
Quelle:
Gerrad Winstanley (1649): The new law of righteousness, S. 158.
Kontext:
Winstanley war aktiv bei den sogenannten Diggers (Gräber:innen). Es waren zumeist Bäuer:innen ohne Land, die Land für die Allgemeinheit forderten, wo sie ihre Nahrung würden anbauen können. Er wollte eine Gesellschaft ohne Geld und Lohnarbeit. Winstanley macht in seinem Zitat deutlich, dass gewaltvolle Strukturen und Verhältnisse sich immer wieder reproduzieren. Von Gewalt und Unterdrückung betroffene Menschen merken dies meist am stärksten. Am häufigsten davon betroffen sind Menschen, die nicht den dominanten Kategorien von Race, Klasse, Gender, Sexualität usw. entsprechen, also Arme, Frauen, Homosexuelle, rassifizierte Menschen, Transgender, etc.
Zum Weiterlesen:
*Maria Mies (1986): Patriachy and Accumulation on a World Scale. Women in the International Division of Labour. London & New York: Zed Books.
OK
Die moderne Anschauung von Natur ist letztlich auch der Hintergrund, vor dem Frauenarbeit, Kolonialgebiete und bäuerliche Produktion als ökonomisch irrelevant angesehen werden (…).
Richtig!
Die moderne Anschauung von Natur ist letztlich auch der Hintergrund, vor dem Frauenarbeit, Kolonialgebiete und bäuerliche Produktion als ökonomisch irrelevant angesehen werden (…).
Jahr:
Autor*inneninfo:
Veronika Bennholdt-Thomsen (geb. 1944) ist österreichische Ethnologin und Soziologin.
Quelle:
Veronika Bennholdt-Thomsen (2010: 26)
Kontext:
Die Folgen der Zerstörung der Lebensgrundlagen weltweit durch das herrschende Industriesystem und den Lebensstil der reichen Länder und Klassen sind heute nicht mehr zu übersehen. Dennoch gilt dieser Lebensstil als das erstrebenswerte Ziel für alle Menschen auf der Welt. Aus ökofeministischer Perspektive liegt dieser Ausbeutung die Abwertung von Frauen, von Natur und von nicht-westlichen Gesellschaften zugrunde. Eine andere Sichtweise wäre, Menschen als Teil der Natur zu sehen und achtsam und respektvoll mit der Natur, Mitmenschen und anderen Gesellschaften umzugehen.
Zum Weiterlesen:
*Bennholdt-Thomsen & Veronika (2010): Geld oder Leben. Was uns wirklich reich macht. München: oekom.
*Maria Mies & Vandana Shiva (2016): Ökofeminismus. Die Befreiung der Frauen, der Natur und unterdrückter Völker, komplett überarbeitete und aktualisierte Neuauflage.
OK
Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Frag mich nichts, gib mir nur Streichholz und Öl. Das Bassin-Gefängnis, da ist das Geld.
Richtig!
Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Königin Mary, oh, wo wirst du abfackeln geh‘n? Frag mich nichts, gib mir nur Streichholz und Öl. Das Bassin-Gefängnis, da ist das Geld.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Lied über Mary Thomas (ca. 1848–1905), genannt Königin Mary (Queen Mary). Sie war eine von drei schwarzen Anführer*innen der Arbeiter*innenproteste auf den Jungferninseln, damals dänische Kolonie.
Quelle:
Zitat: Jeannette Allis Bastian (2003): Owning Memory: How a Caribbean Community Lost its Archives and Found its History. London: Libraries Unlimited, S. 12.
