Quote:
„Kolonialpolitik zu treiben [sic!] kann unter Umständen eine Kulturtat sein; es kommt nur darauf an, wie die Kolonialpolitik betrieben wird (…) Kommen die Vertreter kultivierter und zivilisierter Völkerschaften, (…) als Befreier, als Freunde und Bildner, als Helfer in der Not, um ihnen die Errungenschaften der Kultur und Zivilisation zu überbringen, um sie zu Kulturmenschen zu erziehen, geschieht das in dieser edlen Absicht und in der richtigen Weise, dann sind wir Sozialdemokraten die ersten, die eine solche Kolonisation als große Kulturmission zu unterstützen bereit sind.“
Quelle:
Zitat: Reichtstagsprotokoll vom 01.12.1906
Bild: Wikimedia
Autor*inneninfo:
August Bebel (1840-1913) war ein deutscher, sozialistischer Politiker.Kontext:
Solange die Kolonisierung im Namen der Verbreitung einer vermeintlich besseren „Kultur“ geführt wurde, stimmten ihr auch Sozialdemokraten wie August Bebel zu, die kolonialen Bestrebungen ansonsten eher kritisch gegenüberstanden. Heute wird das Eingreifen in andere Gesellschaften gerne mit Umweltschutz und auch mit dem Eintreten für Gleichberechtigung gerechtfertigt. Dabei wiederholt der Globale Norden die gleiche bevormundende Haltung, die die damaligen Kolonisator:innen auch hatten: Wir denken, wir wüssten, wie die Dinge laufen sollen, ohne uns dabei zu fragen, ob die Menschen, denen wir begegnen vielleicht ihre Gründe haben, anders zu handeln als wir es für richtig halten (glokal 2013: 43).
Im Bezug auf Kultur sind viele Denkweisen auch heute noch verbreitet und lässt sich auch in Berichten von Freiwilligen finden: Kultur im Globalen Süden wird oft als statisch und nicht veränderbar gesehen (siehe glokal Zeitstrahl zu Kultur).
Beobachte dich selbst: Wann ziehst du „die Kultur“ deines Partnerlandes als Erklärung heran?
Zum Weiterlesen:
*Carolin Philipp (2006): Weißsein in den Grundlagendokumenten von Misereor und Brot für die Welt. Magisterarbeit. Politikwissenschaft. Universität Potsdam.
Jahr:
1906