Bild: Wikimedia
Kontext:
Obwohl die Sklaverei 1848 abgeschafft wurde, waren die Arbeitsbedingungen nicht viel besser geworden. Queen Mary organisierte mit Queen Agnes und Queen Mathilda die sogenannte Fireburn-Proteste („brennendes Feuer“) 1878. Dies waren die größten Arbeiter*innenproteste in der dänischen Geschichte (The Workers Museum 2018: Fireburn) in Bezug auf die Beteiligung an den Protesten, die Zerstörung von Infrastruktur und vor allem, den Verlust von Leben, besonders auf der Seite der Rebell*innen (Gespräch von glokal mit Gunvor Simonsen, Universität Kopenhagen 2020). Durch Statuen auf den Inseln sowie in Dänemark, durch Lieder und durch Theateraufführungen werden die Erinnerungen an die drei „Königinnen“ aufrecht erhalten.
Zum Weiterlesen:
*Gunvor Simonsen (2017): Slave Stories: Law, Representation, and Gender in the Danish West Indies. Aarhus: Aarhus Universitetsforlag.
*Jeannette Allis Bastian (2003): Owning Memory: How a Caribbean Community Lost Its Archives and Found Its History. London: Libraries Unlimited.
OK
Im eigentlichen Afrika ist es die Sinnlichkeit, bei der der Mensch stehenbleibt […] Diese Völker sind aus sich nie herausgekommen, haben in der Geschichte keinen Fuß gefaßt. […] Dieses Afrika bleibt in seiner ruhigen, trieblosen, aus sich nicht treibenden Sinnlichkeit und ist noch nicht in die Geschichte eingetreten und hat keinen weiteren Zusammenhang mit der Geschichte, als daß die Einwohner zu Sklaven in ärmerer Zeit gebraucht wurden.
Richtig!
Im eigentlichen Afrika ist es die Sinnlichkeit, bei der der Mensch stehenbleibt […] Diese Völker sind aus sich nie herausgekommen, haben in der Geschichte keinen Fuß gefaßt. […] Dieses Afrika bleibt in seiner ruhigen, trieblosen, aus sich nicht treibenden Sinnlichkeit und ist noch nicht in die Geschichte eingetreten und hat keinen weiteren Zusammenhang mit der Geschichte, als daß die Einwohner zu Sklaven in ärmerer Zeit gebraucht wurden.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) war einer der wichtigsten deutschen Philosophen der Aufklärung.
Quelle:
Karl Bremer (1996): G.W.F. Hegel. Vorlesungen, Ausgewählte Nachschriften und Manuskripte (1822/1823). Bd. 12. Hamburg: Meiner, S. 98-100.
Kontext:
In der Aufklärung kam die Vorstellung auf, dass sich Gesellschaften durch Rationalität immer weiter entwickeln können. Für eine höhere Entwicklungsstufen wurde es für notwendig angesehen, die Natur – und Menschen, die als Naturvölker bezeichnet wurden – zu kontrollieren und zu unterwerfen. Laut G.F.W. Hegel hatten nur weiße Menschen die nötige „Rationalität“ für den Fortschritt, weswegen diese den Rest der Welt zu „humanisieren“ hätten. Afrika galt als der geschichtslose Kontinent, in dem die Menschen sich „nicht entwickelt“ hätten. Mit der philosophischen Konstruktion der Überlegenheit Europas rechtfertigte Europäer:innen koloniale Gewalt.
Zum Weiterlesen:
*Arnold Farr (2005): Wie Weißsein sichtbar wird. Aufklärungsrassismus und die Struktur eines rassifizierten Bewusstseins. In: Maureen Maisha Eggers et al. (Hrsg.): Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster: Unrast, S: 40-55.
*Eduardo Grüner (2008): „Haiti: a (forgotten) philosophical revolution.“
OK
Unter den wilden Fischer- und Jägervölkern ist jedes arbeitsfähige Individuum mehr oder weniger mit einer nützlichen Arbeit beschäftigt (…). Solche Völkerschaften sind indessen so jämmerlich arm, dass sie aus bloßem Mangel häufig gezwungen sind, (…) ihre Kinder, ihre Alten (…) umzubringen (…). Unter zivilisierten und blühenden Völkern hingegen ist, obwohl oft eine große Menge Menschen gar nicht arbeiten (…) der Ertrag der ganzen Arbeit der Gesellschaft so groß, daß alle versorgt sind.
Richtig!
Unter den wilden Fischer- und Jägervölkern ist jedes arbeitsfähige Individuum mehr oder weniger mit einer nützlichen Arbeit beschäftigt (…). Solche Völkerschaften sind indessen so jämmerlich arm, dass sie aus bloßem Mangel häufig gezwungen sind, (…) ihre Kinder, ihre Alten (…) umzubringen (…). Unter zivilisierten und blühenden Völkern hingegen ist, obwohl oft eine große Menge Menschen gar nicht arbeiten (…) der Ertrag der ganzen Arbeit der Gesellschaft so groß, daß alle versorgt sind.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Adam Smith (1723-1790) war ein schottischer Moralphilosoph und Aufklärer und gilt als Begründer der klassischen Nationalökonomie.
Quelle:
Adam Smith, Adam (1776): Der Reichtum der Nationen. Erster Band. 14.08.2017.
Kontext:
Die in dem Zitat ersichtliche Logik europäischen wirtschaftlichen Denkens wurde herangezogen, um die Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen auf anderen Kontinenten abzuwerten und als irrational abzutun. So wurde auch legitimiert, dass diese in den Kapitalismus eingebunden werden sollten, angeblich zu ihrem eigenen Nutzen. Nicht anerkannt wurde, dass nicht-kapitalistische Gesellschaften andere Werte als Ertrag und Profit wichtiger fanden, beispielsweise Gleichheit oder Solidarität (vgl. das südafrikanische Konzept des Ubuntu) und dass diese ökologisch deutlich nachhaltiger operierten.
Zum Weiterlesen:
*Veronika Bennholdt-Thomsen (2010): Geld oder Leben. Was uns wirklich reich macht. München: oekom.
**Abeba Birhane (2017): Descartes was wrong: ‘a person is a person through other persons’.
OK
Die Frau suche [beim Gottesdienst] Belehrung durch stilles Zuhören in aller Unterordnung; dagegen gestatte ich keiner Frau, Lehrvorträge zu halten oder sich die Gewalt über den Mann anzumaßen; nein, sie soll in stiller Zurückhaltung verbleiben. Denn Adam ist zuerst geschaffen worden, danach erst Eva.
Richtig!
Die Frau suche [beim Gottesdienst] Belehrung durch stilles Zuhören in aller Unterordnung; dagegen gestatte ich keiner Frau, Lehrvorträge zu halten oder sich die Gewalt über den Mann anzumaßen; nein, sie soll in stiller Zurückhaltung verbleiben. Denn Adam ist zuerst geschaffen worden, danach erst Eva.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Der Apostel Paulus oder Paulus von Tarsus (10 vuZ – 60 nuZ) in seinem Brief an Timotheus (1.11 – 14) aus dem Neuen Testament. Paulus war Missionar. Allerdings bestehen Zweifel darüber, ob Paulus tatsächlich deren Verfasser war, oder ob es sich um eine:n spätere:n Nachahmer:in handelt, der:die sich als Paulus ausgab. Das Neue Testament, das mit der Geburt von Jesus beginnt, ist der Teil der Bibel, mit dem sich das Christentum vom Judentum abgrenzt.
Quelle:
Roberta Magnani (2017): Powerful men have tried to silence abused women since Medieval times. In: The Independent, 02.11.2017. Das Zitat entstand zwischen 48 und 61 n.u.Z.
Kontext:
In der Verführbarkeit Evas wird eine grundlegende Tradition deutlich, die Frauen als Sündenböcke unterschiedlichen Übels zu sehen: Sie beißt in den Apfel und verdammt die Menschheit aus dem Paradies. Diese Tradition ist in allen drei monotheistischen Religionen (Judaismus, Christentum, Islam) und auch darüber hinaus in anderen Weltreligionen verbreitet (Stover & Hope 1984). Allerdings argumentieren einige, dass die drei Religionen anfangs Unterdrückte befreien wollten, aber mit ihrer Etablierung und Machtanhäufung diese befreienden Aspekte ausgemerzt wurden (Swidler 1974: 168). Im christlich-kolonialen Missionierungsauftrag spielte die Disziplinierung der Frauen eine wichtige Rolle. Denn gerade die Mission wollte die westliche Sicht von Zivilisation, Tugend und Moral sollte im Denken kolonisierter Länder etablieren.
Zum Weiterlesen:
*Roberta Magnani (2017): Powerful men have tried to silence abused women since Medieval times.
*Ronald G. Stover & Christine A. Hope (1984): Monotheism and Gender Status: A Cross-Societal Study. In: Social Forces
Vol. 63, No. 2, S. 335-348.
*Leonard Swidler (1974): Is Sexism a Sign of Decadence in Religion? In Judith Plaskov & Joan A. Romero: Women and Religion. Scholar Press.
OK
„In unserem Ringen um dringend benötigte Impfstoffe wurde Südafrika gezwungen, unvorstellbare Summen für überteuerte Impfstoffdosen auszugeben. Wir wurden zu unfairen und undemokratischen Bedingungen in Verträge gezwungen, die völlig einseitig waren“
Richtig!
„In unserem Ringen um dringend benötigte Impfstoffe wurde Südafrika gezwungen, unvorstellbare Summen für überteuerte Impfstoffdosen auszugeben. Wir wurden zu unfairen und undemokratischen Bedingungen in Verträge gezwungen, die völlig einseitig waren“
Jahr:
Autor*inneninfo:
Fatima Hassan ist südafrikanische Menschenrechtsanwältin und als Aktivistin für soziale Gerechtigkeit Gründerin der »Health Justice Initiative« in Südafrika.
Sie gewann 2022 den Calgary Peace Price unter anderem für ihre Arbeit in der Aufdeckung von Ungleichheiten in der globalen Verteilung von COVID-19 Impfstoffen.
Quelle:
Zitatquelle: hil/aerzteblatt.de (19.09.23): “ Hohe Impfstoffpreise in Südafrika: Pharmaunternehmen und Impfstoffallianz in der Kritik„
Kontext:
Die Corona-Pandemie hat die globalen Ungleichheiten im Bezug auf medizinische Versorgung nochmal deutlich gemacht. Viele Länder im Globalen Norden sicherten sich Impfdosen, die ihre Bevölkerungsanzahl weit überstiegen. Deutschland beispielsweise hatte im Februar 2023 116,4 Millionen Covid-19-Impfstoffdosen gelagert, bei 84 Millionen Einwohner:innen. Dieser Impfstoffnationalismus (die Tendenz wohlhabender Länder, Impfstoffe für sich selbst zu reservieren) führte zu Engpässen und höheren Preisen auf dem internationalen Markt. Dies erschwerte es ärmeren Ländern, Zugang zu erschwinglichen Impfstoffen zu bekommen. Im April 2020 wurde die COVAX-Initiative von mehreren surpanationalen Institutionen gegründet, um die weltweite Impfstoffverteilung zu koordinieren. Allerdings kritisierte der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte im April 2021, dass COVAX nicht das Problem der global unzureichenden Impfstoffproduktion lösen kann. Hierfür sei technische Unterstützung und insbesondere auch Zugeständnisse im Bereich geisten Eigentums (Patente) nötig. Die Afrika-Koordinatorin der People’s Vaccine Alliance Maaza Seyoum bemängelt das System und spricht von Hinweis auf „systemischer Rassismus“ für die mangelhafte Reaktion der globalen Gemeinschaft auf die COVID-19-Pandemie in ärmeren Ländern (The Guardian, 26.08.2022).
Zum Weiterlesen:
*Edna Bonhomme (27.04.2022): Diseases of Relevance. London Review of Books.
* Fatima Hassan (23.05.2022): Vaccine apartheid is racist and wrong (PLOS Blogs Speaking of Medicine and Health)
OK
Seid fruchtbar und mehret euch, füllet die Erde und machet sie euch Untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel.
Richtig!
Seid fruchtbar und mehret euch, füllet die Erde und machet sie euch Untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Das Zitat stammt aus der Schöpfungsgeschichte, der Genesis aus dem alten Testament der Bibel. Die Texte der Bibel entstanden seit etwa 1200 v. Chr. im Nahen Osten und Vorderen Orient und wurde bis 135 n.u.Z kanonisiert. Das Christentum übernahm alle Bücher des Tanachs, ordnete sie anders an und stellte sie als Altes Testament (AT) dem Neuen Testament (NT) voran.
Quelle:
Die Bibel, AT Genesis 1, 28. Die Jahreszahl ist das ungefähre Entstehungsdatum.
Kontext:
Breite und langfristig sichtbare Auswirkungen auf Ökosysteme ergaben sich in Mitteleuropa erst im Zuge der Industrialisierung und Urbanisierung ab dem späten 18. Jahrhundert. Koloniale Eroberungs- und ,Entdeckungsreisen‘ waren von einem herrschaftsgeprägten Naturverständnis bestimmt. Hierfür war einerseits dieser biblische Befehl handlungsleitend, andererseits auch ein naturwissenschaftlich-aufklärerisches Erkenntnisinteresse und ökonomische Vorteilssicherung. Auch der bekannte Aufklärer René Descartes spricht vom Menschen als „Herrscher und Besitzer der Natur“ (Descartes, 1637, Discours de la méthode, VI, 2). In der Kolonialgeschichte wurde die Herrschaft über Natur mit der Herrschaft über naturnah – in den Augen der Kolonisatoren ,primitiv‘ – lebende Menschen verknüpft (Müller 2017).
Zum Weiterlesen:
*Franziska Müller (2017): Von grüner Hölle und grünem Gold. (Post)Koloniale gesellschaftliche Naturverhältnisse. In glokal: Connecting the dots. Lernen aus Geschichte(n) von Unterdrückung und Widerstand. Berlin.
OK
Antisemitismus, das darf man nicht vergessen, ist vor allem in muslimisch geprägten Kulturkreisen besonders stark vertreten
Richtig!
Antisemitismus, das darf man nicht vergessen, ist vor allem in muslimisch geprägten Kulturkreisen besonders stark vertreten
Jahr:
Autor*inneninfo:
Deutschland: Philipp Amthor
Amthor (Jahrgang 1992) ist seit 2017 Abgeordneter des Deutschen Bundestages für die CDU. 2021 tauchte ein Foto mit Amthor und zwei bekennenden Neonazis auf einem Pferdefestival auf. Die Männer trugen auf dem Foto Solidaritätsshirts für die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Amthor gab später an, dass das Foto nicht entstanden sei, wenn er die Solidaritätsbekundung der beiden bemerkt hätte.
Quelle:
Kontext:
Das Narrativ des „importierten Antisemitismus“, z.B. durch Muslime, ist eine gängige Erzählung der Neuen Rechten. Die Aussage dient als ultimativer „Schlussstrich“. „Die Deutschen“ hätten ihren Antisemitismus überwunden und aufgearbeitet u.a. durch die fortschrittliche Erinnerungspolitik. Der nun grassierende Antisemitismus sei daher ein Phänomen von migrantischen / muslimischen Communities. Die jährlich erscheinende Statistik des Bundeskriminalamtes zu politisch motivierter Gewalt zeigt auch 2022 ein anderes Bild: 90 % der antisemitischen Straftaten gehen in Deutschland aus dem politisch rechten Spektrum hervor.
Zum Weiterlesen:
Ozan Zakariya Keskinkılıç (2019): Die Islamdebatte gehört zu Deutschland. Berlin. Aphorisma Verlag.
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Sie lehren ihren eigenen Leuten, ihren Herren nicht zu gehorchen, sie hassen den König, verspotten die Ältesten, verurteilen die Bojaren (Fürsten), betrachten die dem König ergebenen als niederträchtig und verbieten den Leibeigenen für ihre Herren zu arbeiten.
Richtig!
Sie lehren ihren eigenen Leuten, ihren Herren nicht zu gehorchen, sie hassen den König, verspotten die Ältesten, verurteilen die Bojaren (Fürsten), betrachten die dem König ergebenen als niederträchtig und verbieten den Leibeigenen für ihre Herren zu arbeiten.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Presbyter Kosma war ein bulgarischer Schriftsteller im späten 10. Jahrhundert. Sein bekanntestes Werk, aus dem das Zitat stammt, richtet sich gegen die Bogomilien, eine asketisch lebende Glaubensgemeinschaft, die im heutigen Bulgarien verbreitet war.
Quelle:
Silvia Federici (2014: 56)
Kontext:
In den radikalen religiösen Häretiker:innenbewegungen hatten Frauen eine zentrale Rolle (Federici 2014: 38). Sie wurden ab dem 11. Jahrhundert in Frankreich und Italien, aber auch in anderen Regionen meist von Frauen gegründet (ebd.: 39). Von der Kirche wurden sie vehement bekämpft, wie aus dem Zitat deutlich wird. In den Inquisitionen im Mittelalter und danach wurden Menschen, hauptsächlich Frauen, als Hexen bezeichnet, um so Gemeinschaften und widerständige Individuen zu brechen. Es wird geschätzt, dass während der drei Jahrhunderte, in denen die Hexenverfolgung am stärksten war, 200.000 Frauen angeklagt, verurteilt und/oder ermordet wurden (ebd.: 208). Allein in Südwestdeutschland wurden von 1560 bis 1670 3200 Frauen als Hexen verbrannt (ebd.: 208).
Zum Weiterlesen:
*Silvia Federici (2014): Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation. Wien: mandelbaum kritik & utopie.
OK
Drei Töchter, zwei Söhne. Bei wem hast du sie gelassen und bist gegangen. So ein schönes Heim hast Du in Feuer gesetzt und bist gegangen. Du hättest dort geheiratet. Ganze sieben Jahre sind vergangen und Du bist nicht nach Hause gekommen. Du schickst ein wenig Geld. Wem soll das Geld nur nützen? Deine Familie mit fünf Kindern suchen alle nur Dich.
Richtig!
Drei Töchter, zwei Söhne. Bei wem hast du sie gelassen und bist gegangen. So ein schönes Heim hast Du in Feuer gesetzt und bist gegangen. Du hättest dort geheiratet. Ganze sieben Jahre sind vergangen und Du bist nicht nach Hause gekommen. Du schickst ein wenig Geld. Wem soll das Geld nur nützen? Deine Familie mit fünf Kindern suchen alle nur Dich.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Verstext von einem Volkslieds der Schwarzmeerküste der Türkei. Der Text zählt zu den ersten populären Migrationsliedern, die die damals einsetzende Arbeitsmigration aus der Schwarzmeerregion nach Europa begleitete. 1977 bringen die Musiker Ruhi Su (1912-1985); Sümeyra Çakir (1946-1990) gemeinsam mit dem Chor „Dostlar Korosu“ (dt. Freundeschor) das Album „Kapıları“ (Fremde Länder)“ heraus. Sümeyra starb im politischen Exil in Frankfurt. Nachdem sie 1980 in Westberlin auf einem Konzert, das der (türkischsprachige) Westberliner Arbeiterchor, in dem politisch organisierte Arbeitsmigrant:innen musikalisch zusammenkamen, die kommunistische Internationale gesungen hatte, musste sie in Deutschland bleiben, um vor der staatlichen Repression nach dem Militärputsch 1980 in der Türkei Schutz zu suchen.
Quelle:
Zitiert nach Ceren Turkmen, Originalquelle Ruhi Su; Sümeyra Çakir (1977): „El Kapıları“, Imece Plaklari: Istanbul, Vinyl, LP. Musikalbum. Die Jahreszahl (1960) bezeichnet das ungefähre Entstehungsdatum.
Kontext:
Das Lied „Almanya, bittere Heimat“ wurde eine Hymne, die von diasporischen Arbeiter:innenchören auf politischen Großveranstaltungen als auch in der Alltagskultur zu einem Kultstatus empor gesungen wurde. Das Lied symbolisiert ein „nostalgisches Migrationsnarrativ“.
Dieses Narrativ, das auch in diasporischen kommunistisch-sozialistischen Arbeiterchören verbreitet war, bestand auch in einer Vermännlichung der Migrationsdynamik. Es gab zwar regionale Unterschiede, aber schon seit den 1950er Jahren gab es auch weibliche Arbeitsmigration nach Europa. Ebenfalls unterschlägt das Lied die weibliche Lohnarbeit in der Türkei (in der familiären Landwirtschaft, in der halb-ökonomisierten Agrarwirtschaft als auch in den Industrien).
Zum Weiterlesen:
*Ceren Türkmen (2017): Gastarbeitsgeschichte zwischen Migrationsregime, Staat und kommunaler Befreiung. Methoden zur Wissensproduktion, Material & Machtkritik. In glokal e.V. (Hrsg.): Connecting the Dots. Lernen aus Geschichte(n) zu Unterdrückung und Widerstand. Berlin, S. 46.
*Ceren Türkmen (2011): Diskontinuität und Kohärenz. Gastarbeitsmigration und die Organisierung der Arbeitsteilung in Deutschland. In: Jane Angerjärv & Hella Hertzfeldt (Hrsg.): Geschlecht – Migration – Integration. Manuskripte 94. Berlin: Dietz, S. 51-65.
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Danach stehen neben unstrittigen kolonialen Grausamkeiten, gesellschaftlichen Zerstörungen, wirtschaftlichen Strukturveränderungen und mentalen Traumatisierungen auch Veränderungen, ohne die jegliche Entwicklung ausgeschlossen wäre, etwa der Aufbau von Schul- und Gesundheitssystemen, Infrastrukturen und das Eindringen des „europäischen Geistes“.
Richtig!
Danach stehen neben unstrittigen kolonialen Grausamkeiten, gesellschaftlichen Zerstörungen, wirtschaftlichen Strukturveränderungen und mentalen Traumatisierungen auch Veränderungen, ohne die jegliche Entwicklung ausgeschlossen wäre, etwa der Aufbau von Schul- und Gesundheitssystemen, Infrastrukturen und das Eindringen des „europäischen Geistes“.
Jahr:
Autor*inneninfo:
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wurde 1952 als Bundeszentrale für Heimatdienst gegründet, um einen deutschen Beitrag zur Erziehung zur Demokratie zu leisten. Sie ist dem Bundesinnenministeriums zugehörig. Die bpb erstellt und verlegt Materialien, organisiert Veranstaltungen und fördert andere Träger der politischen Bildung.
Quelle:
Bundeszentrale für politische Bildung (2007): Afrika Verstehen Lernen. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 148.
Kontext:
Das Zitat beruht auf dem kolonial-rassistischen Argument, dass Afrikaner:innen ohne Europäer:innen weder Bildung, Gesundheitssysteme noch irgendeine Form der Infrastruktur hätten. Dahinter steht die Vorstellung, dass Afrika vor der Kolonisierung keine komplexen Gesellschaftsstrukturen hatte. Diese Logik rechtfertigt auch das „zivilisatorisch“-koloniale Eingreifen von außen. Indem die bpb Negatives vermeintlich Positivem gegenüberstellt, wird davon abgelenkt, dass koloniale Infrastruktur vor allem für die Ausbeutung von Ressourcen geschaffen wurde.
Zum Weiterlesen:
*Walter Rodney (1975): Afrika. Die Geschichte einer Unterentwicklung. Berlin: Klaus Wagenbach.
*Chimananda Ngozi Adichie (2011): Narratives of Europe. Stories that matter.
*David Harvey (2000): Cosmopolitanism and the Banality of Geographical Evils.
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